Schlagwort-Archive: Psyche

Menschenverstand

Warum fällt das immer nur anderen Menschen ein? Hat doch jetzt eine Wochenzeitung zum Thema Sondierungsgespräche „Denkt groß, bitte“ getitelt und in der Unterzeile geschrieben: „Die Koalitionsverhandlungen stocken: Dabei reichte für eine Einigung schon der gesunde Menschenverstand.“ Das klingt so plausibel, dass es fast schon nach Fake und Lügenpresse aussieht. Ist das nicht eines dieser Saurier, dieser gesunde Menschenvorstand, die schon in grauer Vorzeit ausgestorben sind? Gibt es überhaupt einen Beweis, dass er je existiert hat?

Und wenn es ihn wirklich gibt, warum hat dann niemand etwas gegen diese Pandemie getan, die dazu geführt hat, dass es allem Anschein nach nur Menschen mit kranken Verstand gibt? Die angestrengt ihre physische Gesundheit und ihr Leben ebenso aufs Spiel setzen wie das ihrer Nachkommen. Und das auch noch als Selbstfindung, Freiheit oder „Leben genießen“ deklarieren. Oder in anderen Gesellschaften sich vorrangig mit der Eliminierung Andersdenkender oder anders Lebender beschäftigen.

Weshalb sie dann selber ihres Lebens nicht mehr sicher sind, aber zumindest der verbalen Aufmerksamkeit von Führern mit ebenso krankem Menschenverstand sicher sein können.  Mein Eindruck ist, dass gesunder Menschenverstand, wenn er dann jemals vorkommt, eine ähnliche Halbwertszeit hat wie das Glück. Wir sprechen also von Sekunden oder Minuten. Und dazu dauern die Sondierungsgespräche in Berlin einfach zu lange. Wahrscheinlich wird es also nicht der gesunde Menschenverstand richten. Sondern  die Angst vor Neuwahlen.

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Trash Isles

Wer glaubt, dass düstere Aussichten ausreichend wären, um Menschen davon abzuhalten, in ihr Unglück zu rennen, hat die menschliche Psyche nicht verstanden. Der Beweis dafür: Nie wurde so viel CO² in die Luft geblasen wie im vergangenen Jahr. Und die Prognose, dass es für dieses Jahr noch düsterer aussieht, ist nicht allzu gewagt. Dabei ist es so einfach. Viele Menschen wollen jetzt einfach noch mal die Gunst der Stunde nutzen. Schließlich weiß man ja nicht, wie lange es überhaupt noch möglich ist, diese riesigen Mengen von CO² zu produzieren.

Denn wenn erst einmal die Meeresspiegel noch mehr angestiegen, weite Landstriche überflutet sind, kann das schwierig werden. Weshalb man jetzt eine Petition auf change.org unterschreiben kann. Der Gedanke dahinter: Es schwimmt Plastik in den Ozeanen, ausreichend, um eine Insel in der Größe von Frankreich zu schaffen. Das Ziel: Von der UN als Land anerkannt zu werden. Um somit unter die UN-Umwelt-Charta zu fallen. Die Idee hatten die Website LADbible und die Plastic Oceans Foundation. Und Al Gore war der erste Bürger der Trash Isles. Es sind noch Plätze frei.

 

 

   

Sonnenseelen

Es ist ein Dilemma. Meine preußische Herkunft ist ebenso wenig zu leugnen wie die Tatsache, dass ich diese sympathische bayerische Art zu leben und leben zu lassen, wenn es denn keine Migranten oder andere Ausländer sind, ebenso verinnerlicht habe. Kurzum, es ringen zwei Seelen in meiner Brust, wenn nun endlich der Dauerregen von strahlendem Sonnenschein abgelöst wurde. Soll ich drin am Computer sitzen und mir schwitzend Gedanken über das Weltgeschehen oder meinen ganz persönlichen Mikrokosmos abringen? Oder lieber die Gelegenheit nutzen und mir schon einmal den Hauch von Bräune holen, der es mir erlaubt am Strand im anstehenden Urlaub auf Kuba oder auf Mallorca, das ist noch nicht ganz klar, mich nicht gleich als Bleichgesicht aus Deutschland zu outen?

Es darf drei Mal geraten werden, wofür ich mich entschieden habe. Verbunden mit der Erkenntnis, dass es mitunter noch nicht einmal einer Fußball-EM bedarf, um das eine oder andere Elend in der Welt zu vergessen. Es gibt Tage, da reicht ein Sonnenstrahl, um zwar nicht alles aber doch vieles auszublenden. Und das ist auch gut so. Mag man es Seele nennen oder Psyche, was für nicht wenige sogar das Gleiche ist, beide bedürfen der Ruhepausen. Sonst dreht der Mensch durch und bringt Orlando in die Schlagzeilen oder einen französischen Polizisten und seine Frau. Also lasst uns heute der Sonne huldigen, damit wir morgen nicht handeln wie gerade den tiefsten seelischen Abgründen entstiegen.

Montagsgedanken

Falls es noch irgendjemand geben sollte, der das noch etwas anders sieht, hier mein offizielles Statement: Der Satz, der für diesen respektive dieses Blog als Namen, Kennzeichen oder auch Überschrift fungiert, entbehrt natürlich jeglichen Anspruches auf Wahrheitsgehalt. „PET erklärt die Welt“ ist nichts als eine ironische Überspitzung, das Synonym für die Tatsache, dass sich diese Welt nicht erklären lässt. Das leitet sich bereits aus dem Wort „PET“ ab, das, man möge es mir verzeihen, zum einen auf den englischen Begriff für „Haustier“ oder „gehätscheltes Tier“ Bezug nimmt. Dass es auch für „Petting“, „fummeln“ oder „knutschen“ steht, ist für diesen Zusammenhang ebenso wenig relevant wie seine Bedeutung für „schlechte Laune haben“.

Die Schreibweise in Großbuchstaben soll im Übrigen Hinweis sein auf die Tatsache, dass dieser respektive dieses Blog ebenso recycelbar ist wie PET-Flaschen, auch wenn im vorliegenden Falle aus verständlichen Gründen kein Pfand dafür ausgezahlt wird. Kurzum, da sich weder Haustier noch Kunststoffflaschen sonderlich dazu eignen, die Welt zu erklären, ist wohl alles darüber gesagt, wie ernst dieser Satz zu nehmen ist. Wohingegen es bitterer Ernst ist, dass dieser respektive dieses Blog versucht, ausgewogen und möglichst neutral auf manches hinzuweisen, was in dieser Welt der einen oder anderen Überlegung wert ist, vielleicht gedanklich etwas seziert oder neu respektive anders gedacht werden sollte.

Und was ich an Gedanken diesbezüglich niederschreibe, das basiert in erster Linie auf dem Wissen, dass sich der erklärte Erklärungsnotstand aus der menschlichen Psyche herleitet. Dass all das, was nicht oder nur sehr schwer oder kaum zu verstehen ist, menschlichen Verhaltensweisen anzulasten ist. Von denen man natürlich und auf Grund von jahrtausendjährigen Erfahrungen weiß, dass sie nicht oder nur sehr schwer oder kaum zu ändern sind. Doch weil ich darüber nicht in Verzweiflung versinken möchte, schreibe ich diesen respektive dieses Blog. Mit jedem Wort möchte ich der Hoffnung Ausdruck geben, dass es vielleicht doch möglich sein könnte, dass sich vielleicht doch etwas ändern könnte. Man muss nicht daran glauben, um diese Hoffnung zu haben. Aber man muss die Hoffnung haben, um ein Leben erträglich zu gestalten. Wahrscheinlich hat PET doch ein bisschen mit „Petting“ zu tun.

Überlebensstrategien der Psyche

Es sollte das Thema für den nächsten Tag werden. Die Radiosendung war plötzlich unterbrochen worden. Ein sehr, sehr seltener Vorgang. Mit der Meldung, dass es Bombenalarm für das Pariser Hotel gegeben hätte, in dem die deutsche Fußballnationalmannschaft vor dem Freundschaftsspiel gegen Frankreich logierte. Dass das Hotel evakuiert werden würde. Dann wenig später die Entwarnung, es sei kein Sprengstoff im Hotel gefunden worden. Typisch, so meine Reaktion. Wenn in Beirut ein Selbstmordattentäter 40 Menschen ermordet, es mehr als 200 Verletzte gibt, dann wird bei uns keine Sendung unterbrochen. Aber wenn es Bombenalarm gibt im Hotel der deutschen Fußballnationalmannschaft. Dazu muss einmal etwas gesagt werden. Denke ich mir, und ich mache mir eine erste Notiz.

Am Abend ist das Spiel der beiden Mannschaften noch nicht so wirklich spannend, als etwa 20 Minuten nach dem Anpfiff ein Knall zu hören ist. Fünf Minuten später ein zweiter. Vielleicht haben irgendwelche Chaoten Kracher gezündet. Kommt ja bei Fußballspielen vor. So richtig zündend wird das Spiel der deutschen Nationalmannschaft deswegen auch nicht. Es sieht nach Fußball-Langeweile aus. Dann der erste Hinweis des Moderators, dass es wahrscheinlich doch keine Böller waren. Das Wort Explosion fällt. Ich schalte auf einen französischen Kanal. Und von Minute zu Minute wird mir immer klarer, warum eine Radiosendung nicht unterbrochen wird, wenn in Beirut ein Selbstmordattentäter 40 Menschen ermordet.

Es ist keine gewollte Diskriminierung. Es ist die Nähe. Je näher uns etwas ist, desto größer das Interesse. Desto mehr sind wir beteiligt. Betroffen. Denn wir sind sowieso schon überfordert. Es gibt kaum mehr ein Unglück auf dieser Welt, von dem wir nicht erfahren. Kein Elend, von dem wir kein Bild vor Augen haben. Kaum ein Verbrechen, über das nicht berichtet wird. Es gehört offensichtlich zur Überlebensstrategie der Psyche, Geschehen zu gewichten, auszublenden, zu den Akten zu legen. Einen Radius anzulegen. Bis die Psyche dann auf einmal doch mit ihrem Latein am Ende ist. Uns ein Ereignis so nahe kommt, dass es nicht mehr abperlen kann, es sich in den Poren festsetzt, im Kopf einnistet, die Bilder einfach nicht verblassen wollen.

Und uns offensichtlich so sehr paralysiert, dass wir das Wichtigste in diesen Momenten vergessen. Denn es ist wichtig, dass wir Empathie zeigen können. Dass wir uns solidarisch zeigen, Trauer empfinden, Wut vielleicht. Doch wäre es nicht viel wichtiger, endlich einmal Konsequenzen zu ziehen? Etwas grundlegend zu verändern, wenn die erste Starre gewichen ist? Anstatt nach einiger Zeit wieder zum Alltag zurück zu kehren. Und mehr oder minder auf das nächste Unglück zu warten. Wäre es nicht wichtig, uns einfach zu überlegen, ob wir alles tun wollen, um vor allem nur unseren Wohlstand zu bewahren? Oder das Mögliche, um Menschenleben zu retten? Und vielleicht nicht nur die in unserer Nähe. Ich habe keine Antwort auf die Frage, ob Menschen dazu in der Lage sind.

Spendenaufruf

Woran erkennt man, dass es rapide auf Weihnachten zugeht? Klar doch. Spätestens im Supermarkt, werden jetzt wahrscheinlich die meisten Menschen sagen, wenn die ersten Spekulatius in den Regalen liegen. Ist aber nur bedingt richtig. Denn mittlerweile gibt es Spekulatius mitunter schon ganzjährig. Und selbst im September kann man nicht unbedingt behaupten, dass es rapide auf Weihnachten zugeht. Sind ja schließlich noch mehr als 12 Wochen. Oder ein Vierteljahr. Je nachdem. Und da kann noch viel passieren. Zum Beispiel kann der Islam Staatsreligion werden, und Weihnachten wird abgeschafft. Wie das zum Beispiel viele Menschen in Dresden befürchten. Wenn sie nicht gerade in der Bundesregierung nach einem Nachfolger für die Nazi-Größe Goebbels suchen.

Nein, richtig weihnachtlich wird es erst, wenn die Spendenaufrufe starten. Wenn die Briefkästen überquellen, weil es so viel Not in der Welt gibt. Im Radio die Sternstunden im halbstündigen Takt verkündet werden. TV-Sender, die eher mit geistig bedürftigen Menschen ihr Geld verdienen, mit einem Marathon Millionenbeträge herbeireden. Dann weiß man ganz gewiss, dass wieder einmal Weihnachten vor der Tür steht. Und es könnte ja jetzt jemanden geben, der sich fragt, warum das gerade vor Weihnachten so ist. Weshalb ich prophylaktisch lange über diese Frage nachgedacht habe. Aber trotzdem zu einem schlüssigen Ergebnis gekommen bin.

Es gibt keine Jahreszeit, zu der wir Menschen in dieser Hemisphäre hemmungsloser konsumieren. Denn selbst was eigentlich als Geschenk für andere dient, ist im Grund oft nur etwas, was wir schon lange einmal kaufen wollten. Schließlich haben wir kaum noch wirkliche Bedürfnisse. Aber einen immensen Kaufdrang. Es geht nicht so sehr um den Besitz. Der Kauf sorgt fürs Adrenalin. Und fürs schlechte Gewissen. Schließlich sehen wir alle die Bilder aus dem Gaza, aus Syrien, Somalia, und, und, und.

Und da kommen die Spendenaufrufe ins Spiel. Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese ganzen Aktionen in Wirklichkeit von den Krankenkassen initiiert und koordiniert werden. Als Flächen deckendes Vorbeugungsprogramm gegen Stresssymptome und Depressionen bei der Bevölkerung. Wer spendet, macht sich kein schlechtes Gewissen, wenn er hemmungslos shoppen geht. Die vorweihnachtlichen Spendenaktionen sind nichts anderes als eine Präventivmaßnahme. Damit nicht auch noch die Kosten für die Behandlung psychischer Erkrankungen explodieren. Und das ist die frohe Botschaft. Wirtschaftliche Erwägungen können durchaus auch positive Nebeneffekte haben.