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TV-Moderator

Es ist richtig, dass Deutschland und Frankreich 1870/71 Krieg gegeneinander führten. Und auch der Erste  und der Zweite Weltkrieg soll nicht geleugnet werden, dass sich auch da Deutsche und  Franzosen feindselig gegenüber standen. Doch spätestens seit den Élysée-Vertrag von 1963 hat sich da etwas geändert. Und heutzutage denkt hierzulande kaum einer mehr an Verdun oder die Maginot-Linie, wenn er Croissants kauft oder an einem französischen Strand liegt.

Außer einem Fußball-Moderator des ZDF, der jetzt beim WM-Finale in Moskau seine große Stunde gekommen sah und die Gelegenheit nutzte, um sich für alles zu rächen, was Franzosen jemals Deutschen angetan haben oder angetan haben könnten. Vielleicht sollte ihn sein Arbeitgeber endlich einmal auf den neuesten Stand bringen. Und ihm vor allem einmal klar machen, welche Aufgabe ein TV-Moderator hat. Sogar solche, deren Eltern aus Ungarn kamen.

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Nachbarschaft

Das ist schon ein bisschen der Fluch dieses weltumspannenden Internets. Nicht einmal an einem Strand ist man vor Ablenkung vom Erholungsurlaub sicher. Natürlich gibt es WLAN. Und so kehrte ich heute, noch immer leicht gerötet und deshalb mehr oder minder bekleidet, dem Meer für einen Moment den Rücken und gedanklich in die Heimat zurück. Anlass die neuesten Meldungen von unserem Maut-Minister. Die wirklich hoffen lassen, dass Deutschland auf dem besten Weg zur Weltmacht ist.

Also so ein Hauch von Supermacht und Trumpismus war da nämlich meiner Meinung nach schon zu spüren, nachdem was der Herr Bundesminister jetzt vom Stapel gelassen hat. Zwar hat er es noch nicht getwittert, wie das große Vorbild, aber zumindest war es ganz offensichtlich so eine Art  Wahlveranstaltung, wo er geredet hat. Im Rahmen eines Brauereifestes. Was auf jeden Fall einiges erklären könnte, aber nicht alles.

Da hat der Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt laut einer durchaus glaubwürdigen, weil CSU-nahen Zeitung nämlich empfohlen, aufzuhören mit seinem Nachbarn zu reden, falls der sich überlege, bei der Bundestagswahl im September SPD zu wählen. Und da kann ich nur sagen, das ist doch schon einmal ein Anfang. Vielleicht gibt es ja als nächstes Verhaltensregeln für Migranten von ihm, falls die nicht die CSU wählen. Nachdem man mit denen ja sowieso nicht reden kann, kann das dann wohl nur eine handfeste Reaktion sein?

Der erste Tag Sonne

Wie gut, dass ich wenigstens auf den Fingerkuppen keinen Sonnenbrand habe. Ich müsste diese Zeilen sonst diktieren. Die Nacht habe ich in einem Bett aus Quark verbracht, zum Glück hatte der Supermarkt noch offen, als wir vom Strand zurück kamen. Und wenigstens blieb ein Teil der linken Schulter verschont, nachdem unser Strandnachbar etwas voluminöser gebaut war. Jedenfalls hat es heute Morgen etwas seltsam gerochen in unserem Zimmer, aber für mich war ein erneuter Gang zur Sonne ein absolutes No-go.

Weshalb ich zeitweise in den Genuss von spanischen TV-Serien kam, was zu der Erkenntnis führte, dass Fernsehen durchaus unterhaltsam sein kann. Jedenfalls wenn man nicht versteht, was gesprochen wird. Besonders traurig war ich über meinen Zwangsaufenthalt sowieso nicht. Schließlich habe ich gestern nicht widerstehen können und natürlich Paella mit Meeresfrüchten gegessen. Wenn man schon mal am Meer ist. Aber es könnte sein, dass eine von den zwei Shrimps so krank war, wie ich es heute bin. Jedenfalls ist es nicht angeraten, mich allzu weit vom Zimmer zu entfernen.

Aber immerhin hat man von der Toilette einen Blick auf die Balkons des Nachbarhotels. Zwar konnte ich immer noch nicht die beiden jungen Damen vom Foto im Internet entdecken, aber zumindest habe ich mich, wie übrigens auch schon gestern am Strand, wie zu Hause gefühlt. Sie sind mir irgendwie vertraut, diese Gesichter. Doch auf jeden Fall muss ich heute Abend wieder fit sein. Es gibt einen spanischen Abend am Pool. Und es sollen sogar Einheimische beteiligt sein. Also ein bisschen Flamenco dürfte schon drin sein. Der geht auch mit Sonnenbrand. Da kann man sicher auch oben ohne gehen.

Strandurlaub

Hiermit gelobe ich feierlich, dass ich das nie wieder tun werde. Aber es war halt einfach zu verlockend. Sechs Tage Strandurlaub, inklusive Flug, Halbpension und Shuttle von und zum Flughafen. Für etwas mehr als 200 Euro pro Person. So billig kann man doch kaum zu Hause leben. Da muss man doch zugreifen. Dachte ich. Und dann noch das Foto. Ein fast menschenleerer Strand. Und außerdem hatte das Hotel auch noch einen Pool. Der auf dem zweiten Foto zu sehen war, und an dem zwei zugebenermaßen durchaus attraktive junge Damen ein Sonnenbad nahmen.

Also es ist nicht so, dass nichts davon gestimmt hat. Es gibt einen Strand. Es gibt ein Hotel. Den Pool gibt es sogar auch. Aber erstens ist es noch ein bisschen teurer geworden, weil die Fluggesellschaft bei der Preiskalkulation wohl davon ausging, dass man nur eine Unterhose, ein Paar Socken, Hemd und Hose respektive Bluse und Rock mitnimmt. Das Badehandtuch und einiges anderes waren jedenfalls extra zu bezahlen. Und außerdem gab es offensichtlich sehr viele Menschen, die diesem Angebot und wohl auch anderen auch nicht widerstehen konnten.  

Weshalb man am Pool zumindest an diesem Morgen nur sehr sardinenmäßig ein Sonnenbad nehmen konnte. Wohingegen es am Strand, den man durchaus und wie angegeben vom Hotel aus sieht, zumindest wenn man ein Zimmer in den oberen Etagen und nicht wie wir im zweiten Stock hat, eher wie in einer Heringsdose zuging. Auch was stellenweise den Geruch betraf. Aber vielleicht macht es sich einfach bemerkbar, dass nicht mehr so viele Urlauber in die Türkei fahren. Aber mir war die spanische Küche sowieso schon immer lieber. Und so bin ich mal gespannt, was es heute zu Essen gibt. Ich werde berichten.

Weltkulturerbe

Es ist hoffentlich nur eine Frage der Zeit, bis die Touristik-Branche das Potential dieses Eilands entdeckt. Schließlich sind idyllisch und einsam gelegene Inseln schon immer ein bevorzugtes Objekt der Begierde von Urlaubern gewesen. Man denke nur an Mallorca oder Ibiza. Doch noch nicht einmal diese beiden Inseln haben zu bieten, was jetzt Forscher auf einer Insel mitten im Pazifik entdeckt haben.

Denn eigentlich ist diese Insel gänzlich unbewohnt. Wohl mit ein Grund, dass sie die Unesco schon vor einiger Zeit zum Weltnaturerbe erklärt hat. Aber trotzdem bietet insbesondere der Strand eine Sammlung an Plastikteilen wie beispielsweise von Dominosteinen, Zahnbürsten, Puppen oder Lego-Teilen, die einzigartig auf der Welt sein dürfte. Die Wissenschaftler, die dort eigentlich nur mal nach Vögeln schauen wollten, haben schließlich geschätzte 38 Millionen respektive 17,6 Tonnen Plastik-Teile vorgefunden.

Besonders pittoresk: Tiere haben sich in einem Puppenkopf oder in Plastikdöschen häuslich niedergelassen. Man sollte also diese Insel so schnell wie möglich für den Tourismus fit machen, damit die Menschen das Schauspiel bewundern können, bevor sich die Plastikteile noch weiter zersetzt haben und endgültig in den Mägen von Tieren und damit in der Nahrungskette gelandet sind.

 

Alan und Omran

Ich hatte es in meiner Klausur nicht mitbekommen. Ein Bild hat wieder einmal die Welt aufgerüttelt. Wie damals die Fotografie von einem Kind am Strand. Die beiden Abgebildeten vereint die Herkunft. Sie sind in Syrien auf die Welt gekommen. Ein verdammt schlechter Platz, um zuversichtlich auf ein einigermaßen erträgliches Leben zu hoffen. Doch einer von beiden war gerade einmal drei Jahre alt, als er tot an einem Strand gefunden wurde. Woraufhin er weltweit bekannt und zu einem Symbol für die ausweglose Situation syrischer Flüchtlinge wurde. Der andere wurde Fünf, bevor auch er in den Medien zum Symbol wurde. Jetzt aber für das Leid der Menschen, die in Syrien geblieben sind.

Alan Kurdi ertrank auf der Überfahrt von der türkischen Küste zur griechischen Insel Kos. Der fünfjährige Omran wird nach einem Bombenangriff auf die syrische Stadt Aleppo fotografiert. Auf dem Bild ist er auf einem orangefarbenen Sitz zu sehen, eine Backe scheint blutverschmiert. Er hat überlebt. Als alter Mann. Der schon alles gesehen und erlebt hat, was einen Menschen zu einem hoffnungslosen alten Menschen macht. Falls Omran jemals so etwas wie eine Kindheit hatte, dann war sie nach diesem Bombenangriff zu Ende. Das sagt jedenfalls sein Gesicht.

Und nun ist auch er ein Symbol.  Sagt man. Schreibt man. Belegt es mit millionenfachen Klicks. Aber Symbol für was? Frage ich. Dafür, dass sich Kinder immer noch am besten dafür eignen, Aufmerksamkeit und Emotionen zu erregen und Auflagen zu steigern? Dafür, dass Kinder immer die Verlierer sind, wenn sich ein oder zumeist mehrere Erwachsene einreden, dass man Opfer bringen muss, wenn man eine Idee oder eigene Interessen verfolgt? Hauptsache, sie selber gehören nicht zu diesen Opfern!

Oder dafür, dass hin und wieder und gerade die Bewohner dieser unseren westlichen Welt mit ihren Menschenrechten und Wiegen der Kultur und den großen moralischen Keulen einfach mal eine Prise Mitleid schnupfen müssen, um bei der nächsten Shopping-Tour ins Outlet-Center das Leben trotzdem wieder so richtig genießen zu können? Ich hatte das Privileg, in einer Welt ohne Krieg aufzuwachsen. Weshalb ich mich noch wage daran erinnern kann, dass es einmal Symbole gab, die für eine Überzeugung standen. Für den zugegebenermaßen kläglich gescheiterten Versuch, diese Welt ein bisschen besser zu machen.

Davon abgesehen, dass ich Outlet-Center hasse, habe ich inzwischen nur noch den Eindruck, dass Symbole, also zum Beispiel die Bilder von diesen beiden Kindern, nur noch das  Symbol dafür sind, dass dahinter ein Leid steht, das niemand wirklich interessiert. Diese Fotografien sind nur noch ein Symbol dafür, dass man Leid weg klicken kann. Man kann es mit dem Altpapier entsorgen. Wird schon wieder Nachschub geben. Kann ein anderer Strand sein. Eine andere syrische Stadt. Oder mal Afrika. Hauptsache ein Kind. Und Hauptsache, man muss deswegen keine Opfer bringen.

Lektüre für Regentage II

Es war Kordeo. Der Delfin. Der Freund. Mit dem sie schon lange Nächte in der Nähe der großen Felsen verbracht hatte. Geschichten hatten sie sich da erzählt, aus ihrem Leben, von ihren Freunden, den Schiffen und den Menschen. Kordeo, der schon einmal ein Mädchen, das nicht schwimmen konnte und von einer übermütigen Welle hinausgetragen worden war, an das Ufer zurückgebracht hatte. Aber nie davon sprach. Es war der Delfin, wegen dessen viele Menschen an den Strand kamen, weil er so herrliche Kunststücke machte, auf ihre Kinder aufpasste und sie mit seinen Kapriolen zum Lachen brachte.

 

Kordeo, bist du verrückt geworden, schrie Sax, du hättest mich umbringen können, ich hätte ein Schleudertrauma bekommen können, einen Leberriß, eine Gehirnerschütterung!! Der Delfin verlangsamte die Fahrt, hob den Kopf ein wenig aus dem Wasser und sah Sax nur mit unendlich traurigen Augen an. Entschuldige, sagte Kordeo, entschuldige, sagte er, ich habe dich nicht gesehen. Ich wollte dir nicht weh tun und dich auch nicht erschrecken. Hast du aber, geiferte die Möwe, weil ihr immer noch das Herz bis zum Halse schlug. Bist du denn total verrückt geworden, sagte Sax, du bist doch sonst nicht so!

 

Ich bin so traurig und so wütend, sagte der Delfin, deshalb bin ich so aus dem Wasser geschossen. Es tut mir leid. Ist ja schon gut, brabbelte Sax, wenn es dir nicht gut geht, hättest du mir das allerdings auch anders sagen können. Es ist ja gar nicht wegen mir, sagte Kordeo leise, es ist wegen Celi. Was ist mit ihr, fragte Sax und ließ sich auf dem Wasser nieder, direkt vor Kordeos großen Augen. Sie ist tot, sagte der Delfin so leise, dass es fast von der trägen Brandung übertönt wurde. Tot? Sax schluckte und tat so als wären die Tropfen, die plötzlich an ihrem Schnabel runter liefen, noch von der Fontäne.

 

Tot, sagte Kordeo und brauchte keine Fontäne um die dicken Tropfen zu erklären. Sie ist in eine Schiffschraube gekommen, sagte der Delfin. Das ganze Meer war rot, sagte er, überall war ihr Blut, und ich konnte ihr nicht helfen. Kordeo und Sax schwiegen nicht, weil sie nicht mehr sprechen wollten. Sie schwiegen, weil sie nicht mehr sprechen konnten. Weil sie keine Worte mehr hatten und keine Stimmen. Und auch die Brandung schwieg. Die Blätter der Palmen ließen sich nicht mehr kitzeln. Die bunten Vögel hatten sich auf dem Strand niedergelassen und standen starr wie Steine.

 

Und das Wasser und der Himmel trennten sich voneinander. Tiefrot war der Himmel geworden, das Wasser schwarz wie in seinen tiefsten Tiefen. Und sogar der Wind hinter den Dünen wagte nicht sich zu bewegen. Die Zeit rann wie feiner Sand dahin, Tag um Tag, Woche für Woche, Monat um Monat, Jahr für Jahr. Und Kordeo und Sax schwiegen, starrten auf das Wasser. Sie hoben auch nicht die Köpfe als plötzlich die nackten Zehen einer Frau den Sand aufwirbelten und ihr weißes Kleid einen hellen Fleck in den roten Himmel zeichnete.

(Fortsetzung folgt)