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Alles beim Alten

Was wurde und wird nicht geunkt. Dass nichts mehr wie zuvor und vieles ganz anders sein wird. Als vor Corona. Aber es kann Entwarnung gegeben werden. Zwar werden wirklich ein paar Menschen wie KinobesitzerInnen, Gastwirte und -wirtinnen oder die ganz mutigen, die einen künstlerischen Beruf haben, lernen müssen, wie man Hartz-IV beantragt. Aber sonst? Wer in soliden Geschäftsfeldern tätig ist, also zum Beispiel Airlines, Autohersteller oder Deutsche Bundesbahnen, der hat nichts zu befürchten, dass sich groß etwas geändert hätte.

Während ein kleiner Junge durch eine Schule irrt und sein Klassenzimmer sucht, weil in Deutschlands Schulen etwas chaotische Zustände herrschen, wird der Lufthansa und der Bundesbahn großzügig mit vermutlich 16 Milliarden Euro unter die Arme gegriffen. Natürlich ohne eine Garantie, die Arbeitsplätze zu erhalten. Maßnahmen zum Klimaschutz müssen sie selbstverständlich auch nicht befürchten. Aber sie dürfen etwas unternehmen, wenn sie unbedingt wollen. Wir leben ja schließlich in Scheuers-Glöckner-Deutschland.

Und weil ein Krisengipfel mit der Industrie den anderen jagt, bleibt natürlich keine Zeit sich mit Kindern und Jugendlichen zu beschäftigen, denen gerade eine Zukunft zusammengezimmert wird, in der sie beweisen können, was sie auf dem Kasten haben. Wie sie mit Schulden zurechtkommen, die sie nicht gemacht haben. Wie sie mit den Katastrophen zurechtkommen, die vielleicht hätten vermieden werden können. Wenn man zu Corona-Zeiten die einzigartige Chance ergriffen hätte, an eine Zukunft zu denken, die hinter der nächsten Wahl liegt.

Fürs Leben lernen

So hätte ich das auch gerne gehabt. Prüfung, Schweißausbruch, Panik. Dann die göttliche Eingebung. Handschriftlicher Vermerk: Kann ich nicht wissen, das ist Stoff aus dem Corona-Jahr! Es ist faszinierend, Generation X, das war vorgestern. Demnächst haben wir “Generation C“. Die Generation, umfassend die jetzt Siebenjährigen bis zu den jetzt Siebzehn-, Achtzehnjährigen, denen einfach mehr oder minder der Lehrstoff fehlt, der im Corona-Jahr dran gewesen wäre.

Wer, bitte schön, ist Brecht? Kenne ich nicht. Wahrscheinlich wäre der 2020 dran gewesen. Aber schließlich muss man ja nicht alles wissen. Und letztendlich, so richtig ändern wird es sowieso nichts. Bildungstechnisch war ja schon immer der Unterschied zwischen gut bemittelt und schlecht ausgestattet. Ersteres bezieht sich auf die finanzielle Ausstattung. Letzteres auf die Möglichkeiten, an Bildung teil zu haben.

Aber wahrscheinlich sind nach dem Corona-Jahr die Verhältnisse endlich allgemein klarer. Endlich mal wieder der kleine Unterschied unübersehbar. Ich deutscher SUV – du japanischer Kleinwagen. Wir Wochenendtrip nach Dubai – ihr Urlaub an der Adria. Wir Einkommen – ihr Hartz IV. Bei Aldi können wir uns ja weiterhin treffen, Schnäppchen lieben auch Millionäre. Und reiche Eltern haben schon immer die Bildungsdefizite des Nachwuchs ausgeglichen.

Aber es ist ja für einen guten Zweck. Hat Schatten-Kanzler Drosten gesagt. Es kann Leben retten. Da darf man nicht so pingelig sein, wenn dadurch Leben, gelinde gesagt, beeinträchtigt werden. Und was ist schon Zukunft, wenn wir uns noch nicht einmal in der Vergangenheit um die Vergangenheit gekümmert haben. Wir haben nach dem Zweiten Weltkrieg doch auch ein Wirtschaftswunder vollbracht. Jetzt haben Schülerinnen und Schüler die Chance, ein Schulwunder zu vollbringen.

Keine Panik

Es gibt keinen Grund für Panik. Sagen alle Politikerinnen und Politiker, wenn sie über Corona sprechen. Was offensichtlich Panik auslöst. Jetzt werden auch schon Notstromaggregate langsam knapp. Und ich weiß auch warum. Die eigentliche Gefahr, das sind nämlich nicht die Kranken und Toten. Das ist der volkswirtschaftliche Schaden. Dass die Konjunktur eine noch tiefere Delle bekommt. Die Investoren abziehen. Das Wachstum dort landet, wo jetzt schon die Zinsen sind.
Und ohne Wachstum ist auch unsere Demokratie gefährdet. Also zumindest die Volksparteien. Und dann kriegen wir nächstes Jahr eine links-versiffte grüne Regierung mit Doppelspitze. Weshalb dann das Kapital endgültig wegbleibt. Und wenn das woanders hingeht, dann erst wird das für uns so richtig lebensbedrohlich. Denn das Kapital, das kommt wahrscheinlich nie wieder zurück. Was zwar nicht so ganz erklärt, warum so viele Menschen jetzt Notstromaggregate kaufen.
Schließlich gehen ja nur die Aktienkurse in den Keller. Und die Stimmung in den großen Volkswirtschaften ist fast so düster wie 2008. Außerdem werden schon die ersten Stützungsprogramme für Banken angedacht. Die beste Zeit also für Verschwörungstheorien. Mein Favorit: das Corona-Virus haben Klimaretter-Fundamentalisten entwickelt. Dank Corona sinkt schließlich der CO²-Ausstoß wie noch nie in den letzten Jahrzehnten.

Zuversicht

Das kann einem vielleicht sogar den Glauben wiedergeben. Vergangene Woche, am Freitag, sind Schülerinnen und Schüler in ganz Deutschland auf die Straße gegangen. Während der Schulzeit. Weil nicht genug geschieht. Weil die Politik die Zahlen kennt, die Fakten, aber nicht wirklich etwas unternimmt. Und es könnte sein, dass ich mich entschuldigen muss. Was ich gerne tun werde. Wenn kommende Freitag wieder Schülerinnen und Schüler auf die Straße gehen. Weil sie finden, dass es keinen Sinn macht, in die Schule zu gehen und zu lernen, wenn die Zukunft so düster aussieht.

Die Schwedin Greta Thunberg hat also damit angefangen. Sie bestreikt seit Monaten jeden Freitag die Schule, um stattdessen für ein lebensfreundliches Klima zu demonstrieren. Ob das jetzt auch die Schülerinnen und Schüler in Deutschland so lange durchhalten, das ist die große Frage. Denn für die Bildung zuständige Minister und Nachgeordnete haben teilweise schon schwere Geschütze aufgefahren. In Deutschland herrscht schließlich Schulpflicht. Und Ordnung. Da muss selbstverständlich in der Freizeit demonstriert werden. Aber Ordnung hält den Klimawandel nicht auf.

Leise rieselt der Schnee

Dörfer sind nicht mehr erreichbar. Morgen bleiben Schulen geschlossen. Die Bahn ist sich für bestimmte Strecken schon heute sicher, dass sie morgen nicht fahren wird. Keine Frage, dass es auf den Autobahnen Kilometer- und stundenlange Staus gab, dass sich außerdem dort und auf den Landstraßen zahlreiche Unfälle ereigneten.

Und weder Algorithmen noch künstliche Intelligenz konnten etwas dagegen tun. Es sind wieder einmal Zeiten, in denen ich mir sicher bin, wer auf diesem Planeten Herr oder korrekter Frau im Haus ist. Wir müssen jetzt allerdings nur warten, bis die Schneefälle aufgehört haben, die weiße Pracht weggetaut ist. Dann können wir Menschen wieder daran glauben, dass wir das Sagen hätten.  

Gleiches

Ob da System dahinter ist? Dass Frauen benachteiligt werden, nicht so viel verdienen wie Männer für die gleiche Arbeit zum Beispiel, das ist ja hinlänglich bekannt. Wird allem Anschein nach auch wie ein Naturereignis hingenommen, vor allem von Männern: Gegen Wind kann man ja auch nichts machen. Doch Ungleichbehandlung geht nicht nur bei Frauen und Männern. Damit kann man nämlich schon viel früher anfangen.
Dass immer eine oder einer weniger gleich ist als andere, das ist schließlich ein gesamtgesellschaftliches Phänomen. Um im Jahr 2018 nicht zu sagen, phänomenal. Was höchstens einmal bei ganz kleinen Kindern nicht ganz so deutlich in Erscheinung tritt, zumindest in einem bestimmten Bereich. Windeln haben sie ja irgendwie und für eine gewisse Zeit alle an.

Doch spätestens ab der Schulpflicht ist auch damit Schluss.
Mittlerweile bevorzugen zum Beispiel entsprechend betuchte Eltern nämlich nicht nur an den schulischen Brennpunkten – Berlin-Neukölln!!! – eine private Schule. Bundesweit sind es annähernd 10 Prozent der Kinder, die schulisch getrennt von den anderen Kindern aufwachsen. Überraschenderweise im Osten des Landes sogar mehr als im Westen. Vielleicht ja, weil es dort, wenn auch nur gefühlt, mehr Kinder mit Migrationshintergrund gibt. Immerhin können verantwortungsvolle Eltern so schon bei der Einschulung darauf achten, dass die spätere Benachteiligung von Frauen nicht in Gefahr gerät.

Abenddämmerung

Will man sich einmal für einen Moment von AfD-Gedankentum lösen und der Presse glauben, so hat die britische Regierung die heimischen Banken mit 500 Milliarden Pfund unterstützt, als 2008 der große Crash drohte. Und wie man heute sieht, hat es sich gelohnt. Prächtig steht das Londoner Bankenviertel in der herauf ziehenden Dämmerung da. Und die Londoner Banker können sich problemlos die Mieten in der britischen Hauptstadt leisten. Auch weil die Londoner Börse im vergangenen Jahr 1.905 Millionen Pfund Umsatz gemacht hat, nachdem sie im Jahr zuvor 709 Millionen Pfund Gewinn verzeichnen konnte.

Zwar mussten die Regierungen damals und später ein bisschen sparen und in manchen Ressorts die Ausgaben um bis zu 35 Prozent kürzen. Weshalb jetzt ein Drittel der Kinder in England in Armut lebt. Schulen Geld fehlt. Mieten das Einkommen auffressen. Wohingegen der Tourismus nicht gelitten hat. 17 Millionen Besucher kamen beispielsweise vor zwei Jahren nach London, die Stadt liegt weltweit auf Platz zwei der Beliebtheitsskala für Städtereisen. Touristen kommen eben nicht, um sich Schulen anzuschauen. Sie möchten sich vor einer imponierenden Skyline ablichten.