Schlagwort-Archive: Scheidung

Wieder Vereinigung

So eine Gelegenheit darf man sich einfach nicht entgehen lassen. Wenn es auch nicht für den Spruch reicht, „ich habe es schon immer gesagt“, zumindest kann ich mir anmaßen zu sagen, dass ich es schon damals vorhergesehen hätte. Was mir zugegebenermaßen in anderem Zusammenhang nicht gelang. Wir kannten uns seit Schulzeiten. Alles deutete auf eine gemeinsame Zukunft hin. Doch dann wurden unsere Wege getrennt. Sie studierte dort. Ich arbeitete hier. Wir verloren zwar nie ganz den Kontakt, aber erst durch eine glückliche Fügung kamen wir eines Tages wieder zusammen. Um es kurz zu machen: Heute leben wir zwar beide in der gleichen Stadt, treffen uns hin und wieder. Aber wir sind geschiedene Leute, finden einfach keinen gemeinsamen Nenner mehr.

Doch nun zu meiner auch belegbaren Behauptung, dass ich es wenigstens einmal schon „gleich gesagt habe“. 1991 erschien nämlich ein Buch, das sich mit rechtsradikalen und neonazistischen Aktivitäten und Tendenzen in den damals noch ganz neuen Bundesländern beschäftigt. Es hat den vielleicht etwas kryptischen Titel „Von links nach rechts“, einer der beiden Autoren ist der Publizist Kurt Hirsch, der andere bin ich.

Immerhin warnte auch die damalige Ausländerbeauftragte Liselotte Funcke bereits davor, dass „Ausländer zu Sündenböcken gemacht werden für die allgemeine Unzufriedenheit“, während andere von einer „Randerscheinung des Umbruchs“ sprachen. Resümee des Buches hingegen: „Die Geschichte wiederholt sich nicht schematisch, doch was offensichtlich immer wiederkehrt, das sind die Bürger und Politiker, die sich zu verschiedenen Zeiten immer wieder ähnlich artikulieren und so, gewollt oder nicht gewollt, bewußt oder nicht bewußt, zu neuen Wegbereitern des alten Rechtsradikalismus werden.“ Klingt in diesen Tagen und nach dieser Bundestagswahl vielleicht nicht so ganz falsch. Auch wenn es mir lieber wäre, wenn ich falsch gelegen hätte.

Advertisements

Wachsfiguren

Um mehr zu verstehen von dieser Welt, ist es für mich unbedingt notwendig, zu neuen Erkenntnissen zu kommen. Mir detailliertes Wissen zu verschaffen zu den Problemen, die in immer wieder neuer oder anderer Form auf den Nägel brennen. Deswegen greife ich oft in Bücherregalen nach den Ratgebern aus den unterschiedlichsten Bereichen. Oder auch zu Fachliteratur der Psychologie oder Soziologie und weiterer Wissenschaften. Ich schaue mir Dokumentationen oder Wirtschafts- und Verbrauchermagazine im Fernsehen an. Und natürlich benutze ich auch das Internet zu diesem Zweck.

Was ich zugegebenermaßen bisher aufs Gröbste vernachlässigt habe, das sind TV-Programmzeitungen. Doch ich gelobe Besserung. Nachdem ich nun feststellen durfte, dass dort in den Redaktionen ganz offensichtlich Menschen sitzen, die den ganzen großen Überblick haben. Wurde doch in der jüngeren Vergangenheit selbst von Experten nur gerätselt, warum ein Märchen in einem Drama enden musste. Sie haben es sicher erraten, es geht um die Scheidung von Angelina Jolie und Brad Pitt. Ein Thema, das gleich nach der Frage, ob man Deutschlands Frauen Ausgehverbot erteilen sollte, wenn Donald Trump als Präsident zum Staatsbesuch kommt, hierzulande ganz oben auf der Agenda steht.

Doch jetzt hat das Rätseln ein Ende. Denn in dieser TV-Programmzeitschrift wird haarklein erklärt, warum für „die größte Liebe der Welt“ der Abspann läuft. Die Conclusio: „Angelina Jolie neigt zu harten Schnitten.“ Was detailliert und fundiert belegt wird. Auf so unnachahmliche Weise, dass die Passage nur wenig gekürzt wiedergeben wird: „Angelina Jolie neigt zur Härte. Damit glaubt die Schöne, sich vor dem Unschönen schützen zu können. 2013 lässt sie die Brust entfernen – Vorsorge… 2015 die Eierstöcke. Jetzt 2016: Sie entfernt Brad Pitt aus ihrem Leben, nach elf Jahren Liebe und zwei Jahren Ehe.“

Sie trennt sich also von dem Gatten, weil er hässlich ist. Weil sie, wie es in der TV-Zeitung heißt, lieber aktiv sein will als abzuwarten, „sie lieber Täterin als Opfer“ ist. Doch anders als im Fall Aleppo reagiert hier die Welt laut TV-Zeitung auf den „Schock“: „In den 18 Wachsfiguren-Kabinetten der Madame Tussaud rücken die Handwerker an – und Angelina weg von Brad.“ Nur die Frage, ob viele Frauen zu harten Schnitten neigen wie Angelina Jolie, wird in dem Artikel leider nicht beantwortet. Weshalb ich selber eine Untersuchung gestartet habe. Von den fünf Frauen in meinem näheren Umfeld neigen vier eher zu weichem Brot.

Brangelina

Kein guter Tag. Nicht nur, dass es heute Morgen keine Sesambrötchen mehr gab, es hat sich auch herausgestellt, dass sich Helmut nicht nur für Politik interessiert. Er sieht sich offensichtlich auch Sendungen wie „Brisant“ oder „Exklusiv: Das Starmagazin“ an. Jedenfalls hat er sich beim Brötchenkauf kurz aber eindrucksvoll zur Trennung von Angelina Jolie und Brad Pitt geäußert. Dass er, Helmut, nämlich keinen Zweifel daran habe, dass sie, Angelina, das mit der Kindesmisshandlung und den Ausrastern von Brad unter Alkohol und Drogen nur erfunden hat. Einmal abgesehen davon, dass eine Ohrfeige einem Kind noch nie geschadet habe, wie man an ihm sehen könnte.

Weil sie nämlich, sagt Helmut, gemerkt hat, dass sich bei ihr so langsam die Cellulitis nach oben arbeitet. Es also nur eine Frage von Zeit ist, bis sie keine Filmangebote und auch keinen neuen Mann mehr kriegt. In Hollywood die Filmangebote und die Ehen aber immer zeitlich begrenzt sind. Die Scheidung jetzt ist nichts anderes als ihre Altersvorsorge. Sagt Helmut. Denn mit Kindesmisshandlung könnte sie dem Brad in den USA so richtig das Geld aus der Tasche ziehen. Damit könnte sie ihm auch noch die letzte Traube von ihrem Weingut in Frankreich raus pressen. Er habe da so seine Erfahrungen, sagte Helmut beim Rausgehen und vergaß sogar, einen schönen Tag zu wünschen. Er schien sehr aufgewühlt.

Eheprobleme

Auch wenn es nicht jede oder jeder für möglich hält, ich habe Freunde. Einer von ihnen hat vor einiger Zeit die Scheidung eingereicht. Er habe sich ständig von seiner Frau bevormundet gefühlt, gab er als Grund an. Sie hätten sich einfach auseinander gelebt, sagte er. Und wie das in unserer schnelllebigen Zeit nun einmal so ist, hat sich bald darauf seine Frau bei Tinder angemeldet und die gemeinsame Wohnung mit drei Koffern verlassen. Sie ist ausgezogen.

Nun ist mein Freund völlig verzweifelt. Er nimmt kaum noch Nahrung zu sich. Zumindest keine in fester Form. Gestern Abend habe ich wieder einmal mit ihm gesprochen. Und er hat sich bitter über seine Frau beklagt. Über ihre Reaktion. Dass sie so unangemessen reagiert habe. Als er die Scheidung eingereicht habe, sagte er, sei er nicht davon ausgegangen, dass ihn seine Frau deswegen auch verlassen würde.

Festtags-Blues

Manchmal ist es einfach besser, ein bisschen Abstand zu nehmen. Damit sich die eine oder andere Aufregung legen kann, manches Bild nicht mehr ganz so grell daherkommt. Jedenfalls liegen jetzt diese zwei Feste von geradezu mystischer Bedeutung weit genug hinter uns, um ein kleines Resümee zu ziehen. Was sie verbindet, das ist übrigens vor allem die Tatsache, dass sie uns in einem Maße auch mit Menschen in Verbindung bringt, denen wir im restlichen Jahr im besten Falle galant und mit manchem side-step eher etwas aus dem Wege gehen. Uns aber bisweilen dank dieser Festtage vor eine sehr harte Probe stellt.

Sagen wir es doch in aller Offenheit: Weihnachten und Silvester sind Ausnahmesituationen, die, wenn überhaupt, vor allem deswegen gemeistert werden können, weil ihr Ende absehbar und außerdem ein Jahr der Erholung vorgegeben ist. Was dann passiert, wenn ein Ausnahmezustand länger andauert oder sogar scheinbar unbefristet anhalten könnte, das lässt sich allerdings nicht nur im Mikrokosmos familiärer Bande nachvollziehen sondern derzeit auch im großen Teil eines Kontinents.

Es ist ihr nicht gut bekommen, dieser Europäischen Union, was sich in den letzten Monaten ereignet hat. Auch wenn es sich schon sehr viel länger angekündigt hatte. Jedenfalls ist der Familienfrieden ernsthaft gestört. Diese Union bietet derzeit ein Bild, als hätte sie über Monate, wenn nicht sogar über Jahre hinweg Weihnachten und Silvester gefeiert. Und darüber hinaus sind im vergangenen Jahr auch noch Gäste gekommen, die gar nicht eingeladen waren. Fast nicht weiter verwunderlich, dass sich nicht wenige nach etwas Abstand sehnen, endlich einmal wieder etwas ganz für sich alleine machen wollen.

Die Scheidungsanwälte sind zumindest schon eingeschaltet. Die Slowakei verklagt die EU. Die EU will gegebenenfalls Polen verklagen. Und England denkt angestrengt darüber nach, am besten doch gleich auszuziehen. Weshalb sich dringend die Frage stellt, ob es denn überhaupt Familientherapeuten für Staatenverbünde gibt. Oder ob das einfach nur bedeutet, dass nächstes Weihnachten und Silvester im Euro-Land in ganz neuen Konstellationen gefeiert wird.

Doch nachdem der gute Vorsatz für das Neue Jahr lautete, den Akzent an dieser Stelle mehr auf positive Sichtweisen zu setzen: Eine Scheidung ist ja immer auch ein Neuanfang. Entweder für neue Partnerschaften. Oder vielleicht ja auch einfach nur für eine lange Zeit des allein seins. Vielleicht ziehen ja Herr Seehofer und Herr Cameron zusammen. Nur mit dem derzeitigen Polen möchte ich auf gar keinen Fall Weihnachten feiern. Da pfeife ich dann sogar auf den Klimawandel und fliege für die Weihnachtstage auf Ibiza.