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Ein Rezept zum Nachdenken

Sie tauchen momentan wirklich überall auf. Beim Gemüsehändler, am Straßenrand, im Supermarkt. Und nein, heute ist nicht von Flüchtlingen die Rede. Weil mir nämlich all das, was hierzu in den vergangenen Tagen gesagt oder geschrieben wurde, diesbezüglich die Sprache verschlagen hat. Ich will nur etwas zu Kürbissen sagen. Also wenigstens zu jener Spezies, die sich für den Verzehr eignet, also Hokkaido zum Beispiel, von dem man auch die Schale essen kann, oder Mandarin.

Ich nehme für vier Personen ein Stück mit etwa 400 Gramm, schneide es in kleine Würfel, die ich in einem Topf in Olivenöl zusammen mit einer klein geschnittenen Ingwer-Knolle etwa fünf Minuten andünste. Anschließend gebe ich etwa zehn Suppenlöffel Wasser hinzu und lasse die Kürbisstücke und den Ingwer ca. 20 Minuten leicht köcheln. Wenn ich sehe, dass kaum noch Flüssigkeit im Topf ist, lösche ich mit etwa 100 cl Rosé ab, man kann aber natürlich auch notfalls Wasser nehmen.

Parallel dazu bereite ich 1,5 Liter Gemüsebrühe vor, je nach Lust und Laune mache ich das auf die klassische Weise oder nehme dazu Fond oder auch mal Gemüse-Bouillon. Sind die zwanzig Minuten rum, püriere ich Kürbis und Ingwer so, dass auch noch ein paar kleinere Stücke bleiben. Sodann werden 350 Gramm Risotto-Reis zugegeben, eingerührt und eine erste Suppenkelle mit Gemüsebrühe hinzugefügt.

Dann noch einmal gut umrühren, warten, bis kaum noch Flüssigkeit vorhanden ist, und erneut eine Kelle Brühe hinzufügen, und so weiter, bis die Gemüsebrühe aufgebraucht ist. Und natürlich sollte auch zwischendurch immer mal wieder umgerührt werden, damit der Reis nicht verklumpt. Zum Schluss wird mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt und etwa 40 Gramm frisch geriebener Parmesankäse werden untergerührt.

Besonders gefällt mir an diesem Rezept, dass man sich auch die Zeit nehmen kann, während des Zugebens der Gemüsebrühe am Herd stehen zu bleiben und dem einen oder anderen Gedanken nachzuhängen. Ich habe mir aus aktuellem Anlass versucht vorzustellen, wie sich das wohl anfühlen muss, wenn ich zu dieser Zeit eine Nacht im Freien verbringen müsste, mit meiner Frau und meinen Kindern. Nur noch mit ein paar Keksen und einer Flasche Wasser im Gepäck, das sowieso nur aus drei Rucksäcken besteht, und einer ungewissen Zukunft.

Das hat dazu geführt, dass mir auf einmal wieder so richtig bewusst wurde, was für ein Glück das eigentlich ist, eine warme Wohnung zu haben. Einen Herd, auf dem man kochen kann. Die Zutaten, um etwas kochen zu können. Was ja letztendlich nicht daran hindern muss, dass einem dieses Essen schmeckt. Aber vielleicht den Entschluss unterstützt, beim nächsten Mal wieder den Mund aufzumachen, wenn gegen Menschen gehetzt wird. Auch wenn anderen deswegen vielleicht der Appetit vergeht.