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Wo spielt Messi

Die Freunde des Fußballs sind europa- und weltweit alarmiert. Was passiert, fragen sie sich, wenn Katalonien nicht mehr zu Spanien gehört, ein eigener Staat ist. Spielt dann der FC Barcelona erst einmal mit seinem Messi gegen Mannschaften wie die von Arenys de Munt, einem Städtchen 40 Kilometer nördlich von Barcelona, um die katalanische Meisterschaft? Damit er dann endlich wieder an einem europäischen Wettbewerb teilnehmen kann? Und brauchen Urlauber, die dann nach Katalonien wollen, ein Visum, um in Barcelona die Ramblas rauf und runter flanieren zu können? Und bekommt man das in einer katalanischen Botschaft, falls es eine gibt?

Der Plan der Separatisten scheint also vielleicht noch nicht so ganz ausgereift zu sein. Nur eines steht schon ziemlich fest: Dass ein EU-Beitritt Kataloniens eher unwahrscheinlich ist. Denn dem müsste Spanien zustimmen. Und wie geht es mit der Wirtschaft dann eigentlich weiter? Die Hälfte der Ausfuhren ging bis jetzt nach Spanien. Der Rest größtenteils in die EU. Seltsam nur, dass auch Spanien so tut, als wollte es die Katalanen unbedingt los werden. Mit ihren martialischen Reaktionen bringen sie auch noch den letzten Katalanen dazu, sich den Separatisten anzuschließen. Meine Vermutung: Dahinter steckt Real Madrid.

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Geht doch

Zum Beispiel hierzulande steht man ja Rumänen eher etwas zurückhaltend gegenüber. Wenn sie nicht gerade als billige Pflegekraft oder im Gebäudereinigungssektor arbeiten. Und selbst dann werden mitunter Vorbehalte geäußert. Doch was in den jüngsten Tagen aus Rumänien zu sehen und zu hören war, sollte zu denken geben. Vielleicht sollte dies Grund genug sein, um die Schublade mit den diesbezüglichen Vorurteilen wenigstens mal ein bisschen aufräumen.

Denn betrachtet man die Verhältnisse anderswo, also zum Beispiel in der Vorzeigedemokratie USA, aber auch in Israel, in der Türkei oder in Venezuela, dann ist es ja eigentlich eher ein Kavaliersdelikt, wogegen jetzt Hunderttausende in Rumänien protestierten und auf die Straße gingen. Wollte doch die Regierung lediglich mit einer marginalen Gesetzesänderung Politiker aus der Schusslinie nehmen, die bescheiden genug gewesen waren, sich mit weniger als 45.000 Euro korrumpieren zu lassen. Schaut man sich nämlich an, was zum Beispiel Manager oder Banker einstecken, nachdem sie Milliarden zum Fenster hinaus geworfen haben, so sind Bestechungsgelder unter 45.000 Euro ja nun wirklich die berühmten Peanuts.

Hat aber die Rumänen nicht gehindert, so lange auf die Straße zu gehen, bis die Regierung diese Idee zu den Akten gelegt hat. Und was mir besonders imponiert hat: Die Leute haben sich dann nicht zu Hause in der warmen Stube vor den Fernseher gesetzt. Sie standen abends wieder auf der Straße. Um ihrer Regierung zu signalisieren: Wir haben ein Auge auf euch. Da sollten wir uns vielleicht eine Scheibe abschneiden. Oder besser gleich zwei Scheiben.