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Intelligenzquotient

Es ist nun wirklich kein Grund sich aufzuregen. Spätestens als Alexander Dobrindt sein Geburtstagsgeschenk bekam und die Pkw-Maut also nicht gerade in Stein gemeißelt wurde, aber immerhin als Gesetz in die deutsche Nachkriegsgeschichte einging, war doch klar, was Bundeskanzlerin Angela Merkel meint, wenn sie sagt, dass etwas mir ihr nicht zu machen sei.

Und wer von uns hat noch nicht „mit mir nicht“ gesagt. Wenn der Chef zum Beispiel angekündigt hatte, dass Freitagabend Überstunden gemacht werden müssten oder ein Urlaub absolut unmöglich wäre. Und wer hat dann Überstunden gemacht und ist nicht in Urlaub gefahren? Richtig! Wirklich beunruhigend wäre hingegen gewesen, wenn Frau Merkel darauf beharrt hätte, dass es mit ihr keine Obergrenze gibt. Das hätte nämlich nur bedeuten können, dass sie den Job hinschmeißt. Das wäre zwar zu schön gewesen, um wahr zu sein, aber nicht sehr realistisch.

Denn es gibt ja auch noch den Spruch, dass nichts Besseres nachkommen würde. Und noch viel zu viele Menschen, die daran ebenso glauben wie an den Satz: Mit mir nicht! Und immerhin besteht jetzt die berechtigte Hoffnung, dass einem nicht mehr das Wort „Obergrenze“ den ganzen Tag auf allen Nachrichtenkanälen über den Weg läuft und somit selbigen versaut. Es sei denn Seehofer denkt sich jetzt auch noch eine Obergrenze für den Intelligenzquotienten von CSU-Politikern aus.  

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Lernfähig

Mehr als ein Jahrzehnt hat die regierende CSU in Bayern gebraucht, um zu dem Schluss zu kommen, dass das einst mit einem Schnellschuss und gegen den Widerstand von Lehrern und Eltern eingeführte G8 wieder abgeschafft werden sollte. Zwar hatte die Praxis sehr schnell gezeigt, dass Schüler und Lehrer mit einem Abitur nach zwölf Schuljahren großenteils überfordert sind, aber schließlich wollte die Entscheidung gut überlegt sein.

Das Timing hat sicher keine große Rolle gespielt. Dass man jetzt im Wahljahr die Rückkehr zum G9, in vielen Bundesländern schon seit längerem ohne großes Getöse vonstattengegangen, als „Generationen-Entscheidung“ verkauft und von einer „Signalwirkung für ganz Deutschland“ spricht, steht damit ebenso wenig in Zusammenhang wie die Aussage des bayerischen Ministerpräsidenten, die Rückkehr zum G9 sei eine „historische Entscheidung“.

Vor allem aber macht diese historische Entscheidung sehr viel Hoffnung. Zeigt sie doch höchst eindrucksvoll, dass sogar Politiker lernfähig sein können. Zwar waren für diesen Prozess neun Jahre, wie zum Beispiel für ein Abitur, offensichtlich nicht ausreichend. Aber auch dafür gibt es laut Horst Seehofer einen Grund. Die CSU habe einfach einen so langen Diskussionsprozess gebraucht, um zu den „richtigen Entscheidungen“ zu kommen. Also es ist alles nur eine Frage der Zeit. Man muss sich nur gedulden.

April, April

Die Ungewissheit hat ein Ende, es darf gejubelt werden: Die Maut ist da! Was haben wir gebangt. Ging es doch ums Ganze. Entweder zurück in die Steinzeit mit Pferdegespannen und zweirädrigen Karren. Oder Aufbruch in eine neue Welt mit wunderschönen, vielspurigen Autobahnen, auf denen wir in der Gewissheit unserem Ziel entgegen fahren, dass es auf deutschen Straßen keine Ungerechtigkeit mehr gibt. Die Demokratie ist auf der Straße angekommen.

Weil jetzt endlich Ausländer dafür sorgen werden, dass unser Autobahnnetz so ausgebaut werden kann, dass es keine Staus mehr gibt, freie Fahrt für freie Bürger garantiert ist. Durch die Maut. Die uns deutsche Autofahrer natürlich nicht belastet. Das hat Herr Dobrindt gesagt. Und wem soll man glauben, wenn nicht ihm. Er hat ja schließlich auch ganz genau ausgrechnet, dass die Maut Millionen in die Kassen spülen wird.

Weshalb er jetzt auch Thüringen den zweigleisigen Ausbau und die Elektrifizierung der „Mitte-Deutschland-Verbindung“ zwischen Weimar und Gößnitz  – rein zufällig kurz vor der Abstimmung im Bundesrat über die Maut, bei der Thüringen dagegen stimmen wollte – zusagen konnte. Die voraussichtlich notwendigen 60 Milliarden kann er durch die Maut aus der Portokasse zahlen.

Verschwörungstheorien, dass die Stimme Thüringens damit erkauft worden wäre, kann man gleich ins Reich der Fabeln verweisen. Schließlich hatte doch Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer schon mit seiner Ankündigung, er werde seine Zustimmung zum Länderfinanzausgleich auf den Prüfstand stellen, wenn die Maut vom Bundesrat in den Vermittlungsausschuss verwiesen wird, für klare Verhältnisse gesorgt.

Erdogan, Trump, Orban, IS, Afrika, Außen- oder Obergrenzen oder Brexit, das ficht uns jetzt alles nicht mehr an. Mit der Maut können wir getrost in die Zukunft schauen. Ein Projekt, das so hartnäckig und mit allen Mitteln verfolgt und realisiert wird, das kann nur zum Wohle des ganzen Volkes sein. Und man kann nur hoffen, dass es das Volk den Maut-Helden bei der Bundestagswahl danken wird. Dass uns jetzt allerdings nur noch die Österreicher vor dieser Zukunft retten können, das schmerzt allerdings.

 

Party ist angesagt

Lieber ein heißer Feger als eine kalte Mamsell? Eher Terminator als lahme Ente? Zum Jahresausklang machen sich vielleicht nicht wenige Menschen schon einmal Gedanken, mit welcher Verkleidung sie in die Faschingssaison gehen wollen. Meine Empfehlung: Am besten sich an lebenden Vorbildern orientieren. An den Menschen vor allem, die von  den Medien für würdig erachtet wurden, die Aufmacher und Titelblätter zu zieren. Und somit das größte Interesse erregten. Das zeigt auch beim Abtanzen Wirkung.

Auch wenn ich immer noch nicht weiß, wer das ist, ganz oben auf der Liste stehen hierzulande wohl Sarah und Pietro Lombardi. Diese beiden Namen landen zum Beispiel in den Top-Meldungen, wenn sie eine Wohnung vermieten. Wow! Wie strange ist das denn? Habe ich mir gesagt. Gibt es überhaupt sonst noch Menschen, die eine Wohnung vermieten? Ich konnte es jedenfalls nicht fassen. Diese Meldung hat bei mir eingeschlagen wie die Trennung von Angelina Jolie und Brad Pitt.

Meine Vermutung: Sarah und Pietro sind die deutsche Ausgabe von Angelina und Brad. Was natürlich ein mehr als bezeichnendes Bild auf dieses, unseres Deutschland wirft. Wo sich für weibliche, völkisch Orientierte unter anderem auch eine Frauke Petry als Kostümvorlage anbietet. Also wie die fast barfuß über einen Boots-Bug an Land ging, das war hundertprozentig deutsch. Man hatte nämlich auch noch ein Handtuch ausgelegt. Damit der Lack keinen Schaden nimmt.

Weshalb Männer, die sich eher als Global-Player fühlen, lieber gleich den alten Flokati aus den 1960-er Jahren vom Speicher der Eltern holen sollten. Schon ein kleines Stück davon, mit einer herkömmlichen Farbtönung blondiert, genügt, um zumindest äußerlich dem demnächst mächtigsten Mann der Welt zu gleichen. Und wer dann noch eine slowenische Blondine im Schlepptau hat, ist mit Sicherheit im Fasching der Hecht im thailändischen Garnelenzuchtbecken.

Von richtigen Politikerinnen und Politikern ist hingegen abzusehen. Da lässt sich immer zu schwer vorausahnen, wie das auf einer Faschingsparty ankommt. Und was Horst Seehofer betrifft, so ist es vielleicht ratsam, ihn nur in Bayern als Kostümvorlage zu nehmen. Auch wenn er natürlich auch nicht unbedingt als Politiker zu betrachten ist. Sondern eher als Terminator, der allem Bösen den Kampf angesagt hat. Weshalb eine echte Alternative für außerbayerische Bundesländer Erdogan wäre. Sozusagen als Seehofer ohne Trachtenhut. Den Schnauzer könnte ja ebenfalls der alte Flokati liefern.

Die neue Links-Partei

Was ich vermisse, das ist das Lob von AfD-Vertretern. Dass Herr Seehofer begeistert sein würde von den Beschlüssen, die auf dem CDU-Bundesparteitag gefasst wurden, ist ja selbstverständlich. Regelrecht verstörend ist es aber, dass sich gerade mal die AfD-Vorsitzende Frauke Petry dazu herablässt, die Kanzlerin zu kritisieren, weil sie das Wort „deutsches Volk“ nicht mehr in den Mund nähme, und die CDU insgesamt „links“ verortet. Weshalb man natürlich im Gegenzug monieren könnte, dass „deutsches Volk“ zwei Wörter wären, und die AfD wohl als verfassungsfeindlich und rechtsextrem eingestuft werden müsste, wenn schon eine CDU als „links“ angesehen wird.

Hätte man nicht mit Fug und Recht öffentlichen Jubel bei der AfD erwarten können über die CDU-Beschlüsse bezüglich Burka-Verbot, Verschärfung der Abschiebe-Praxis, Überwachung und Reglementierung von Imamen, Leistungskürzung und Ausweisung für Integrations-Verweigerer, Rückführung von abgelehnten Asylbewerbern in Transitländer und der Ablehnung der doppelten Staatsbürgerschaft. Ganz zu schweigen davon, dass es jetzt auch wieder eine Leitkultur bei der CDU geben darf.

Aber kein Wort dazu, kein Freudenschrei von Frau von Storch, dass nach diesem Parteitag eine Koalition mit der CDU in greifbare Nähe gerückt sei. Denn eigentlich hätte jetzt ja nur noch gefehlt, dass man sich auf dem CDU-Parteitag auch kritisch gegenüber der EU positionierte. Aber vielleicht rekrutiert sich diese Zurückhaltung aus der Reaktion der designierten Kanzler-Kandidatin für die anstehende Wahl. Die von Menschen spricht, anstatt vom deutschen Volk. Aber es ist ja noch nicht aller Tage Abend. Schließlich ist ja Seehofers Forderung bezüglich Flüchtlings-Obergrenze noch nicht vom Tisch. Vielleicht wartet man bei der AfD noch ab, ob es nicht doch noch einen Kanzlerkandidaten Seehofer gibt.

Wenn man allerdings den Auftritt von AfD-Frontfrau Alice Weidel bei dem TV-Talk mit Sandra Maischberger am gestrigen Abend miterlebt hat, die unter anderem sagte, dass Kanzlerin Merkel mitschuldig sei an dem Mord an einer jungen Frau in Freiburg, neigt man vielleicht eher zu der Vermutung, dass die AfD lieber auf die Wirkung von Tatverdächtigen aus den Flüchtlingslagern auf das „deutsche Volk“ setzt. Vielleicht sieht sie hier das Potential, um bei der Bundestagswahl im nächsten Jahr zum potentiellen Partner für eine GroKo der anderen Art zu werden. Angst frisst schließlich nicht nur die Seelen auf, wie von Rainer Werner Fassbinder behauptet. Sie kann auch die zitternde Hand beim Ausfüllen eines Wahlzettels führen.

 

 

 

 

 

Der Karren steckt im Dreck

So langsam habe ich Verständnis für diese Politikverdrossenheit, die sich in den schwindenden Zahlen von Wählern und dem sich steigernden Interesse für populistisches Gedankengut zeigt. Und dazu führt, dass noch mehr Menschen mit Leuten auf öffentlichen Plätzen Fahnen schwenken, vor denen sie sich vor nicht allzu langer Zeit noch gefürchtet haben. Doch wenn man sich jetzt zum Beispiel das Gezerre und Gewese um die Pkw-Maut anschaut, dann kann man durchaus auf die Idee kommen, sich ebenfalls eine Fahne zuzulegen.

Denn offensichtlich hat es nicht gereicht, dass zwei Männer mit Identitätskrise und daraus resultierendem Starrsinn, das Ganze ausgelöst von Profilierungssucht, alles daran gesetzt haben, dass sie mit einem völlig unrealistischen Projekt ins Wahljahr gehen können. Nun wird diese traurige Posse auch noch von der Bundeskanzlerin benutzt, um sich selber zu demontieren. Hat sie doch jetzt ihre Zustimmung zur Maut gegeben, die sie bis dato vehement abgelehnt hatte. Was ein Wortbruch ist.

Auch wenn Seehofer wahrscheinlich versprochen hat, dafür bei der Obergrenze für Flüchtlinge vorerst mal Ruhe zu geben. Was ihn allerdings nicht daran hindern wird, die Obergrenze zur rechten Zeit wieder hervor zu holen. Um erneut zu demonstrieren, wie unglaubwürdig Angela Merkel ist. Weshalb dann noch mehr Menschen die Populisten mit Rechtsdrall wählen werden. Aber eigentlich kann man davon ausgehen, dass dank Maut die Glaubwürdigkeit der Kanzlerin schon jetzt nur noch Makulatur ist. Und dies das Ziel war. Denn ein anderer plausibler Grund für diese Maut lässt sich einfach nicht finden.

Übrigens habe ich bei dieser Gelegenheit gesehen, dass es Deutschlandfahnen bei Amazon schon ab 7,74 € gibt. Allerdings ohne Bundesadler. Aber so kann man sich wenigstens den Reichsadler noch selber rein malen. Und ich bin bei der Suche danach auf Amazon zu der Vermutung gekommen, dass es offensichtlich nicht wenige Menschen gibt, die nach einer „Reichsflagge mit Hakenkreuz“ suchen. Zumindest taucht dieser Begriff bei den Vorschlägen für den gesuchten Artikel auf. Und da kann ich nur unsere Altvorderen, also Eltern und Großeltern, tadeln. Das kommt nämlich davon, wenn man vorschnell Sachen wegschmeißt.