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Inspirierendes Element

Das kann doch einfach kein Zufall sein. Wo wurde im Januar 1942 beschlossen, im Hinblick auf den bereits begonnenen Holocaust an Juden die Organisation und Zusammenarbeit der beteiligten Instanzen zu koordinieren? Richtig: Am Wannsee.

Und wo hat jetzt der CSU-Europapolitiker Manfred Weber gesagt, dass im Jahr 2018 „das zentrale europäische Thema die finale Lösung der Flüchtlingsfrage“ sei? Genau: An einem See. Am Seeoner See.

Der zwar in Oberbayern liegt und nicht in Berlin, aber an dessen Ufern im Kloster Seeon die CSU derzeit Standortbestimmung betreibt, liebe Gäste wie den ungarischen Präsidenten Orban empfängt. Wasser scheint einfach sehr inspirierend zu sein.

 

 

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Erfolgsrezept

Das Leben kann so einfach sein. Zumindest wenn man Ungar ist. Der Europäische Gerichtshof hat die Klagen von Ungarn und der Slowakei gegen die Quotenregelung für eine Aufnahme von Flüchtlingen der EU abgewiesen. Was im Umkehrschluss bedeuten würde, dass jetzt Ungarn und die Slowakei, so wie von der Mehrzahl der europäischen Regierungen beschlossen, Flüchtlinge nach dem festgelegten Schlüssel aufnehmen müssen. Ungarns Ministerpräsident Orban sagte nun sinngemäß, dass sein Land die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs durchaus zur Kenntnis nehme.

Aber auch nicht mal im Entferntesten daran denke, jetzt deswegen einen einzigen Flüchtling aufzunehmen. Sollte die EU nun ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Ungarn in die Wege leiten, wie es für solche Fälle vorgesehen ist, wird Herr Orban das Ergebnis wohl sicher auch wieder zur Kenntnis nehmen. Aber wohl nicht im Entferntesten daran denken, eventuelle Strafgelder zu zahlen. Weshalb ich mir vorgenommen habe, beim nächsten Steuerbescheid wohl am besten auf Herrn Orban zu verweisen und auf die Tatsache, dass ein Urahn väterlicherseits in Ungarn geboren ist.

 

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Ein Traum

Es gibt kein Entrinnen. Mehr als drei Tage, fast 80 Stunden habe ich jetzt keine Nachrichten mehr gehört oder gesehen. Ich habe weder auf Facebook noch in irgendeinem anderen, oft so unsozialen Medium nach neuen Bildern und Mitteilungen über Ereignisse gesucht. Und nachdem ich auch meine Emails nicht gecheckt habe, weiß ich noch nicht einmal, ob mich zwischenzeitlich nicht Google schon angeschrieben hat, weil ich genauso lange Zeit auch auf den Gebrauch dieser Suchmaschine verzichtet habe, die immer mehr und etwas anderes finden lässt, als man sucht.

Doch dann hatte ich diesen Traum. Nachdem ich, in den frühen Morgenstunden von einem Motorrad jäh geweckt, wieder eingeschlafen war. Es fing eigentlich auch ganz harmlos an, in diesem Traum. Ich ging darin an den Briefkasten und fand ein Schreiben der Hausverwaltung. Die mir mitteilte, dass das Haus an einen gewissen Herrn Orban verkauft werden würde, der eine Asylbewerberunterkunft daraus machen wolle. Weswegen ich ausziehen müsse. Ich könne aber jederzeit einen Freiflug nach Istanbul beantragen und mich dort bei einem Herrn Erdogan melden, der würde noch Scharfrichter in Festanstellung suchen.

An dieser Stelle des Briefes in meinem Traum angekommen, bin ich aufgewacht. Doch so richtig erschrocken bin ich erst durch den letzten Gedanken, von dem ich nicht so genau weiß, ob ich ihn noch im Traum gedacht habe oder schon im immerhin noch leicht dämmrigen ersten Erwachen. Ich dachte nämlich, was ich wohl als Scharfrichter verdienen würde, und ob ich in dieser Position das Anrecht auf eine Dienstwohnung hätte mit Blick auf den Bosporus.

Gruselige Köpfe

Die Aufregung ist vielleicht doch nicht so ganz verständlich. Wird aber fast täglich ausgiebig gepflegt. Ob nun gerade der türkische Präsident Erdogan beabsichtigt, die Todesstrafe einzuführen oder wieder mal die Redakteure einer unliebsamen Zeitung ins Gefängnis werfen lässt. Der philippinische Präsident Duterte Staatsoberhäupter, einen Papst oder auch das EU-Parlament übel beschimpft und zum Mord anstiftet. Ein US-amerikanischer Präsidentschaftskandidat verbal unter die Röcke von Frauen greift und Ethnien diskriminiert. Ungarns Nationalist Orban Flüchtlinge und Muslime diffamiert und Volksentscheide ebenso wenig akzeptiert wie Vereinbarungen auf EU-Ebene. Oder ein russischer, ranghoher Politiker, der hier namentlich nicht genannt werden soll, Kinder und anderen Zivilisten bombardieren lässt.

Ihnen allen ist doch gemeinsam, dass sich die Welt. oder zumindest große Teile davon, angewidert zeigt von ihnen und ihren Worten und Taten. Was aber ganz offensichtlich nur eine reine Äußerlichkeit ist. Weil dies nämlich keine allzu weitreichenden Konsequenzen hat. So wie einst auch bei einem Gaddafi oder Berlusconi zum Beispiel, die man sich ja auch nicht gerade als Schwiegersöhne gewünscht hätte. Es werden weiter gute Geschäfte gemacht mit ihnen. Niemand kommt auf die Idee, diese Staatsoberhäupter deutlich wissen zu lassen, dass man mit ihnen nichts zu tun haben will. Solange sie sich so aufführen, wie sie sich aufführen.

Aber da ist ja noch der Dialog. Man muss mit den Bösewichten doch reden. Das ist die einzige Möglichkeit, sie doch noch von ihrem Tun abzubringen. Wird zumindest behauptet. Was dann auch immer wieder zu großer Fröhlichkeit bei den betreffenden Staatsmännern führt. Um es im Jugend-Jargon zu sagen: Die schmeißen sich weg vor Lachen. Weil das so ähnlich ist, als würde man einem halloween-mäßig hergerichteten Kürbis gut zureden, dass er nur ja nicht kleine Kinder erschrecken soll.

Ist es nicht eher so, dass es für die entrüsteten Menschen einfach zum guten Ton gehört, sich zu entrüsten? Aber überhaupt kein Handlungsbedarf besteht? Was den Urheber dieser Zeilen natürlich mit einschließt. Sieht es nicht eher so aus, dass man das zwar alles ganz schlimm findet. Es aber viel schlimmer wäre, wenn man den Urlaub streichen müsste? Oder das Gehalt gekürzt werden würde? Ich für meinen Teil habe beschlossen, die Entrüstung runter zu fahren. Die freie Zeit verwende ich jetzt, um mich über die Nachbarn zu ärgern.

Ungarisches Modell

Ich verstehe die Aufregung nicht. Es ist doch nur logisch, dass Ungarns Orbán, ein Vollblut-Demokrat, jetzt mal Nägel mit Köpfen machen will. Und deshalb doch das Volk entscheiden soll, ob Ungarn zu einem gigantischen Flüchtlingslager wird. 1.300 Flüchtlinge soll laut der von der EU beschlossenen Quote Ungarn aufnehmen. Dabei ist das Boot in Ungarn eigentlich schon voll. Hat man doch bereits in den letzten Jahren mehr als 3.600  Heimatsuchende aufgenommen, mit ihren Familien, Frauen und Kindern. Dass diese jeweils 360.000  € dafür gezahlt haben, zeigt einmal mehr, wie fragwürdig die entgegen kommende Flüchtlingspolitik von Angela Merkel mit ihrer kostenlosen Willkommenskultur ist.

Legt man nur die jüngst korrigierten Zahlen zugrunde, so hätte die BRD mit dem Flüchtlingsstrom im vergangenen Jahr nach dem ungarischen Modell mehr als  2.880.000.000.000 € einnehmen können. Da wäre doch Schäubles schwarze Null so richtig nachtschwarz geworden. Anstatt dass man jetzt in Bayern jeden Monat für jeden unbegleiteten jugendlichen Flüchtling über 6.000 € hinblättert. Wie der Söder gerade gesagt hat. Darüber sollte man einmal nachdenken, bevor man Orbán jetzt wegen seines Referendums kritisiert.

Heiteres Berufe-Raten

Die geschätzt 11 Millionen illegalen Einwanderer will er ausweisen. Außerdem will er eine Mauer errichten, damit der Zustrom aus dem Nachbarland beendet werde. Denn die Einwanderer aus diesem Land seien die schlimmsten, sie brächten nur Kriminalität und Drogen und wären zumeist „Vergewaltiger“. Und natürlich solle das Nachbarland für die Kosten dieser Mauer aufkommen. Sonst würde man sich eben durch Visa-Gebühren das Geld wieder holen.

Kleiner Tipp: Das hat natürlich nicht Ungarns Premierminister Viktor Orbán gesagt, der versteht sich mit den Serben einigermaßen. Und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kann es auch nicht gewesen sein, denn die Mauer um die Palästinenser-Gebiete ist ja schon weitestgehend fertig. Noch keine Idee? Also noch ein Tipp. Er ist Milliardär, hat sein Vermögen mit Immobilien, Glücksspiel und mit Medien gemacht, und seine Frau ist 24 Jahre jünger.

Na, jetzt aber! Nein? Also gut, die Auflösung: Das Nachbarland ist Mexiko, und es ist der US-Präsidentschafts-Kandidat der Republikaner, Donald Trump, der als Präsident die Mauer errichten lassen und 11 Millionen illegale Einwanderer ausweisen will. Übrigens hat er derzeit laut Umfragen die besten Chancen, die innerparteiliche Kandidaten-Kür zu gewinnen, was es durchaus möglich machen würde, dass er der nächste Präsident der USA wird.

Dass Donald Trump für dieses kleine Quiz herhalten musste und außerdem US-Amerikaner ist, hat keine tiefere Bedeutung. Es hat sich zufällig so ergeben, dass er als Beweis dafür herhalten musste, dass weder Vermögen noch gesellschaftliche Position oder der ausgeübte oder angestrebte Beruf etwas über die soziale Kompetenz eines Menschen aussagen können.

Ich hätte natürlich auch Hitler nehmen können oder Stalin. Oder einen Orbán oder Netanjahu. Wenn es eine Nummer kleiner sein darf. Nicht zu vergessen die österreichische Innenministerin Johanna Mikl-Leitner, die in diesen Tagen so gerne vom „Asyl-Tourismus“ spricht. Doch von Bedeutung war nur, einmal mehr daran zu erinnern, dass das, was ein Mensch „erreicht“ hat, noch keine Aussage darüber zulässt, dass er auch fähig ist, menschlich zu sein. Manchmal drängt sich eher der Eindruck auf, dass es umgekehrt ist.