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Jahresende

Manchmal frage ich mich, was wir hier eigentlich machen. Denn wenn man sich die Sache einmal aufmerksam anschaut, dann ist der Großteil der Bevölkerung gar nicht so blöd. Setzen wir mal voraus, dass Menschen bei Umfragen hin und wieder wirklich sagen, was sie denken. Jedenfalls hat diese überwiegende Mehrheit hierzulande nicht die schlechtesten Ideen.

Die erstaunlicherweise oft wenig kongruent sind mit denen der Politikerinnen und Politiker. Glyphosat zum Beispiel. Weg damit, sagt die Mehrheit. Massentierhaltung. Muss nicht sein. Dieselskandal. Warum zahlen nicht die Hersteller? Pflegepersonal. Gebt ihnen doch das, was sie verdienen. Nämlich mehr. Und erstaunlicherweise gäbe es sogar eine Mehrheit für gesetzliche Maßnahmen gegen das anfixen von Kindern und Erwachsenen mit Zucker. Obwohl die Grünen nun wirklich noch keine Volkspartei sind.

Trotzdem sprachen sich Anfang des Jahres sogar mehr als 50 Prozent für eine Festlegung von Höchstmengen für Zucker, Fett und Salz in Lebensmitteln aus. Und fast 70 Prozent dafür, dass Werbung nicht mehr auf Kinder ausgerichtet ist. Und was ist passiert? Nichts! Alle beteiligten Hersteller machen immer noch, was sie wollen. Auch auf Kosten unserer aller Gesundheit. Weil eben Politikerinnen und Politiker auch nichts machen.

Müssen sie andererseits ja auch nicht. Weil wir, das Volk, auch nichts machen. Außer uns über zu viel Zucker, zu viel Feinstaub, zu viel Scheiße auf den Feldern oder über beschissene Verhältnisse in der Pflege und auf dem kranken Gesundheitssektor aufzuregen. Fazit: Wahrscheinlich will diese Mehrheit gar nicht, dass sich etwas ändert. Weil sie sich dann ja nicht mehr aufregen könnte.

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Feinstaub

Ein Riesenthema. Ganze Innenstädte werden abgesperrt. Hunderttausende Arbeitsplätze sind gefährdet. Ein ganzer Industriezweig droht zu implodieren. Wegen Feinstaub. Und jetzt auch noch Silvester. Das wird dem Diesel und den Innenstädten den Rest geben. Ganz zu schweigen von den Autokonzernen. 4.500 Tonnen hat uns Silvester 2017 beschert. Zwar entspricht das gerade mal 2,25 Prozent aller Feinstaub-Emissionen PM10 und 15,5 Prozent der Feinstaubmenge, die der Straßenverkehr verursacht. Aber jetzt will die Umwelt-Guerilla uns Männern auch noch dieses Vergnügen madig machen.

Dabei wäre es so einfach, die Gesundheitsgefährdung zu minimieren. Schließlich bekommt man am wenigsten Feinstaub ab, wenn man in einem Auto sitzt. Dafür sorgen die Filter in der Klimaanlage. Braucht man also nur das Feuerwerk vom Auto aus zünden und anschauen. Wenn man dabei den Motor ausmacht, wird vielleicht sogar der Gesamtausstoß an Feinstaub reduziert. Und wir Männer, die seit Jahrzehnten nicht mehr in den Krieg ziehen durften, können trotzdem noch ein bisschen Spaß haben und ein paar Leute abschießen. Die Klinikärzte werden es uns danken.

Kartoffelsalat

Wiener Würstchen mit Kartoffelsalat, dazu ein Bier, alkoholfrei. Und um 11 Uhr waren wir in der Christmette. Wir machen das einfach nicht mit, diesen Konsumrausch an Weihnachten. Was ja nicht hindern muss, dass man sich ein paar Kleinigkeiten schenkt, die Freude machen. Taschentücher mit Monogramm, ein schöner Schal, eine kleine exotische Dose.

Es war ein schöner Abend. So im Kreise der Lieben. Und auch den heutigen Tag haben wir natürlich mit der Familie verbracht, die Schwiegermutter hat uns, wie jedes Jahr, eingeladen. Wir haben viel von früher erzählt. Und den morgigen Tag haben wir dann ganz für uns. Können in aller Ruhe abends die Koffer packen. Unser Flug nach Dubai geht um 8 Uhr 45. Im Burj Al Arab kann man einfach am besten Silvester feiern.  

Rückblick

Wenn es einmal ein leichtes Hungergefühl gab, dann nur, weil ich einmal mehr versucht habe, wenigstens ein paar Gramm von den Kilos los zu werden, die ich zu viel habe. Das größte Missgeschick, das mir in den vergangenen 12 Monaten passiert ist, war eine Reifenpanne. Die aber relativ schnell behoben war. Es hat noch nicht einmal geregnet an jenem Tag. Und was sich als ein wirkliches Unglück hätte erweisen können, das blieb dank ärztlichem Können und Willenskraft dann doch aus. Ansonsten haben Pharmakonzerne und Gesundheitswesen nur das gerade Notwendige an mir und den Meinen verdient.

Zwar war nicht jeder Morgen von dem fröhlichen Tirili eines Vogels und warmen Sonnenstrahlen begleitet. Doch es gab viele Momente und Stunden, in die man sich zufrieden zurück lehnen konnte, die Füße auf einem Hocker und die Einsamkeit im Schrank eingeschlossen. Um sich Menschen, die einem lieb waren in der Summe der Tage, und ein Dach über dem Kopf, das weder Regen noch Terror herein ließ. Letzterer kam über die Mattscheiben und konnte ausgeschaltet werden, wenn es einem zu viel wurde. Wie übrigens auch das ganze übrige Elend auf der Welt.

Das zwar manchmal ein wenig Schlaf rauben konnte. Aber selbst in einer Flüchtlingsunterkunft noch immer weit genug weg war, um sich verwundert zu fragen, woher dieser Hass kommt, der die Häuser so oft in Brand steckte. Und einmal gab es keine Mangos, als wir sie gebraucht hätten. Aber ansonsten würde ich mich schämen müssen, wenn ich sagen würde, dass mein Schicksal es nicht gut mit mir meinte. Denn es wäre eine Lüge. Zufriedenheit ergibt sich nun einmal nicht dadurch, dass man immer mehr will. Die fühlt man wahrscheinlich  nur, wenn man auf das schaut, was wirklich da ist.

Stress zum Jahresende

Es ist zu laut. Zu viel Stress. Und dann auch noch diese Unsicherheit und Angst wegen des Terrors. Oder auch wegen der Eurokrise. Und, und, und. Man könnte wirklich meinen, wir lebten noch im Mittelalter. Als zum Beispiel Kutschen auf dem Kopfsteinpflaster mehr Lärm machten als heutzutage ein Lastwagen. In Büros ein Lärmpegel herrschte, der heutige Arbeitsstätten dieser Art fast klösterlich erscheinen lassen. Vor allem Kriege, Krankheiten oder Hunger Alltag waren. Alles andere war die Ausnahme.

Während Stressforscher heutzutage bemängeln, dass der Großteil der Menschen in unserer Hemisphäre total untertrainiert wäre, was Stress betrifft. Weil das, was sie als Stress bezeichnen würden, für den Menschen eigentlich keine wirkliche Herausforderung wäre. Die, so könnte ich mir vorstellen, eben vor allem nur darin besteht, dass man zum Beispiel an einem 29. Dezember unbedingt morgens um 7.00 Uhr vor einem Supermarkt stehen muss, weil man sonst nicht das Feuerwerk bekommt, mit dem an Silvester um Mitternacht endlich einmal so viel Lärm gemacht werden soll, dass mancher Nachbar wirklich einen Grund hat, sich wegen Lärms zu echauffieren.

Als die Dampflokomotiven aufkamen, gab es Überlegungen, Frauen die Mitfahrt zu verbieten. Weil man Befürchtungen hatte, dass diese durch die Beschleunigung ihres Uterus verlustig gehen könnten. Wie wir inzwischen wissen, hat sich das als unbegründet erwiesen. Die Technik hat im Gegenteil für viele Annehmlichkeiten gesorgt. Und wenn man sich einmal in Erinnerung ruft, wie viele technische Unterstützung und Dienstleistungen unseren Generationen zur Verfügung stehen, dann muss man sich fragen, welchen Stress dann wohl Menschen gehabt haben müssen, die ohne Lieferservice, Fertiggerichte oder Ratgeber für alle Lebenslagen auskommen mussten.

Um es mit einfachen Worten zu sagen: Wir leben zum Großteil wie die Maden im Speck. Dass sich immer mehr Menschen über die Lautstärke spielender Kinder aufregen, das liegt vor allem daran, dass der allgemeine Lärmpegel gesunken ist. Ich sage nur „Flüsterasphalt“. Und wir leben in einer Welt, in der vieles mit einer Fingerbewegung erledigt werden kann. Dass wir trotzdem immer weniger Zeit haben, das könnte vielleicht daran liegen, dass wir stundenlang auf Smartphones starren. Vielleicht sollten wir uns eher einmal über die Bedeutung des Wortes Larmoyanz Gedanken machen. Denn die Wahrheit ist, dass wir zwar auf hohem Niveau jammern können. Ansonsten aber nicht mehr allzu viel auszuhalten scheinen.

Erinnerungen

Eigentlich steht dieses Weihnachten zumindest im biblischen Sinne ja eher für einen Neuanfang. Für den Beginn eines nicht unerheblichen Kapitels in der Menschheitsgeschichte. Ist es ja nicht mehr und nicht weniger als das Sinnbild für die Geburt einer Religion. Die bis in unsere Tage immerhin ein gutes Drittel der Weltbevölkerung mitprägt. Und dann steht Silvester kurz bevor, mit all seinen Erwartungen und Hoffnungen auf und für ein weiteres, neues Jahr.

Da mögen es vielleicht manche als eher störend empfinden, aber ich habe das Gefühl, dass gerade deswegen die Tage zwischen diesen satten Weihnachtstagen und der überschäumenden, lauten Silvesternacht die beste Zeit sind, um sich an all jene zu erinnern, die nicht mehr unter uns sind. Aber auf irgendeine Weise uns und unser Leben berührt oder sogar lange begleitet haben. Ein Anfang ist ohne ein Ende nicht denkbar. Zumindest, was uns Menschen betrifft. Doch dieses Ende ist kein endgültiges Ende, wenn es eine Erinnerung gibt, die weiterlebt.

Champagner auf Eis

Irgendwie fühle ich mich an den Sylvester-Klassiker „Dinner for One“ erinnert. Wenn jetzt Politiker aller Couleur und bevorzugt in westlichen Ländern den türkischen Präsidenten Erdogan mahnen, nach dem Putschversuch demokratische Spielregeln und vielleicht sogar Gesetze des Landes und so etwas wie Menschenrechte zu achten, so ist das nur dieselbe Prozedur wie immer. Mit dem kleinen Unterschied, dass sich im besagten Sylvester-Sketch Miss Sophie und ihr Butler den Luxus leisten, die Ernsthaftigkeit mit einem Augenzwinkern zu spielen. Während die mahnenden Politiker allen Ernstes so tun, als hätte das irgendeine Bedeutung, was sie von sich geben. Und als wüssten sie nicht, dass es den so Ermahnten überhaupt nicht interessiert, was sie von ihm fordern. Weil er keine ernsthaften Repressalien zu befürchten hat.

Weshalb bezeichnenderweise dann auch kein Ton aus Politikermund zu vernehmen ist, wenn zum Beispiel ein türkischer Diplomat in Riad aus dem Flugzeug geholt wird. Um ihn an die Türkei auszuliefern. Schließlich möchte man mit den Saudis ja weiter gute Geschäfte machen. Ich weiß, dass ich wohl umsonst auf den Tag warte, an dem sich ein Politiker unserer Hemisphäre vor ein Mikrofon stellt und sagt, dass er nichts gegen Menschenrechtsverletzungen in einem anderen Land sagen wird. Weil er wüsste, dass niemand an ernsthafte Maßnahmen denkt. Denn die wären schlecht für die heimische Wirtschaft. Da ich als altersbedingter Optimist trotzdem ein Fläschchen Champagner für diesen Tag aufs Eis gelegt habe, werde ich mich mal erkundigen müssen, wie lange man Champagner lagern kann.