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Blumenstrauß

Die Straßen waren durchaus etwas bevölkerter als sonst an einem normalen Sonntag. Ausflugslokale und Restaurants waren spätestens ab Mittag ebenso gut besucht wie die Cafés am späteren Nachmittag. Wer das Risiko nicht nur auf der Straße suchte, ging jedenfalls ohne Reservierung in das auserkorene Lokal. Warum das alles so war, das habe ich sofort begriffen, als ich auf dem Weg zur Arbeit an einem dieser Blumenfelder vorbeikam, die zumeist Orts- oder Stadt-nah die letzte Rettung sind, wenn man noch schnell Blumen braucht.

Und zudem für Menschen, die es nicht so genau nehmen, auch noch ausgesprochen preiswert erstanden werden können. Jedenfalls habe ich noch nie so viele Autos an einem solchen Blumenfeld gesehen. Sogar die Parkplätze waren knapp. Und es waren ausschließlich Männer, die hier Blumensträuße zusammenstellten, und das zu einer Zeit, da man sie eher bei einem Frühschoppen mit den Kumpels vermuten würde. Es gibt eben immer wieder Ereignisse, die völlig unvorhersehbar eintreten. Vor allem für Männer.

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Über die Arroganz

Ein Politiker, der alles tut, um sich zumindest für einige Zeit als Nabel, wenn auch nicht der ganzen Welt, doch wenigstens eines Landes fühlen zu können. Konzern-Manager, die allem Anschein nach wie Autokraten vor allem die eigenen Pfründe im Auge haben und nicht unbedingt die Rechte von Kunden geschweige denn die Erfüllung gesetzlicher Normen. Oder last aber natürlich nicht least Redakteurinnen, die sich vehement in die Sexismus-Debatte einbringen und glauben, dass ihre Welt die einzige wäre. Dass Frauen wie sie und ihre Standesgenossinnen zu sein hätten, also tough und selbstbewusst. Und natürlich auch sein könnten, wenn sie nur wollten.

Um ein arroganter Mensch zu sein, ist es sehr von Vorteil, wenn man – und natürlich auch Frau – von sich überzeugt ist; gerne Überlegenheit demonstriert; sich für eher unersetzlich hält; andere schon mal abwertet und abschätzig über Mitmenschen spricht; der Blick auf die Wirklichkeit etwas verzerrt ist. Weshalb die betreffenden Personen auch am liebsten selbstbewusst auftreten. Was nicht in diesem Kontext vorzukommen scheint, das sind wohl Empathie und Selbstkritik, ein unerschrockener Blick über den Tellerrand hinaus.  

Erwähnenswert wäre vielleicht noch, dass dies Eigenschaften sind, die die Psychiatrie auch bei Narzissten als häufig gegeben sieht. Und dass Arroganz natürlich keine Frage der sozialen Schicht ist. Auch eine Putzfrau kann arrogant sein, der Mann an der Spüle im Restaurant. Allerdings haben sie meistens nur die Möglichkeit, ihre Arroganz als Kommentatorinnen und Kommentatoren im Internet auszuleben. Während die weiter oben erwähnten Berufsgruppen auf eine breite Öffentlichkeit als Spielwiese zurückgreifen können.

Im Internet kursiert dazu ein herziger Spruch: Seitdem ich perfekt bin, hält sich meine Arroganz in Grenzen. Dass er auf Facebook zu finden ist und nicht gelöscht wurde, überrascht dann allerdings nicht wirklich. Denn Arroganz kann auch von ganzen Unternehmen gelebt werden. Unbeschadet der Anzeigenkampagnen, die sie schalten. Und natürlich ist es auch arrogant zu behaupten, dass man die Welt erklären könne. Aber vielleicht liegt das daran, dass ich noch nicht ganz perfekt bin. Ich muss auf jeden Fall noch an meiner Haarpracht arbeiten.

Heiße Mode

Dänische Journalisten haben aufgedeckt, dass der schwedische Modegigant H&M jährlich etwa 12 Tonnen an unverkaufter Bekleidung verbrennen lässt. Mit der Begründung, dass die ausgemusterten Stücke schadhaft oder sogar gefährlich für die Verbraucher wären, weshalb weder der Verkauf noch das Recyceln möglich sei. Was plausibel klingt, schließlich sind die Journalisten bei ihrer Recherche unter anderem auf anderthalb Tonnen modischer Bekleidung mit Etiketten und Preisschild gestoßen, die der Müllverbrennung zugeführt wurden. Außerdem wurde bei stichprobenartigen Laboruntersuchungen festgestellt, dass die untersuchten Bekleidungsstücke nicht die Grenzwerte für Schadstoffe überschritten.

 Üble Nachrede dürfte außerdem sein, dass die Lager nur so schnell und kostengünstig für die neuen Kollektionen frei gemacht werden können. Die bei H&M relativ schnell die Vorgänger-Kollektionen ersetzen, damit modebewusste Frauen und Männer nicht länger als nötig in alten Klamotten rumlaufen müssen. Schließlich wird einem in einem Restaurant ja auch nicht das Gericht serviert, das schon gestern auf dem Tisch stand. Zumindest hofft man das jedes Mal, wenn man in einem Restaurant die Bestellung aufgibt.

H&M reagiert also nur auf die Bedürfnisse seiner Kunden, für die modische Bekleidung vielfach eher wie Joghurt ist: Man stellt ihn ja durchaus mal für einen oder zwei Tage in den Kühlschrank, nachdem man ihn gekauft hat. Aber spätestens wenn das Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist, landet er trotzdem und halb voll im Mülleimer. Weshalb es sicher ein Service der besonderen Art wäre, wenn auch H&M für seine Bekleidung ein Haltbarkeitsdatum angeben würde. Zum Beispiel den Tag, an dem die nächste Kollektion in die Läden kommt. Dann könnten modebewusste Menschen zuhause schon mal die Schränke leer machen und die alten Klamotten zur Müllverbrennung bringen.

 

TV-Duell

Das ist mir noch nie passiert. Ich habe bis jetzt noch jeden Liebesfilm, sämtliche Tatorte, Talk-Shows oder Dokumentationen über das Balzverhalten von Regenwürmern offenen Auges bis zur letzten Sekunde ausgehalten. Beim TV-Duell des Jahres bin ich nach fünf Minuten sanft entschlummert. Und diese fünf Minuten sind mir schon lang vorgekommen. Meine Lebensbegleiterin kann ich auch nicht fragen, welches ihr Eindruck war von diesem Rededuell zwischen noch Kanzlerin und dem möchte-es-gerne-werden-Kanzler, sie hatte vorsichtshalber einen Mädelsabend organisiert, irgendwo in einem netten kleinen Restaurant. Sie ist eine sehr kluge Frau.

Doch zumindest war die Analyse im Nachgang sehr aufschlussreich. Eigentlich hat die Kanzlerin das Rede-Duell gewonnen, wenn auch je nach Umfrage weit vor oder auch gerade noch so vor Herausforderer Martin Schulz. Wenn man also den ganzen Brimborium, der um diese Veranstaltung gemacht wurde, betrachtet, so hat dieses Jahrhundertereignis die Gewissheit gebracht, dass alles ist wie immer: Niemand weiß etwas Genaues. Weshalb meine Voraussage für den Wahlausgang in etwas mehr als drei Wochen nun ganz eindeutig ist: Wir werden nach der Auszählung der Stimmen wissen, wer gewonnen hat. Und hoffentlich kommt nächsten Sonntag wieder ein Tatort.

Ein sauberes Dorf

Diese Idee ist großartig. Ansätze dazu gab es ja schon seit geraumer Zeit. Man baute ein Hotel in einer mitunter durchaus großzügig bemessenen Anlage. Sorgte dafür, dass alles für einen Urlaub Notwendige vor Ort war, also Restaurants, Schwimmbecken, Friseur und Massagesalon. Und erleichterte durch ein all-inclusiv-Angebot den Hotelgästen die Entscheidung, ob sie es sich zumuten sollten, das Areal zu verlassen und sich vielleicht sogar unter die einheimische Bevölkerung zu mischen.

Jetzt wurde das Prinzip perfektioniert. In der Toskana ist aus einem verlassenen Dorf ein Urlaubsdorf entstanden. Ein deutsches Reiseunternehmen hat das organisiert und finanziert, das Dorf mehr oder minder gekauft und dann renoviert. Jetzt ist dort, wo früher die Besamungsanstalt war, ein Café. Und ein paar Italiener gibt es trotzdem. Im Dienstleistungssektor. Alles sieht also bilderbuchmäßig nach Toskana aus. Aber eben ohne Altbaumängel und so sauber, dass man überall in den Straßen barfuß gehen kann.

Man bleibt also unter sich in diesem Dorf in der Toskana, ist aber nicht in einer Hotelanlage eingesperrt. Man kann das Hotel verlassen, ohne Angst haben zu müssen, mit dem ja oft deprimierenden Leben von Einheimischen konfrontiert zu werden. Kann also die Toskana genießen, ohne verlassene Häuser sehen zu müssen, Arbeitslose, die vor Cafés rumlungern. Oder, noch schlimmer, von Flüchtlingen aus Afrika belästigt zu werden, die einem Regenschirme verkaufen wollen, damit sie sich was zu essen kaufen können.

Das einzige Problem ist eigentlich nur noch die Reise dorthin. Mein Vorschlag: Flug bis Florenz. Wo Shuttle-Busse mit geschwärzten Fenstern warten. Im klimatisierten Inneren werden zu italienischer Musik und bei einem Gläschen Montepulciano Filme mit toskanischer Landschaft gezeigt. Über die Klimaanlage wird der Duft von italienischen Kräutern ins Businnere geblasen. Wenn dann der Gast in dem deutschen Toskana-Dorf aussteigt, besteht kein Zweifel mehr, dass er am Ziel seiner Träume angekommen ist.

Ritterspiele

Manchmal lässt es sich einfach nicht vermeiden. Zu verlockend sind das Wetter oder eine Einladung. Also setzt man sich ins Auto und fährt zu einem der Seen mit idyllisch gelegenen Restaurants mit Blick auf selbigen. Was im Großen und Ganzen ja durchaus angenehm wäre. Zumindest wenn die Anfahrt nicht zu großen Teilen auf einer Autobahn erfolgt. Die einem mindestens zwei Erkenntnisse beschert. Erstens: Auch wenn die Schere auseinanderklafft, es gibt überraschend viele Menschen, die überraschend viel Geld haben müssen. Denn der Großteil der Karossen, die einem, bildlich gesprochen, im Nacken sitzen, gehört dem höheren Preissegment an. Und selbst Autohersteller, die Autos für den kleinen Mann anbieten, bauen diese lieber gleich ein bisschen größer. Damit sie so aussehen, als kämen sie aus dem höheren Preissegment.

Die Sichtweise, dass mit dem Erwerb der Karosse auch gleich die zum Fahren erforderliche Straße mit gekauft werde, scheint allerdings zumeist den Besitzern der richtig teuren und großen Automobile vorbehalten zu sein. Was nur einmal mehr belegt, dass doch sehr viele Menschen sehr traditionsbewusst sind. Und insbesondere auf der Straße immer noch jenen Zeiten nachhängen, als sich das gemeine Volk in die Straßengräben zu flüchten hatte, selbst wenn diese aus Schlammpfützen bestanden, wenn sich ein Fürst, Lehensherr oder sonstiger Adliger mit seinem Vierspänner näherte. Es dauert vermutlich noch viele Generationen, bis die Demokratie auch auf den Straßen angekommen sein wird.

Fremd zu Hause

Das kann natürlich wieder einmal nur Einbildung sein. Oder es ist einfach nur den Behauptungen von schon etwas betagteren Eltern geschuldet. Die da immer schon gesagt haben, dass einer, der eine Reise tut, auch etwas erleben kann. Und wahrscheinlich ist es mir nur jetzt aufgefallen, dass da, wo ich mich gerade befinde, nicht gerade das große Kino stattfindet. Weshalb man natürlich eher geneigt ist, sich auch mit den kleinen Dingen zu beschäftigen.

Wie zum Beispiel mit der Tatsache, dass hier, wo ich mich gerade befinde, die Menschen andere Umgangs-Rituale haben. Und ja, die Vermutung ist richtig, ich bin nicht in Deutschland für den Moment. Jedenfalls haben hier die Menschen die Gepflogenheit zu grüßen. Zugegeben, es ist jetzt keine Großstadt. Aber obwohl ich ein Fremder bin, noch nie zuvor an diesem Ort war, grüßen mich die Menschen auf der Straße. Wünschen mir einen guten Tag oder einen guten Abend.

Doch auch wenn ich in einem Restaurant sitze oder in einem simplen Café, grüßen die Leute. Sagen sie mir auf Wiedersehen, wenn sie das Lokal verlassen und zufällig am Tisch nebenan saßen. Ganz deutlich in meine Richtung, schauen mir ins Gesicht dabei, als ob wir uns kennen würden. Obwohl sie natürlich ziemlich sicher sein können, mich noch nie gesehen zu haben. Und dass wir uns auch nie wieder sehen werden.

Kann man als übertrieben bezeichnen. Als reine Floskel abtun. Ich aber genieße es. Denn ohne dass ein großer Aufwand betrieben wird, habe ich für einen durchaus auch etwas anhaltenden Moment das schöne Gefühl, hierher zu gehören. Nicht ganz so fremd zu sein, wie ich es bin. Es sind nur zwei Worte. Doch die Wirkung ist weitaus größer. Und vor allem, bei mir zu Hause, in meiner Stadt, ist mir das noch nie passiert. Schade eigentlich. Wo ich mich dort doch auch manchmal als Fremder fühle.