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Frische Luft

Habe heute das zweite Fensterchen des Adventskalenders schon in aller Früh aufgemacht. Zum einen, weil mein Körper nach Zucker verlangte. Zum anderen, weil ich im Radio den Song „Frische Luft“ gehört hatte. Das mit dem Zucker hat geklappt. Auch wenn der Geschmack der Schokolade daran erinnerte, dass die Adventskalender schon seit Ende September in den Regalen der Supermärkte lagen. Ansonsten sah ich beim Blick aus dem Fenster nämlich nur einen gräulichen Dunst, der durch die Straße waberte.

Weshalb ich das Fenster schnell wieder schloss. Offensichtlich muss man inzwischen in den Hartz fahren, wenn man frische Luft möchte. Oder nach Helgoland und in die Alpen. In den Städten hat man es schon etwas schwieriger. Schließlich müssen die Arbeitsplätze in der Autoindustrie erhalten werden. Aber ich habe da einen Tipp. Mir ist aufgefallen, dass viele Flüchtlingsunterkünfte in Gegenden liegen, wo die Luft noch einigermaßen gut ist. Nämlich in irgendwelchen Zonen-Randgebieten.

Wo es weit und breit keinen Supermarkt gibt, geschweige eine Pizzeria oder eine Moschee. Doch während Gutmenschen böswillig behaupten, dass wäre nur, um sie aus dem Gesichtsfeld der Bürger verschwinden zu lassen, glaube ich ja, dass das reine Rücksichtnahme ist. Schließlich kommen viele Flüchtlinge aus eher ländlichen Gegenden. Denen soll wohl einfach nicht die Feinstaubbelastung zugemutet werden, denen man in Innenstädten ausgesetzt ist.

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Harte Nüsse

Als blutiger Laie, so vermute ich, ist man da sowieso aufgeschmissen. Vielleicht müsste ich einmal mit einem Wirtschaftswissenschaftler darüber reden. Doch leider habe ich keinen in meinem Freundes- oder Bekanntenkreis. So bin ich also auf Vermutungen angewiesen. Ausgangspunkt ist die vielleicht nicht so aufregende Feststellung, dass Walnüsse hierzulande und insbesondere in Supermärkten zu unterschiedlichen Preisen angeboten werden. Und ich auf ein Phänomen gestoßen bin.  Denn es gibt z.B. Walnüsse, von denen 100 Gramm 69,75 Cent kosten.

Und dann gibt es welche, da kosten 100 Gramm 89 Cent. Also etwas mehr als 25 Prozent mehr. War also mein erster Gedanke: Die kommen sicher von weit her. Südafrika vielleicht. Was ein Irrtum war. Es ist genau umgekehrt. Die teureren Walnüsse kommen aus Frankreich. Um genau zu sein, aus der Gegend um Grenoble. Und die billigeren Nüsse kommen aus den USA. Aus Kalifornien.

Der Preisunterschied basiert also auf der Tatsache, dass die einen Nüsse etwa 800 Kilometer zurücklegen müssen. Je nachdem, wo man in Deutschland wohnt. Und die anderen 9000 Kilometer. Das wäre dann allerdings Luftlinie, wohlgemerkt. Also einiges als zehn Mal so viel. Ich vermute also, dass Walnüsse aus Südtirol noch teurer sind als die aus Grenoble. Denn bis nach Südtirol sind es etwa 300  Kilometer. Je nachdem, wo man in Deutschland wohnt. Und ich möchte gar nicht erst wissen, was Walnüsse aus Deutschland kosten.  

Logischer Zusammenhang

Man sollte sich einfach öfter mal ein bisschen Mühe machen und nicht so vorschnell urteilen. Natürlich kann man fragen, warum es den meisten Menschen ganz offensichtlich so gänzlich gleichgültig zu sein scheint, dass Millionen Tiere hierzulande unter eher erbarmungswürdigen Umständen dahinvegetieren. Wie immer wieder durch authentisches Filmmaterial und manchen Fleisch-Skandal bewiesen wird. Bevor sie dann geschlachtet werden, um auf unseren Tellern zu landen. Doch ganz so einfach ist es nicht.

Zum einen haben die erbarmungswürdigen Umstände ganz allein den Grund, dass Fleisch so billig wie möglich produziert werden muss. Schließlich könnte es sonst nicht so billig in den Supermarktketten verkauft werden. Und dass sich die meisten Menschen nur billiges Fleisch leisten, auch das hat einen simplen Grund. Und überhaupt nichts damit zu tun, dass diese Menschen vielleicht gefühllos wären. Sie sind ganz einfach auf billiges Fleisch angewiesen, weil sie sich sonst nicht ihre teuren SUVs und sonstigen PS-starken Autos leisten könnten.

Glaubwürdigkeit

Da hat jetzt zum Beispiel mal wieder der bayerische Innenminister Herrmann den Bericht des Verfassungsschutzes vorgestellt. Und natürlich auch gleich die Gelegenheit genutzt, um vor Terroranschlägen zu warnen. Es gäbe durchaus konkrete Hinweise. Was er allerdings nicht sagte, das war, was wir tun sollen. Sollen wir nun möglichst zu Hause bleiben? Und was sagt der Arbeitgeber dazu, wenn wir nicht am Arbeitsplatz erscheinen? Oder wäre es angebracht, jetzt nur noch in schutzsicherer Weste das Haus zu verlassen? Vielleicht jetzt schon mal einen Termin beim Therapeuten machen? Für den Fall der Fälle?

Ich frage mich, was man mit solchen Aussagen bezweckt. Geht es nur darum, dass wir aufmerksamer durchs Leben gehen. Öfter mal unter einen Mantel schauen, ob da vielleicht ein Sprengstoffgürtel verborgen wird? Vielleicht der Lauf einer Kalaschnikow hervor lugt? Oder geht es einfach nur darum, genug Angst zu verbreiten, um uns auch noch eine weitere „Schutzmaßnahme“ teuer zu verkaufen. Die uns dann wieder sorgenfrei ins Fußballstadion oder zum Rockkonzert gehen lässt. Oder auch nur in den Supermarkt.

Momentan hat man allerdings auch noch den Eindruck, dass das Gefühl verkauft wird, dass mit dieser oder jener Partei wir wieder unseres Lebens sicher sind. Mit der AfD, weil keine Islamisten mehr im Land sein werden, wenn man sie wählt. Während CSU und Schwesterpartei mehr Sicherheit durch mehr Behörden und mehr Staat versprechen. Und die SPD immer noch und ungebrochen und wie die Grünen auf mehr Integration setzt. Am glaubwürdigsten sind jedoch immer noch die Terroristen. Sie halten sich einfach nicht daran, was Politiker versprechen.

Besser essen

Manchmal geht es nicht anders. Der Metzger hat schon geschlossen. Die Gäste kommen in einer halben Stunde. Also rein in den Supermarkt, auf dem direkten Weg zum Regal mit abgepacktem Schinken, wo es natürlich auch eine Abteilung für Feinschmecker gibt. Schinken aus Parma und Serrano-Schinken, Coppa aus der Emilia oder aus dem Vendée. Und nachdem man für seine lieben Gäste nur das Allerbeste servieren möchte, liest man erst einmal aufmerksam, was auf der Packung steht. Dass auf der Verpackung für Schinken, der angeblich direkt aus Italien kommt, kein einziges italienisches Wort zu finden war, hat mich dann nicht einmal so sehr verwundert. Vielmehr hat ein ganz bestimmtes Wort meine ganze Aufmerksamkeit erregt.

In der Eile habe ich zuerst „handerlegt“ gelesen. Hatte ich sofort das Bild vor Augen, wie sich der Metzger mit gezücktem Messer dem Schwein nähert, vielleicht sogar versucht, es mit bloßen Händen zu erwürgen. Beim zweiten Blick stellte sich dann aber heraus, dass da „handgelegt“ stand. Mit dem Hinweis, dass dies für die Qualität des Schinkens spreche. Mein erster Gedanke: Hoffentlich hat sich da jemand vorher die Hände gewaschen. Abgelöst von dem Bild einer alten Frau, die mit ihren zittrigen Händen Schinkenscheibe für Schinkenscheibe in die kleine Plastikschale legt.

Was natürlich Unsinn ist. Schließlich weiß man ja, dass Produkte für Supermärkte in großen Mengen hergestellt und auf Fließbändern verpackt werden. Stehen da also hunderte von schlecht bezahlten Polinnen oder noch schlechter bezahlten syrischen Flüchtlingen am Fließband und legen Scheibe für Scheibe aufeinander? Und ist Handleger eigentlich ein Ausbildungsberuf? Ich habe mir die Mühe gemacht, alle Packungen mit handgelegtem Schinken akribisch zu untersuchen. Das Fazit: Die Abstände waren absolut einheitlich. Sowohl in der leichten seitlichen Verschiebung als auch an den oberen und unteren Rändern. Die Schlussfolgerung: Dieser Schinken kann nur von Schweizer Uhrmachern verpackt worden sein.

Ein Lichtlein brennt

Jetzt ist es wirklich nicht mehr zu übersehen. Denn nicht nur, dass die Supermarktregale inzwischen geradezu überquellen vor entsprechenden und jahreszeitgemäßen Angeboten, es allmählich in den Großmärkten für Elektronikartikel zu erster drangvoller Enge kommt. Nun hat auch die Natur zumindest in den Bergen deutliche Zeichen gesetzt. Die ersten Schneeflocken dort lassen von einer weißen Weihnacht träumen, von Kerzenschimmer und Lebkuchen. Lassen keinen Zweifel daran, dass jetzt endlich auch wieder die Zeit für Christkindl-Märkte, Glühwein und geröstete Mandeln angebrochen ist. Es ist also Adventszeit. Und zumindest einen Teil dieses Wortes haben wir natürlich wieder einmal den alten Römern zu verdanken.

Es kommt also aus dem Lateinischen. Advent, das ist die verkürzte Form von „adventus“. Und das heißt natürlich erst einmal „Ankunft“. Oder auch „Nahen“. Weist uns also darauf hin, dass wir etwas zu erwarten haben. Dass etwas auf uns zukommt, naht. Aber überraschender Weise hat dieses Wort auch noch eine andere Bedeutung. Nämlich „Ausbruch“. Insbesondere in Verbindung mit dem natürlich ebenfalls lateinischen Wort „malorum“. Was nichts anderes ist, als der Genetiv Plural von „malus“, dem „Bösen“. Und auch wenn jetzt vielleicht jemand diese kleine Lateinstunde unter der Kategorie „Dinge, die ich nie wissen wollte“ ablegt, ich halte das für einen sehr interessanten Aspekt.

Der die Weihnachtsgeschichte vielleicht doch auch in einem etwas anderen Licht erscheinen lässt. Denn wenn man es genau betrachtet, dann geht es doch in dieser Weihnachtsgeschichte um mehr als die Ankunft, die Geburt eines Heilands. Eines Erlösers. Es gehört doch auch zur Weihnachtsgeschichte, dass Maria und Josef auf dem Weg nach Nazareth zu der von Kaiser Augustus angeordneten Volkszählung auf Menschen gestoßen sind, die ihnen Unterschlupf gewährt haben. Dass sie auf Menschen gestoßen sind, die ihnen in dieser schwierigen Situation geholfen haben. Und ist es nicht auch Teil dieser Geschichte, dass, wie bei Matthäus nachzulesen ist, Maria und Josef mit ihrem Kind nach Ägypten flüchten mussten, weil Herodes die Tötung aller neugeborenen Knaben veranlasst hatte.

Womit die andere Bedeutung des Wortes Advent ebenso plausibel erscheint. Diese Flucht war ein „Ausbruch“. Es war der Versuch dem drohenden Bösen zu entkommen. Der die Heilige Familie möglichweise entlang der Karawanenroute über Gaza und den Sinai nach el-Farama und el-Quantara geführt hat, von wo sie zum ägyptischen Festland übersetzen konnten. Drei Jahre, nämlich bis zum Tode des Herodos, blieb die Heilige Familie in Ägypten, und dass sie sodann unversehrt nach Nazareth zurück kehren konnte, spricht dafür, dass man ihnen dort Zuflucht gewährt hat, dass Menschen ihnen geholfen haben, dass sie nicht zurückgewiesen wurden. Vielleicht sollten also im Advent nicht nur der Glühwein und die Weihnachsteinkäufe im Vordergrund stehen. Sondern auch ein bisschen der Gedanke, dass Advent nicht nur die Zeit bis zum Öffnen der Geschenke ist. Es ist auch die Zeit, in der man sich vielleicht auch fragen sollte, was die Weihnachtsgeschichte für unsere Zeit bedeuten könnte.

 

Szenen des Alltags

Eine Szene aus dem Alltag. Der gestrige Samstag, Ort der Handlung ein Supermarkt. Am späteren Nachmittag. Vielleicht war es auch schon ein früher Abend. Eine junge Frau und ein junger Mann, allem Anschein nach in einer Beziehung. Aber eher nicht oder noch nicht verheiratet. Sie stehen vor einem „Krabbeltisch“, ein Schild „Jeder Artikel 1 Euro!“ würde nicht überraschen. Sie hält einen Schlüsselanhänger in der Hand, für den selbst ein Euro eher schon zu teuer wäre. Und erklärt ihrem Freund, dass der für ihre Mutter sei, weil doch morgen Muttertag wäre. „Kaufst du denn deiner Mutter nichts zum Muttertag?,“ fragt sie leicht vorwurfsvoll. Woraufhin er sie leicht entgeistert anschaut.

Wir verdanken angeblich den Muttertag der US-amerikanischen Methodistin Anna Marie Jarvis. Sie wollte ihrer toten Mutter gedenken, am Sonntag nach deren Todestag. Begann eine Initiative, dass an diesem Tag aller Mütter gedacht werde. Wandte sich an Politiker, Frauenvereine und Geschäftsleute. 1914 stimmte der US-Kongress der Einführung eines offiziellen Muttertages zu. Doch als es dann zur fortschreitenden Kommerzialisierung des Muttertages kam, begann Anna Marie Jarvis für die Abschaffung des Muttertages zu kämpfen. Ohne Erfolg.

In Deutschland wurde der Muttertag vom Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber zu Beginn der 1920-er Jahre eingeführt. Die Nationalsozialisten machten den Muttertag 1933 zum Feiertag, an dem Mütter als die „Heldinnen des Volkes“ gefeiert wurden, da sie für arischen Nachwuchs sorgten. Mit Gründung der Bundesrepublik Deutschland entfiel der Status des gesetzlichen Feiertages, dafür wurden in allen Bundesländern Sonderregelungen eingeführt, allerdings dürfen nur Blumenläden am zweiten Sonntag im Mai geöffnet werden. Wer wie die junge Frau etwas anderes oder zusätzlich schenken möchte, muss schon am Tag zuvor etwas für die Mutter kaufen.

Mütter werden laut allgemein üblicher Darstellung am Muttertag beschenkt und von ihren Familien verwöhnt, damit sie an diesem Sonntag nicht kochen oder sauber machen müssen. Gleichzeitig soll somit die Hausarbeit gewürdigt werden, die sie an den restlichen Tagen des Jahres erledigen. Weshalb gerne auch Ehemänner ihre Frauen am Muttertag in eine Gastwirtschaft oder Restaurant führen, obwohl es nicht ihre Mütter sind. Außerdem würde dieser Ansatz den finanziellen Aufwand der oben beschriebenen Tochter erklären. Entweder hat ihre Mutter eine Haushaltshilfe, die kocht und sauber macht. Oder sie erledigt die Hausarbeit nicht zur Zufriedenheit der Tochter.