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Lagebericht

Ich neige ja eher dazu, meine Befindlichkeiten und Unpässlichkeiten zu überspielen. Schließlich weist mich meine amtlich beglaubigte Geburtsurkunde als einen Vertreter des männlichen Geschlechts aus. Doch manchmal gibt es Situationen, in denen noch nicht einmal ich die Augen verschließen kann vor der Realität, in denen ich mir eingestehen muss, dass auch ich nur ein Mensch bin. Der sich mitunter den Beeinträchtigungen durch seinen Körper beugen muss. Auch wenn dies natürlich nie eine Kapitulation bedeuten kann.

Auf jeden Fall müssen zu meinem größten Bedauern heute die große Politik und die gesellschaftlichen Verwerfungen außen vor bleiben. Umso bedauerlicher, weil eigentlich Panamapapers und Donald Trump ebenso nach einem Diskurs schreien wie das Abkommen mit der Türkei, der Terrorismus in Europa inklusive Bundeswehreinsatz in Mali und die Schreckensmeldung, dass Barbara Schönberger als Editor at Large, so jedenfalls das Impressum und mit einer nicht zu leugnenden Doppeldeutigkeit, jetzt auch eine Zeitschrift für Frauen herausbringt. Tenor: keine Kalorien zählen sondern sie essen! Außerdem wird der Frage nachgegangen, ob „Spargeltarzane“ sexy seien.

All dies muss ich also heute meinem gesundheitlichen Zustand opfern, muss stattdessen meinen Nachlass ordnen, vielleicht auch noch ein neues Testament aufsetzen, mit dem einen oder anderen lieben Menschen noch ein paar letzte Worte wechseln, einige Briefe schreiben, meinen Schreibtisch und den Wäscheschrank ordnen. Was mit Sicherheit meine letzten Kräfte aufzehren wird, weshalb ich die folgenden Stunden und vermutlich auch Tage und, wenn es mir denn überhaupt noch vergönnt ist, auch noch Wochen wohl nur noch im Bett erleben werde. Ich habe nämlich Schnupfen.

Erdbeeren, Kaffeekapseln und SUVs

Der Hamburger Senat hat jetzt den Kauf von Kaffeekapseln durch Angestellte und Staatsdiener auf Staatskosten untersagt. In erster Linie, weil durch Kaffeekapseln enorm viel Müll produziert und Energie durch die Verpackung verschwendet wird. Es hat sich bereits eine Initiative gebildet, die auch auf Städte wie zum Beispiel Berlin oder München Druck ausüben will, dem Beispiel Hamburgs zu folgen. Ein sinnvolles und unterstützenwertes Vorhaben, das den Umweltschutz und die Energiewende, die ja auch durch die Einsparung von Energie vorangetrieben wird, bestimmt wieder einen Schritt weiter bringt.

Was ich aber vermisse, das ist zum Beispiel eine Regelung, die untersagt, im Monat März ein Kilo Erdbeeren für 1,98 € in Supermärkten anzubieten. Zwar hält sich der Müll in diesem Zusammenhang einigermaßen in Grenzen, der entscheidende Faktor ist hier jedoch die enorme Energie, die aufgewendet werden muss, um schon um diese Jahreszeit und so preiswert Erdbeeren anzubieten. Von Heizungsanlagen für Spargel, damit es in den Supermärkten schon vor der Spargelzeit Spargel gibt, ganz zu schweigen.

Auch habe ich keinerlei Verständnis dafür, dass riesige SUVs, also diese sogenannten Sport- respektive Nutzfahrzeuge in Städten stundenlang im Stau stehen und aufgrund ihrer Größe oft ebenso lange nach Parkplätzen suchen. Hier sehe ich ganz besonders viel Potential Energie und Material einzusparen. Und auch der Müll ließe sich reduzieren, den die Insassen verursachen, wenn sie wegen der langen Fahrzeiten Fast-Food verzehren und Verpackungen und Trinkbecher während der Fahrt entsorgen. Aber auf jeden Fall ist das mit den Kaffeekapseln schon mal ein guter Anfang.

Ich bin ein Kind dieser Zeit. Auch wenn ich nicht mehr unbedingt wie ein Kind aussehe. Aber auf jeden Fall bin ich nolens volens geprägt von Globalismus, Freier Marktwirtschaft, Internet und Wachstumsglauben. Weshalb ich kolumbianische Curuba kaufe, über ein Online-Portal Klamotten bestelle, die ich meistens wieder zurück schicke, und außerdem fest davon überzeugt bin, dass Wachstum der Motor des Lebens ist. Auch wenn der Salat, den ich gerade gepflanzt habe, offensichtlich noch nichts davon gehört hat.

Aber man muss sich halt einfach ein bisschen anstrengen. Denn von nichts kommt nichts. Hat schon meine Großmutter gesagt, als Angela Dorothea Merkel noch in Rüschenbluse rumgelaufen ist und sich noch um Jugend und Frauen gekümmert hat. Und das gilt natürlich auch für einen Blog. Ein Blog braucht Wachstum, wenn er nicht wie Karstadt enden möchte. Weshalb ich natürlich die meiste Zeit damit beschäftigt bin herauszufinden, wie ich noch mehr Aufmerksamkeit und damit noch mehr Leser finde.

Ich habe deshalb einmal eine akribische Analyse durchgeführt, welchen Einfluss Titel auf die Lesehäufigkeit haben. Das Ergebnis führte zu einem leichten Erschrecken, teilweise zu Erstaunen und zu ein wenig berechtigter Niedergeschlagenheit. Vor allem aber zu einer gewissen Verwirrung. Größtes Interesse bekam nämlich der Beitrag über den tragischen Flugzeugabsturz in den französischen Alpen. Als ausgesprochen beliebt entpuppte sich allerdings auch das Thema „Muttertag“. Das dann jedoch von „Heidi“ Klum und der Bombenstimmung in ihrer Sendung noch um einiges getoppt wurde.

Außerdem wollten erstaunlich viele Menschen etwas über „Lernfähigkeit“ wissen, und auch „Spargelspitzen“ hatten überraschend große Nachfrage zu verbuchen. Nur für „Stromtrassen“ scheint sich kaum jemand zu interessieren. Die optimale, zugegebenermaßen etwas makabre Konstellation wäre also nach dieser Analyse ein Beitrag, in dem „Heidis“ Absturz mit einem Flugzeug am Muttertag thematisiert wird, und es an Bord der abgestürzten Maschine Spargelspitzen zu essen gab.

Nachdem die Wahrscheinlichkeit, dass es zu dieser Konstellation kommt, äußerst gering ist, versuche ich es heute versuchsweise einmal mit „Sammeltassen“. Und gebe gleichzeitig und mit Bedauern offiziell bekannt, dass die Wachstumsprognose für den Blog im zweiten Vierteljahr 2015 auf 3,7 Prozent gesenkt wird. Womit ich ja immerhin noch besser dastehe als Herr Schäuble.

Spargelspitzen

Es gibt Momente, da ist man einfach ratlos. Überfordert. Sonntags ist das häufig so. Während der Woche ist es ja noch relativ einfach, da ist sowieso keine Zeit. Also entweder gleich was aus der Tiefkühltruhe des Supermarkts, oder immerhin Wasser zum Kochen gebracht und ein paar Ravioli mit Ricotta und Spinat gezaubert. Übrigens auch aus dem Supermarkt.

Aber sonntags. Den klassischen Sonntagsbraten kann man sich abschminken, weil die Jüngste gerade nur noch semi-vegan isst. Also wäre vielleicht grüner Spargel mit gefülltem Kalbsschnitzel eine Option, sie kann ja das Kalbsschnitzel weglassen. Oder vielleicht gleich eine Spargel-Quiche mit Greyerzer und frischem Thymian?
Eine elegante Lösung wäre es natürlich auch, wenn man gleich nach Bad Aibling ins Erlebnis-Bad fahren würde oder an den Chiemsee. Da findet sich unterwegs immer irgendein Restaurant, und man wüsste außerdem gleich, was man den ganzen Tag so macht. Also wenn sich nicht noch irgendeine Schwiegermutter selber einlädt, wäre das durchaus eine Option.

Jedenfalls ist das sonntags immer extrem anstrengend, bis alleine schon das Problem mit dem Mittagessen gelöst ist. Und da dachte ich mir heute, dass es die Menschen in Katmandu zum Beispiel momentan wirklich einfacher haben. Mit solchen Problemen müssen sich die nicht rumschlagen.