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Andrea und August

Nachdem ich diese Meldung gehört hatte, lag ich stundenlang mit geschlossenen Augen auf dem Rücken und habe nachgedacht. Ich hatte zu sehr Angst, dass mich die Wolken ablenken könnten. Keinen Gedanken verschwendete ich an die Frage, wer denn jetzt Nachfolgerin oder Nachfolger von Andrea Nahles werden könnte. Mir wäre sowieso niemand eingefallen, die oder der dafür geeignet sein könnte. Und der noch am ehesten in Frage käme, der kommt wegen seines Vornamens nicht in Frage. Welche anständige Partei möchte einen Vorsitzenden haben, der Kevin heißt.

Nein, ich habe mich mit der Frage beschäftigt, was die SPD bei ihrem Absturz eigentlich noch bremsen könnte. Und als dann die Sensation perfekt war, und Bundeskanzlerin Angela Merkel aus ihrer innenpolitischen Kältekammer auftauchte und Andrea Nahles Entscheidung sehr emotional und geradezu warmherzig kommentierte, da hatte ich es auf einmal ganz klar vor Augen.

Die SPD muss einfach noch einmal bei August Bebel anfangen. Nur eben weitgehendst ohne Arbeiter. Die sind ja inzwischen sowieso lieber bei Parteien, die nichts mit Rot am Hut haben. Aber es gibt ja noch genug Menschen, die Mandatsträger brauchen, denen der gute Schlaf der Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzenden gleichgültig ist. Nicht die Zielgruppe ist das Entscheidende. Sondern das Ziel, die Vision, eine zumindest etwas gerechtere Welt zu schaffen.

Zum Beispiel Konzerne zu fragen, warum sie ihre Fabriken in Tschechien oder Ungarn bauen. Und warum nicht im Osten der Republik, wo viele Menschen Arbeit bräuchten. Sie mal wieder daran erinnern, dass sie mit hier ausgebildeten Menschen und mit der ihnen hier zur Verfügung gestellten Infrastruktur ihre ersten unternehmerischen Erfolge eingefahren haben.

Dass es so etwas geradezu pornografisches gibt wie soziale Verantwortung. Grusel. Oder, um es mit einem Satz zu sagen: Sie sollte sich einfach daran erinnern, dass SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands heißt. Und nicht Kapitaldemokratische Partei Deutschlands. Zugegeben, es hat einige Zeit gedauert, bis die SPD das war, was sie einmal war. Aber es könnte sich lohnen.

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Denkverbot

Was hat er eigentlich gesagt? Dass einmal die Woche Kinder geschlachtet und aufgegessen werden sollen? Nein, Juso-Chef Kevin Kühnert hat etwas viel Schlimmeres getan. Er hat etwas durchaus Vernünftiges angedacht. Dass es nämlich durchaus sinnvoll sein könnte, die zu Eigentümern eines Konzerns wie BMW zu machen, die seinen Wert erarbeitet haben: die Arbeiter. Oder nicht selbst genutzten Wohnraum Wohnungssuchenden zur Verfügung zu stellen. Weshalb Andreas Scheuer, der zu allem was sagt, sofort von einem „rückwärtsgewandten und verschrobenen Retro-Weltbild eines verirrten Fantasten“ sprach.

Was insofern nicht verwundert, weil Herr Scheuer ja auch findet, dass die Autokonzerne von ganz alleine dafür sorgen werden, dass die Luft wieder rein wird in den Städten. In diesem unserem Lande darf man eine Politikerin mit Migrationshintergrund Hure, Schlampe und Fotze titulieren, ihr eine Vergewaltigung androhen. Was aber gar nicht geht, das ist, auf irgendeine Art und Weise unseren Turbo-Kapitalismus in Frage zu stellen. Das geht überhaupt nicht. Das kommt noch vor Gotteslästerung.

Lösungsvorschlag

Vielleicht erwartet man einfach zu viel. Politiker können ja auch nicht Tag und Nacht arbeiten. Das würde sofort ver.di, unter anderem die Gewerkschaft für geknechtete Staatsdiener, auf den Plan rufen. Oder haben Politiker überhaupt eine Gewerkschaft, die für sie zuständig ist? Ich muss zugeben, ich weiß es nicht. Aber ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass Politiker ja überhaupt keine Gewerkschaften brauchen.

Schließlich stimmen sie ja selber darüber ab, wenn sie mehr Geld wollen. Und wenn ich mir jetzt noch ein gutes Beispiel an der guten alten Tante SPD nehme, dann wäre das doch sicher ein ausgesprochen innovativer Ansatz, wenn man das für alle Berufssparten so handhaben würde: Man lässt zum Beispiel einfach das Pflegepersonal über die Zuwachsraten der Gehälter abstimmen.

Und ich bin mir ziemlich sicher, dass damit das Problem, von wegen zu wenig Pflegekräfte, sich relativ schnell in Luft auflösen würde. Respektive die von Jens Spahn versprochenen 15.000 Pflegekräfte sehr schnell nicht nur auf dem Papier existieren würden. Die Politik hat doch gezeigt, dass dieses System funktioniert. Oder kann sich jemand erinnern, dass mal über zu wenige Politiker geklagt worden wäre.    

Mutation

Ich habe es auch schon probiert. Habe Hanteln gestemmt. In der Hoffnung, irgendwann wenigstens ein bisschen so zu sein wie Silvester Stallone. Ein anderes Mal habe ich literweise geschüttelte Martinis getrunken. Meine Nächte sind trotzdem einsam geblieben. Und noch nicht einmal ein falscher Goldfinger ist mir begegnet. Es funktioniert einfach nicht, sich einfach mal so neu zu erfinden.

Noch nicht einmal, wenn man früher schon mal verdächtig nah an dem war, was man jetzt wieder darstellen möchte. Wenn man allzu lange versucht hat, eine andere oder ein anderer zu sein, ist es verdammt schwer bis fast unmöglich, wieder wie früher zu sein. Und da macht es auch keinen Unterschied, wenn man sein Gesicht nur verändert hat, um auch mal ein Junge mit dicker Hose zu sein.

Eines weiß ich jedenfalls ganz sicher: In der Politik ist es besonders schwer, sich neu zu erfinden. Und gleich ganz unmöglich, wenn man nicht einmal mehr weiß, wer man früher einmal war. Da helfen alle neuen Ziele nicht.  Vor allem, wenn sowieso alle wissen, dass eher Trump die Klimaziele von Paris umsetzt, als eine Partei ihr Bürgergeld zum Beispiel.   

Null Prozent

Die Wählerinnen und Wähler in diesem Land müssen endlich begreifen, dass die Vertreterinnen  und Vertreter dieser beiden Parteien erst dann nicht mehr glauben, einen Anspruch zu haben Regierungen zu bilden, wenn sie in der Wählergunst auf Null Prozent gefallen sind. Bis dahin wird man sich bei CDU, CSU und SPD in einer Regierungsverantwortung sehen, die schon seit geraumer Zeit mehr als verantwortungslos ist.

Schafkopfen

Was für eine Woche. Der Schulz-Zug ist zurück. Als Abgeordneter hat der Mann, der von seinen Parteischwestern- und brüdern erst zum Heilsretter verklärt und dann kalt abserviert wurde, der AfD schwer Dampf gemacht. Und einem Parteikollegen ist es sogar gelungen, dass für ein bisschen Zeit der Plenarsaal des Deutschen Bundestages ein entspanntes Bild bot. Doch leider kamen dann die Abgeordneten der AfD wieder zurück.

Ob es daran lag, oder wieweit die SPD-Forderung nach der Entlassung des obersten Bundesverfassungsschützers  und Objekt des Vertrauens unseres Heimatministers, der leider sein Dienstherr ist, dafür verantwortlich ist, jedenfalls hat die SPD zwei Prozentpunkte hinzugewonnen. Wenn morgen Bundestagswahlen wären. Weshalb man nun gespannt sein kann, wie es den Sozis jetzt wohl gelingt, diesen Zugewinn wieder abzubauen.

Gute Chancen dazu bietet einmal mehr das bayerische Rumpelstilzchen. Seehofer wird wohl wieder behaupten, dass er eher die GroKo platzen lässt, als dass er den vermutlichen AfD-Unterstützer Maaßen fallen lässt. Mit solch trumpistischen Erpressungen hat er ja schon bei den Grenzkontrollen reüssiert. Die wohl insgeheim dazu gedacht waren, die bayerische Polizei zu entlasten. Zumindest wenn sie nach Flüchtenden sucht, die sie zurück schicken kann. Das Aufkommen ist so gewaltig, dass angeblich die Polizeiführung jetzt kostenlose Spielkarten für Schafkopf und einen sinnvollen Zeitvertreib ausgegeben hat.  

Sommer-Interview

Jetzt mache ich mir so langsam richtig Sorgen um die alte Dame. Dass nicht gerade alles zum besten läuft bei der SPD, ist ja nicht erst seit gestern allgemein bekannt. Aber ich hätte nie gedacht, dass es so schlimm ist. Doch wie jetzt die Aussage von Fraktionsvorsitzender Andrea Nahles unmissverständlich deutlich machte, geht es wohl wirklich um alles.

Sie hat nämlich gesagt, dass man jetzt Herrn Erdogan und die schwächelnde Lira nicht im Regen stehen lassen dürfe, schließlich sei die Türkei ein Nato-Partner und unbedingt in schweren Zeiten zu unterstützen, weil sie so wichtig für Europa sei. Justiz, Pressefreiheit und Menschenrechte in allen Ehren und natürlich mit Ausnahme inhaftierter deutscher Staatsbürger.

Und dafür kann es eigentlich nur einen Grund geben. Nachdem der deutsche Arbeiter nicht mehr die Zukunft für die SPD ist, weil es ihn in der traditionellen Form kaum noch gibt, spekuliert man bei den Genossen jetzt wohl darauf, dass man bei den nicht wenigen AKP-Anhängern und Erdogan-Unterstützern in deutschen Landen zumindest ein paar Stimmen für die SPD rekrutieren kann. Oder es lag einfach an den Temperaturen. Das Interview fand schließlich im Freien statt.