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Freitagabend

Traute Runde. Ein Freitagabend. Man kann der Woche Last hinter sich lassen. Auch wenn niemand mehr von ihnen einer Arbeit nachgeht. Aber alt sein ist auch nicht gerade einfach. Sie haben viele Reisen unternommen. Wenn es die Arthrose zulässt, reisen sie noch immer. Weil doch das Fliegen auch für Rentner erschwinglich ist. Und sie finden es toll, dass Schüler auf die Straße gehen. Den Klimawandel muss man schließlich ernst nehmen. Auch wenn die Biotonne eklig stinkt. Es muss etwas getan werden.


Kurzfristig einigt man sich darauf, noch eine Flasche Wein aufzumachen. Und dann erzählt jemand von Irland, und dass das Frühjahr die beste Zeit für einen Besuch ist, weil alles in Blüte steht. Flüge gibt es ja schon unter 100 € bei Billig-Anbietern. Also da muss man unbedingt noch mal hin. Oder doch lieber nach Venedig fliegen, um den runden Geburtstag zu feiern? Vielleicht ja nicht gerade an einem Freitag, wenn die Schüler auf der Straße sind. Nicht, dass man noch den Flug verpasst.

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Ü-60-Party

Unter anderem auch die Bilder von den Regionalkonferenzen der SPD, bei denen Teile der Führungsriege um ein „Ja“ für die GroKO warben, waren symptomatisch. Hätte es nicht die Kommentare dazu gegeben, man hätte es genauso gut für einen Bericht von der Kaffeefahrt eines Seniorenheims halten können. Und das ist kein Einzelfall, das ist nicht auf die SPD beschränkt. Bei Parteitreffen von CDU/CSU sieht es nicht anders aus. Auch hier könnte man leicht den Eindruck gewinnen, dass sich eine Rentnergang zu einer Ü-60-Party geschleppt hat.

Und wenn noch-Bundeskanzlerin Angela Merkel ankündigt, ihr eventuelles Kabinett zu verjüngen, dann ist damit zu rechnen, dass der Altersdurchschnitt wahrscheinlich um satte 1 1/2 Jahre von 71 auf 69 1/2 Jahre gesenkt wird. Langer Rede kurzer Sinn: Politik, wie sie sich in der Öffentlichkeit in weiten Teilen darstellt, scheint eine Rentner-Veranstaltung zu sein. Auch wenn die Beteiligten zumeist sehr viel mehr Geld dafür bekommen als der Großteil der Rentner hierzulande im Portemonnaie hat. Was gleichzeitig ein Grund dafür sein könnte, dass sich Politiker so sehr an ihre Posten klammern.

Damit soll nicht die Behauptung untermauert werden, dass sich junge und jüngere Menschen nicht für Politik interessieren und für sie engagieren. Aber sie haben es ganz offensichtlich verdammt schwer. Zum einen sind sie nicht so präsent in der Berichterstattung, weil sie andere Kommunikationswege haben. Sie brauchen nicht unbedingt Regionalkonferenzen und Bierzelte, um sich zu vernetzen und auszutauschen.

Vor allem aber wird es ihnen nicht gerade leicht gemacht, in den Parteien-Hierarchien nach oben zu kommen. Muss doch zumeist erst Gevatter Tod seinen Job machen, damit Politiker einen Posten räumen. Aber eine Gesellschaft besteht nicht nur aus Menschen jenseits der besten Jahre. Sie muss auch und in diesen Zeiten mehr denn je von jenen repräsentiert werden, die die Zukunft noch vor sich haben. Sonst geriert der gesamte Staat zu einem gigantischen Seniorenheim. Es gibt Länder, in denen man dies bereits erkannt hat.

Glück und Glas

Ich weiß wirklich nicht, warum sich so viele Menschen in unserem Land so viele Sorgen machen. In einem Land, in dem sogar ein kriminelles Rentnerpaar seiner gerechten Strafe zugeführt werden kann. Die hatten nämlich mit einer Art Greifarm, wie ihn wahrscheinlich sogar die Krankenkasse für Menschen bezahlt, die sich nicht mehr bücken können, Glasflaschen aus einem Alt-Glas-Container gefischt, für die es noch Pfand gegeben hätte. Es ging übrigens um eine immense Summe, der mögliche Erlös soll 144 Cent betragen haben.

Aber da haben sie Gott sei Dank die Rechnung ohne den Wirt respektive einige Nachbarn gemacht, die das Verbrechen beobachtet hatten. Und die natürlich – ganz verantwortungsbewusste Staatsbürger – die Polizei gerufen haben. Weshalb das Verbrechen und das Rentnerpaar vor den Kadi respektive Richter kamen. Und der hat sich als Schwachpunkt in der Geschichte erwiesen.

Er hat entschieden, dass es kein richtiger Diebstahl gewesen wäre, weil die Pfandflaschen nämlich keinen wirtschaftlichen Verkehrswert mehr gehabt hätten, nachdem sie bereits im Alt-Glas-Container gelandet wären. Oder so ähnlich. Jedenfalls hat er noch nicht einmal angeordnet, dass das Rentnerpaar nur mit Auflagen und elektronischer Fußfesseln auf freien Fuß gesetzt wird. Da sollte man also wenigstens bei der CSU noch einmal über ein Gesetz nachdenken, mit dem auch solche kriminellen Elemente durch Gesetz als „Gefährder“ eingestuft werden können. Sicherheit first.

 

Abstellgleis

Angenehme Außentemperaturen. Ein fast wolkenloser Sternenhimmel. Bier und Rotwein. Natürlich auch Mineralwasser und Fruchtsäfte. Ein paar Häppchen. Es war einer dieser Sommerabende mit Freunden, wie sie sogar das sommerliche Stadtleben erträglich gestalten, weil die Diskussionen aus verständlichen Gründen nicht zu hitzig werden, alles mit einer eher trägen Freundlichkeit über die Bühne geht. Und dann fiel, vielleicht auch bedingt durch die Altersstruktur der Anwesenden, das Wort „Abstellgleis“. Was augenblicklich zu einem langen Moment der besinnlichen Stille führte. Zu einer etwas beunruhigenden Ruhe. Waren doch nicht wenige der Gäste bereits kurz vor respektive im vollzogenen Ruhestand. Um nicht das noch weniger geliebte Wort Rentner zu verwenden.

Natürlich wandte man sich irgendwann wieder erfreulicheren Themen zu, es kam auch wieder Gelächter auf. Wobei nicht eindeutig feststellbar war, ob dieses dem Wein oder der Stimmung zu verdanken war. Was am nächsten Morgen unweigerlich zu dem Gedankenspiel führte, ob den ein „Abstellgleis“ wirklich so etwas Bedrohliches ist, eines der Damoklesschwerter, die über den eher greisen Häuptern schweben, neben Bluthochdruck und Krebsgefahr.

Vielleicht war es der morgendlichen Stimmung geschuldet, dass ich zu dem Schluss kam, dass ein Abstellgleis eigentlich eher etwas Beruhigendes ist. Schließlich ist man dort ja nicht von der Welt abgeschnitten. Die Lokomotive, die einen dort hin bugsiert hat, kann einen ja auch wieder dort wegholen. Und andererseits hat man erfreulicherweise keinen fortwährenden Durchgangsverkehr, muss nicht dauern auf vorbeibrausende Züge achten, kann sich in Ruhe und Beschaulichkeit der Umwelt widmen, vielleicht sogar den anderen Waggons auf benachbarten Abstellgleisen. Ich finde, jeder schon etwas betagtere Mensch sollte das Recht auf ein Abstellgleis haben. Wenn man sich dort richtig einrichtet, kann das ein wunderbarer Ort sein.