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Wenn Buben spielen

Fast sieht es so aus, als hätten sie lediglich Spielzeug zu Weihnachten geschenkt bekommen. Und jetzt spielen sie natürlich damit rum. Der Eine stellt zum Beispiel seine Zinnsoldaten in Positur, schließlich hat ein anderer versprochen, Platz zu machen. Voller Begeisterung wird auch dem Flug von Geschossen nachgeschaut, auch wenn sie beim Nachbarn landen.

Nur einer der Buben hat nicht bekommen, was er wollte, weshalb er trotzig in der Ecke steht. Könnte man also sagen, nicht der Rede wert, ist doch schon immer so an Weihnachten gewesen. Wenn diese Kindsköpfe nicht schon ziemlich alt wären. Und die Präsidenten von Israel, der Türkei, Russlands oder der USA. Weshalb die Spiele nicht lustig sind.

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Ablenkungsmanöver

Nachdem die unabhängige „Organisation für das Verbot chemischer Waffen“ (OPCW) festgestellt hat, dass es keinen Hinweis darauf gibt, dass der bei der Gift-Attacke auf den russische Ex-Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tochter Julia verwendete Giftstoff explizit aus Russland stammt, bleibt nach meinem unmaßgeblichen Eindruck nur eine Erklärung für das Verhalten von Englands Premierministerin Theresa May. Dass sie sofort und ohne Beweise vorzulegen Russland dafür verantwortlich machte und russische Diplomaten des Landes verwies, hat wohl nur dazu gedient, in England die Diskussion über den Brexit und seine Folgen runterzufahren.

Ganz anders also als in Afghanistan, das zugegebenermaßen momentan auch keinen Austritt vorhat, der der Bevölkerung schwer zu erklären wäre. Die haben sogar von einem hohen US-Militär die Bestätigung bekommen, dass die Drohnen, die mit ihren Bomben Zivilisten in ihrem Land töten, Kinder, Frauen, junge und alte Männer, aus den USA kommen und von deren Soldaten gesteuert und eingesetzt werden. Wobei es bis heute keinen Beweis dafür gibt, dass es unter diesen hunderten Getöteten und Verletzten auch nur einen einzigen Ex-Spion gegeben hat. Bis jetzt ist jedenfalls noch nicht einmal bekannt, dass die afghanische Regierung auch nur im entferntesten daran denkt, US-Diplomaten auszuweisen.

Jerusalem

Es gibt kein Leid zweiter Klasse. Trauer darf nicht für bestimmte Menschen reserviert sein. Der Anschlag in Jerusalem ist genauso schändlich wie jeder andere auf der Welt, bei dem Menschen aus Gründen sterben müssen, die nicht oder nur peripher in ihrer Verantwortung liegen. Doch zugegeben, bei der Meldung über das Lastwagen-Attentat hat sich meine Bestürzung im ersten Moment in Grenzen gehalten. Wofür ich mich im zweiten Moment berechtigterweise geschämt habe. Aber irgendwie war das wie ein Reflex. Und hätte ich nicht aufgepasst, dann wäre vielleicht sogar ein Satz in meinem Kopf aufgetaucht: Geschieht ihnen doch recht!

Der sich dann aber schnell als völlig absurd heraus gestellt hätte. Spätestens bei der zwangsläufigen Frage, wem es denn recht geschehen sein könnte. Den Soldaten? Weil sie Soldaten sind? Idiotisch. Sonst müsste man auch sagen, dass es einem Kind recht geschieht, wenn es auf der Straße von einem Auto überfahren wird. Käme doch Gott sei Dank niemand auf diese Idee. Aber ist es dann vielleicht Netanjahu, dem es recht geschieht? Auch wenn der israelische Ministerpräsident die Politik zu großen Teilen verantwortet, die ohne Frage Nährboden für den Terror in Israel ist, auch dieser Gedanke ist absurd.  

Aber vielleicht war es auch derselbe Reflex, wie er sich ja inzwischen auch nach Meldungen aus dem Irak, Afghanistan  oder auch der Türkei oder Afghanistan einstellt? Dass sich das Grauen im Kopf nur noch für kurze Zeit einnistet, wenn räumliche oder gedankliche Nähe nicht gegeben ist? Oder eine entsprechend ausführliche Berichterstattung? Eine simple Erklärung könnte lauten, dass  Strategie es eine Überlebensstrategie ist.

Weil sonst, wenn wir alles Leid immer ganz nah an uns heran lassen würden, egal, wo es auf der Welt geschieht und wem es widerfährt, nur noch in tiefster Depression versinken würden? Wobei für mich nicht genau erkennbar ist, nach welchen Kriterien die Psyche aussucht. Ich befürchte, dass es vielleicht auch mit Ressentiments, mit Voreingenommenheit zu tun hat. Die wie im aktuellen Fall durchaus auch von den Reaktionen auf einen Terroranschlag befeuert werden können. Es wird einem nicht immer ganz einfach gemacht.