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Neue Ideen

So ganz genau weiß ich es nicht mehr. Ist erstens schon verdammt lang her. Und außerdem hatten wir an der Berufsschule damals nur ganz kurz Geschichte. Zehn Minuten Römisches Reich. Drei Minuten Drittes Reich. Die Autobahnen. Aber ich glaube, dass er Brutus hieß. Wie sie eben so geheißen, die Römer damals.

Und der hat dann quasi die Drecksarbeit gemacht. Damit dieser Cäsar endlich mal von der Bildfläche verschwindet. Ja, und jetzt heißt er Friedrich. Klingt zwar ganz anders. Aber er immerhin heißt er März. Und hieß das nicht damals auch bei den Römern, dass es die Ideen des März gewesen wären?   

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Segen der Luftfahrt

Im vergangenen Jahr waren 10.958.904 Menschen mit dem Flugzeug unterwegs. Pro Tag. Was ja auch kein Wunder ist, ein Flug von Frankfurt nach Rom ist mitunter billiger als die Tageskarte für die S-Bahn einer deutschen Metropole. In diesem Zusammenhang sei nebenbei erwähnt, dass man pro Flugreisendem und Flugkilometer getrost 230 Gramm CO² rechnen darf, die in die Atmosphäre geblasen werden.  Weshalb man also wenigstens auf Flugreisen und mit dem CO²-Ausstoß des Transportmittels Flugzeug den Fahrer eines Porsche Panamera übertrumpfen kann.

Aber das Flugzeug als Massentransportmittel hat auch eine ausgesprochen positive Seite. Dank der mehr oder minder zu jeder Tages- und Nachtzeit bevölkerten Flughäfen haben dort auch nicht wenige der immer mehr werdenden Obdachlosen ein neues Zuhause gefunden. Die verschiedenen und teils unterirdischen Ebenen mit Luft- und Lichtschächten bieten gute Möglichkeiten, ein trockenes Plätzchen zu finden. In der Masse der Menschen ist es nicht so schwer, nicht allzu sehr aufzufallen.

In einem konkreten Fall hat sich zum Beispiel ein Obdachloser mit den äußerlichen Insignien eines Geschäftsmannes ausgestattet, also Anzug und Aktentasche. Und nachdem es ja auch blitzsaubere Toiletten und sogar Dusch-Möglichkeiten gibt, ist er zumeist gänzlich unbehelligt in den weitläufigen Gängen und vielen Terminals seines Flughafens eine unauffällige Erscheinung. Die noch nicht einmal Probleme bekommt, wenn er es sich mal auf Sitzen im Abflugbereich für ein kleines Schläfchen gemütlich macht.

Jupiter und die Römer

Der Vogel hat wieder mal gezwitschert. Am gestrigen Tag hat der US-Präsident Donald Trump erneut der Welt seine Einschätzung zur Person und zur Untersuchung über eventuelle Kontakte nach Russland in Zeiten des Wahlkampfes mitgeteilt. Originaltext: „As has been stated by numerous legal scholars, I have the absolute right to PARDON myself, but why would I do that when I have done nothing wrong? In the meantime, the never ending Witch Hunt, led by 13 very Angry and Conflicted Democrats (& others) continues into the mid-terms!

Kurz gesagt, er hält sich für unantastbar, was auch immer er getan haben könnte. Weshalb es vielleicht nur noch eine Frage der Zeit ist, bis Gott ernsthafte Konkurrenz bekommt. Doch immerhin gibt es wenigstens einen Politiker, der sich davon eher unbeeindruckt zeigt. Es hat nämlich der französische Präsident Emmanuel Macron in einem Telefonat dem US-Präsident so unmissverständlich seinen Standpunkt in Sachen Strafzölle klar gemacht, dass dieser laut CNN sich hinterher beschwerte, das Telefonat sei „just bad“ gewesen. „It was terrible“, soll Trump gesagt haben.

In Deutschland sieht die Regierung lieber tatenlos zu, wie ein US-amerikanischer Botschafter sich als Propagandist der rechten Konservativen und EU-Kritiker auf Breitbart und anderen Plattformen in Szene setzt. Die mehr als angebrachte Kritik daran kommt von einem abgedankten Parteivorsitzenden und von der Linken. Würde sich ein deutscher Botschafter so massiv in den USA für die Demokraten oder die Umweltbewegung eines Al Gore einsetzen, wäre er schon längst des Landes verwiesen worden. Aber wie sagten schon die alten Römer: Quod licet Iovi non licet bovi. Kann sich jeder aussuchen, wer glaubt Gott Jupiter zu sein. Und wen er für den Ochsen hält.

Ostereier

Vielleicht hat sich das ja auch schon jemand anderes gefragt. Mir jedenfalls kommt es vor, als wäre dieses Ostern auch nur eine Reihe von Tagen, an denen nicht gearbeitet werden muss. Ein Zeitpunkt, zu dem Urlaub möglich ist. Weil Schulferien sind. Und ja, das darf man natürlich nicht vergessen, der Papst ist im Fernsehen zu sehen. Obwohl er in Rom ist. Aber ansonsten? Doch wohl Business as usual. Zumindest für den Großteil der Menschen in diesem, unserem Kulturkreis.

Der Unterschied, den es allem Anschein nach nicht mehr gibt, der fiel mir angesichts von Schokoladeneiern auf. Von einer bekannten Marke. Es war im Prinzip das, was ansonsten über das Jahr in rechteckiger Form und als Schokoladentafel verkauft wird. Was natürlich Sinn macht. Die Annahme, dass an Ostern Menschen dieselben Vorlieben haben wie im restlichen Jahr, ist wohl nicht so ganz falsch. Kurzum, mein Eindruck ist, dass diese Fest- und/oder Feiertage einfach das Besondere verloren haben.

Weil nämlich das, was dereinst das Besondere an solchen Tagen war, jetzt ganzjährig konsumierbar ist. Und zu weiten Teilen auch konsumiert wird. Ganz zu schweigen davon, dass dereinst vom Osterhasen weder Fahrräder noch iPhones im Garten versteckt wurden. Die einen wohl nicht nur, weil sie zu groß waren. Während die anderen heutzutage wohl eher nicht im Grünen versteckt werden, weil man schließlich ungern 1.000 Euro so in der Gegend rumliegen lässt. Will sagen, dass es eigentlich einfach kaum noch einen Unterschied macht, ob das nun Weihnachten, Ostern oder Himmelfahrt ist.

Wen das Wetter stört, der bucht eine Reise. Jahreszeiten sind irrelevant, denn Erdbeeren gibt es auch im Dezember. Ebenso wie alles andere in allen anderen Monaten. Das Einzige, was noch auf einen bestimmten Feiertag verweist, das ist der Blick auf den Kalender oder in eine Nachrichtensendung. Ansonsten gibt es keine besonderen Merkmale mehr. Wir können an Ostern genauso gut Weihnachten feiern. Im Norden der Republik hätte man in diesem Jahr noch nicht einmal beim Blick aus dem Fenster einen Unterschied festgestellt.

Sicherheitskonzepte

Sie können es nicht lassen. Schon lange waren Sorgen nicht mehr so berechtigt. Und da haben sie nichts anderes zu tun, als uns, dem Wahlvolk, vorzugaukeln, dass sie Lösungen hätten. Und das geradezu in schöner Eintracht. Weshalb dann auf einmal sogar ein Gabriel, ansonsten lieber Gralshüter des Datenschutzes, es gar nicht so schlecht findet, wenn die Videoüberwachung ausgebaut wird. Damit es in Zukunft kein Berlin und auch kein München oder Ansbach mehr gibt. Anstatt schlicht zu sagen, dass es eigentlich nicht wirklich möglich ist, Sicherheit für Menschen auf der Straße oder in einem Tanzlokal zu garantieren.

Weshalb man eben wenigstens flächendeckend Kameras aufhängen möchte. Schließlich wirken in der Medizin Placebos ja auch. Und besser wenigstens eine gefühlte Sicherheit als die Sicherheit, dass selbige nicht und schon gar nicht von einem Politiker garantiert werden kann. Eher schon von Kölner Verhältnissen. Die ganz ohne Zweifel in der Silvesternacht eine ausgesprochen positive Wirkung hatten. Aber einmal abgesehen von logistischen und personellen Problemen, so hundertprozentig wirkt das auch nicht immer, wie man am Bosporus sieht.

Und so kommt da Einer mit einem schlichten Gemüt auf die absurde Idee, vielleicht weniger Geld für Sicherheitskonzepte auszugeben. Und dafür vielleicht etwas in Brot und Arbeit für die zu investieren, die glauben, hier die Freiheiten zu haben, die sie zu Hause nicht mehr kannten. Integration muss auch nicht zwangsläufig bedeuten, seelenruhig zuzusehen, wenn sich Parallelwelten bilden. Sich vor lauter Verständnis und politischer Korrektheit am Terminus „Nafris“ abzuarbeiten, ist auch nicht der Schlüssel zum Erfolg. Die Römer, denen wir das Wort verdanken, verstanden unter „integratio“ eine Erneuerung, die Wiederherstellung. Kann man ja mal drüber nachdenken, was das bedeuten könnte.

Berufsverkehr

Manchmal sind es ausgesprochen banale Begebenheiten, die einem die Augen öffnen können. Zum Beispiel eine morgendliche Fahrt zum Arbeitsplatz. Es ist 6 Uhr 25. Auf einer Bundesstraße, die zur nächst gelegenen, größeren Stadt führt, reiht sich ein Auto an das andere. Wie jeden Morgen um diese Zeit. Was den einen oder anderen Autofahrer aber nicht daran hindert, eine Lücke im Gegenverkehr für ein Überholmanöver zu nutzen. Und an der nächsten Ampel zeigt sich dann der beeindruckende Geländegewinn: Eine Wagenlänge.

Doch nicht nur im Straßenverkehr scheint Geduld nur beschränkt geläufig zu sein. Man hat häufig auch in der Politik das Gefühl, dass alles andere als eine schnelle Lösung den Untergang bedeuten könnte. Nicht umsonst wird im gefühlten Minuten-Takt für die unterschiedlichsten Problemstellungen so eine schnelle Lösung gefordert. Dabei weiß jeder einigermaßen vernünftig denkende Mensch, dass das Überholen eines anderen Pkws im morgendlichen Berufsverkehr in keiner Weise zu einem schnelleren Vorankommen führt. Dass es für den Dreißigjährigen Krieg auch keine schnelle Lösung gab.

Ich habe den Eindruck, dass die Möglichkeit, in ein paar Stunden an entfernte Badestrände zu gelangen, zu der verbreiteten Annahme geführt hat, dass auch alles andere in diesem Tempo geschehen müsse. Natürlich wünscht man sich, dass die Menschen in Kriegsgebieten am liebsten in Lichtgeschwindigkeit wieder friedliche Zeiten bekämen. Dass Hunger und Not auf dieser Welt lieber heute als morgen ein Ende hätten. Aber es ist ebenso wenig realistisch wie zu glauben, dass man schneller ans Ziel käme, wenn man in einer langen Schlange ein Auto überholt.

Experten, wenn wir ihnen mal ausnahmsweise glauben wollen, gehen davon aus, dass es durchaus 100 Jahre dauern kann, bis man im Vorderen Orient zu einer neuen und friedlicheren Ordnung gefunden hat. In Europa hat dies übrigens um einiges länger gedauert. Weshalb auch die sogenannte Balkanroute nicht von heute auf morgen zum idyllischen Wanderweg werden wird. Afrika wird ebenso wenig  in kürzester Zeit zur blühenden Landschaft und einem Garten Eden, in dem die Menschen in Eintracht und ohne Hunger leben können.

Und nicht einmal Leute wie Donald Trump, Kim Jong-un oder Jaroslaw Kaczynski werden sich so schnell in Luft auflösen, wie man es sich eigentlich wünschen würde. Es braucht leider alles seine Zeit. Was nicht heißen soll, dass man nur untätig rumsitzen sollte. Meine Großmutter hatte dafür jedenfalls immer einen Satz parat: Steter Tropfen höhlt den Stein, lautete der. Sie hat dann immer noch dazugesagt, dass Rom auch nicht an einem Tag erbaut worden wäre. Vielleicht sollten die Menschen öfter mal an meine Großmutter denken.

Jetzt schon an die guten Vorsätze denken

Eine Nachricht, die mich, weihnachtlich eingepegelt und noch von leichten Punschschwaden umwabert, sofort in die Realität zurück geholt hat. Zwar kam sie ganz zum Schluss, wurde also nicht als besonders wichtig angesehen. Aber wenn man nur einen Satz weiter denkt, dann versteckt sich in dieser kleinen Nachricht ein durchaus aussagekräftiges Bild, erweist sie sich als geradezu symptomatisch für den Zustand einer ganzen Nation. Und darüber hinaus.
Es wird davon ausgegangen, dass in der BRD noch 16 Milliarden Deutsche Mark, in Scheinen oder Münzen, in den Haushalten ein nostalgieumflortes Dasein fristen. Das spricht natürlich zum einen dafür, dass wohl viele Menschen die guten, alten DM-Zeiten in bester Erinnerung haben. Wer bewahrt schließlich schon Reliquien auf, die an etwas Fürchterliches erinnern. Außer Alt- oder Neu-Nazis und Sadisten.
Zum anderen heißt das aber auch, dass in diesem unseren Land, in dem man sich auch unterm Weihnachtsbaum fragte, ob es zum Beispiel diesen Flüchtlingsstrom überhaupt finanzielle stemmen kann, 16 Milliarden Deutsche Mark, also grob gerechnet 8 Milliarden Euro, überhaupt nicht benötigt werden. Dass sie einfach nur so rumliegen, hemmungslos Staub ansetzen dürfen, Schubladen verstopfen, in Blechdosen gelegentlich vor sich hin klimpern. Als Souvenir für vergangene Zeiten.
In einer „Kultur der Gleichgültigkeit“ solle der Lebensstil der Christen erfüllt sein von Erbarmen, Einfühlungsvermögen, Mitleid und Barmherzigkeit. Soll Papst Franziskus am Heiligen Abend im Rahmen der Christmette in Rom gesagt haben. Und ich tue es zwar ungern, denn schließlich ist es der Papst, aber ich möchte die Worte von Papst Franziskus etwas korrigieren respektive ergänzen.
Es ist nicht nur Gleichgültigkeit, es ist schlimmer. Man könnte es bei genauem Hinsehen Sadismus nennen. Denn es geht hier nicht nur um 8 Milliarden Euro. Es geht darum, dass wir lieber etwas rum liegen lassen, in die Mülltonnen schmeißen, es manchmal einfach auch nur vergessen, als daran zu denken, mit denen zu teilen, die weniger oder nichts haben. Und ich sage ganz bewusst „wir“. Vielleicht suche ja nicht nur ich nach potentiellen guten Vorsätzen für das Neue Jahr.