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Hurensöhne

So ein 29. Februar, das wäre doch ein geschenkter Tag. Hat heute morgen ein Rundfunk-Moderator gesagt. War sicher gut gemeint. Außerdem konnte er da ja noch nicht wissen, was das für ein Tag werden würde. Auf jeden Fall kann man nur hoffen, dass solche Tage allerhöchstens alle vier Jahre vorkommen. Denn ich bin davon überzeugt, dass dieser Tag der Anfang von etwas Neuem war. Dass wir irgendwann zurückdenken werden, und wir werden sagen: An diesem Tag hat es angefangen. Am 29. Februar 2020. Am Tag der Hurensöhne. Als in einem Fußballstadion Plakate ausgerollt wurden, um einen Menschen mit diesem Wort zu verunglimpfen. Und 22 Fußballspieler in bester Eintracht und als Gegenpol sozusagen aus dem Stand heraus das Spiel beendeten.

Obwohl man nach den bisherigen rassistischen Vorfällen glaubte, dass es nicht mehr schlimmer kommen könnte. Aber das hatte man vom Corona-Virus auch geglaubt, als es nur in China wütete und der Absatz deutscher Autos auf dem chinesischen Markt zurück ging. Aber selbst die Nachricht, dass jetzt in der BRD auch vier Kinder betroffen wären, machte diesen 29. Februar noch nicht zur Schnittstelle. Dazu war der Mann aus Ankara nötig, der in ein anderes Land eingedrungen war, und jetzt Flüchtlinge an die Grenzen der Türkei schickte, um die EU dazu zu bewegen, ihm in seinem Krieg zu Hilfe zu kommen. Weshalb ich schon beim Einmarsch vorsichtshalber auf den Kalender geschaut hatte. Und feststellen musste, dass schon wieder 80 Jahre vergangen waren.

Doch  das Szenario heute ist auch so komplett, jetzt verdient es den Namen Bruchstelle. Was sich an diesem 29. Februar so konzertiert gezeigt hat, das wird uns noch lange beschäftigen. Vielleicht so sehr beschäftigen, dass wir noch mehr vernachlässigen, den Planeten vielleicht doch noch bewohnbar zu erhalten. An diesem 29. Februar habe ich jedenfalls genug Anlass gesehen, wieder Tagebuch zu schreiben, zu dokumentieren, was nach diesem Tag geschehen wird. Und wenn es nur ist, um zu beweisen, dass ich mich getäuscht haben werde. Der Tropfen auf dem heißen Stein, das  war übrigens die Bewertung eines wunderschön gelegenen Ressorts in Myanmar. Eine Frau aus Deutschland war tausende Kilometer gereist, um mit Begeisterung festzustellen, dass es morgens zum Frühstück sogar Gouda gegeben habe. Doch immerhin weiß ich jetzt, dass es nicht nur Hurensöhne gibt  auf diesem Planeten.

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Profis

Sieht das nicht richtig geil aus: 1 800 000 000 US-$. Okay, nur in Dollar. Aber immerhin, die Tendenz ist steigend. Während die Bundesrepublik Deutschland die Wachstumserwartungen senkt und senkt, ist weltweit endlich mal wieder ein sattes Plus zu verzeichnen. Und dabei ist ja ein Absatzgebiet mit Syrien jetzt fast ganz weggebrochen. Aber das ist eben das schöne. Man braucht ja nicht gleich einen neuen Krieg, um die Militärausgaben zu erhöhen. Klar, mit Krieg ist die Rendite natürlich größer. Aber ohne Krieg ist es auch nicht so schlimm, Militärausgaben zahlt schließlich der Steuerzahler. Und da ist ja immer Luft nach oben.

Im Bedarfsfall sagt man halt einfach, dass wegen dem Klima der Strom für Privathaushalte noch teurer werden muss. Dann kann sich ja jeder bei den Schulschwänzern bedanken. Weil die so einen Druck auf die Politik ausgeübt haben. Eigentlich waren ja immer die Jungen schuld, wenn was schief gelaufen ist. Wenn man es nicht den Profis überlassen hat. Denn dafür sind die 1,8 Billionen US-Dollar für die weltweiten Militärausgaben das beste Beispiel. Für diese Erfolgsmeldung haben die Profis gesorgt.

Musik

Ein Konzert. Musik aus dem arabischen Raum. Aus Syrien, der Türkei oder dem Irak. Aber auch aus Griechenland. Wie die charmante Sängerin erklärt: Das  vorherrschende Thema in den Liedern ist die Liebe. Eine Zuhörerin, die vermutlich die Texte versteht, einen starken Bezug zu dieser Musik hat, kann zwischen zwei Stücken nicht mehr schweigen. All diese wunderbare Musik, sagt sie, und die Menschen, aus deren Ländern sie kommt, bekriegen sich. Wie kann das sein? Weil es Menschen sind, sage ich. Aber so leise, dass nur ich es hören kann.

Dein Land. Deine Zukunft. Jetzt!

Seit neuestem hat man den Industriellen Herrn von Finck im Visier, um nicht zu sagen im Verdacht, dass er vielleicht seine Schatulle für die AfD geöffnet haben könnte. Weil das Geld ja aus der Schweiz kam. Wo Herr von Finck in bescheidenen Verhältnissen und einem Schloss wohnt. Und nachdem er respektive der Finck-Konzern die Namensrechte für die „Degussa“ erworben hatte, seit einiger Zeit auch den Handel mit Gold betreibt. Weshalb man wohl auch mit Wohlwollen sah, dass es ein AfD-Politiker war, der die Goldreserven der Bundesbank wieder heim ins Reich respektive auf deutschen Boden holen wollte. Außerdem gab es die „Degussa“ ja schon einmal im Dritten Reich, hat damals auch schon mit Gold Geld verdient. Nämlich mit dem Zahngold ermordeter KZ-Häftlinge. Und naheliegender Weise sich auch gleich noch als Zulieferer für das Gas Zyklon B betätigt.

Weshalb sich er und der Innen- und Heimatminister vielleicht einmal zusammensetzen sollten. Dessen Ministerium hat jetzt nämlich gerade eine wenig erfolgversprechende Plakat-Aktion gestartet, mit der mit dem schönen Slogan „Dein Land. Deine Zukunft. Jetzt!“ dafür geworben werden soll, dass Asylbewerber wieder in ihre Heimat zurückkehren. Also nach Syrien, in den Kongo oder vielleicht auch in die Türkei. Und vermutlich, damit auch den AfD-Wählern signalisiert werden soll: Wir tun etwas gegen die Fremdenflut. Aber vielleicht sollte der Innen- und Heimatminister eher über ein Joint-Venture mit Herrn von Finck und seiner Degussa nachdenken, als Black Fridays für freiwillige Rückkehrer zu veranstalten. Industrielle haben doch schon immer gut mit der Politik zusammengearbeitet.

Rückblick

Sie fielen mir zufällig in die Hände. Blogbeiträge aus dem Jahr 2014. Vielleicht einfach nur, weil ich gestern eine Diskussion hatte zur Frage, wie schlimm es denn inzwischen geworden sei. Ich glaube durchaus daran, dass das Gehirn bisweilen eigene Wege geht. Und dann eben beispielsweise alte Blogbeiträge findet. Wobei man allerdings zugeben muss, dass vier Jahre keine so lange Zeit sind.

Aber andererseits Zeit genug, um weite Teile des Erdballs zumindest gefühlt auf den Kopf zu stellen. Doch nun einmal davon abgesehen, dass man damals Trump nur von seinen TV-Auftritten kannte, Syrien noch keine Trümmerwüste und Israel noch kein Nationalstaat waren, vor allem habe ich das Gefühl, dass ich mich mehr verändert habe als die Welt um mich herum.

Und damit meine ich nicht, dass mein Haar schütterer geworden wäre, oder der gazellenartige Lauf zu einem Schlurfen mutierte. Mir ist nämlich ganz besonders aufgefallen, dass sich meine Schreibe verändert hat. Der leichte Ton ist einer gewissen Schwere gewichen. Um die Wahrheit zu sagen, im Vergleich zu dem, was und wie ich vor vier Jahren geschrieben habe, klinge ich jetzt eher müde. Und ich befürchte, es ist nicht einmal das Alter.

Es ist eher die Entwicklung der vergangenen vier Jahre, die mich müde gemacht hat. Aber vielleicht muss ich einfach nur mehr Kondition trainieren. Mich geistig mehr bewegen. Morgen werde ich mal versuchsweise damit anfangen. Heute habe ich wirklich noch nichts gefunden, was den Adrenalinspiegel etwas anheben könnte. Und die Chemie will ich noch nicht einsetzen. Vielleicht tut es ja ein kühles Pils auch.

Frühling

Sie leuchten dieses Jahr ganz besonders in der Landschaft, die Forsythien mit ihrem kräftigen Gelb. Aber allenthalben haben Farben das Zepter in der Natur übernommen. Die Wiesen sind schon wieder recht saftig, Bäume haben ihr erstes Grün angelegt. Die Vögel zwitschern schon mit Tagesanbruch und sind den ganzen restlichen Tag damit beschäftigt, dem Nachwuchs ein Heim zu bauen. Alles signalisiert Aufbruch und Neuanfang. Sogar die Knospen des etwas bedächtigeren Flieders scheinen kurz davor zu stehen zu explodieren. Die Raketen, die in Syrien niedergegangen sind, haben das schon hinter sich.

Boomende Börse

Mal sollte zwischendurch und insbesondere an einem Freitag den 13. einfach mal positiv denken. Nehmen wir also einmal an, dass der Typ, der gerne damit den Tag beginnt, mit seinen Tweets die Welt ein Stückchen näher an den Abgrund zu schubsen, dass also der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika weiß, was er tut. Und da bleibt eigentlich nur eine Erklärung für seinen jüngsten Vorstoß in Sachen Syrien und Giftgas. Immer noch positiv denkend und insofern davon ausgehend, dass er nicht idiotisch genug sein dürfte, wirklich eine atomare Auseinandersetzung mit Russland zu riskieren.

Auf dieser Grundlage und unter Berücksichtigung steigender Ölpreise und boomender Börsen als Folge der angedrohten Raketenangriffe auf syrische Militärbasen, bleibt eigentlich nur die Annahme, dass es ihm einzig um die Belebung der Finanzmärkte ging. Denn die haben sehr positiv, also ausgesprochen „bullisch“ auf die mögliche Eskalation reagiert. Hoffentlich bringt das diesen Präsidenten trotzdem nicht auf die Idee, dass so ein kleiner Atomkrieg für seine Geschäfte und die Staatsfinanzen einen richtigen Schub mit sich bringen könnte.