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Grundrechte

Was waren das noch für Zeiten, als gegen Flüchtlingsströme demonstriert wurde. Für bessere Arbeitsbedingungen. Oder von mir aus auch für noch größere Pommes-Portionen. Zumindest wusste man da noch, um was es geht. Und wer dahinter steht. Ausländerfeinde und Rassisten. Pflegekräfte oder Paketausfahrer. McDonalds. Aber jetzt? Das Feld bei den aktuellen Corona-Demos ist so unübersichtlich wie mein Kleiderschrank. Ich bin seit Monaten nicht dazugekommen, ihn aufzuräumen.

Doch jetzt haben wir Verschwörungstheoretiker, Impfgegner, ganz normale Rechtsradikale oder pseudo-linke Grundgesetz-Verteidiger vereint – und mindestens eine potentielle Zwangsneurotikerin mit Plakat und dem Slogan: „In Deutschland wird niemand verfolgt, Herr Spahn! Kein Jude, kein Virus! Keine Zwangsimpfung, keine Zwangsarbeit, keine Zwangssterilisation!“ Es dürfte wohl einen Grund haben, dass von Menschen, die wegen Zwang flüchten mussten, keine Rede ist. Ausgesprochen problematisch finde ich auch die Gleichsetzung von Juden und Viren. Ähnliche Vergleiche fanden sich auch schon in der NS-Propaganda. Wenn ich mich richtig erinnere. Ganz sicher weiß ich jedenfalls, dass das Anprangern von Personen damals auch sehr beliebt war.

Und vor allem treibt mich der Gedanke um, ob das, was bei diesen Demonstrationen praktiziert wird, nicht den Tatbestand der vorsätzlichen Körperverletzung erfüllt. Oder zumindest ein eklatanter Verstoß gegen das Seuchen-Gesetz ist. Denn unbestritten ist, dass das Recht auf Demonstration ein hohes Gut ist. Und bisweilen ja auch schon ganz einfach unter Berücksichtigung von den derzeit gebotenen Schutzmaßnahmen in Anspruch genommen wurde. Aber was sich da in Berlin, Stuttgart oder Dresden unter Aluminium-Hauben und zusammen mit grundsätzlich besorgten Bürgern versammelt, ist keine Gefahr für die Demokratie, sondern vor allem eine Gefahr für die Gesundheit anderer Menschen und eine große Herausforderung für psychiatrische Dienste. Schöne Grüße auch aus Ischgl.

Wohnkultur

Bei einem klassischen Filterkaffee ist das relativ einfach. Man füllt gemahlene Kaffeebohnen in den Papierfilter, der zuvor in den sogenannten Handfilter aus Porzellan oder auch Kunststoff eingesetzt wurde, der seinerseits auf einer Kaffeekanne ruht. Dann wird das Kaffeepulver solange mit heißem Wasser übergossen, bis die gewünschte Menge an Kaffee erreicht und durch den Papierfilter gelaufen ist. Und wahrscheinlich ist diese einfache Handhabung auch mit einer der Gründe, warum so viele Menschen diese Art der Kaffeezubereitung bevorzugen.

 

Wohingegen die meisten Menschen davor zurückschrecken, sich mit dem Kapitalismus zu beschäftigen. Sie sich lieber als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verkaufen als selber andere für sich arbeiten zu lassen und beispielsweise Waren zu verkaufen. Obwohl die Frage, wie denn der Kapitalismus eigentlich funktioniere, ebenso einfach zu beantworten ist. Es ist so einfach, dass sogar ich es am frühen Morgen anhand einer Werbe-Mail begriffen habe.

 

Verschickt wurde diese Mail von einem Unternehmen, das sich ansonsten dem Verkauf von Gegenständen für eine „anspruchsvolle Wohnkultur“ widmet. Darunter Bettwäsche aus Leinen-Baumwollmix, Homewear wie eine kuschelige Wellnessjacke oder auch Tischdecken, speziell zu Ostern mit Hasenmotiven. Aus aktuellem Anlass bietet dieses Haus der anspruchsvollen Wohnkultur nun auch ein „4er Set: Kochfeste Mund- und Nasenmaske aus reiner Baumwolle“ an. Und natürlich ist es zweilagige Bio-Baumwolle. Das Set zu 49,95 € zuzügl. Versandkosten. Das Pflegepersonal landauf, landab wird begeistert sein.

 

Lösungsvorschlag

Vielleicht erwartet man einfach zu viel. Politiker können ja auch nicht Tag und Nacht arbeiten. Das würde sofort ver.di, unter anderem die Gewerkschaft für geknechtete Staatsdiener, auf den Plan rufen. Oder haben Politiker überhaupt eine Gewerkschaft, die für sie zuständig ist? Ich muss zugeben, ich weiß es nicht. Aber ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass Politiker ja überhaupt keine Gewerkschaften brauchen.

Schließlich stimmen sie ja selber darüber ab, wenn sie mehr Geld wollen. Und wenn ich mir jetzt noch ein gutes Beispiel an der guten alten Tante SPD nehme, dann wäre das doch sicher ein ausgesprochen innovativer Ansatz, wenn man das für alle Berufssparten so handhaben würde: Man lässt zum Beispiel einfach das Pflegepersonal über die Zuwachsraten der Gehälter abstimmen.

Und ich bin mir ziemlich sicher, dass damit das Problem, von wegen zu wenig Pflegekräfte, sich relativ schnell in Luft auflösen würde. Respektive die von Jens Spahn versprochenen 15.000 Pflegekräfte sehr schnell nicht nur auf dem Papier existieren würden. Die Politik hat doch gezeigt, dass dieses System funktioniert. Oder kann sich jemand erinnern, dass mal über zu wenige Politiker geklagt worden wäre.    

Cum with me

Bei den sogenannten Cum-Ex- oder Cum-Cum-Geschäften, bei denen Finanzämter so schwindlig gespielt wurden, dass außer den Banken und Finanzjongleuren niemand mehr wusste, was da eigentlich passiert war, soll europaweit für den Fiskus und damit für SteuerzahlerInnen ein Schaden von 55 Milliarden Euro entstanden sein. Der einzige Nutzen für die Allgemeinheit könnte höchstens darin gelegen haben, dass Männer, die eigentlich zu ihrem Vergnügen Suchbegriffe bei Google eingegeben hatten, etwas über lukrative Finanzgeschäfte erfahren haben.

55 Milliarden sind eine erkleckliche Summe. Damit werden sich 275.000 Menschen eine Yacht mit einer Länge von 10 bis 14 Metern kaufen können. Vorausgesetzt sie waren an den Cum-Ex-Geschäften beteiligt. Es könnten mit dem Geld allerdings auch 190.972 Pflegekräfte eingestellt und 10 Jahre lang beschäftigt werden. Jens Spahn würde jubeln. Mit dem Coup könnte er Kanzler werden. Aber die Erfahrungen haben gezeigt, dass es höchst unwahrscheinlich ist, dass man jetzt gegen Banken und Finanzjongleure vorgehen und sich das Geld zurückholen wird. Dazu ist die Angst vor den Finanzmärkten zu groß. Vielleicht ist jetzt einfach ein guter Zeitpunkt, um Aktien von Unternehmen zu kaufen, die Yachten herstellen.

Jubelnde Patienten

Da hätten viele Patienten gejubelt. Und Teile des Pflegepersonals in Krankenhäusern auch. Letztere, weil sie entlastet werden. Erstere, weil sich jemand um sie kümmert. Mehr als 5.000 Pflegekräfte hätten in Deutschland eingestellt werden können. Das Geld, um sie mindestens ein Jahr lang gemäß Tarif zu bezahlen, ist jedenfalls da. Doch jetzt ist kaum noch Hoffnung, dass der G20-Gipfel in Hamburg abgesagt wird. Donald hat sich schon die Haare geföhnt. Und Erdogans Prügeltruppe hat sich auch schon in Schale geworfen. Angeblich ist sogar schon Angelas Hosenanzug gebügelt.  

Krankes Gesundheitswesen

Manchmal liest man sogar bei Facebook etwas Vernünftiges. Es war ein Kommentar. Sachlich, fachlich kompetent. Kommt aus der Branche, der Mann. Ich habe das recherchiert. Und so einleuchtend wie er hat mir das noch niemand vorgerechnet. Denn man fragt sich doch immer, warum in den meisten Krankenhäusern das Gefühl entsteht, dass man eigentlich am falschen Ort ist. Weil man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass es großen Teilen des Personals auch lieber wäre, wenn man seine Krankheit zu Hause auskurieren würde.

Dass es in der Mehrzahl der Fälle aber Menschen sind, die einen viel lieber bestens versorgen und durchaus auch liebevoll betreuen würden, fällt leider nicht ins Gewicht. Denn was zählt, das sind die Kosten. Und Personalkosten lassen sich einsparen. Man muss also nur einen Dienstplan aufstellen, mit dem der Dienst gerade noch aufrecht erhalten werden kann. Also zum Beispiel nur eine Fachkraft pro Schicht. Die dann für etwa 15 Patienten alleine die Verantwortung trägt. Im Nachtdienst bis zu 50 Patienten alleine versorgt.

Was vom Gesetzgeber offensichtlich nicht beanstandet wird. Weshalb Deutschland zwar Exportweltmeister ist. Aber Schlusslicht, wenn es darum geht, wie viele Pflegekräfte für wie viele Patienten zuständig sind. In Europa sind es übrigens durchschnittlich sechs Patienten, die sich eine Pflegefachkraft teilen müssen. Daran sollte man vielleicht das nächste Mal denken, wenn man wieder mal in einem Krankenhaus das Gefühl hat, dass sich niemand um einen kümmert. Ob es da beruhigt, dass mit dieser Personalpolitik in einem Krankenhaus schnell mal mehr als eine Million Euro eingespart werden kann, wage ich zu bezweifeln.

Keinen Zweifel habe ich daran, dass mit solchen Rechenbeispielen vor Augen der Begriff „Gesundheitswesen“ in einem anderen Licht erscheint. Weshalb sich eher die Frage stellt, wer sich hier gesund stößt. Während Patienten und Pflegekräfte auf der Strecke bleiben. Und am meisten würde mich interessieren, warum das offensichtlich sonst niemand wirklich zu interessieren scheint. Jeder Dieselskandal wirbelt da mehr Staub auf.