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Rosenkrieg

Also richtig verheiratet waren sie ja nie. Es war ja eher so eine Zweck-Ehe. Eine Interessengemeinschaft. Hindert aber nicht, dass es jetzt zum Rosenkrieg gekommen ist. Den vielleicht die Eine oder der Andere schon sehr viel früher erwartet hätte. Nachdem die Trennung schon ein gutes halbes Jahr zurück liegt. Aber es ist wie in vielen anderen Beziehungen eben auch: Der Schmerz über die Trennung staut sich auf. Und dann bedarf es nur noch einer erneuten Kränkung – und schon fliegen die Fetzen. Und das natürlich ganz besonders, wenn diese Kränkung dann auch noch coram publico erfolgt. Es mehr oder minder jeder mitbekommt.

Doch eigentlich war das ja abzusehen. Denn auch wenn solche Zerrüttung natürlich auch in anderen Beziehungen vorkommt, wenn dies in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft mit zwei Alpha-Männchen der Fall ist, dann ist der große Schlagabtausch programmiert. Von einstweiligen Verfügungen ist die Rede, von Anzeigen wegen Verleumdung. Wie der Rosenkrieg ausgehen wird, das lässt sich allerdings erst sagen, wenn das Buch herausgekommen ist, in dem sich Steve Bannon, der Ex-Berater von Donald Trump, über den US-Präsidenten auslässt.   

 

Eine Gegendarstellung

Schon Blumen gekauft? Im Restaurant reserviert? Oder doch lieber mit der Mutti zu McDonalds? Oder vielleicht vorgesehen, sie am Sonntag mit aufgebackenen Brötchen oder Croissants zu überraschen? Es ist schließlich Muttertag. Der einzige Tag im Jahr, an dem es möglich ist, sich einmal bei seiner Mutter zu bedanken, sagt der Groß- und Einzelhandel. Danke zu sagen jedenfalls, für diesen unmöglichen Haarschnitt, der immer wieder gerne die ganze Klasse erheiterte. Dafür, dass alle anderen Kinder Geld für Müsli-Riegel hatten, das sie für Zigaretten ausgeben konnten. Während du „Pausenbrote“ mitbekamst. Oder vielleicht für all das, was dir deine Mutter während deiner Kindheit an Arbeiten abgenommen hat. Was du dann als junger Mensch mühsam dir selber beibringen musstest. Also zum Beispiel morgens Klamotten raussuchen, dreckige Wäsche zu waschen oder ein Spiegelei zu braten.  

Einmal ganz zu schweigen davon, dass dich die Mutter nicht einmal gefragt hat, ob du überhaupt geboren werden willst. Was sie dann nicht davon abgehalten hat, dir die komplette Kindheit mit Verboten und Geboten und einem unfähigen Vater zu vermiesen. Weshalb du heute noch in psychologischer Behandlung bist. Dafür also lieben Dank! Und vielleicht doch lieber einen Rosenstrauß. Für den die Blumen aus Afrika importiert wurden, wo sie schlecht bezahlte Einheimische liebevoll gebunden haben.  Die nur das Wasser aus einem dreckigen Brunnen als Trinkwasser haben, weil alles andere Wasser für die Blumen verbraucht wird. Aber Hauptsache die Dornen an den Rosen sind lang genug, um richtig zu stechen.

Entrüstungs-Entschleunigung

Wenn es nicht um Menschen ginge, um deren Schicksale, man müsste eigentlich ganz offen sagen, dass es so langsam wirklich nur noch zum Gähnen langweilig ist. Wen kann das noch interessieren, wer bei wem irgendwo im Gedärm zugange ist, um sich Flüchtlinge vom Hals und sie aus dem anlaufenden Wahlkampf heraus zu halten? Ob nun auch in Deutschland offen und in bester nationalsozialistischer Tradition türkische Einrichtungen zur Denunziation aufgerufen werden, damit ein Möchtegern-Macht-Politiker so viele Verleumdungsklagen anstrengen kann, wie Frau von Storch Follower bei Facebook hat? Ich habe übrigens schon eine Selbstanzeige gemacht, damit ich Strafmilderung bekomme. Mein Nachbar, der Busfahrer ist, hat gesagt, bei Verleumdungsklagen wäre das wie bei Steuerhinterziehung. Und der muss es ja wissen.

Auf jeden Fall scheint es auch keinen großen Sinn zu machen, gebetsmühlenartig Hungersnöte und Kinderarbeit anzuprangern, Gewalt gegen Frauen und die Macht der Märkte, das langsame Sterben der Um- und Tierwelt, die Gleichgültigkeit und Dummheit der Mehrheit der Menschheit. Ein Blick zurück genügt, um zu sehen, dass es zwar immer Menschen gab, die gegen schreiendes Unrecht gekämpft haben. Aber man sieht auch, dass manches zwar gelindert wurde, aber der Mensch immer Mensch blieb. Mit all seinen guten und den so oft überwiegenden schlechten Seiten. Was in meinen Augen und in seiner Konsequenz im Mythos von Sisyphos eine schöne Metapher gefunden hat.

Erlaubt sie mir doch eine fast angenehme Müdigkeit, ein Ruhebedürfnis, das zwar nicht unendlich andauern wird, für den Moment aber danach schreit, mich eher an dem Gekrähe eine Enkels zu erfreuen, an den vorsichtig knospenden Rosen, an der Aussicht auf eine wärmende Sonne. Alles Dinge, die man genießen kann, ohne das Elend und die Ungerechtigkeiten zu leugnen. Doch ich glaube mittlerweile, dass man die schönen Dinge des Lebens genießen muss, dass man sie pflegen und suchen muss, um überhaupt in der Lage zu sein, sich dem Elend und den Ungerechtigkeiten zu stellen, sich ihnen zumindest versuchsweise entgegen zu stellen. Etwas drastisch ausgedrückt: Wer immer nur in Exkrementen watet, wird sich irgendwann von diesen nicht mehr besonders unterscheiden. Ich werde mich also heute auf Rosen betten. Morgen und übermorgen vielleicht auch.