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Erzeuger unter Strom

So kann man sich irren. Aber ich habe nun einmal ein sehr schlichtes Gemüt. Jedenfalls glaubte ich bisher, dass ich für die Erzeugung des Stromes bezahlen würde. Den ich brauche, um mein dünnes Süppchen zu kochen. Hatte in diesem Zusammenhang auch durchaus begriffen, dass der Erzeuger natürlich und im Gegensatz zu einem liebenden Vater natürlich auch etwas daran verdienen will. Also am Erzeugen. Jetzt ist mir aber klar geworden, dass das einen sehr guten Grund hat, warum mein Stromtarif die Bezeichnung „Plus“ hat.

Denn ich zahle, wie man mir mitgeteilt hat, nicht nur den Strom an sich sondern auch die EEG-Umlage, dazu natürlich Stromsteuer, einen KWK-Aufschlag, die StromNEV-Umlage, eine Offshore-Haftungsumlage, die Umlage für abschaltbare Lasten, eine Konzessionsabgabe und, last but not least, Netznutzungsentgelte. Und einmal davon abgesehen, dass ich noch nicht die Zeit hatte, zu recherchieren, was das eigentlich alles bedeutet, hat mich vor allem die Offshore-Haftungsumlage etwas stutzig gemacht. Schließlich reichen meine mageren Englischkenntnisse, um zu wissen, dass das irgendetwas mit einer Küste zu tun hat. Die es aber hier weit und breit nicht gibt.  

Aber jetzt verstehe ich zumindest, warum mit Milliardenaufwand mickrige Stromkabel ebenso wie gigantische Stromtrassen unbedingt unter die Erde verlegt werden müssen. Man hat ganz offensichtlich Angst, dass die Menschen, wie in anderen Ländern der einstigen Dritten Welt übrigens auch, demnächst wohl anfangen könnten, die Stromleitungen illegal anzapfen. Denn weil der Strom für Anbieter immer billiger wird, für Verbraucher wie mich aber immer teurer, wird das bald die einzige Möglichkeit sein, nicht jeden Abend bei romantischem Kerzenlicht zu verbringen.

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Über Suppen und Global Player

Als ich gestern so meine Zwul-Suppe gelöffelt habe, stellte sich mir die Frage, warum es eigentlich Probleme gibt, die gelöst werden. Und andere, zumeist sehr viel gravierendere und folgenschwerere, die noch nicht einmal ansatzweise in Angriff genommen werden. Also wenn zum Beispiel die Heizung streikt, dann rufen wir einen Installateur. Und nicht wenige von uns greifen sogar selber zum Schraubenzieher, wenn mal eine Schranktür oder sonst eine Schraube locker ist.

Aber jetzt wissen wir zum Beispiel seit Jahrzehnten, dass es so etwas wie einen Klimawandel gibt. Dessen negative Folgen noch nicht einmal annähernd abzusehen sind. Und das Beste ist, wir wissen sogar, wie diese Katastrophe verhindert werden könnte. Doch es geschieht nichts. Also nichts von Bedeutung. Obwohl sogar jeder von uns etwas tun könnte.

Weshalb es noch nicht einmal mit der Ausrede klappt, dass „die da oben“ wieder mal nichts tun. Nicht sehr viel anders ist es mit verhungernden und hungernden Menschen. Oder zum Beispiel mit diesen berühmt-berüchtigten Finanzkrisen und ihren mitunter platzenden Blasen. Es reicht zwar gerade noch zu einem vagen Gefühl zwischen Betroffenheit und Angst oder Besorgnis. Aber wir rufen weder einen „Klempner“, geschweige, dass wir selber zum „Schraubenzieher“ greifen.

Und beim letzten Löffel Suppe hatte ich eine Erklärung gefunden: Wir halten uns zwar für Global-Player. Aber im Gehirn sind wir immer noch Neandertaler. Wir schaffen es einfach nicht, etwas zu denken, das nicht sicht- und greifbar ist. Nur aus Medienberichten, Statistiken oder Zukunft besteht. Wenn sich der Klimawandel dadurch ankündigen würde, dass morgens nicht mehr unsere Autos anspringen, dann würden wir reagieren. Wenn jeden Morgen die Verhungernden vor der Tür lägen, käme der Mensch wahrscheinlich sehr viel eher auf die Idee, sein Verhalten zu ändern.

Wir haben einfach keinen Überblick mehr, was wir mit unserem Handeln anrichten. Wenn wir irgendwo an der Kasse stehen, um zu bezahlen, sehen wir nicht, was wir damit irgendwo auf der Welt bewirken, in Gang setzen. Es hat keine sichtbare Auswirkung, wenn ich mit dem Auto zum Bäcker fahre oder im Supermarkt billige Rosen aus Kenia kaufe. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass den meisten Menschen noch nie so viel Wissen wie heute zugänglich war.

Es stimmt zwar nicht sehr zuversichtlich, aber es gibt keinerlei Anlass zu glauben, dass unser Neandertal-Gehirn noch einen Quantensprung machen könnte. Schließlich hätte es dazu ja schon einige Jahrtausende Zeit gehabt. Aber es ist nichts dergleichen passiert. Im Gegenteil. Wir haben immer mehr den Überblick verloren. Wir wissen einfach nicht mehr, was wir tun. Das ist keine Ausrede. Das ist tragisch. Denn schließlich werden wir die Suppe auch auslöffeln müssen. Und daran hatte ich offensichtlich auch nicht gedacht, als ich diese Zwul-Suppe gekocht habe.