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Reis gegen Hunger

Man kann es kaum glauben. Aber es werden große Fortschritte gemacht im Kampf gegen den Hunger. Zum Beispiel in Äthiopien. Das Land im Norden Afrikas hat es ja immer mal wieder wegen Hungersnöten in die Schlagzeilen geschafft. Damit kann Schluss sein. Dank eines saudischen Investors. Der riesige Flächen eines Nationalparks von der äthiopischen Regierung kaufte, um Reisfelder aus ihnen zu machen. Dass deshalb ein paar Bauern und ihre Familien ihre angestammte Heimat und Existenzgrundlage verloren haben, dafür muss man Verständnis haben, schließlich war es für einen guten Zweck. Es ging es ja um das große Ganze.

Das so groß ist, dass sogar ein schwedischer Regisseur einen Film darüber gemacht hat. Mit dem schönen Titel „Das grüne Gold“. Der sich aber einem erst so richtig erschließt, wenn man weiß, dass damit nicht der Reis gemeint ist. Sondern wie durch Investoren aus Industrienationen auf dem ganzen Kontinent Ackerland zu Gold wird. Denn in Äthiopien ist das zum Beispiel nicht irgendein Reis, der dort auf den riesigen Anbauflächen, wo übrigens jetzt die Bauern arbeiten dürfen, denen das Land vorher gehörte, angebaut wird. Es ist Basmati Reis und von so guter Qualität, dass er exportiert werden kann.

Und damit kommen wir zum Auslöser, warum der schwedische Regisseur überhaupt seinen Film gedreht hat. Er hatte nämlich zufällig auf dem Flughafen in Addis Abeba nachts beobachtet wie eine Transportmaschine nach Europa mit Säcken beladen wurde. Und ein paar Meter weiter wurde eine andere Maschine entladen. Die Fracht in beiden Fällen: Nahrungsmittel. Einmal für den Export bestimmt. Einmal um Äthiopier vor dem Hungertod zu bewahren. Ein unleugbares Indiz also, dass die globalen Warenströme funktionieren. Doch damit nicht genug. Gleichzeitig wird so natürlich auch für Nachschub für Menschenschmuggler gesorgt, was seinerseits Arbeitsplätze in Libyen bei der Küstenwache schafft. Effizienter kann Entwicklungshilfe nicht sein.Immer wieder erscheint Äthiopien wegen Hungersnöten in den Schlagzeilen; auch aktuell ist fast ein Drittel der äthiopischen Bevölkerung unterernährt. Dabei müsste niemand hungern: Die natürlichen Voraussetzungen, um ausreichend Nahrung für alle anzubauen, sind in Äthiopien vorhanden. Es gibt viele Ackerflächen, die sich für eine leistungsfähige Produktion eignen. Doch krankheitsanfälliges Saatgut, das Bearbeiten der Flächen mit einfachsten Geräten und die Getreideernte per Hand sorgen dafür, dass die Bäuerinnen und Bauern am Ende nur einen Bruchteil der eigentlich möglichen Ernte einfahren können. Beim Anbau von Weizen und Ackerbohnen soll sich das nun ändern.

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Außendämmung

Der Staat fördert die Außendämmung von Häusern. Ist gut für das Klima, sagt er, es wird so weniger Energie verbraucht. Doch dann steht in London ein Hochhaus in Flammen. Eine Tragödie. Und obwohl bis dato noch nicht klar ist, dass die Außendämmung dieses Gebäudes daran schuld war, ist ein Innenminister aus dem Süden Deutschlands sofort vor die Mikrofone von Reportern geeilt. Um nämlich den Menschen im Lande mitzuteilen, dass jetzt, nachdem hunderttausende von Häusern an den Außenwänden gedämmt wurden, eigentlich und unbedingt untersucht werden müsste, ob das eine Brandgefahr darstellt. Er wolle, sagt er, die energetische Gebäudesanierung auf den Prüfstand stellen. Ob für einen eventuellen Rückbau der gedämmten Häuser wieder Förderungsprogramme des Staates aufgelegt werden, sagte er noch nicht.  

Unklar ist auch noch, ob er gedenkt, untersuchen zu lassen, welche Gefahren von einem Sack Reis ausgehen. Da soll nämlich dieser Tage einer in China umgefallen sein. Gesichert ist lediglich die Erkenntnis, dass manche Politiker jede Gelegenheit wahrnehmen, um vor den Kameras zu erscheinen. Weshalb die Vermutung nahe liegt, dass sie das für ihr Ego brauchen. Aber vielleicht ist ihnen ja auch nur langweilig. Wird also Zeit, dass dieser Innenminister aus dem Süden der Republik einen Posten in Berlin bekommt. Vorgeschlagen wurde er ja schon von seinem Chef. Was außerdem bei manchen zu Überlegungen führen könnte, ob eine Kanzlerin Merkel wirklich die einzige Lösung im September ist.

Kölner Nächte

Das Problem scheint mir manchmal zu sein, dass viele Menschen einfach zu viel freie Zeit haben. Und sich deshalb permanent mit Angelegenheiten beschäftigen, die hinsichtlich der Relevanz im Normalfall noch nicht einmal annähernd das Prädikat „umfallender Sack Reis in China“ bekommen würden. Stichwort „Köln“. Keine Übergriffe über das leider ganz „Normale“ einer Silvesternacht hinaus. War das eigentliche Fazit. Weil das, was sich zu einer Gefahr und insbesondere für Frauen hätte auswachsen können, bereits im Vorfeld abgeblockt wurde. Weshalb das Fazit hätte lauten können: Prima!

Stattdessen Entrüstung allenthalben. Auf der einen Seite, weil es überhaupt kein Material gab, das man im Bestreben, Ausländerfeindlichkeit weiterhin kräftig zu schüren, hätte verwenden können. Auf der anderen Seite, weil in „herabwürdigender“ Weise (Grünen-Chefin Peter) Männer auf Grund ihrer Hautfarbe kontrolliert worden waren. Weil gegen einen Teil ein Platzverweis (190) ausgesprochen, ein weiterer Teil (92) sogar kurzzeitig in Gewahrsam genommen wurde. Und das auch noch unter Verwendung des Kürzels „Nafris“ durch die Polizeikräfte für Nordafrikaner.

Wenn ich also diese Kritik richtig verstehe, dann hätte die Polizei also erst einmal abwarten sollen. Um dann erst gegen „Nordafrikaner“ vorzugehen, wenn Frauen sexuell belästigt oder vergewaltigt wurden. Was dann wiederum auch die AfD gefreut hätte. So etwas bringt immer Wählerstimmen. Und somit wären alle glücklich gewesen. Vielleicht einmal abgesehen von den Frauen, die sexuell belästigt oder vergewaltigt wurden. Dass sich so ein Kleingeist wie ich vor dem Hintergrund der Ereignisse in Köln in der Silvesternacht des vergangenen Jahres die Frage stellt, warum jetzt wieder große Gruppen von Nordafrikanern zum Kölner Hauptbahnhof angereist sind, ohne sich deshalb als Rassist oder AfD-Mitglied zu fühlen, ist da bedeutungslos.