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Sommerzeit

Jetzt haben wir den Schuldigen gefunden. Oder korrekter: die Schuldige. Es ist die Sommerzeit. Klartext hat jetzt Professor Till Roenneberg vom Institut für Medizinische Psychologie an der Uni München gesprochen. Der sowieso nichts von Zeitumstellung hält, aber am allerwenigsten davon, jetzt auch noch ganzjährig auf Sommerzeit umzustellen. Wie es im Gespräch ist. Will man ihm glauben, dann würde das für viele Menschen ein erhöhtes Risiko mit sich bringen, an Diabetes zu erkranken, Depressionen, Schlaf- und Lernprobleme zu bekommen. Der Grund: Weil man an mehr Tagen im Dunklen aufstehen müsste. Die innere Uhr der Menschen sich aber trotz iPhone X und bargeldlosem Bezahlen an der Supermarktkasse immer noch an der Natur orientiert.

Und weil auch Schlafforscher herausgefunden haben, dass die Winterzeit sehr viel eher dem menschlichen Schlaf-Wach-Rhythmus entspricht, alles andere die Konzentration beeinträchtigt, Lernprobleme schafft oder zu Unfällen führen kann, erscheint eine andere Aussage von Professor Roenneberg durchaus plausibel. Er befürchtet, dass die Menschen bei dauerhafter Sommerzeit „dicker, dümmer und grantiger“ werden. Sollte er Recht haben mit seiner These, würde das auf jeden Fall und aufgrund der bisherigen Regelung schon einmal einen guten Teil mancher politischen Entwicklung erklären.

 

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Sommerzeit und Wildverbiss

Alle Jahre wieder kommt im Frühjahr nicht nur der Osterhase sondern auch die Zeitumstellung. Und wem haben wir das zu verdanken? Natürlich den Amerikanern. Als es nämlich noch gar keinen Strom aus der Steckdose gab, da hat einer ihrer Gründerväter, Benjamin Franklin, trotzdem schon ans Energie-Sparen gedacht. Weshalb die Leute morgens früher aufstehen und abends früher ins Bett gehen sollten, damit sie weniger Kerzen verbrauchen.

Aber so richtig akribisch haben natürlich erst wir Deutschen es dann betrieben. Viele werden sich wohl nicht mehr erinnern, aber bereits im Ersten Weltkrieg wurden in deutschen Landen die Uhren vorgestellt. Damit weniger Kohle verbraucht wird. Allerdings ist weder dokumentiert, ob dieser Effekt wirklich eingetreten ist, noch welcher Zusammenhang da bestehen könnte.

Was dann bei den Nationalsozialisten schon eher der Fall war. Für sie bedeutete die Umstellung auf eine Sommerzeit eine Stunde mehr an Arbeitszeit in der Rüstungsindustrie. Was unter Berücksichtigung der vorrangigen Ziele ausgesprochen plausibel erschien. Wie auch die Aversion der Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg gegen diese Regelung der Nazis verständlich ist. Auch wenn man sich aus heutiger Sicht gewünscht hätte, dass sie vielleicht die nationalsozialistische Sommerzeitregelung beibehalten und dafür weniger Nazis in Amt und Würden gelassen hätten.

Erfreulich ist hingegen, dass es bei der nächsten Einführung der Sommerzeit keines Krieges mehr bedurfte. Es reichte, dass von den Saudis der Ölhahn etwas zugedreht wurde, um wieder einmal zu glauben, dass eine Sommerzeit nicht nur Kriege gewinnen lässt sondern auch Energie spart. Dabei hätten es die Menschen damals wirklich besser wissen müssen. Nicht nur die Erfahrungen mit den beiden Weltkriegen sondern auch die Tatsache, dass jetzt ein F.D.P-Innenminister zusammen mit dem Schlager-Barden Howard Carpendale die Werbetrommel für die Einführung einer Sommerzeit rührte, hätte alle Alarmglocken schrillen lassen müssen.

Wahrscheinlich wollten die Freien Demokraten aber nur einmal über sich hinaus wachsen und nicht nur immer etwas für den Mittelstand tun. Sondern für die Automobil-Industrie. Denn durch Einführung der Sommerzeit werden nachgewiesener Maßen das Risiko und die Zahl der Wildunfälle erhöht, was natürlich wiederum den Absatz von Neuwagen befördert. Sie konnten damals ja nicht wissen, dass die deutsche Automobil-Industrie auf solche Hilfe in der Zukunft gar nicht angewiesen sein würde. Weil sie ja schließlich inzwischen China hat.

Doch es gibt wenigstens einen positiven Effekt. Durch die Wildunfälle wird natürlich auch der Bestand an Rehwild vermindert und somit der Wildverbiss an Bäumen. Die eigentlichen Nutznießer der Sommerzeit sind also die Waldbesitzer. Daran, dass dieser Blog heute etwas später erschien, war allerdings kein Wildunfall schuld. Ich hatte nur aus Versehen gestern Abend die Uhr eine Stunde zurück gestellt.