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Vermindert zurechnungsfähig

Menschen mit einer Behinderung, die gedemütigt und respektlos behandelt werden. Sie werden konditioniert, manipuliert und traktiert. Günter Wallraff und sein RTL-Team haben wieder zugeschlagen. Dieses Mal schleust sich eine Mitarbeiterin als Praktikantin in verschiedenen Einrichtungen für Behinderte ein. Ausgerüstet mit einer Kamera in der Brille. Was jetzt auf dem heimischen Großbildschirm zu sehen war, das sorgte natürlich für Entrüstung. Bei manchen Zuschauern vielleicht, weil sie so etwas im Fasching respektive Karneval nicht sehen wollen. Bei anderen hoffentlich, weil sie zu Empathie fähig sind.

Beides entbehrt nicht eines gewissen Zynismus. Denn schließlich hat sich diese Gesellschaft bestens damit arrangiert, dass sogenannte Behinderte vor allem kaserniert und ausgeschlossen werden. Wer sich davon überzeugen möchte, sollte sich nur einmal die Reaktionen der lieben „Mitmenschen“ anschauen, wenn Bewohner solcher Behindertenheime einmal „raus“ dürfen. Zum Einkaufen. Um eine Veranstaltung zu besuchen. Wenn es nur die Blicke sind, die dann Bände sprechen, kann man noch froh sein.

Latenter Zynismus ist allerdings auch beim investigativen Team auszumachen. Denn es präsentiert seine „Enthüllungen“ so, dass die Quote nicht gefährdet ist. Weshalb nicht deutlich gesagt wird, warum es diese Missstände gibt. Weshalb lieber einzelne Betreuer, die den Namen nicht verdienen, in den Fokus gestellt werden. Und nicht eine Gesellschaft, die so mit sich selber beschäftigt ist, dass sie keine Zeit für diese willentlich geschaffene Parallelgesellschaft der Behinderten hat. Geschweige denn gewillt ist, für bessere Bedingungen zu sorgen. Für ausreichend zahlreiches Personal, das qualifiziert genug ist, um sogenannte Behinderte menschlich zu behandeln.

Vielleicht habe ich es überhört. Aber im Beitrag hätte man an einer Stelle unter Umständen auch laut und deutlich sagen können, dass es trotzdem Menschen unter den Betreuerinnen und Betreuern gibt, die trotz miserabler Bezahlung versuchen, menschlich zu sein. Aber wahrscheinlich lässt sich auch damit keine Quote machen. Aber immerhin war der Aufschrei im Lande nach der Sendung gewaltig. Die Medien haben sich überschlagen. Und die Politik auch. Oder war das wegen einer Meldung aus den USA? Ich kann es nicht mit Gewissheit sagen. Manchmal bin ich geistig etwas eingeschränkt.

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Neue Lieblingslektüre

Dieses Online-Magazin kommt, zumindest was den Namen betrifft, eher gemütlich daher. „Breitbart“, das klingt doch irgendwie nach einem gemütlichen, älteren Mann. Mit einem vielleicht etwas zerzausten Bart. Wahrscheinlich in einem karierten Hemd. Auch wenn von dem inzwischen verstorbenen Gründer Andrew Breitbart, der angekündigt hatte, „die alte Medienlandschaft zu zerstören“, nicht bekannt ist, dass er gerne karierte Hemden getragen hätte.

Was eher auf den ihm nachfolgenden CEO Stephen Bannon zutrifft. Doch nicht nur was seine Bekleidung betrifft, ist der frisch ernannte persönliche Berater des höchstwahrscheinlich künftigen US-Präsidenten Donald Trump als eher rustikal einzustufen. Dies gilt auch für seine politischen Positionen. Für die wiederum Breitbart News Network ein aufschlussreiches Bild liefert. Auch wenn dort Bannen offiziell seinen Posten aufgegeben hat, bevor er Wahlkampfmanager für Trump wurde.

Breitbart News Network ist aktuell eine der am häufigsten aufgerufenen Nachrichtenportale in den USA. Und war eine der wichtigsten Medien für und in Donald Trumps Wahlkampf. Den es erst nach seinem Wahlsieg und dem Auftritt des Alt Right-Propagandisten Richard Spencer mit „Heil Trump“-Ruf und Hitler-Gruß im Publikum vorübergehend störte, dass der ultrarechten Bewegung weißer Amerikaner Breitbart News Network als Sprachrohr dient.

The New York Times bescheinigt dem Nachrichten-Portal bescheinigt, dass es eine Plattform für Frauenhass, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus sei. Weshalb es Freunde in aller Welt und bereits Büros in Jerusalem und in London gibt. Wo sich Breitbart für den Brexit stark machte. Eines der Prinzipien von Breitbart: Behauptungen, wie zum Beispiel, dass US-Verteidigungsminister Chuck Hagel von einer anti-israelischen Gruppe „Friends of Hamas“ bezahlt werde, aufzustellen. Und auch nicht davon abzurücken, wenn es keinerlei Beweis dafür gibt. Die gute Nachricht zum Advent: Im Wahljahr 2017 will Breitbart News Network auch in Deutschland und Frankreich aktiv werden.