Schlagwort-Archive: SUV

Logischer Zusammenhang

Man sollte sich einfach öfter mal ein bisschen Mühe machen und nicht so vorschnell urteilen. Natürlich kann man fragen, warum es den meisten Menschen ganz offensichtlich so gänzlich gleichgültig zu sein scheint, dass Millionen Tiere hierzulande unter eher erbarmungswürdigen Umständen dahinvegetieren. Wie immer wieder durch authentisches Filmmaterial und manchen Fleisch-Skandal bewiesen wird. Bevor sie dann geschlachtet werden, um auf unseren Tellern zu landen. Doch ganz so einfach ist es nicht.

Zum einen haben die erbarmungswürdigen Umstände ganz allein den Grund, dass Fleisch so billig wie möglich produziert werden muss. Schließlich könnte es sonst nicht so billig in den Supermarktketten verkauft werden. Und dass sich die meisten Menschen nur billiges Fleisch leisten, auch das hat einen simplen Grund. Und überhaupt nichts damit zu tun, dass diese Menschen vielleicht gefühllos wären. Sie sind ganz einfach auf billiges Fleisch angewiesen, weil sie sich sonst nicht ihre teuren SUVs und sonstigen PS-starken Autos leisten könnten.

Advertisements

Feinstaub

Der Diesel ist die Skandal-Nudel der Saison. Wenn man einmal von dem einen oder der anderen Politikerin absieht. Und das Hersteller-übergreifend. Mehr Feinstaub, als man sich über all die Jahre seines Siegeszuges vorstellen konnte. Oder wollte. Abgase bis zum atemlosen Abwinken. Der Hustenreiz in den Städten wird schließlich immer stärker. Und was kaum jemand erwartet hat, Deutschland hat das großartige Ziel von einst, weniger CO² ins Weltall zu blasen, nicht nur haarscharf, sondern meilenweit verfehlt. Und das auch, weil selbst für die Fahrt zum 1,2 Kilometer entfernten Kindergarten am liebsten und immer mehr PS-starke SUVs benutzt werden.

Weshalb sogar mein Golden Retriever kapiert hat, dass jetzt vielleicht ein guter Zeitpunkt wäre, mit aller Kraft an der Lösung des Problems zu arbeiten. Dafür zu sorgen, dass vielleicht nicht nur Dieselmotoren weniger Dreck zum Auspuff raus blasen. Dass Autos weniger verbrauchen, weil sie nur noch so viele PS haben, wie sie brauchen, um Personen zu befördern. Und nicht das Ego des Fahrers. Doch leider hat man es ganz schlecht getroffen. Denn dafür hat die Automobil-Industrie  zwar durchaus das Geld. Aber keine Zeit. Denn jetzt müssen erst einmal Autos entwickelt werden, die autonom fahren. Was natürlich auch Sinn macht. Kein Mensch kann mit einer Gasmaske anständig Auto fahren.

Ritterspiele

Manchmal lässt es sich einfach nicht vermeiden. Zu verlockend sind das Wetter oder eine Einladung. Also setzt man sich ins Auto und fährt zu einem der Seen mit idyllisch gelegenen Restaurants mit Blick auf selbigen. Was im Großen und Ganzen ja durchaus angenehm wäre. Zumindest wenn die Anfahrt nicht zu großen Teilen auf einer Autobahn erfolgt. Die einem mindestens zwei Erkenntnisse beschert. Erstens: Auch wenn die Schere auseinanderklafft, es gibt überraschend viele Menschen, die überraschend viel Geld haben müssen. Denn der Großteil der Karossen, die einem, bildlich gesprochen, im Nacken sitzen, gehört dem höheren Preissegment an. Und selbst Autohersteller, die Autos für den kleinen Mann anbieten, bauen diese lieber gleich ein bisschen größer. Damit sie so aussehen, als kämen sie aus dem höheren Preissegment.

Die Sichtweise, dass mit dem Erwerb der Karosse auch gleich die zum Fahren erforderliche Straße mit gekauft werde, scheint allerdings zumeist den Besitzern der richtig teuren und großen Automobile vorbehalten zu sein. Was nur einmal mehr belegt, dass doch sehr viele Menschen sehr traditionsbewusst sind. Und insbesondere auf der Straße immer noch jenen Zeiten nachhängen, als sich das gemeine Volk in die Straßengräben zu flüchten hatte, selbst wenn diese aus Schlammpfützen bestanden, wenn sich ein Fürst, Lehensherr oder sonstiger Adliger mit seinem Vierspänner näherte. Es dauert vermutlich noch viele Generationen, bis die Demokratie auch auf den Straßen angekommen sein wird.

Letzte Ausfahrt Marrakesch

Ist das nicht großartig? Also eigentlich kann man ja sagen, dass es die Klimawende ohne Deutschland gar nicht gäbe. Wer hat denn den Ausstieg aus der Atomenergie gewagt? Wir waren das. Dass deshalb jetzt Kohlekraftwerke bei uns Artenschutz genießen, das konnte man ja nicht vorhersehen. Wusste ja niemand, dass nächstes Jahr Wahlen sein würden. Aber mit dem Solarstrom, da sind wir auf jeden Fall Weltmeister. Also, sagen wir mal so, wir waren auf jeden Fall zeitweise Weltmeister. So wie die Dächer zugepflastert wurden. Zumindest bis die Chinesen das ganze Geschäft gemacht haben.

Und Paris wäre auch nicht ohne uns denkbar gewesen. Als mit einer revolutionären Vereinbarung die Rettung der Welt vereinbart wurde. War auch niemand so gerührt wie unsere Umweltministerin. Dass seitdem der weltweite CO²-Ausstoß noch angestiegen ist, das ist ja nur plausibel. Es ist doch ganz einfach. Die Klimawende kostet Geld. Und das muss ja erst einmal verdient werden. Also muss die Produktion gesteigert werden. Denn nur wenn genug Gewinn gemacht wird, bleibt auch was für das Klima übrig. Logisch, oder?

Weshalb ich jetzt wirklich nicht weiß, warum Umweltministerin Hendricks so pikiert war. Was sie in ihrem Klimaschutzplan stehen hatte, war einfach zu viel des Guten. Sie kann doch nicht ernsthaft fordern, dass die Menschen weniger Fleisch essen. Damit es weniger furzende Kühe gibt. Hat sie nicht bedacht, was passiert, wenn es weniger Übergewichtige in Deutschland gibt? Was das für Ärzte, Krankenhäuser und die Pharmaindustrie bedeutet? Von den Bauern ganz zu schweigen.

Oder ihre Forderung, Fahrzeuge, die mit fossilem Treibstoff betrieben werden, baldmöglichst von Deutschlands Straßen zu verbannen. Ist ihr noch nie die Idee gekommen, dass die Entwicklung von Alternativen die Autoindustrie in einem unvorstellbaren Maße belasten würde? Gerade jetzt, wo endlich mal ein bisschen Geld mit den SUVs verdient wird. Und dass die Rettung von Autofirmen teurer käme als die der Banken? Was jetzt auch immer von ihrem Klimaplan übrig geblieben ist, Hauptsache ist doch, dass das Wirtschaftswachstum nicht gestört wird.

Soll sie es doch in Marrakesch bei der Klimakonferenz wie ein designierter US-Präsident machen. Einfach erzählen, was die Leute hören wollen. Mit der Wahrheit kann man sowieso keinem Hoffnung machen. Außerdem muss man den Menschen hierzulande doch nicht noch das letzte bisschen Spaß verderben. Und was bleibt denn noch, wenn kein Steak und keine Wurst mehr auf dem Teller liegen? Kein PS-Bolide mehr in der Garage steht? Da bleibt doch nur noch die AfD. Wer solche Forderungen stellt wie Frau Hendricks, der ist Steigbügelhalter für die AfD. Eigentlich kann man den Herren Gabriel, Dobrindt und Schmidt nur von Herzen danken.

Problemviertel mit Stuckdecken

Andere Leute gehen sonntags in die Kirche. Ich habe einen Freund besucht. Hatten uns lange nicht gesehen. Aber ich hatte wenigstens noch in Erinnerung, dass er in einem Viertel wohnt, wo die Welt halbwegs noch in Ordnung ist. Ältere Häuser. Auch mal mit Stuckdecke. Kleine Läden. Frauen mit Kinderwagen. Handwerker. Sogar ein Buchladen war um die Ecke. Und wenigstens und erstaunlicherweise gab es den noch.  Alles andere eher verschwunden. Statt Kinderwägen jetzt SUVs. Statt Handwerker Lofts. Zugegeben, höchstwahrscheinlich gibt es auch noch Stuckdecken. Aber jetzt stehen wohl eher Designer-Möbel darunter. Die mein Freund nicht hat. Weshalb er demnächst ausziehen muss. Er passt nicht mehr ins Bild. Insbesondere mit seiner Gehaltsabrechnung.

Er überlegt sich, ob er nicht auch aufs Land ziehen soll. Dorthin, wo die Mieten noch bezahlbar sind. Die Arbeitsstelle aber trotzdem noch erreichbar ist. Wie so viele andere. Ich habe ihm abgeraten. Weil das, wie ich durch nicht wenige andere Beispiele weiß, oft auch nur eine Übergangslösung ist. Weil auch dort die Mieten steigen. Weil auch dort Investoren investieren. Um Rendite zu erzielen. Es nur eine Frage von Zeit ist, bis man sich dort die Mieten auch nicht mehr leisten kann.

Stattdessen habe ich ihm geraten, sich einen Job zu suchen, mit dem er so viel verdient, dass er sich einen SUV leisten kann. Und ein Loft mit Designer-Möbel und Stuckdecke. Dann kann er bleiben, wo er ist. Und wenn irgendwann die Investoren wieder abziehen, weil sie ein neues, gewinnbringendes Viertel oder einen Vorort entdeckt haben, kann er den SUV verkaufen und die Designer-Möbel. Und wieder in seinem alten Job arbeiten. Den er eigentlich immer gerne gemacht hat.

Mein Freund sagte, er will es sich überlegen. Allerdings meinte er, dass das ein Zeitproblem werden könnte. Er befürchtet, dass er wohl schon zu alt sein wird, um in seinen alten Job zurück zu kehren, wenn die Investoren endlich weitergezogen sind. Er will dann lieber in einem der sogenannten Problemviertel mit seinen Hochhäusern und Betonschluchten nach einer neuen Bleibe suchen. Dort sei er nach seiner Einschätzung vor Investoren relativ sicher. Und ich glaube, er hat Recht. Ich hoffe es für ihn.

Erdbeeren, Kaffeekapseln und SUVs

Der Hamburger Senat hat jetzt den Kauf von Kaffeekapseln durch Angestellte und Staatsdiener auf Staatskosten untersagt. In erster Linie, weil durch Kaffeekapseln enorm viel Müll produziert und Energie durch die Verpackung verschwendet wird. Es hat sich bereits eine Initiative gebildet, die auch auf Städte wie zum Beispiel Berlin oder München Druck ausüben will, dem Beispiel Hamburgs zu folgen. Ein sinnvolles und unterstützenwertes Vorhaben, das den Umweltschutz und die Energiewende, die ja auch durch die Einsparung von Energie vorangetrieben wird, bestimmt wieder einen Schritt weiter bringt.

Was ich aber vermisse, das ist zum Beispiel eine Regelung, die untersagt, im Monat März ein Kilo Erdbeeren für 1,98 € in Supermärkten anzubieten. Zwar hält sich der Müll in diesem Zusammenhang einigermaßen in Grenzen, der entscheidende Faktor ist hier jedoch die enorme Energie, die aufgewendet werden muss, um schon um diese Jahreszeit und so preiswert Erdbeeren anzubieten. Von Heizungsanlagen für Spargel, damit es in den Supermärkten schon vor der Spargelzeit Spargel gibt, ganz zu schweigen.

Auch habe ich keinerlei Verständnis dafür, dass riesige SUVs, also diese sogenannten Sport- respektive Nutzfahrzeuge in Städten stundenlang im Stau stehen und aufgrund ihrer Größe oft ebenso lange nach Parkplätzen suchen. Hier sehe ich ganz besonders viel Potential Energie und Material einzusparen. Und auch der Müll ließe sich reduzieren, den die Insassen verursachen, wenn sie wegen der langen Fahrzeiten Fast-Food verzehren und Verpackungen und Trinkbecher während der Fahrt entsorgen. Aber auf jeden Fall ist das mit den Kaffeekapseln schon mal ein guter Anfang.

Armutsland Deutschland

Es ist wahr, wir haben noch nicht über Geld gesprochen. Darüber, was uns diese Flüchtlinge kosten und noch kosten werden. Und ob das Deutschland überhaupt schultern kann. Doch zum Glück hat Bayern einen Finanz- und Heimatminister, der seine Aufgabe noch ernst nimmt. Und der hat in einem Interview explizit gesagt, dass wir bald finanziell überfordert sein werden. „Glaubt wirklich jemand, dass weitere Millionen schulterbar wären“, sagte Markus Söder, „ohne dass dies Auswirkungen auf unser Land hätte?“ Und nannte auch gleich noch Zahlen. Vier Milliarden würden uns die Flüchtlinge dieses und nächstes Jahr kosten.

Und da kann man schon erschrecken. Denn das ist fast so viel, wie der zukünftige Berliner Flughafen mehr kosten wird, als ursprünglich veranschlagt. Weshalb sich sehr schnell ein Szenario vor dem geistigen Auge auftut, das mehr als bedrohlich ist. Denn irgendwo muss das Geld ja herkommen, man kann ja wegen der Flüchtlinge nicht den Berliner Flughafen als Bauruine verkommen lassen oder im Extremfall vielleicht sogar die Bezüge von Politikern und Bundestagsabgeordneten kürzen. Also wird wieder einmal der deutsche Steuerzahler gerade stehen müssen.

Man kann es sich unschwer ausmalen, sieht schon die verheulten Kindergesichter, weil das aktuelle iPhone im nächsten Jahr nicht mehr zur Debatte steht, das ein Jahr alte iPhone 6s noch ein weiteres Jahr hergenommen werden muss. Und wie viele Beziehungen werden dann auf dem Prüfstand stehen, wenn das Budget statt Urlaub auf Barbados nur noch Antalya erlaubt? Sich die Gattin nur noch drei paar neue Schuhe im Monat leisten kann? Der Gatte darüber nachdenken muss, ob überhaupt noch eine Sonderausstattung für den SUV drin ist? Was auch bei Paaren, die ohne Trauschein zusammen leben, nicht anders aussehen wird.

Und so kann man auch den Ärger des Bundesinnenministers verstehen. „Sie gehen aus Einrichtungen raus, sie bestellen sich ein Taxi, haben erstaunlicherweise das Geld, um Hunderte von Kilometern durch Deutschland zu fahren“, sagte Thomas de Maizière dieser Tage, und trauerte den Zeiten nach, als die Flüchtlinge noch „dankbar“ waren. Denn schließlich gibt es gleichzeitig hunderttausende deutscher Steuerzahler, die nicht mit dem Taxi hunderte von Kilometern durch Deutschland fahren können, und wie will man diesen vermitteln, dass sie wegen der Flüchtlinge wohl bald auch noch auf ihr wohl verdientes Gläschen Bier am Abend verzichten sollen.

Die Lösung kann da nur Kostenbeteiligung sein. Wenn Flüchtlinge mit dem Bus vom Bahnhof oder der Grenze zum Auffanglager gefahren werden, müssen sie sich eben wie alle anderen Menschen hierzulande auch eine Fahrkarte kaufen. Und wer sich ein Taxi leisten kann, der hat auch das Geld, um den Apfel zu bezahlen, den er bei seiner Ankunft bekommen hat, oder das Duschgel. Und wenn sich das rumgesprochen hat, wird es sich der eine oder andere Syrer vielleicht zwei Mal überlegen, ob er nicht lieber sein Geld für ein Taxi von Damaskus nach Beirut ausgibt. Und vielleicht kann dann ja doch noch eines Tages der Berliner Flughafen eröffnet werden. Oder die Elbphilharmonie.