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Ende einer Bewegung

Es ist ein déjà vu. Dem Punk ist es zum Beispiel so ergangen. Wenn man es genau nimmt, auch den Hippies. Ganz zu schweigen von der Studentenbewegung. Und es fängt genauso wie dereinst. Zuerst waren da also Franzosen, die gegen zu hohe Spritpreise und Steuern und zu kleine Renten demonstrierten. In den gelben Westen, den gilets jaunes, die bei uns bis zu diesem Zeitpunkt Warnwesten hießen und eigentlich im Auto zu liegen haben, für den Fall der Fälle.

Jetzt firmieren sie unter „Gelbwesten“, und es ist faszinierend, wer jetzt alles und zu welcher Gelegenheit, diese Warnwesten aus dem Kofferraum holt. Zuerst waren es in Frankreich Rechte wie Linke, in Deutschland dann Dieselfahrer in Stuttgart. Die dann aber bald auch Besuch von Rechten bekamen, begleitet von ein paar Neonazis. Und damit es so richtig bunt wird, stellte sic hauch noch Sarah Wagenknecht mit Gelbweste vor das Kanzleramt.

Sie ist also in Mode gekommen, die Gelbweste. Und das wird wohl dann auch ihr Ende sein. So wie damals beim Punk. Denn da haben auch die Mode-Labels den Punk entdeckt. Ein paar Löcher in Jeans gemacht und mit Ketten behängt, und dann für teures Geld verkauft. Bis so ziemlich jeder Trottel so rumlief. An dem Tag, an dem die erste Gelbweste bei Zara oder H&M im Schaufenster hängt, ist das Ende der Gelbwesten garantiert.

Lebendige Demokratie

Geben wir es doch zu. Haben wir nicht fasziniert und fast ein bisschen neidisch zugeguckt, wenn im Fernsehen Bilder zu sehen waren, wie sich in der Türkei, in Italien oder in Japan Abgeordnete wie richtige Männer benommen haben und mit den Fäusten aufeinander los gingen? Um endlose Diskussionen zu Ende zu bringen. War doch diesbezüglich und bisher der allzu kurze Auftritt von AfD-Chefin Alice Weidel als Rumpelstilzchen in Deutschland der eher frustrierende und einzige Höhepunkt.

Doch nun können wir Hoffnung schöpfen, dass es bald solche Bilder auch aus deutschen Land- und Bezirkstagen oder dem Bundestag geben wird. Jedenfalls ist ein Anfang gemacht. Und zwar, wer hätte das gedacht, im behäbigen Baden-Württemberg, im Landtag. Da wollte die AfD nämlich wissen, wie es denn eigentlich aussieht mit den „linksideologischen“ Einflüssen in Kindergärten. Weshalb im Verlauf der Debatte der AfD-Abgeordnete Stefan Räpple, unverkennbar ein Schwabe, in Richtung SPD sagte: „So sind sie, die roten Terroristen!“

Was ihm einen Ordnungsruf der Landtagspräsidentin einbrachte. Die nicht nur eine Frau ist, sondern auch noch Mitglied der Partei Die Grünen und außerdem Muhterem Aras heißt. Und dann auch noch Herrn Räpple des Saales verwies, weil dieser zu toben angefangen hatte, nachdem ein Abgeordneter von der FDP behauptet hatte, dass die geistigen Vorläufer von Herrn Räpple „im Stechschritt durch das Brandenburger Tor marschiert“ wären. Und die Landtagspräsidentin diese Bemerkung nicht sanktionieren wollte.

Also beschloss Herr Räpple nicht den Saal zu verlassen. Und folgte erst nach langer Diskussion der Aufforderung von zwei Polizisten, die herbeigerufen worden waren. Weshalb dann auch noch der fraktionslose Abgeordnete Wolfgang Gedeon, der sich an der Debatte rege beteiligt hatte, nach zwei Ordnungsrufen durch Frau Aras dieser vorwarf, dass sie so vielleicht „ein Parlament in Anatolien führen“ könne, aber „nicht in Deutschland“.

Was natürlich Humbug ist, denn Frau Aras ist Deutsche und kein AKP-Mitglied und dürfte deshalb nie einem Parlament in Anatolien vorsitzen. Jedenfalls weigerte sich auch Herr Gedeon, nach Ausschluss von der Sitzung den Saal zu verlassen und wartete lieber darauf, dass die Polizei ihn begleitet. Wir sind also ganz offensichtlich auf dem richtigen und besten Weg zu einer – im Wortsinne – lebendigen Demokratie.

Reisepläne

Man lernt nicht aus. Und ganz besonders nicht, wenn man ein so schlichtes Gemüt wie ich hat. Habe ich doch immer geglaubt, dass ein Geschäft so abläuft, dass jemand etwas kaufen möchte und deshalb den Kaufpreis entrichtet, um das Objekt der Begierde in seinen Besitz zu bekommen. In bestimmten Fällen vielleicht mit einer kleinen Preisreduktion bei sofortiger Bezahlung. Was sich dann nach meinen Informationen „Skonto“ nennt. Mitnichten.

Zumindest was den Verkauf von Kriegswaffen betrifft. Hier kann es ganz offensichtlich und in einem ganz bestimmten Fall vorkommen, dass über Skonto gar nicht geredet wird. Weil nämlich die Bundesregierung sowieso einen Teil des Kaufpreises erstattet. Konkretes Beispiel: Dieses ganz bestimmte Land kauft vier Korvetten für 430 Millionen Euro. Und die Bundesrepublik Deutschland übernimmt doch glatt und freundlicherweise davon sage und schreibe 115 Millionen Euro.

Wenn sich mein Taschenrechner nicht täuscht, ist das auf jeden Fall doch ein bisschen mehr als 2 Prozent Skonto. Dafür aber amtlich. Ich habe jetzt an die Bundesregierung geschrieben, ob es denn nicht möglich sei, bei mir genauso zu verfahren. Ich muss mir nämlich unbedingt ein anderes Auto kaufen, damit ich noch einmal nach Stuttgart fahren kann, um eine Bekannte zu besuchen. Übrigens eine Überlebende des Holocaust und verständlicherweise nicht mehr die Jüngste.