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Gesinnungswandel

Wahrscheinlich ist jetzt wieder einmal so eine Zeit, in der es dringend notwendig ist, das eine oder andere Vorurteil über Bord zu werfen. Auch wenn man auf dem flachen Land wohnt. Ich jedenfalls hätte nie gedacht, dass ich eines Tages Worten des Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble applaudieren würde. Und damit mich voll und ganz hinter die Person stellen würde. Auch wenn ich dort nicht sichtbar bin.

„Nicht alles muss vor dem Schutz von Leben zurücktreten“, hat er jetzt gesagt, und dass die im Grundgesetz verankerte Menschenwürde nicht ausschließe, „dass wir sterben müssen“. Um dem hinzuzufügen: „Wenn ich höre, alles andere habe vor dem Schutz von Leben zurückzutreten, dann muss ich sagen: Das ist in dieser Absolutheit nicht richtig.“ Und ich finde, dass man ihm da nicht widersprechen kann. Es sei denn, man fragt nicht danach, wo denn der Schutz von Leben ist, wenn zum Beispiel Frauen und Kinder ermordet werden.

Und dann gibt es da noch eine andere Geschichte. Im belgischen Brügge hat es eine Frau geschafft, dass sie in ihrem Hotel trotz Corona Gäste begrüßen konnte. Sie hatte sich gefragt, wo denn Obdachlose hin sollen, wenn es verboten ist, auf öffentlichen Plätzen zu verweilen. Ihre Antwort: Am besten in einem Hotel wohnen. Und die Stadt Brügge hat mitgespielt. Weshalb jetzt die Obdachlosen, die in den städtischen Unterkünften keinen Platz finden, ihre Nächte im Hotel verbringen. Frühstück inklusive. Tagsüber können sie dann in eine Tagesstätte.

„Ich hatte noch nie eine so respektvolle Klientel“, sagt die Hotelbesitzerin, und ist voll des Lobes, dass ihre Gäste auch noch freiwillig aufräumen und abwaschen. Aber es gibt noch mehr gute Nachrichten. Denn die Airline Condor wird vom Staat mit 550 Millionen Euro vor der Pleite bewahrt. Wohl auch um Leben zu schützen. Und jetzt die allerbeste Nachricht: Der Verteidigungshaushalt stieg im vergangenen Jahr um 10 Prozent. Was erklärt, warum es für die eine oder andere Maßnahme im Kampf gegen den Klimawandel leider nicht gereicht hat.

 

 

 

 

Werbeträger

Das ist doch eine richtig gute Idee. Jetzt einmal abgesehen von den Mega-Super-Stars wie Brad Pitt mit und ohne Angelina Jolie und Konsorten und einigen Sportlern sind doch Politiker ohne Zweifel die Spezies, die ganz besonders im Rampenlicht steht. Also zumindest wenn sie nicht jener Promi-Kategorie angehören, die nur im Sommerloch vor den Mikrofonen und Kameras auftaucht. Höchst erfolgreich hat es jetzt ja die Life-Style-Beraterin des US-Präsidenten, Kellyanne Conway, vorgemacht. Es war beste Sendezeit, ein Live-Interview. Also optimal für einen kleinen Werbeblock.

Das kann doch nur den Umsatz ankurbeln, wenn man da einmal kurz darauf hinweist, dass die Leute unbedingt die Klamotten von Trump-Töchterlein Ivanka kaufen sollen. Wo es doch unamerikanische Supermarktketten gibt, die diese Klamotten aus dem Sortiment genommen haben. Dann noch schnell der Hinweis, dass es natürlich auch einen Online-Shop für Ivankas Kreationen gibt, und man kann doch gleich wieder viel besser über so langweilige Sachen wie Politik plaudern.

Ich könnte mir vorstellen, dass unser Finanzminister Schäuble die richtige Gallionsfigur wäre, um zum Beispiel Sterbeversicherungen und andere Finanzprodukte anzupreisen. Bei Maybrit Illner beispielsweise. Warum ich gerade beim Chef des Bundeskanzleramts, Peter Altmayer, eher an Produkte von Wiesenhof denke, ist mir zwar ein Rätsel. Aber bei Frau von Storch von der AfD bin ich mir ganz sicher, dass sie bestens geeignet wäre, in einem Interview schnell mal zwischendurch für Fertigsaucen etwas Werbung zu machen. Braune Soßen für Braten zum Beispiel.

Und bei Claudia Roth besteht ja überhaupt kein Zweifel. Sie ist absolut prädestiniert, um Mode von Gudrun Sjöden unter die Menschen zu bringen. Am besten vielleicht in so fröhlich bunter Runde wie zum Beispiel beim Kölner Treff. Auf jeden Fall dürfte es nicht an Gelegenheiten mangeln. Und mit der Politikverdrossenheit wäre auch wieder Schluss. Die Menschen würden sich endlich auch Sendungen ansehen, in denen von Politikern über Politik gesprochen wird. Weil man zwischendurch auch erfahren könnte, was es gerade für Schnäppchen gibt. Und wer hat’s erfunden? Nein, nicht die Schweizer, sondern Kellyanne Conway.

Schäuble räumt auf

Damit es in Zukunft für den Steuerflüchtlingsstrom in Panama nicht so schön bleibt wie es bisher war, hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble einen Zehn-Punkte-Plan in Auftrag gegeben. Teil davon soll ein „Geldwäsche-Register“ sein, in dem sämtliche Firmenkonstrukte und die jeweiligen Begünstigten erfasst werden sollen, damit es erschwert wird, Geld vor dem deutschen Fiskus in Steueroasen zu verstecken. Dass die EU solche Register eigentlich schon längst vorschreibt, kann diesen mutigen Vorstoß des Finanzministers nicht schmälern.

Im Kern geht es um einen automatischen Informationsaustausch zwischen den Ländern, wie es das kürzlich in Kraft getretene OECD-Abkommen vorsieht, wonach Banken jedes Konto an die Heimatbehörde des Kontoinhabers melden müssen, also so automatisch für die Steuer relevante Informationen ausgetauscht werden. Schon 100 Länder sind schon diesem Abkommen beigetreten, darunter die Schweiz, Liechtenstein, Luxemburg, die Bahamas, Singapur, Hongkong und sogar die Cayman-Inseln. Als Vorreiter können übrigens die USA angesehen werden.

Sie haben schon vor einigen Jahren das sogenannte Fatca-Verfahren eingeführt, das Banken unter Androhung von Repressalien und Sanktionen verpflichtet, Auskunft über die Auslandskonten von US-Bürgern zu geben. Es beinhaltet nicht, dass umgekehrt andere Staaten Auskunft von US-Banken über Konten ihrer Bürger in den USA erhalten. Weshalb jetzt wohl ein großer Flüchtlingsstrom von Panama in die USA einsetzen wird, denn natürlich sind die USA auch nicht dem OECD-Abkommen beigetreten. Wahrscheinlich muss Janosch jetzt sein Buch noch einmal überarbeiten und unter dem Titel „Oh, wie schön sind die USA“ noch einmal neu herausgeben.

Helau und Alaaf

So langsam sollte man sich schon Gedanken darüber machen, was man anziehen wird. Nur noch zwei Wochen, dann steuert die sogenannte fünfte Jahreszeit ihrem Höhepunkt zu. Begonnen hat die närrische Zeit allerdings schon jetzt. Und wie sollte es anders sein, natürlich auch in Köln. Hat doch dort der Leiter einer Polizeiinspektion im Gespräch mit der „Bild“-Zeitung davor gewarnt, sich im Karneval als Cowboy, Pirat, Jedi-Ritter oder Islamist zu verkleiden. Da zu diesen Kostümierungen Waffen gehörten, könnte dies „Menschen sehr verunsichern“. Ob auch alle Frauen dazu aufgefordert werden sollen, während des Karnevals zu Hause zu bleiben, da sie ebenfalls „Menschen sehr verunsichern“ können, wird derzeit wohl noch diskutiert.

 

Doch auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hat gemerkt, dass Fasching ist. Und der Bundeskanzlerin einen Brandbrief geschickt, in dem er, sensationell und völlig überraschend, einen Kurswechsel in der Flüchtlingspolitik fordert. Dass er gleichzeitig eine Maut für Flüchtlinge gefordert hat, wurde von seinem Sprecher nicht ausdrücklich bestätigt, ist aber höchst wahrscheinlich. Zustimmung dafür könnte auch von Finanzminister Schäuble kommen, der nach neuen Wegen sucht, die Flüchtlingsströme zu finanzieren, nachdem er für eine Flüchtlings-Steuer auf Kraftstoff keine Unterstützung fand.

 

Dass im Gegensatz dazu die Briten ausgesprochene Faschingsmuffel sind, zeigt eine  Petition, die mehr als 600 000 Briten unterzeichnet hatten. Mit ihr wurde ein Einreiseverbot für den US-Präsidentschaftskandidaten der Republikaner, Donald Trump, gefordert. Nachdem er seinerseits ein Einreiseverbot für Muslime in die USA in Aussicht gestellt und behauptet hatte, dass in London wegen radikaler Muslime Polizisten um ihr Leben fürchteten. Woraufhin Londons völlig humorloser Bürgermeister Boris Johnson behauptete, Trump habe „eindeutig den Verstand verloren“. Im Vorstand einer deutschen Partei wird nun überlegt, ob Donald Trump nicht als Berater eine sinnvolle Verstärkung sein könnte.

Enttäuscht

Ich weiß, eigentlich hatte ich ja gesagt, dass mir diese ganze Geschichte zum Halse raushängt. Schließlich geht das ja nun schon seit gefühlten Jahren. Aber jetzt führt wohl kein Weg mehr daran vorbei, jetzt muss auch bei mir noch einmal diese endlose Griechenland-Rettungsaktion auf den Tisch. Wobei man nicht unbedingt an einen Operationstisch denken sollte, denn der Patient scheint nach Schäubles Ansicht und im Einklang mit der EZB schon tot zu sein. Andererseits weiß ich nun wirklich nicht, wer prädestinierter sein könnte, über dieses Thema zu sprechen als ich. Schließlich kaufen wir seit Jahren nur griechische Oliven, von Feta, Gyros für die Mikrowelle und Ouzo ganz zu schweigen. Und wer in München lebt und gelebt hat, und schon damals das Wohl und Wehe dieses südlichen Landes im Auge hatte, der kann sicher bestätigen, dass ich einer der treuesten Stammgäste im Mykonos war, zuerst in Freimann und dann später auch in Schwabing. Und wenn man jedes Mal von Neuperlach dorthin fahren muss, dann will das schon etwas bedeuten.

Doch ich muss ehrlich zugeben, dass mir jetzt endgültig der Appetit vergangen ist. Nicht dass ich diese großherzigen, sympathischen und zugewandten „Geldgeber“ schon jemals besonders nett gefunden hätte. Aber ich hätte den Griechen respektive ihren politischen Vertretern ein klein wenig mehr Intelligenz und diplomatisches Geschick zugetraut. Schließlich haben die Griechen nicht nur die olympischen Spiele sondern auch die Tragödie, Werke von epischer Breite und viele Wörter erfunden, ohne die selbst heutzutage kein richtiger Intellektuellen auskommt.

Doch dass nun die Nachfahren aus dieser Wiege abendländischer Kultur alles vergessen haben, was Sokrates, Plato und all die anderen klugen Köpfe mit Löckchen-Frisur schon vor mehr als zweitausend Jahren vorformuliert haben, das hat mich nachhaltig verstimmt. Schließlich hat sich vor allem der Eindruck aufgedrängt, dass es nur noch darum ging, dem anderen die Schuld zuweisen zu können, damit man mit weißer Weste dasteht. Was man eher von den sogenannten Geldgebern gewohnt war.

Aber dass sich Tsipras und Varoufakis der Dauerlächler auch darauf eingelassen haben, das enttäuscht mich wirklich. Und es macht mich sogar richtig ärgerlich, wenn man bedenkt, wer den ganzen Schlamassel ausbaden muss. Also ich schätze mal, dass sich die Herren Tsipras und Varoufakis keinen Kopf machen müssen hinsichtlich ihrer Zukunft. Aber was ist mit den anderen Griechen, die zufällig keine Reederei besitzen? Oder Konten im Ausland.

Die Tragik dieser Tragödie, die ein Aristophanes wohl nur müde belächelt hätte, ist vor allem, dass wieder einmal alle Klischees erfüllt wurden. Auf allen Seiten. Da reiben sich Rechtspopulisten wie ihre radikaleren Ableger hierzulande nur freudig erregt die Hände und stimmen ihr ewig Lied an über Linke im Allgemeinen und EU-Länder, die das arme Deutschland ausbluten lassen wollen, im Besonderen. Und ausgelassen wird in der nächsten Flüchtlingsunterkunft ein Freudenfeuer angezündet.

Alles wird gut

Es tut mir herzlich leid, aber er muss noch ein bisschen warten, der Papst Franziskus. Die feuilletonistische Besprechung seiner aktuellen Enzyklika ist ja schließlich nichts, was jetzt so sehr auf den Nägeln brennt. Ganz im Gegensatz zur derzeitigen Situation an den „Märkten“. Die Aufwärtsbewegungen an den Börsen sind nicht nur gestoppt, fast überall geht die Kurve jetzt sogar nach unten. Es muss wohl kaum erwähnt werden, woher diese Unruhen am Kapitalmarkt stammen. Weshalb ich nur auf die Folgen eingehen möchte. Darauf, was passiert, wenn der „Supergau“ eintreten sollte.

Wirtschaftsfachleute sprechen von gravierenden Auswirkungen auf ganz Deutschland. Andere haben bereits die Taschenrechner heiß laufen lassen und festgestellt, dass es Deutschland 87 Milliarden Euro kosten könnte. Ein Börsianer aus den USA ist sich sogar ziemlich sicher, dass es Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben könnte, weil es das Aus für den Euro bedeuten würde. Kurz: Wir stehen am Abgrund.

Doch in all dieser Untergangsstimmung gehen leider wieder einmal völlig die guten Nachrichten unter. Und da soll jetzt Abhilfe geschaffen werden. Hier das aktuelle Ranking: 1. Weder Merkel noch Schäuble müssen die 87 Milliarden aus der eigenen Tasche bezahlen. 2. Banker können trotzdem gut schlafen, denn ihre eventuellen Verluste werden selbstverständlich durch den Staat abgefedert. 3. Auch wenn noch mehr Euro-Staaten in näherer oder fernerer Zukunft Bankrott gehen sollten, es wird deswegen nicht weniger Milliardäre auf der Welt geben. Im Gegenteil.

Deshalb meine Empfehlung: Einfach nicht aus der Ruhe bringen lassen. Es bleibt alles beim Alten. Es werden halt einfach wieder ein paar Sozialleistungen gestrichen. Das Pflegepersonal in den Krankenhäusern, Behindertenstätten und Altersheimen muss halt den Gürtel etwas enger schnallen. Gelder für Flüchtlinge wird es natürlich noch weniger geben. Und die Renten werden halt auch nicht mehr so rasant steigen. Dafür bekommen wir alle die Gewissheit, dass unsere Politiker alles menschenmögliche tun werden, um ihre Geldgeber, also die Bürger dieses Landes, so wenig wie möglich zu belasten. Kurzum: Alles wird gut.

Zwölf Punkte für Griechenland

Ich finde, man sollte sich hierzulande so langsam etwas dankbarer zeigen gegenüber diesen Griechen. Wäre es nicht sehr viel langweiliger, wenn wir nicht täglich neue Kommentare aus Griechenland zu hören bekämen? Hat das nicht einen hohen Unterhaltungswert, wenn der griechische Staatsminister Niko Pappas ganz stolz sagt, dass unser Finanzminister Schäuble mit seinem Plan, „Griechenland zu ersticken“, gescheitert sei. Finanzminister und Lederjacken-Träger Yanis Varoufakis etwas weinerlich der EZB vorwirft, Griechenland „die Luft zum Atmen“ zu nehmen.

Oder Justizminister Nikos Paraskevopoulos die große Keule schwingt und alles, was in Griechenland Deutschland oder Deutschen gehört, beschlagnahmen will. Der Verteidigungsminister Panos Kammenos sogar verspricht, zehntausende Flüchtlinge mit Papieren zu versorgen und nach Berlin zu schicken, inklusive ein paar IS-Kämpfern. Und der griechische Vize-Innenminister Giannis Panousis auch noch eins drauf setzt, und gleich alle 500.000 illegalen Immigranten in Griechenland in andere europäische Länder weiter schicken will.

Und was hört man aus Deutschland? Dass die Griechen erst einmal ihre Hausaufgaben machen sollen! Also langweiliger und einfallsloser geht es nun wirklich nicht. Einmal davon abgesehen, dass mich das an meine Schulzeit erinnert. Weil die genauso langweilig war. Und deswegen stehe ich voll und ganz auf der Seite der Griechen und habe auch gleich noch einen guten Tipp für sie. Die sollten doch einfach androhen, dass Deutsche so lange in Griechenland nicht mehr Sirtaki tanzen dürfen, bis der Schäuble dem Schuldenschnitt zugestimmt hat. Da knickt sicher sogar der Schäuble ein.