Schlagwort-Archive: Smartphone

Schwarze Tage

Der letzte wirklich schwarze Freitag, der in Deutschland damals auch noch so hieß, liegt ja immerhin und wem auch immer sei Dank schon annähernd ein Jahrhundert zurück. Und stürzte ganze Kontinente in schwere wirtschaftliche Turbulenzen. Ließ in der Folge Millionen Menschen verarmen. Was jetzt schon seit Tagen und natürlich auf Englisch allüberall angekündigt wird, ist allerdings bei etwas genauerem Hinsehen auch nicht ganz ohne.

Denn erstens kommt dieser aktuelle „Black Friday“ schon seit einiger Zeit und alle Jahre wieder. Und so wie es auch mit vielen anderen mehr oder weniger guten Gepflogenheiten war, die über den Atlantik zu uns kamen, es wird jedes Jahr mehr. Während noch vor ein paar Jahren vor allem Insider wussten, dass an diesem Tag Waren- und Online-Versandhäuser zumindest behaupten, alles für die Hälfte herzuschenken, so ist Black Friday inzwischen schon so geläufig wie Weihnachten.

Und genau wie für Weihnachten wird auch am Black Friday hemmungslos konsumiert. Und das vor allem von Menschen, die sowieso schon mehr haben, als sie brauchen. Weshalb man jetzt in Frankreich den Green Friday ins Leben gerufen hat. Als Gegenbewegung. An  dem teilnehmende Unternehmen nicht nur keine „Schnäppchen“ verkaufen, sondern mitunter welche den Laden gleich ganz zumachen.

Also hat es sich wenigstens in Teilen schon rumgesprochen, dass es letztendlich der unendliche Konsum ist, der diesen Planeten ruiniert. Dem Rest sei vielleicht noch das Ergebnis einer Untersuchung mit auf den Weg zur Kasse gegeben: Bei TV-Geräten, Smartphones und sonstiger Elektronik lagen die realen Preisnachlässe bei gigantischen 0,8 bis maximal 2 Prozent. Alles andere sind Restposten, die an einem normalen Tag niemand wirklich haben will. Kurzum, der Black Friday ist einfach ein Grund mehr für die Zukunft schwarz zu sehen.

Werbeanzeigen

Minimalismus

Nur wenig fehlt noch, gerade mal ein paar Millionen, dann ist diese Frau, die eigentlich fast noch eine Jugendliche ist, Milliardärin. Sie ist gerade erst 21 Jahre alt geworden. Und damit laut Finanzmagazin Forbes die jüngste Milliardärin dieses Alters in der US-Geschichte. Was natürlich sofort die Frage aufwirft, wie sie das geschafft hat. Hat sie das Internet neu erfunden? Ein Medikament, das ewige Jugend nicht nur verspricht, sondern nachweislich verschafft? Oder eine zündende Idee gehabt, wie aus CO²-Schleudern umweltfreundliche Motoren werden können, die keine fossilen Brennstoffe mehr brauchen? Nein, sie hat den alten Menschheitstraum verwirklicht, aus Nichts Gold zu machen. Und das, ohne eine Erbschaft anzutreten.

Ihr Kapital war lediglich, was alle Menschen haben: Sie selbst. Also vor allem einmal ihr Körper. Dann noch etwas kaufmännisches Talent. Und vor allem die Neigung, sich in (fast) allen Lebenslagen selbst oder von jemand anderem fotografieren oder filmen zu lassen. Weshalb man dabei sein kann, wenn ihr gerade ein Fingernagel abgebrochen ist. Sie den Rückwärtsgang nicht findet. Einen Milch-Shake kauft. Also bei Tätigkeiten, die ganz offensichtlich das Leben von Betrachterinnen und Betrachtern revolutionieren können.

Warum sonst kämen Milliarden von Menschen auf die Idee, sich das anzuschauen. Und deshalb auch noch Firma dazu, ihr sehr viel Geld dafür zu geben. Der amerikanische Traum hat also eine neue Variante bekommen. Die Sache mit dem Tellerwaschen kann man getrost überspringen. Harte Arbeit ist nicht mehr gefragt. Es genügen ein Internet-Anschluss und ein Smartphone. Und wie die baldige Milliardärin beweist, muss man nicht einmal besonders attraktiv sein, braucht nicht unbedingt einen Objektive sprengenden Hintern. Es genügt grenzenlose Selbstdarstellung. Und ein Publikum, das davon fasziniert ist. Kommt für mich allerdings leider zu spät, dieses Geschäftsmodell. Ich weiß, wo bei meinem Auto der Rückwärtsgang ist.

Stromfresser

Während sich andere Leute mit ihrem Ego beschäftigen und der Frage, wer denn jetzt Bundesaußenminister wird, sich ein Großteil der Bevölkerung unter dem Vorwand, dass doch Fasching oder Karneval sei, mehr oder minder ins Koma säuft, was durchaus verständlich ist, so wie sich mal wieder sogenannte Führungspersönlichkeiten derzeit aufführen, wollen wir zur Abwechslung mal etwas sinnvolles tun. Uns nämlich mit einem Aspekt unseres Lebens beschäftigen, der für nicht wenige Menschen hierzulande, aber auch in vielen anderen Ländern Suchtpotential hat.

Will sagen, es käme zu gravierenden Entzugserscheinungen, wenn man das einzig Vernünftige machen würde. Nämlich mal ein bisschen weniger. Doch erst einmal ein paar Zahlen. Die zugegebenermaßen nicht halb so lustig sind wie eine dieser Büttenreden, die momentan über viele Fernsehkanäle flimmern, und bei denen man nie so genau weiß, ob es nicht doch eines der politischen Statements eines Staatsoberhauptes ist. Also in medias res.

Nur die Länder USA und China verbrauchen mehr Strom als das Internet. Weltweit macht der Stromverbrauch für IT und Internet bereits jetzt 10 Prozent des Gesamtverbrauchs aus. Und für die Herstellung der inzwischen mehr als sieben Milliarden Smartphones wurde so viel Energie verbraucht, wie zum Beispiel Schweden in einem ganzen Jahr verbraucht. Nicht zu vergessen, dass schon in der Vergangenheit pro Jahr mehr als 40 Millionen Tonnen Elektroschrott anfielen. Tendenz steigend.

Wer also glaubt, dass es doch wirklich umweltschonend sei, Musik oder Filme zu streamen, der kann mit großer Gewissheit davon ausgehen, dass da weder großartig was an Umweltbelastungen reduziert noch Ressourcen geschont und geschweige denn das Klima nachhaltig geschützt würde. Wir sind vielmehr dabei, die Vernunft unter einem Berg von Videos, WhatApps und süßen kleinen Emojis zu vergraben.  Die gute Nachricht: Das war der dritte und letzte Teil der kleinen Umweltserie. Morgen wird es richtig lustig. Ist ja Fasching.

Glaube an die Menschheit

Natürlich wiegt das nicht all die anderen Missetaten auf, derer sich Menschen in diesem Jahr ebenso schuldig machen werden, wie sie das in den vergangenen Jahrtausenden bereits getan haben. Aber vielleicht ist es ja ein Silberstreif am Horizont, der Vorbote einer Veränderung im Verhalten, die sich zwar mühsam aber dank globaler Vernetzung vielleicht doch etwas schneller als im Schneckentempo niederschlagen wird.

Auslöser für solche, auf diesen Seiten ja selten gesehene und bis dato nie wirklich propagierte Euphorie ist eine Nachricht aus der Welt der Informationstechnologie, in der die Benutzer so oft nicht darüber informiert werden, was denn eigentlich auf ihren Geräten so alles passiert. Umso erstaunlich, wenn man dann erfährt, dass etwas passieren könnte – aber allem Anschein nach noch nicht passiert ist.

Das klingt etwas kryptisch, liegt aber wohl in erster Linie daran, dass es sich um eine Sicherheitslücke in Milliarden von Geräten handelt, die es Hackern möglich macht, sich Zugang zu Passwörtern und Krypto-Schlüsseln zu verschaffen. Und damit Zugriff auf Konten oder EC-Karten und andere Zahlungssysteme. Und das schon seit Jahren. Und dass dies allem Anschein nach noch nicht im großen Stil passiert ist, könnte doch ein Hinweis auf das Gute im Menschen sein.

Oder dass zumindest die Zahl der Menschen, die das technische Know-how haben, aber trotzdem rechtschaffen sind, größer ist als angenommen. Möglicherweise hat es sich aber vielleicht auch einfach noch nicht rumgesprochen, dass diese Sicherheitslücke existiert. Weshalb sich jetzt zumindest, dank der Veröffentlichung, schließlich heraus stellen wird,  ob der Glaube an die Menschheit nicht vielleicht doch gerechtfertigt ist.

 

Kleine Welt

Ob das irgendeine Bedeutung hat? Und wenn ja, welche? Unsere Autos werden immer größer. Die Egos auch. Ganz zu schweigen von unseren Fernsehgeräten. Die zumeist nur noch in Altersheimen und verwandten Einrichtungen so genannt werden. Doch gleichzeitig ist in einem anderen Bereich die Welt klein geworden. Im günstigsten Falle und in der Diagonale 5,8″ groß. Zumindest für Besitzer eines iPhone X.

Gut, man kann Details zoomen, bis einem die Pixel Tränen in die Augen treibt. Aber dann hat man eben nur wieder ein Detail vergrößert. Das Bild an sich bleibt klein. Korrekter gesagt, das Foto, das man gemacht hat. Um einen Moment festzuhalten. Ein Gesicht. Eine Landschaft. Oder, was man gegessen hat.

Aber dafür hat man tausende von Fotos. Die man ganz schnell scrollen kann. Um dann doch nicht das ultimative Foto vorzeigen zu können. Es scheint nicht mehr auffindbar zu sein. Ich vermute, weil es so klein ist. Und manchmal kommt es mir so vor, dass diese Fotos auch nicht mehr so wichtig sind. Versehentlich gelöscht?  Alles mit dem Smartphone zum Teufel oder auch nur zu einem Taschendieb (über-)gegangen? Fängt man einfach das Sammeln wieder an.

Es kommt mir ein bisschen so vor, als sei es letztendlich gar nicht einmal beabsichtigt, dass diese Fotos und die Momente oder Dinge, die sie dokumentieren, erhalten bleiben. Als seien diese Fotos auf den Smartphones vor allem eine momentane Selbstvergewisserung. Für das, was gerade stattgefunden hat, gesehen wurde. Und dann geht es das Leben einfach mit einem Klick weiter.

 

Telefonieren 5.0

Warum gibt es eigentlich so etwas nicht auch bei uns? Man ruft jemand mit dem Handy an, und dann meldet sich erst einmal Angela Merkel. Und sagt zum Beispiel: Wir schaffen das! Wobei Merkel mit einer reinen Sprachnachricht natürlich nur die halbe Merkel wäre. Da würde dann einfach ihre Raute fehlen. Aber Horst Seehofer, bei dem käme das toll rüber. Egal, was er sagt, Hauptsache er krönt es mit seinem berühmten Lachen. Wenn man ihn dabei nicht sieht, ist das ja kein so großer Verlust.

Auf jeden Fall ist es eigentlich eine Schande für den Innovations-Standort Bundesrepublik Deutschland, wenn uns da erst jemand aus einem Land, in dem Journalisten und Ziegen gleichermaßen gefährdet sind, zeigen muss, wie Telefonieren 5.0 aussieht. Denn diese Idee ist wirklich bahnbrechend. Zum Beispiel könnte auch Frau von Storch jedes Telefonat mit einem markigen Spruch über die „Schwulen-Lobby“ einleiten. VW auf diese Art und Weise Schadstoffwerte für ihre Dieselmotoren festlegen. Und Aldi die Schnäppchen der Woche mitteilen.

Bei genauem Hinsehen ist das auf jeden Fall eine Geschäftsidee, die ähnlichen Erfolg verspricht wie Apples iPhone, Googles Suchmaschine oder das Betriebssystem von Microsoft. Kann man jetzt nur beten, dass der Urheber dieser Idee noch nicht auf die Idee gekommen ist, sich alle Rechte dazu zu sichern. Ich setze mich jedenfalls heute noch in den Zug und werde den morgigen Tag beim Münchener Patentamt verbringen. Vielleicht ist es ja noch nicht zu spät. Ich hätte sogar schon ein Firmenmotto: Pre-Call – laber dir einen auf!

 

Theresa im Juni

Sie hat es zur Schicksalswahl gemacht. Als ob sie keinen Vorgänger gehabt hätte. Doch jetzt ist es der Premierministerin Großbritanniens ergangen wie ihm. Sie wollte Volkes Wille hinter sich haben. Jetzt steht er ihr im Weg. Zwölf Mandate hat sie verloren. Sie wollte gehen, wenn sie sechs Mandate verlieren würde. Und Theresa May bleibt. Obwohl sie jetzt ihren harten Brexit wohl nur noch ziemlich weich gebacken bekommt. Aber so ist nun einmal das Volk. Und das mehr und mehr. Es macht einfach nicht mehr, was es soll. Markentreue legt es nur noch an den Tag, wenn es SUVs und Smartphones kauft.

Weshalb es durchaus auch sein könnte, dass bei Neuwahlen ein Herr Trump mit überwältigender Mehrheit gewählt wird. Und nicht nur mit weniger Stimmen als die Konkurrentin. Doch es ist zu befürchten, dass das noch mehrere Generationen dauert, bis die Politikerinnen und Politiker (politische Korrektheit ist bei mir noch nicht im Müll gelandet) aus der alten Garde das gemerkt haben: Schnelles Internet gibt es inzwischen nicht nur auf dem Land, sondern auch in den Köpfen vieler Menschen.