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Neuanfang

Man kann sich das ja in etwa so vorstellen: Da ist eine Beziehung in die Brüche gegangen. Man hat sich eine Auszeit gegönnt. Ist dann, zumindest auf einer Seite, auch mal auf Partnersuche gegangen zwischendurch. Hat aber auch nicht geklappt. Aber weil man an die armen Kinderlein denkt, möchte man trotz alledem einen Neu-Anfang probieren.

Man setzt sich also zusammen, alle Kränkungen und unterschiedlichen Standpunkte im Gepäck, die letztendlich mit zur Trennung geführt haben. Und als dann jemand nachfragt, wie denn das Gespräch verlaufen sei, vor allem, weil ja vorher noch vor Freunden schwer gestänkert worden war, da lautet die Antwort: Das Gespräch sei „ernsthaft, konstruktiv und offen“ gewesen.

Aber möglicherweise ist das der Unterschied. Während in einer realen Beziehung das Gespräch wohl mit Tränen, erneuten gegenseitigen Anschuldigungen und einem mitternächtlichen Drama geendet hätte, gehört es einfach zum Handwerk von Politikern, jemand freundlich anzulächeln, der noch kurz zuvor ziemlich Unflätiges vom Stapel gelassen hat. Vielleicht sollte man in Beziehungen öfter mal so tun, als wäre man in der Politik.

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Wenn der Kuckuck ruft

Natürlich bin ich mir dessen bewusst, dass ein Beitrag mit diesem Titel nicht gerade sehr zeitgemäß erscheint. Schließlich habe sogar ich mitbekommen, dass der Sommer vorbei und der Herbst ins Land gezogen ist. Spätestens seit ich morgens kaum noch das Hochhaus gegenüber sehe. Vor lauter Nebel. Weshalb ich mich hier auch nicht explizit auslassen will über diesen frechen Burschen, der seine Eier in fremden Nestern ablegt. Vielmehr geht es hier um sein, sagen wir mal, menschliches „Pendant“. Das natürlich nicht seine Eier sondern vielmehr etwas anderes „ablegt“. Und auch nicht gerade in ein Nest. Wie alle Menschen wissen, die nicht mehr an die Geschichte mit den Bienchen glauben.

Weshalb dann, nicht ganz korrekter aber gebräuchlicher Weise, die Männer, die letztendlich die Aufzucht übernehmen, als Kuckucksväter bezeichnet werden. Und alleine schon die sprachliche Ungenauigkeit belegt, dass dies ein höchst sensibles und diffiziles Thema ist. Dessen sich jetzt wieder einmal die Politik annimmt. Gibt es doch immer wieder Kuckucksväter, die durch irgendwelche widrigen Umstände mitunter erst nach 17 Jahren erfahren, dass zum Beispiel der Stammhalter das Ergebnis eines Seitensprungs der Gattin ist.

Was sie so sehr bis ins Mark trifft, dass viele wenigstens das Geld zurück haben wollen, das sie bisher in den Spross investiert haben. Und zwar vom biologischen Vater. Der nur den Spaß hatte. Aber nicht dafür bezahlen musste. Und hier zeigt sich nicht nur eine Tragödie von griechischem Ausmaß. Es offenbart auch eine vielleicht zutiefst deutsche Sichtweise. Dass zum einen nämlich für Vergnügen unbedingt bezahlt werden muss. Und außerdem, dass es für Männer allem Anschein nach nur sinnvoll erscheint, Geld für ein Kind auszugeben, wenn Mann selber das Vergnügen hatte, es zu zeugen.

Einmal abgesehen davon, dass laut Erhebungen in deutschen Landen nur ein Prozent aller Väter Kuckucksväter sind, lässt mich diese Geschichte etwas ratlos zurück. Denn ich frage mich, wie sich wohl ein Kind fühlen mag, dem ein Ziehvater signalisiert, dass es eine Falschlieferung ist. Für die das Geld zurück gefordert wird. Ein Kind, das zu lieben, er all die Jahre vorgab. So lange er noch nicht wusste, dass es nicht das eigen Fleisch und Blut ist. Ich würde viel eher für ein Gesetz plädieren, das es verbietet, einem Kind zu sagen, dass es nicht das leibliche Kind des Mannes ist, den es für seinen Vater hielt.

Und dann noch etwas. Alle, die jetzt danach schreien, dass Frauen per Gesetz gezwungen werden müssen, den biologischen Vater zu nennen, damit ein Finanzausgleich erstritten werden kann, sollten sich erst einmal überlegen, wann sie das letzte Mal in fremden Betten gelegen haben. Wie viele Kinder von ihnen vielleicht in anderen Familien aufwachsen. Weil sie sich nach der Weihnachtsfeier an nichts mehr erinnern wollten. Die Affäre beendet haben, als von einer möglichen Schwangerschaft die Rede war. Wer nachweisen kann, dass das für ihn nicht zutrifft, der werfe von mir aus den ersten Stein. Aber trotzdem bitte so, dass nicht ein Kind getroffen wird.

Sportliche Aktivitäten

Natürlich gibt es das auch in der Tierwelt. Hat man schon in Reportagen gesehen. Ein Tier, das sich erschrickt. Und dann einen mehr oder minder großen Satz zur Seite macht. Was beim Betrachter dann auch durchaus mal Heiterkeit auslösen kann. Kommt es allerdings bei Menschen zu solch einem Seitensprung, hält sich zumindest beim betroffenen Betrachter das Vergnügen in Grenzen. Laut einer Umfrage, die allerdings allesamt mit großer Vorsicht zu genießen sind, weil es ja selten verlässliche Dritt-Meinungen und –Beobachtungen gibt, sollen 51 Prozent der Männer und 39 Prozent der Frauen fremdgehen. Was einerseits als ein Fortschritt in Richtung Gleichberechtigung gewertet werden kann. Mich andererseits aber etwas ratlos sein lässt.

Schließlich braucht man ja eine Partnerin oder einen Partner fürs Fremdgehen. Stimmen die Zahlen, kann das nur bedeuten, dass eine nicht zu vernachlässigende Anzahl von Frauen mehrfach fremdgegangen sein muss, damit die Männer auf ihre 51 Prozent kommen. Oder sollte es mehr schwule Männer geben als gemeinhin angenommen? Es ist auf jeden Fall eine dunkle Seite des Seitensprungs. Während bei den Gründen geschlechterübergreifend und mehrheitlich der Sex im Vordergrund steht. Muss zwar auch nicht wirklich so sein. Wird aber behauptet. Dass die Langweile im heimischen Bett in fremde Hände respektive Betten treiben würde.

Auch dazu kann ich mich nicht grundlegend äußern, da aufgrund eines Rückenleidens die Matratze der Anderen eher das entscheidende Kriterium ist. Aber zumindest habe ich ausreichend Phantasie, um mir vorzustellen, dass der Seitensprung an sich nicht das eigentliche Problem in einer Beziehung ist. Sondern erst seine Entdeckung. Das eigentlich Verwerfliche scheint beim Seitensprung also darin zu bestehen, dass sich der oder die Seitenspringende nicht ausreichend Mühe gegeben hat mit der Verschleierung des Seitensprungs. Was durchaus nachvollziehbar ist, kann doch auch schon im banal häuslichen Bereich mangelnde Mühe Anlass für ernste Krisen sein. Und wenn es nur der Mülleimer ist, der nicht runter getragen wurde.

Allerdings dürfte es wohl wie auch in vielen anderen zwischenmenschlichen Belangen eine Frage der Balance sein. Wer sich jahrelang und ausnahmslos geweigert hat den Müll runter oder raus zu bringen oder seine Socken und Unterhosen aufzuräumen, Zahnpasta-Tuben zu verschließen und Familienfesten beizuwohnen, der macht sich extrem verdächtig, wenn er urplötzlich seine Linie verlässt. Deshalb dürfte die wichtigste Empfehlung für den Seitensprung sein, alle Auffälligkeiten zu vermeiden und sich ein zweites Handy anzuschaffen. Ist er erst einmal aufgeflogen, der Seitensprung, dann nützt es allerdings auch nichts mehr, den Müll rauszubringen oder Socken wegzuräumen. Ganz sicher ist man nur durch Treue. Im Zweifelsfall den Begriff googeln.