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Minimalismus

Nur wenig fehlt noch, gerade mal ein paar Millionen, dann ist diese Frau, die eigentlich fast noch eine Jugendliche ist, Milliardärin. Sie ist gerade erst 21 Jahre alt geworden. Und damit laut Finanzmagazin Forbes die jüngste Milliardärin dieses Alters in der US-Geschichte. Was natürlich sofort die Frage aufwirft, wie sie das geschafft hat. Hat sie das Internet neu erfunden? Ein Medikament, das ewige Jugend nicht nur verspricht, sondern nachweislich verschafft? Oder eine zündende Idee gehabt, wie aus CO²-Schleudern umweltfreundliche Motoren werden können, die keine fossilen Brennstoffe mehr brauchen? Nein, sie hat den alten Menschheitstraum verwirklicht, aus Nichts Gold zu machen. Und das, ohne eine Erbschaft anzutreten.

Ihr Kapital war lediglich, was alle Menschen haben: Sie selbst. Also vor allem einmal ihr Körper. Dann noch etwas kaufmännisches Talent. Und vor allem die Neigung, sich in (fast) allen Lebenslagen selbst oder von jemand anderem fotografieren oder filmen zu lassen. Weshalb man dabei sein kann, wenn ihr gerade ein Fingernagel abgebrochen ist. Sie den Rückwärtsgang nicht findet. Einen Milch-Shake kauft. Also bei Tätigkeiten, die ganz offensichtlich das Leben von Betrachterinnen und Betrachtern revolutionieren können.

Warum sonst kämen Milliarden von Menschen auf die Idee, sich das anzuschauen. Und deshalb auch noch Firma dazu, ihr sehr viel Geld dafür zu geben. Der amerikanische Traum hat also eine neue Variante bekommen. Die Sache mit dem Tellerwaschen kann man getrost überspringen. Harte Arbeit ist nicht mehr gefragt. Es genügen ein Internet-Anschluss und ein Smartphone. Und wie die baldige Milliardärin beweist, muss man nicht einmal besonders attraktiv sein, braucht nicht unbedingt einen Objektive sprengenden Hintern. Es genügt grenzenlose Selbstdarstellung. Und ein Publikum, das davon fasziniert ist. Kommt für mich allerdings leider zu spät, dieses Geschäftsmodell. Ich weiß, wo bei meinem Auto der Rückwärtsgang ist.

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Stromfresser

Während sich andere Leute mit ihrem Ego beschäftigen und der Frage, wer denn jetzt Bundesaußenminister wird, sich ein Großteil der Bevölkerung unter dem Vorwand, dass doch Fasching oder Karneval sei, mehr oder minder ins Koma säuft, was durchaus verständlich ist, so wie sich mal wieder sogenannte Führungspersönlichkeiten derzeit aufführen, wollen wir zur Abwechslung mal etwas sinnvolles tun. Uns nämlich mit einem Aspekt unseres Lebens beschäftigen, der für nicht wenige Menschen hierzulande, aber auch in vielen anderen Ländern Suchtpotential hat.

Will sagen, es käme zu gravierenden Entzugserscheinungen, wenn man das einzig Vernünftige machen würde. Nämlich mal ein bisschen weniger. Doch erst einmal ein paar Zahlen. Die zugegebenermaßen nicht halb so lustig sind wie eine dieser Büttenreden, die momentan über viele Fernsehkanäle flimmern, und bei denen man nie so genau weiß, ob es nicht doch eines der politischen Statements eines Staatsoberhauptes ist. Also in medias res.

Nur die Länder USA und China verbrauchen mehr Strom als das Internet. Weltweit macht der Stromverbrauch für IT und Internet bereits jetzt 10 Prozent des Gesamtverbrauchs aus. Und für die Herstellung der inzwischen mehr als sieben Milliarden Smartphones wurde so viel Energie verbraucht, wie zum Beispiel Schweden in einem ganzen Jahr verbraucht. Nicht zu vergessen, dass schon in der Vergangenheit pro Jahr mehr als 40 Millionen Tonnen Elektroschrott anfielen. Tendenz steigend.

Wer also glaubt, dass es doch wirklich umweltschonend sei, Musik oder Filme zu streamen, der kann mit großer Gewissheit davon ausgehen, dass da weder großartig was an Umweltbelastungen reduziert noch Ressourcen geschont und geschweige denn das Klima nachhaltig geschützt würde. Wir sind vielmehr dabei, die Vernunft unter einem Berg von Videos, WhatApps und süßen kleinen Emojis zu vergraben.  Die gute Nachricht: Das war der dritte und letzte Teil der kleinen Umweltserie. Morgen wird es richtig lustig. Ist ja Fasching.

Glaube an die Menschheit

Natürlich wiegt das nicht all die anderen Missetaten auf, derer sich Menschen in diesem Jahr ebenso schuldig machen werden, wie sie das in den vergangenen Jahrtausenden bereits getan haben. Aber vielleicht ist es ja ein Silberstreif am Horizont, der Vorbote einer Veränderung im Verhalten, die sich zwar mühsam aber dank globaler Vernetzung vielleicht doch etwas schneller als im Schneckentempo niederschlagen wird.

Auslöser für solche, auf diesen Seiten ja selten gesehene und bis dato nie wirklich propagierte Euphorie ist eine Nachricht aus der Welt der Informationstechnologie, in der die Benutzer so oft nicht darüber informiert werden, was denn eigentlich auf ihren Geräten so alles passiert. Umso erstaunlich, wenn man dann erfährt, dass etwas passieren könnte – aber allem Anschein nach noch nicht passiert ist.

Das klingt etwas kryptisch, liegt aber wohl in erster Linie daran, dass es sich um eine Sicherheitslücke in Milliarden von Geräten handelt, die es Hackern möglich macht, sich Zugang zu Passwörtern und Krypto-Schlüsseln zu verschaffen. Und damit Zugriff auf Konten oder EC-Karten und andere Zahlungssysteme. Und das schon seit Jahren. Und dass dies allem Anschein nach noch nicht im großen Stil passiert ist, könnte doch ein Hinweis auf das Gute im Menschen sein.

Oder dass zumindest die Zahl der Menschen, die das technische Know-how haben, aber trotzdem rechtschaffen sind, größer ist als angenommen. Möglicherweise hat es sich aber vielleicht auch einfach noch nicht rumgesprochen, dass diese Sicherheitslücke existiert. Weshalb sich jetzt zumindest, dank der Veröffentlichung, schließlich heraus stellen wird,  ob der Glaube an die Menschheit nicht vielleicht doch gerechtfertigt ist.

 

Kleine Welt

Ob das irgendeine Bedeutung hat? Und wenn ja, welche? Unsere Autos werden immer größer. Die Egos auch. Ganz zu schweigen von unseren Fernsehgeräten. Die zumeist nur noch in Altersheimen und verwandten Einrichtungen so genannt werden. Doch gleichzeitig ist in einem anderen Bereich die Welt klein geworden. Im günstigsten Falle und in der Diagonale 5,8″ groß. Zumindest für Besitzer eines iPhone X.

Gut, man kann Details zoomen, bis einem die Pixel Tränen in die Augen treibt. Aber dann hat man eben nur wieder ein Detail vergrößert. Das Bild an sich bleibt klein. Korrekter gesagt, das Foto, das man gemacht hat. Um einen Moment festzuhalten. Ein Gesicht. Eine Landschaft. Oder, was man gegessen hat.

Aber dafür hat man tausende von Fotos. Die man ganz schnell scrollen kann. Um dann doch nicht das ultimative Foto vorzeigen zu können. Es scheint nicht mehr auffindbar zu sein. Ich vermute, weil es so klein ist. Und manchmal kommt es mir so vor, dass diese Fotos auch nicht mehr so wichtig sind. Versehentlich gelöscht?  Alles mit dem Smartphone zum Teufel oder auch nur zu einem Taschendieb (über-)gegangen? Fängt man einfach das Sammeln wieder an.

Es kommt mir ein bisschen so vor, als sei es letztendlich gar nicht einmal beabsichtigt, dass diese Fotos und die Momente oder Dinge, die sie dokumentieren, erhalten bleiben. Als seien diese Fotos auf den Smartphones vor allem eine momentane Selbstvergewisserung. Für das, was gerade stattgefunden hat, gesehen wurde. Und dann geht es das Leben einfach mit einem Klick weiter.

 

Telefonieren 5.0

Warum gibt es eigentlich so etwas nicht auch bei uns? Man ruft jemand mit dem Handy an, und dann meldet sich erst einmal Angela Merkel. Und sagt zum Beispiel: Wir schaffen das! Wobei Merkel mit einer reinen Sprachnachricht natürlich nur die halbe Merkel wäre. Da würde dann einfach ihre Raute fehlen. Aber Horst Seehofer, bei dem käme das toll rüber. Egal, was er sagt, Hauptsache er krönt es mit seinem berühmten Lachen. Wenn man ihn dabei nicht sieht, ist das ja kein so großer Verlust.

Auf jeden Fall ist es eigentlich eine Schande für den Innovations-Standort Bundesrepublik Deutschland, wenn uns da erst jemand aus einem Land, in dem Journalisten und Ziegen gleichermaßen gefährdet sind, zeigen muss, wie Telefonieren 5.0 aussieht. Denn diese Idee ist wirklich bahnbrechend. Zum Beispiel könnte auch Frau von Storch jedes Telefonat mit einem markigen Spruch über die „Schwulen-Lobby“ einleiten. VW auf diese Art und Weise Schadstoffwerte für ihre Dieselmotoren festlegen. Und Aldi die Schnäppchen der Woche mitteilen.

Bei genauem Hinsehen ist das auf jeden Fall eine Geschäftsidee, die ähnlichen Erfolg verspricht wie Apples iPhone, Googles Suchmaschine oder das Betriebssystem von Microsoft. Kann man jetzt nur beten, dass der Urheber dieser Idee noch nicht auf die Idee gekommen ist, sich alle Rechte dazu zu sichern. Ich setze mich jedenfalls heute noch in den Zug und werde den morgigen Tag beim Münchener Patentamt verbringen. Vielleicht ist es ja noch nicht zu spät. Ich hätte sogar schon ein Firmenmotto: Pre-Call – laber dir einen auf!

 

Theresa im Juni

Sie hat es zur Schicksalswahl gemacht. Als ob sie keinen Vorgänger gehabt hätte. Doch jetzt ist es der Premierministerin Großbritanniens ergangen wie ihm. Sie wollte Volkes Wille hinter sich haben. Jetzt steht er ihr im Weg. Zwölf Mandate hat sie verloren. Sie wollte gehen, wenn sie sechs Mandate verlieren würde. Und Theresa May bleibt. Obwohl sie jetzt ihren harten Brexit wohl nur noch ziemlich weich gebacken bekommt. Aber so ist nun einmal das Volk. Und das mehr und mehr. Es macht einfach nicht mehr, was es soll. Markentreue legt es nur noch an den Tag, wenn es SUVs und Smartphones kauft.

Weshalb es durchaus auch sein könnte, dass bei Neuwahlen ein Herr Trump mit überwältigender Mehrheit gewählt wird. Und nicht nur mit weniger Stimmen als die Konkurrentin. Doch es ist zu befürchten, dass das noch mehrere Generationen dauert, bis die Politikerinnen und Politiker (politische Korrektheit ist bei mir noch nicht im Müll gelandet) aus der alten Garde das gemerkt haben: Schnelles Internet gibt es inzwischen nicht nur auf dem Land, sondern auch in den Köpfen vieler Menschen.

 

Papst liebt Trump

Vielleicht erinnert sich ja noch jemand an die gute, alte Zeitungsente. Kaum hatte sie gequakt, schon machten es sich andere Zeitungen mit viel Inbrunst zur Aufgabe, sie zu zerlegen und auf kleinem Feuer zu kochen. Natürlich nicht nur um der Wahrheit willen, sondern gerne auch um zu zeigen, dass sie der Konkurrenz haushoch überlegen ist, was eine qualitativ hochwertige Recherche betrifft. Musste zwar nicht daran hindern, dann und wann nicht auch selber vor Euphorie über eine Entdeckung auch noch einem toten Hitler auf den Leim zu gehen. Aber es war eben eher die Ausnahme.

Inzwischen und dank schnellem Internet sind die Enten so zahlreich geworden, dass kein Mensch mehr den Überblick hat. Vor allem, weil Menschen gezielt daran arbeiten, Unwahrheiten in die Welt zu setzen. Und übrigens auch staatliche Institutionen. Und da ist jetzt ausnahmsweise einmal nicht unser aller Verkehrsminister gemeint. Es ist eher an jene Neuigkeiten gedacht, die in die Welt gesetzt werden, um Stimmungen und Meinungen zu beeinflussen. Oder bestimmte Menschen oder Einrichtungen zu diffamieren.

Eines der prägnanten Beispiele aus der jüngeren Zeit: Der Papst ist von Trump begeistert. Und unterstützt ihn. Glaubwürdig gemacht mit den zusammenmontierten Konterfeis der beiden und auf Facebook gepostet und millionenfach geklickt und geteilt. Und während dereinst eine solche Meldung im Sinne des Wortes bald im Papierkorb verschwunden wäre, wird diese Lüge zwar nicht gerade bis in alle Ewigkeit im Internet kursieren, aber wohl zumindest so lange, wie es ein Internet gibt.

Der kleine Unterschied: Dereinst brauchte ein Journalist noch eine Zeitung oder einen Rundfunk- oder Fernseh-Sender, um gezielt eine Lüge zu verbreiten. Und schlafende Redakteure und Kollegen. Jetzt genügt ein Smartphone und Internetzugang, um aber auch jede Lüge in die Welt zu setzen, die irgendjemandem irgendwo auf der Welt einfällt. Und das auch noch befördert von der weit verbreiteten menschlichen Eigenschaft, leichtgläubig zu sein. Bildern zum Beispiel mehr zu vertrauen als Texten. Weshalb dann auch ein Großteil der Internet-User redaktionelle Meldungen nicht von Werbung unterscheiden kann. Auch nicht, wenn diese sogar als solche mit „sponsored content“ gekennzeichnet sind.

Wir sollten uns also langsam mit dem Gedanken anfreunden, dass die sogenannte „Lügenpresse“ immer noch das zuverlässigere Nachrichten-Portal ist. Wenn man einmal vom Staatsfernsehen eines Erdogan oder Putin absieht. Wohingegen man ja bei einem Trump vor allem dann vorsichtig sein sollte, wenn er selber Neuigkeiten verbreitet. Auf jeden Fall ist das Internet immer weniger geeignet, um sich mit Erkenntnissen zu versorgen. Zumindest wenn diese Erkenntnis einigermaßen realitätsnah sein soll. Allerdings kann man die Trefferquote mit einer alten Journalisten-Regel erhöhen: Für jede Meldung sollte man mindestens drei übereinstimmende Quellen haben. Und nicht nur Facebook.