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Vertrauen in die Menschheit

Irgendwie hat mir das den Glauben an die Menschheit zurück gegeben und auch noch meine Sicht auf diese Menschheit voll und ganz bestätigt. Schließlich ist man ja doch immer etwas skeptisch, wenn man von jemandem etwas versprochen bekommt, der etwas verkaufen möchte. Doch jetzt habe ich etwas gefunden, wo ich nicht mehr den kleinsten Zweifel habe. Es handelt sich um ein Produkt zum Abnehmen. Bis zu 12 Kilo in einer Woche. Wird jedenfalls in einem „Gesundheit Test Magazin“ von der – ich vermute mal – Redakteurin Nadja P. in einem Artikel des Magazins behauptet. Und außerdem von einer Hannah, Heike, Kim, Nadja, Brigitte, Ruth, Heidrun, Elke und Anita bestätigt. Und einem Joschka.

Dass der und die durchweg begeisterten KäuferInnen des Produktes alle schon am Sonntag ihre Begeisterung in Worte fassten, und der Artikel erst am darauf folgenden Montag erschienen ist, muss nicht weiter beunruhigen. Das ist eben das Internet-Zeitalter. Denn das „Gesundheit Test Magazin“ ist eine Internet-Seite, und der Artikel steht infolgedessen nur auf dieser Seite. Auf der man noch andere interessante Themen anklicken kann wie „Fitness“, „Sex & Liebe“, „Essen“ oder „Besser nackt aussehen“. Wo dann jedes Mal ein Bestellformular für das nicht gerade billige Wundermittel erscheint. Sonst nichts.

Was aber natürlich noch überzeugender ist. Haben doch die begeisterten Menschen und die ebenso begeisterte – ich vermute mal – Redakteurin ganz zurückhaltend verschwiegen, dass man mit diesem Mittel nicht nur abnimmt sondern es auch für Fitness sorgt, Sex und die Liebe wieder auf Vordermann bringt, wahrscheinlich Essen schmackhafter macht, und man nach der Einnahme auch besser nackt aussieht. Was mich dann letztendlich so überzeugt hat, dass ich mal akribisch recherchiert habe.

Und es ist wirklich unfassbar. Die Firma, die das Wundermittel vertreibt, hat ihren Sitz in London, würde gerade erst vor einem dreiviertel Jahr gegründet und hat einen Schweizer als Direktor. Der allem Anschein nach gerne Firmen gründet. Er ist derzeit Direktor von nicht weniger als 12 Firmen. Und alles deutet darauf hin, dass es wirklich Menschen gibt, die dieses Mittel kaufen. Was dann auch manches andere erklären würde, was Menschen sonst so tun und sagen.

 

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Ein Herz für Ausländer

Es ist, wie ich es vermutet habe. Man muss nur richtig hinsehen, und schon kann man entdecken, wie viel Gutes getan wird. Nehmen wir zum Beispiel die Schweiz. Soll ja angeblich nicht sehr freundlich zu Ausländern sein. Stimmt aber überhaupt nicht. Jetzt wurde sogar das extrem strenge Nachtflugverbot für den Züricher Flughafen außer Kraft gesetzt. Damit sich ein Mann aus Katar in Zürich medizinisch versorgen lassen kann. Ein „medizinischer Notfall“, wie das zuständige Schweizer Bundesamt für Zivilluftfahrt bestätigte. Zwar war die Maschine schon gestartet, bevor eine Ausnahmegenehmigung erteilt worden war. Aber wie sich zeigte, hatte man zu Recht auf das gute Herz der Schweizer Behörden gehofft.

Inzwischen wurde zudem bekannt, dass es sich bei dem medizinischen Notfall nicht, wie ursprünglich verlautbart, um einen Beinbruch handelte. Laut der Sprecherin der behandelnden Schulthess Klinik musste „ein chirurgischer Eingriff an der linken Hüfte“ vorgenommen werden. Was wiederum die Aufhebung des Nachtflugverbots für zwei weitere Maschinen nachvollziehbar macht. In einer der beiden Maschinen aus Katar, einer A330, befindet sich eine „integrierte Intensivstation“. Der ausländische Patient ist übrigens nicht auf einer der Baustellen für die Fußball-WM in Katar verunglückt. Scheich Hamad bin Khalifa al Thani, Katars Staatsoberhaupt, hat im marokkanischen Skigebiet Ifrane Skiurlaub gemacht.

Die letzte Zuflucht

Viele haben es vielleicht sogar schon wieder vergessen. Schließlich kann man sich ja nicht um jede Lappalie kümmern. Mich hat erst ein Zeitungsartikel daran erinnert. Falls Sie auch diese Zeitung abonniert haben, brauchen Sie hier gar nicht erst weiterlesen. Alle anderen sollten es tun, das könnte bares Geld sparen. Aber vielleicht sollte ich mal ganz von vorne anfangen. Nehmen wir also einmal an, Sie haben ein paar hunderttausend Euro oder auch etwas mehr auf einer Bank in Zürich oder Basel gebunkert. So etwas soll ja vorkommen.

Jedenfalls wäre es dann so langsam Zeit, um zu parken. Denn ab 1. Januar gelten neue internationale Regeln, was Auskunft-Pflichten für Banken gegenüber Steuerbehörden betrifft. Basierend auf einem OECD-Abkommen. Und die betreffen auch die Schweiz. Sogar die Cayman Islands, Zypern oder Luxemburg. Und wer jetzt nicht das ganze schöne Geld unter die Matratze stopfen will, was auch schlecht für den Rücken wäre, hat eigentlich in Zukunft kaum noch Möglichkeiten, Geld am Finanzamt vorbei als Altersvorsorge zum Beispiel auf die hohe Kante zu legen.

Wenn es nicht die USA gäbe. Die zwar ihrerseits von allen Banken auf der Welt verlangen, dass diese ihnen Kontostände von Amerikanern mitteilen. Und zwar weniger auf Grund eines Abkommens. Sondern mit der simplen Drohung, dass die betroffene ausländische Bank sonst vom Kapitalmarkt in den USA ausgeschlossen würde. Was für die meisten, international agierenden Banken das Ende wäre. Gleichzeitig haben die USA aber beschlossen, das OECD-Abkommen zu ignorieren. Wie übrigens auch noch Bahrain. Was bedeutet, dass in den USA niemand tätig wird, wenn zum Beispiel deutsche Behörden eine Bankauskunft haben wollen.

Nicht, wenn der Betreffende in den USA eine Firma gegründet und für die ein Konto angelegt hat. Für die Firma genügt es übrigens zumeist, ein Formular im Internet auszufüllen. Und ein Schelm, wer böses dabei denkt und glaubt, das wäre nur, um ausländisches Kapital in die USA und gleichzeitig US-Kapital wieder aus dem Ausland zurück in die Heimat zu holen. Dahinter steckt ein simpler Gedanke. Der zwar seinen Ursprung im untergegangenen römischen Reich hat, aber offensichtlich schon seit einiger Zeit durch ein Kalenderblatt auch in den USA verbreitet wurde.

Quod licet Iovi, non licet bovi. Haben die Römer gerne gesagt. Also salopp übersetzt: Was dem Jupiter erlaubt ist, das ist dem Ochsen noch lange nicht erlaubt. Und wenn wohl auch manche Amerikaner nicht wissen, wer Jupiter ist, eines möchte gleich klar stellen: Ich habe in meiner Kindheit Erdnussbutter geliebt. Und John Wayne verehrt. Weil der immer für Gerechtigkeit gesorgt hat.

Unkraut vergeht

Klingt ein bisschen nach Wilden Westen und Cowboy-Romantik. Ist aber in Wirklichkeit ein Pestizid, dem man diesen schönen Namen „Roundup“ gegeben hat. Weil es, wie es so trefflich in der Werbung heißt, „Mein Ein für alles“ ist. Will sagen, dass der Wirkstoff Glyphosat, den sich der US-Konzern Monsanto 1974 patentieren ließ, so ziemlich alles zum Absterben bringt, was nicht eine gentechnisch veränderte Nutzpflanze ist, die die Forscher von Monsanto mit einer Resistenz gegen Glyphosat versehen haben.

Dass der Konzern mit Roundup schon vor Jahren 2 Milliarden Dollar Umsatz jährlich machte, der Absatz inzwischen aber etwas stagniert, weil das Patent ausgelaufen ist, muss nicht beunruhigen. Der permanente Einsatz von Glyphosat hat den Effekt, dass das Unkraut resistent wird, weshalb noch mehr Glyphosat eingesetzt werden muss. Außerdem macht es den vermehrten Einsatz von Düngemittel erforderlich. Die Monsanto zum Glück auch herstellt. Trotzdem ist man in der Konzernspitze etwas verärgert, denn nun hat eine Institution der WHO Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft. Obwohl es keine Untersuchungen gibt, die dem hohen wissenschaftlichem Anspruch des „Agromultis“ genügen würden.

Dieser hohe Anspruch war auch der Grund, dass die EU im Jahr 2002 Glyphosat eine Zulassung für 10 Jahre auf der Basis von Daten, die die Industrie geliefert hatte, erteilte. Weshalb 2012 eine Neubewertung fällig gewesen wäre, die aber auf 2015 verschoben wurde, da inzwischen laut EU-Richtlinien Daten der Industrie nicht mehr Verwendung finden dürfen. Da auch in diesem Jahr nichts vorliegt als die Einstufung der WHO, darf Glyphosat munter weiter verwendet werden und wird natürlich auch bei Amazon verkauft.

Nur wer in der Schweiz lebt, der hat es schlecht. Dort haben zwei große Handelsketten Glyphosat aus dem Sortiment genommen. Obwohl denen auch keine wissenschaftliche Langzeitstudie vorliegt. Es ist also nur eine Frage von Zeit, bis dort die Almen und Felder von Unkraut überwuchert werden und die Schweiz, wie wir sie lieben, nur noch auf Postkarten existiert. Doch dass es bald genauso in Bayern aussieht, hat die Bayerische Staatsregierung jetzt gerade noch verhindert und einen Verbots-Antrag für Glyphosat der Landtags-SPD abgeschmettert.

Wenn, Gott und der Bayerischen Staatsregierung sei Dank, keine Stromtrassen und Windräder unsere schöne bayerische Heimat verschandeln dürfen, dann ist es schließlich nur selbstverständlich, dass auch Unkraut nichts auf unseren saftigen Wiesen und zwischen all dem herrlichen Mais zu suchen hat. Weil Glyphosat aber bei direktem Kontakt über Haut oder Atemwege nachweislich toxisch wirkt, überlegt die Staatsregierung auf Anregung des bayerischen Tourismusverbandes angeblich, ob an extrem ängstliche Gemüter, Schweizer und andere Touristen nicht doch vielleicht kostenlos Gummihandschuhe und Atemmasken ausgegeben werden sollen.