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Ostereier

Vielleicht hat sich das ja auch schon jemand anderes gefragt. Mir jedenfalls kommt es vor, als wäre dieses Ostern auch nur eine Reihe von Tagen, an denen nicht gearbeitet werden muss. Ein Zeitpunkt, zu dem Urlaub möglich ist. Weil Schulferien sind. Und ja, das darf man natürlich nicht vergessen, der Papst ist im Fernsehen zu sehen. Obwohl er in Rom ist. Aber ansonsten? Doch wohl Business as usual. Zumindest für den Großteil der Menschen in diesem, unserem Kulturkreis.

Der Unterschied, den es allem Anschein nach nicht mehr gibt, der fiel mir angesichts von Schokoladeneiern auf. Von einer bekannten Marke. Es war im Prinzip das, was ansonsten über das Jahr in rechteckiger Form und als Schokoladentafel verkauft wird. Was natürlich Sinn macht. Die Annahme, dass an Ostern Menschen dieselben Vorlieben haben wie im restlichen Jahr, ist wohl nicht so ganz falsch. Kurzum, mein Eindruck ist, dass diese Fest- und/oder Feiertage einfach das Besondere verloren haben.

Weil nämlich das, was dereinst das Besondere an solchen Tagen war, jetzt ganzjährig konsumierbar ist. Und zu weiten Teilen auch konsumiert wird. Ganz zu schweigen davon, dass dereinst vom Osterhasen weder Fahrräder noch iPhones im Garten versteckt wurden. Die einen wohl nicht nur, weil sie zu groß waren. Während die anderen heutzutage wohl eher nicht im Grünen versteckt werden, weil man schließlich ungern 1.000 Euro so in der Gegend rumliegen lässt. Will sagen, dass es eigentlich einfach kaum noch einen Unterschied macht, ob das nun Weihnachten, Ostern oder Himmelfahrt ist.

Wen das Wetter stört, der bucht eine Reise. Jahreszeiten sind irrelevant, denn Erdbeeren gibt es auch im Dezember. Ebenso wie alles andere in allen anderen Monaten. Das Einzige, was noch auf einen bestimmten Feiertag verweist, das ist der Blick auf den Kalender oder in eine Nachrichtensendung. Ansonsten gibt es keine besonderen Merkmale mehr. Wir können an Ostern genauso gut Weihnachten feiern. Im Norden der Republik hätte man in diesem Jahr noch nicht einmal beim Blick aus dem Fenster einen Unterschied festgestellt.

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Sicherheitskonzepte

Sie können es nicht lassen. Schon lange waren Sorgen nicht mehr so berechtigt. Und da haben sie nichts anderes zu tun, als uns, dem Wahlvolk, vorzugaukeln, dass sie Lösungen hätten. Und das geradezu in schöner Eintracht. Weshalb dann auf einmal sogar ein Gabriel, ansonsten lieber Gralshüter des Datenschutzes, es gar nicht so schlecht findet, wenn die Videoüberwachung ausgebaut wird. Damit es in Zukunft kein Berlin und auch kein München oder Ansbach mehr gibt. Anstatt schlicht zu sagen, dass es eigentlich nicht wirklich möglich ist, Sicherheit für Menschen auf der Straße oder in einem Tanzlokal zu garantieren.

Weshalb man eben wenigstens flächendeckend Kameras aufhängen möchte. Schließlich wirken in der Medizin Placebos ja auch. Und besser wenigstens eine gefühlte Sicherheit als die Sicherheit, dass selbige nicht und schon gar nicht von einem Politiker garantiert werden kann. Eher schon von Kölner Verhältnissen. Die ganz ohne Zweifel in der Silvesternacht eine ausgesprochen positive Wirkung hatten. Aber einmal abgesehen von logistischen und personellen Problemen, so hundertprozentig wirkt das auch nicht immer, wie man am Bosporus sieht.

Und so kommt da Einer mit einem schlichten Gemüt auf die absurde Idee, vielleicht weniger Geld für Sicherheitskonzepte auszugeben. Und dafür vielleicht etwas in Brot und Arbeit für die zu investieren, die glauben, hier die Freiheiten zu haben, die sie zu Hause nicht mehr kannten. Integration muss auch nicht zwangsläufig bedeuten, seelenruhig zuzusehen, wenn sich Parallelwelten bilden. Sich vor lauter Verständnis und politischer Korrektheit am Terminus „Nafris“ abzuarbeiten, ist auch nicht der Schlüssel zum Erfolg. Die Römer, denen wir das Wort verdanken, verstanden unter „integratio“ eine Erneuerung, die Wiederherstellung. Kann man ja mal drüber nachdenken, was das bedeuten könnte.

Berufsverkehr

Manchmal sind es ausgesprochen banale Begebenheiten, die einem die Augen öffnen können. Zum Beispiel eine morgendliche Fahrt zum Arbeitsplatz. Es ist 6 Uhr 25. Auf einer Bundesstraße, die zur nächst gelegenen, größeren Stadt führt, reiht sich ein Auto an das andere. Wie jeden Morgen um diese Zeit. Was den einen oder anderen Autofahrer aber nicht daran hindert, eine Lücke im Gegenverkehr für ein Überholmanöver zu nutzen. Und an der nächsten Ampel zeigt sich dann der beeindruckende Geländegewinn: Eine Wagenlänge.

Doch nicht nur im Straßenverkehr scheint Geduld nur beschränkt geläufig zu sein. Man hat häufig auch in der Politik das Gefühl, dass alles andere als eine schnelle Lösung den Untergang bedeuten könnte. Nicht umsonst wird im gefühlten Minuten-Takt für die unterschiedlichsten Problemstellungen so eine schnelle Lösung gefordert. Dabei weiß jeder einigermaßen vernünftig denkende Mensch, dass das Überholen eines anderen Pkws im morgendlichen Berufsverkehr in keiner Weise zu einem schnelleren Vorankommen führt. Dass es für den Dreißigjährigen Krieg auch keine schnelle Lösung gab.

Ich habe den Eindruck, dass die Möglichkeit, in ein paar Stunden an entfernte Badestrände zu gelangen, zu der verbreiteten Annahme geführt hat, dass auch alles andere in diesem Tempo geschehen müsse. Natürlich wünscht man sich, dass die Menschen in Kriegsgebieten am liebsten in Lichtgeschwindigkeit wieder friedliche Zeiten bekämen. Dass Hunger und Not auf dieser Welt lieber heute als morgen ein Ende hätten. Aber es ist ebenso wenig realistisch wie zu glauben, dass man schneller ans Ziel käme, wenn man in einer langen Schlange ein Auto überholt.

Experten, wenn wir ihnen mal ausnahmsweise glauben wollen, gehen davon aus, dass es durchaus 100 Jahre dauern kann, bis man im Vorderen Orient zu einer neuen und friedlicheren Ordnung gefunden hat. In Europa hat dies übrigens um einiges länger gedauert. Weshalb auch die sogenannte Balkanroute nicht von heute auf morgen zum idyllischen Wanderweg werden wird. Afrika wird ebenso wenig  in kürzester Zeit zur blühenden Landschaft und einem Garten Eden, in dem die Menschen in Eintracht und ohne Hunger leben können.

Und nicht einmal Leute wie Donald Trump, Kim Jong-un oder Jaroslaw Kaczynski werden sich so schnell in Luft auflösen, wie man es sich eigentlich wünschen würde. Es braucht leider alles seine Zeit. Was nicht heißen soll, dass man nur untätig rumsitzen sollte. Meine Großmutter hatte dafür jedenfalls immer einen Satz parat: Steter Tropfen höhlt den Stein, lautete der. Sie hat dann immer noch dazugesagt, dass Rom auch nicht an einem Tag erbaut worden wäre. Vielleicht sollten die Menschen öfter mal an meine Großmutter denken.

Jetzt schon an die guten Vorsätze denken

Eine Nachricht, die mich, weihnachtlich eingepegelt und noch von leichten Punschschwaden umwabert, sofort in die Realität zurück geholt hat. Zwar kam sie ganz zum Schluss, wurde also nicht als besonders wichtig angesehen. Aber wenn man nur einen Satz weiter denkt, dann versteckt sich in dieser kleinen Nachricht ein durchaus aussagekräftiges Bild, erweist sie sich als geradezu symptomatisch für den Zustand einer ganzen Nation. Und darüber hinaus.
Es wird davon ausgegangen, dass in der BRD noch 16 Milliarden Deutsche Mark, in Scheinen oder Münzen, in den Haushalten ein nostalgieumflortes Dasein fristen. Das spricht natürlich zum einen dafür, dass wohl viele Menschen die guten, alten DM-Zeiten in bester Erinnerung haben. Wer bewahrt schließlich schon Reliquien auf, die an etwas Fürchterliches erinnern. Außer Alt- oder Neu-Nazis und Sadisten.
Zum anderen heißt das aber auch, dass in diesem unseren Land, in dem man sich auch unterm Weihnachtsbaum fragte, ob es zum Beispiel diesen Flüchtlingsstrom überhaupt finanzielle stemmen kann, 16 Milliarden Deutsche Mark, also grob gerechnet 8 Milliarden Euro, überhaupt nicht benötigt werden. Dass sie einfach nur so rumliegen, hemmungslos Staub ansetzen dürfen, Schubladen verstopfen, in Blechdosen gelegentlich vor sich hin klimpern. Als Souvenir für vergangene Zeiten.
In einer „Kultur der Gleichgültigkeit“ solle der Lebensstil der Christen erfüllt sein von Erbarmen, Einfühlungsvermögen, Mitleid und Barmherzigkeit. Soll Papst Franziskus am Heiligen Abend im Rahmen der Christmette in Rom gesagt haben. Und ich tue es zwar ungern, denn schließlich ist es der Papst, aber ich möchte die Worte von Papst Franziskus etwas korrigieren respektive ergänzen.
Es ist nicht nur Gleichgültigkeit, es ist schlimmer. Man könnte es bei genauem Hinsehen Sadismus nennen. Denn es geht hier nicht nur um 8 Milliarden Euro. Es geht darum, dass wir lieber etwas rum liegen lassen, in die Mülltonnen schmeißen, es manchmal einfach auch nur vergessen, als daran zu denken, mit denen zu teilen, die weniger oder nichts haben. Und ich sage ganz bewusst „wir“. Vielleicht suche ja nicht nur ich nach potentiellen guten Vorsätzen für das Neue Jahr.

Eine Ära geht zu Ende

Will man einschlägigen Medien glauben, also dem Boulevard, dann steht dieses Ereignis in einer Reihe mit dem kürzlich zu Ende gegangenen Klimagipfel, den Terroranschlägen in Paris, der Ernennung Angela Merkels zur Person des Jahres durch die New York Times oder der sogenannten Flüchtlingskrise. Fakt ist hingegen, dass lediglich ein gewisser Stefan Raab im Alter von 49 Jahren seinen Job beim Fernsehen aufgegeben hat und jetzt offensichtlich eine Art Vorruhestand vorzieht. Was nichts anderes bedeutet, als dass er genug verdient hat, um wahrscheinlich nie wieder arbeiten zu müssen.

Dass deswegen nun eine Ära zu Ende gegangen wäre, wie gerne in diesem Zusammenhang behauptet, kann ich jedenfalls nicht feststellen. Es bedeutet lediglich, dass in ein paar Jahren die nachwachsende Generation ebenso wenig wissen wird, wer dieser Raab war, wie die aktuelle weiß, wer Hans-Joachim Kulenkampff war. Und ich frage mich, ob solche Menschen in der öffentlichen Wahrnehmung vielleicht deswegen so gerne präsent sind, weil man sich dann weniger mit einem Baschar al-Assad, einem Abu Bakr al-Baghdadi oder einer Beate Zschäpe beschäftigen muss.

Schon die alten Römer sind davon ausgegangen, dass man ein Volk am besten bei der Stange hält, indem man für Brot und Spiele sorgt. Aus dem Brot sind inzwischen Steak und Rinderhack geworden. Für die Spiele sind offensichtlich Menschen wie Herr Raab und die Fußball-Bundesliga zuständig. Und weil auch das Gefühlsleben nicht zu kurz kommen soll, gibt es dann als Dreingabe ein Protestlied gegen den Terror, eingespielt vom Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und einem sympathischen aber gänzlich untalentierten Sänger. Was dadurch ausgeglichen wird, dass das Lied stets mit dem Hinweis anmoderiert wird, dass jetzt „Gänsehaut“ garantiert sei. Man vergisst allerdings dabei, dass es höchst unterschiedliche Gründe für eine Gänsehaut gibt.

Vorsicht! Unflätige Ausdrücke!

Es ist ja nun wohl wirklich nicht so, dass ich ein ungeduldiger Mensch wäre. Im Gegenteil. In meiner Familie kommen alle zu mir, wenn sie einen Knoten nicht aufkriegen, der nicht mit einem Messer, einer Schere oder einem Schwert gelöst werden darf. Und wir sind wirklich eine sehr große Familie. Sogar wenn man die Verwandtschaft dritten Grades nicht mitrechnet. Weshalb ich oft Stunden damit zubringe, geduldig Knoten zu lösen. Ohne ein Messer, Schere oder Schwert zu benutzen.

Und genauso geduldig bin ich mit Entwicklungen. Bekanntlich wurde Rom ja auch nicht an einem Tag erbaut, außerdem will gut Ding Weile haben. Und ich brauche mitunter auch schon mal ein oder zwei Tage, bis ich ein iPhone6 im Griff habe. Aber was jetzt in diesem unseren Lande abläuft, da kann ich nun wirklich nicht mehr ruhig zusehen. Um es ganz klipp und klar zu sagen: Ich finde es erbärmlich, zum kotzen, absolut beschissen, amateurhaft, dilettantisch, idiotisch.

Wir haben eine Regierung, die offensichtlich plant, die BRD in eine Neuauflage der DDR umzuwandeln. Denn anders kann man es sich doch wohl nicht erklären, dass jetzt ein Gesetz verabschiedet wurde, dass diesen Staat berechtigt, alle Bürger ohne Ausnahme via Tele- und Internetkommunikation auszuspähen, ob nun irgendein Verdacht vorliegt oder nicht. Oder ist das schon die Vorbereitung auf TTIP, sollen schon die ersten Standards an die USA angeglichen werden. Damit die NSA nicht den deutschen Staat verklagt?

Aber eigentlich käme es darauf auch nicht mehr an. Schließlich hat ein New Yorker Gericht soeben bestätigt, dass Google Bücher digitalisieren kann, wie es dem Konzern beliebt. Und natürlich keine Lizenzen erwerben muss, geschweige denn einen Penny dafür zu zahlen hat. Keine Frage auch, dass sich das dann wohl auch auf alle Werke bezieht, die jemals in den USA aufgetaucht sind. Und vermutlich auch auf alle Bücher, die in Verlagen erschienen sind, die in den USA Bücher verkaufen oder jemals verkauft haben. Sonst drohen wahrscheinlich Schiedsgerichte.

Zurück zur BRD. Und zu dem eigentlichen Skandal. Denn es gibt nicht wenige Juristen, die restlos überzeugt sind, dass diese neue, jetzt verabschiedete Vorratsdatenspeicherung vom Europäischen Gerichtshof wieder gekippt wird. Und damit dann in der besten Gesellschaft von Maut und Herdprämie stünde. Weshalb man sich doch wohl fragen darf, ob diese Regierung einfach nur unfähig oder das ganze Absicht ist. Vielleicht wissen Merkel und ihre Mannen und Frauen wirklich nicht mehr, was sie machen sollen und wollen. Wollen aber auch nicht untätig rumsitzen. Kriegen ja schließlich auch Geld dafür.

Ein weiteres Indiz dafür wären die Transitzonen, die die Bundeskanzlerin jetzt auf einmal auch dringend notwendig findet. Geistig fitte Menschen erinnern sich ja vielleicht noch, dass sie dereinst ziemlich dagegen war. Was die Frage aufwirft, ob denn eine Frau vor einem Mann den Schwanz einziehen kann. Weshalb ich mir nun auch ernsthaft überlege, ob jetzt nicht der beste Zeitpunkt wäre, nach Griechenland auszuwandern und mich dort einbürgern zu lassen. Denn der italienische Philosoph Giorgio Agamben hat die These aufgestellt, dass Europa erst scheitern müsse, um zu einem funktionierenden Staatengebilde werden zu können. Vielleicht hat ja Griechenland die besten Voraussetzungen, den Anfang zu machen. War ja schließlich schon einmal die Wiege des Abendlandes.