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Alterserscheinungen

Der Mann war einmal Chefredakteur des „Spiegel“. Gut, er hatte auch Pferde, die er vor einer Windkraftanlage schützen wollte. Was misslang. Weshalb er dann gerne gegen Windkraft schrieb. Und zugegeben, als der Spiegel sich von ihm trennte, war er dann schon nicht mehr der Jüngste. Und jetzt hat er ein Alter erreicht, das man das, was er tut, mit einer gewissen Milde sehen könnte. Wenn er jetzt nicht noch einen „Essay“ geschrieben hätte, in der „Welt am Sonntag“. Und was er da vom Stapel lässt, das sich nicht mehr mit dem Alter erklären.

Es geht ihm um seine Sicht der Dinge auf Klimawandel – und um die „Vertreter des Guten auf dieser Welt und die Vertretung der Guten. Womit er auch die Partei Die Grünen meint. Und natürlich die 16-jährige Greta, die gegen den Weltuntergang die Schule schwänzt. Und markante Zöpfe trägt, „die bisher eher als Zeichen einer völkischen Familie galten“. Spätestens an dieser Stelle hat AfD-Grande Gauland sicher gewiehert vor Freude.

Und wen das noch nicht überzeugt hat, für den tritt dieser Stefan Aust den wissenschaftlichen Beweis an: Dass nämlich die Wikinger wegen einer Wärmeperiode nach Grönland gereist wären. Obwohl es damals ja noch keine Industrienationen und deshalb keinen CO²-Ausstoß gegeben hätte. Da hat dann Donald Trump spontan applaudiert. Stefan Aust hat klar erkannt: „Gretas ansteckende Panik wird unser Problem. Kann man nur hoffen, dass Stefans wohl altersbedingte Verwirrung nicht auch noch ansteckend ist.

Satire

Ich habe es doch schon immer gewusst. Dieser Jens Spahn ist der geborene Satiriker. Der Herr Gesundheitsminister hat jetzt einen mehr oder minder flammenden Apell an die Freitags-Schulschwänzer gerichtet, die vorgeben, immer wieder freitags für den Klimaschutz auf Unterricht zu verzichten. Also Jens schreibt ihnen in einer für solche Späße eigentlich weniger bekannte Wochenzeitung ins Vokabelheft: Bleibt politisch, werdet konkret!

Was ja schon in sich ein Widerspruch ist. Also kann es nur Satire sein. Aber es kommt noch dicker. Beziehungsweise noch absurder. Er sagt nämlich außerdem, dass sie sich einbringen sollen, „in der Schule, in eurem Dorf, eurer Stadt, in Projekten, in Vereinen, in Kirchen und ja, auch in Parteien“. Und dann der absolute Brüller: Er sei das beste Beispiel dafür, dass man so etwas erreichen könne. Vergisst aber zu sagen, dass das natürlich voraussetzen muss, dass man wirklich etwas tut. Und nicht nur labern will und Posten besetzen.

Und wenn man dann gerade glaubt, dass es doller nicht mehr geht, dann kommt der Moment, wo man sich nur noch wegschmeißt. Jens Spahn schlägt den #Fridayforfuture-Manifestanten vor, die Einwegbecher im Café stehen zu lassen, keine in Plastik eingeschweißten Äpfel mehr zu  kaufen, sich für den Bau von Stromtrassen stark zu machen, Ingenieurinnen zu werden oder Unternehmen zu gründen, „die mit einem nachhaltigen Geschäftsmodell Geld verdienen und Arbeitsplätze schaffen“.

Und dass sie in die Parlamente einziehen und beim internationalen Klimaabkommen mit anpacken sollen. Mit anderen Worten: Sie sollen all das machen, was heutzutage Politiker nicht tun. Vielleicht sollte man noch erwähnen, dass es sehr wahrscheinlich sowieso zu spät ist, bis ein heute 16-jähriger Jugendlicher Ingenieurin geworden ist, ein Unternehmen gegründet hat und dann das Klimaabkommen anpackt. Und ich frage mich, ob Jens Spahn dann immer noch Satiriker ist.

Stumme Frage

Manchmal macht Internet Sinn. So bin ich auf eine Organisation gestoßen, die sich im Nordirak um traumatisierte Menschen kümmert, versucht, insbesondere Frauen und Kindern in Trauma-Zentren zu helfen. Jedenfalls bin ich durch die Internetseite dann auch auf einen Zeitungsartikel respektive ein Interview gestoßen, in dem mich ein Satz ganz besonders stumm gemacht hat.

Da berichtet nämlich ein Trauma-Therapeut von einem kleinen Jungen, „der neun Monate nicht mehr gesprochen hatte, nachdem seine Mutter, die ihn an der Hand hielt, erschossen worden war“. Und damit ich nicht so schnell wieder das Plappern anfange, kam dann heute wieder einmal die Meldung von einem Amoklauf in einer Schule im US-amerikanischen Florida, bei dem 17 Menschen ermordet wurden.

Vielleicht liegt es an meinem schlichten Gemüt, vielleicht bin ich einfach nicht intelligent genug. Nicht empathisch genug? Jedenfalls habe ich nur eine ganz leise Ahnung, was es Menschen ermöglicht, solche Grausamkeiten zu begehen. Natürlich habe ich ein paar vage Theorien. Wie jene, dass vermutlich auch ich dazu in der Lage wäre. Ich möchte wissen, was andere Menschen darüber denken. Vielleicht erfahre ich es auf diesem Wege. Ich will nicht stumm bleiben.

 

Rollende Ungeheuer

Dass diese Dinger praktisch sein können, bezweifle ich ja gar nicht. Aber sie nerven. Akustisch wenn sie sozusagen unterwegs sind. Und dann am meisten auf Kopfsteinpflaster und ähnlichem Gehweg- oder Straßenbelag. Doch auch in Einkaufspassagen oder in Ankunft- und Abflughallen machen sie sich auf eine Weise bemerkbar, auf die ich verzichten könnte.

Da fliegen wir im All herum, haben sprechende Kühlschränke und kommunizierende Blechbüchsen, die unsere Wohnungen ausspionieren können. Sind aber nicht in der Lage rollende Koffer respektive Koffer mit Rollen so auszustatten, dass man nicht Kopfschmerzen oder sogar einen Tinnitus bekommt.

Zudem hat das Problem mittlerweile auch eine räumliche Dimension bekommen. Bevor Tesla damit anfing, den Weltraumflug für Zivilisten anzupeilen, nahm man einen Koffer zur Hand, wenn man auf Reisen ging. Inzwischen habe ich den Eindruck, dass ein solcher, sofern er Rollen hat, auch Verwendung findet, wenn jemand zum Einkaufen, zur Arbeit oder in die Schule oder Universität geht.

Und wenn jetzt jemand sagt, dass wir in Zeiten von Terror, Populismus, Flüchtlingskrisen, Paradies Papers, blondierten oder pubertierenden Machthabern und Lieferschwierigkeiten beim iPhone X weiß Gott andere Probleme haben, gebe ich ihm vollkommen recht. Aber warum soll man nicht einmal damit anfangen zu versuchen, Probleme zu lösen, die lösbar sind. Und endlich lautlos rollende Koffer entwickeln.

Prinzip Hoffnung

Das Prinzip scheint ein sehr ähnliches zu sein. Damals wurde einer ganzen Nation erzählt, dass man nur genug Vorräte im Haus haben müsse, vielleicht auch noch einen kleinen Bunker mit Filter in der Luftzufuhr. Und schon war das alles nicht so schlimm mit der Atombombe. Und weil ja eventuell auch eine gezündet werden könnte, wenn jemand gerade nicht zu Hause war, sondern und insbesondere als Kind beispielsweise in einer Schule, so wurden auch gleich noch Übungen in selbiger abgehalten, wie man sich am schnellsten unter einem Pult oder Tisch zusammenkauert und für alle Fälle auch noch den Schulranzen oder die Aktentasche über dem Kopf hält.

Es war der Kalte Krieg, der wieder mal gerade eine heiße Phase hatte, und eine Nation war allem Anschein nach durchaus überzeugt, dass man so gewappnet einem Atomkrieg schon gleich viel gelassener entgegensehen konnte. Die Bilder aus Hiroshima oder Nagasaki hatten mit uns ja nichts zu tun. Jedenfalls gingen alle schon brav zur Arbeit oder in die Schule, zählten abends zu Hause ihre Vorräte durch und verströmten ansonsten Zuversicht.

Wenn man die Vorräte weglässt und die Schulranzen oder Aktentaschen über dem Kopf, ist es also fast so wie heute. Außerdem brauchen wir ja keine Vorräte mehr, weil Amazon Essen ins Haus liefert. Und irgendein ein Eastpack, wie er heutzutage gebräuchlich ist, hat bestimmt den gleichen Effekt wie damals eine Aktentasche. Nämlich keinen. Und ansonsten gehen wir alle schön brav zur Arbeit oder in die Schule und verströmen Zuversicht. Irgendjemand oder irgendwas wird sie schließlich doch schon aufhalten, all die Säbelrassler, Kriegstreiber, Profitgeier und sonstigen Wahnsinnigen, die sich für Staatsoberhäupter und Menschen mit Entscheidungshoheit halten.

Kriegsverbrechen

Anthony Lake ist der Generaldirektor des UN-Kinderhilfswerks Unicef. Dass in Syrien bei einem Bombenangriff in einer Schule 22 Kinder getötet wurden, nennt er „eine Tragödie“ und eine „Schande“. Und weiter sagte er: „Sollte der Angriff vorsätzlich ausgeführt worden sein, wäre er ein Kriegsverbrechen.“ Und dass es nicht ausreiche, Abscheu angesichts solcher „barbarischen Taten“ zu zeigen. Der Vorfall müsse die internationale Gemeinschaft aufrütteln. Die Welt müsse darauf bestehen, dass dies aufhört.

Und da kann man nur sagen, dass das unbedingt in Ordnung geht. Der Mann muss schließlich etwas tun für sein Geld. Für solche Aussagen bekam er letztendlich seinen wahrscheinlich nicht schlecht dotierten Vertrag. Schließlich bekommt bei der Unicef bereits ein Project Officer bis zu 180.000 US-Dollar pro Jahr. Würde allerdings jemand anderes solche Sätze gegenüber der Öffentlichkeit äußern, müsste man ihm wohl eine gute Portion Zynismus unterstellen.

Um es mit ganz einfachen Worten und so wenig polemisch wie möglich zu sagen: Dieser Krieg in Syrien war von der ersten Stunde an „barbarisch“. Bereits vor einem halben Jahr ist man von 470.000 zivilen Opfern ausgegangen. Und nachdem es eigentlich noch nie einen Krieg gab ohne zivile Opfer, ist vielleicht sogar jeder Krieg barbarisch zu nennen. Ganz zu schweigen davon, dass auch Soldaten, die im Krieg getötet werden, die Angelegenheit wohl nicht gerade als ein „Sommerfest“ bezeichnen würden. Wenn sie noch könnten.

Und dann könnte man vielleicht auch noch daran erinnern, dass die internationale Gemeinschaft bereits fünf Jahre Zeit hatte, um sich aufrütteln zu lassen. Außerdem gab es ja auch schon bisher die eine oder andere Gelegenheit, „Kriegsverbrechen“ zu vermuten. Weshalb jetzt vielleicht der günstigste Zeitpunkt vorüber ist, um darauf zu bestehen, „dass dies aufhört“. Und wie umnebelt muss man inzwischen sein, um nicht mitbekommen zu haben, dass die Welt ebenso wie die internationale Gemeinschaft überhaupt kein Interesse daran hat, diesen Krieg zu beenden. Weshalb es vielleicht angebracht wäre, die Menschheit mit solchen Aussagen zu verschonen. Mir genügt es zu wissen, dass jeder Krieg ein Verbrechen ist.

Strohhalme und Bildungschancen

Mitunter klammert man sich ja an jeden Strohhalm. Wie zum Beispiel an jenen, den die aktuelle Shell-Studie präsentiert. Die sich ja erfreulicherweise nicht mit neuen Ölvorkommen und Gasfeldern beschäftigt, sondern nun schon seit Jahrzehnten mit der Jugend. Und da hat man jetzt festgestellt, dass unsere Jugend 3.0 toleranter geworden ist. Nur noch wenige haben etwas gegen homosexuelle Paare. 80 Prozent hätten kein Problem damit, wenn nebenan eine türkische Familie wohnt. Allerdings wurde nicht berücksichtigt, wie die Reaktion wäre, wenn es sich um eine syrische, afghanische oder nigerianische Familie handeln würde. Und es soll auch nicht verschwiegen werden, dass das Jugendliche im Osten des Landes, wo es ja immer noch nicht so gut läuft mit den blühenden Landschaften, etwas kritischer sehen.
Was mich dann auch etwas nachdenklich für die Zukunft gestimmt hat, denn schließlich gab es ja auch noch die eigentlich erfreuliche Erkenntnis, dass für 95 Prozent der befragten Jugendlichen Arbeit Priorität hat. Es aber andererseits unübersehbar ist, dass beruflicher und gesellschaftlicher Erfolg von der schulischen Ausbildung abhängen. Und ein Schulerfolg fast nirgendwo schwieriger ist als in der BRD, wenn man aus den sogenannten unteren Schichten kommt. Berücksichtigt man dann auch noch, dass sich Toleranz allem Anschein nach dort am liebsten zeigt, wo beruflicher und gesellschaftlicher Erfolg Einzug gehalten haben, dann sieht dieser Strohhalm eigentlich ziemlich dünn aus. Vielleicht sollte ich doch lieber noch schwimmen lernen.

In aller Eile

Irgendwie kam ich mir gerade vor wie auf dem Bahnhof. Wenn der Zug Verspätung hatte. Und ich noch die U-Bahn erreichen muss. Damit ich dann rechtzeitig die S-Bahn erwische. Weil ich nämlich am Zielbahnhof mit dem Auto abgeholt werde. Von einer Person, die nicht auf mich warten könnte, wenn ich eine S-Bahn später kommen würde. Weil sonst nämlich die Kinder nicht rechtzeitig von der Schule abgeholt werden können. Kurzum, ich war in Eile.

Und ich bin kein Einzelfall. Wir können uns fast alle dies und das leisten, viele auch noch einiges mehr. Nur scheint kaum noch einer Zeit zu haben. Weil wir immer so beschäftigt sind. In Eile. Trifft man jemand in der Straße, lange nicht mehr gesehen, fragt ihn spontan, ob er keine Lust hat, einen Kaffee trinken zu gehen, löst man Erstaunen aus: „Was, jetzt?“

Geht nicht. Er muss gerade dringend etwas erledigen, und dann trifft er sich mit X und geht anschließend mit ihm zu Y. Was natürlich daran liegen kann, dass Z. nicht mit mir Kaffee trinken gehen will. Aber immerhin, nächste Woche, Freitag, da ginge es bei ihm. Aber da muss ich schon zu einer Vernissage. Wir haben uns dann nach einem Blick auf den Terminkalender auf dem Smartphone für die zweite Novemberwoche verabredet. Immerhin noch in diesem Jahr.

Wir sind von der Uhr und Terminen getaktet. Wir haben kaum mehr die Freiheit, etwas nicht zu tun, weil wir etwas anderes tun wollen. Einfach so. Weil wir Lust haben. Dafür haben wir keine Zeit mehr. Auch wenn wir seltsamerweise Stunden mit Tätigkeiten verbringen, die bei näherem hinsehen jetzt vielleicht nicht so weltbewegend sind, dass man nicht darauf verzichten könnte. Aber zumindest sind wir immer auf dem neuesten Stand, was die Menschen machen, für die wir gerade keine Zeit haben.

Die Menschheit ist gerettet

Eigentlich hätte man die Champagner-Korken bis nach Europa hören müssen. Es war schließlich epochal, ein Jahrhundertereignis, was sich da in New York gerade abgespielt hat. Nicht mehr und nicht weniger ist passiert, als dass seit langem mal wieder so etwas wie Zuversicht angebracht ist, die Menschen auf diesem Planet die mehr als berechtigte Hoffnung haben, ohne Angst in die Zukunft schauen zu können. Doch was ist passiert? Schließlich war dies nicht die erste UNO-Vollversammlung, die sich mit den großen Problemen der Menschheit beschäftigt hat.

Doch während sich in der Vergangenheit die Politiker eher etwas zögerlich zeigten und wenig einig, war dieses Mal alles ganz anders. Die UNO-Vollversammlung hat einstimmig eine Vereinbarung verabschiedet, die diese Erde verändern wird, wie keine andere zuvor. In einem Satz gesagt: Es wird alles gut! Denn es wurde eine Agenda mit 17 Kernzielen und 169 Unterzielen verabschiedet, die bis 2030 erreicht werden sollen. Und in ihrem Kern nichts anderes besagen, als dass bis 2030 niemand mehr auf Erden hungern wird, weil auch niemand mehr extrem arm sein wird.

Die Kindersterblichkeit soll drastisch gesenkt, Krankheiten global bekämpft werden. Für alle Kinder soll der Besuch der Grundschule und einer weiterführenden Schule möglich sein, Diskriminierung von und Gewalt gegen Frauen und Mädchen soll es nicht mehr geben. Natürlich soll 2030 jeder Mensch Zugang zu Trinkwasser, sanitären Anlagen und bezahlbarer und nachhaltiger Energie haben. Und es gibt Wirtschaftswachstum für alle, die Natur und insbesondere die Meere werden besser geschützt, es soll Frieden und Gerechtigkeit für so ziemlich alle Menschen geben.

Weshalb sich jeder auch nur annähernd ein bisschen sozial eingestellte Mensch nur noch fragen kann: Herz, was begehrst du mehr? Und sich sicher auch nicht von der Tatsache beunruhigen lassen muss, dass der Großteil dieser Ziele identisch ist mit den Milleniums-Entwicklungszielen, die von der Staatengemeinschaft im Jahr 2000 vereinbart wurden. Die sollten übrigens bis 2015 umgesetzt werden.

Zwischen den Zeilen

Natürlich ist das nicht das ganze Deutschland sondern nur eine Kreisstadt, in der diese kleine Geschichte spielt. Aber zumindest liegt sie in Bayern, was sie durchaus repräsentativ machen könnte bezüglich einer bestimmten Thematik. Grundlage und Anlass für diese kleine Replik ist ein Flugblatt, das ein Richter des Amtsgerichts dieser Kreisstadt herausgegeben hat. Womit sich dann sogar der Stadtrat beschäftigte. Schließlich hat sich der Richter in seinem Flugblatt gegen die Unterbringung von 60 männlichen Migranten – oder „Neubürgern“, wie es in der diesbezüglichen Zeitungsnotiz heißt – in unmittelbarer Nähe von Kindergärten, Schulen und Tagesstätten ausgesprochen.

Was sich dahingehend interpretieren lässt, dass sich der Herr Richter auf dem Niveau von Pegida-Anhängern bewegt. Da er so nämlich impliziert, dass männliche Migranten in dieser Zahl eine Gefahr für Kinder und Jugendliche sind. Und wahrscheinlich auch noch für die Mütter, die ihre Kinder vom Kindergarten, der Tagesstätte oder den Schulen abholen. Doch das hat er zumindest laut Zeitungsnotiz „zu Unrecht“ getan. Weil sich nämlich herausstellte, dass „bisher nur 14 Personen eingezogen sind, darunter Familien mit Kindern und alleinstehenden Frauen“.

Was die frohe Botschaft beinhaltet, dass Migranten-Familien mit Kindern und alleinstehende Frauen offensichtlich weniger gefährlich sind. Aber nicht unbedingt besagt, dass es gerade für einen Staatsbeamten vielleicht nicht so ganz angebracht ist, 60 männliche Migranten pauschal als Gefahr für Schulen, Kindergärten und Tagesstätten anzusehen. Außerdem vermisse ich eine gewisse Differenziertheit. Schließlich ist nicht erkenntlich, ob es alleine die Tatsache ist, dass es sich um Familien und alleinstehende Frauen handelt, die die Gefahr minimiert. Oder eher die Tatsache, dass es nur 14 Personen sind statt 60.

Doch wenigstens hat sich der Oberbürgermeister der Kreisstadt klar ausgedrückt. Er sagt laut Zeitungsnotiz, dass die Verantwortung für die Flüchtlinge in den Händen des Landratsamtes bleiben müsse, da es sonst zu einem Durcheinander käme. Ob bedauerlicherweise nicht mehr genug Platz war, um auch eine Aussage zu erwähnen, dass er es für rechten Populismus halte, was der Amtsrichter da in seinem Flugblatt von sich gegeben habe, entzieht sich leider meiner Kenntnis. Zumindest fiel seine Bemerkung nicht unter den Tisch, dass es in der Kreisstadt „gute Tradition“ sei, „diejenigen, die aus der Not kämen, auch zu unterstützen“. Alles andere müsse der Rechtsstaat entscheiden. Also zum Beispiel ein Amtsrichter?