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Dein Land. Deine Zukunft. Jetzt!

Seit neuestem hat man den Industriellen Herrn von Finck im Visier, um nicht zu sagen im Verdacht, dass er vielleicht seine Schatulle für die AfD geöffnet haben könnte. Weil das Geld ja aus der Schweiz kam. Wo Herr von Finck in bescheidenen Verhältnissen und einem Schloss wohnt. Und nachdem er respektive der Finck-Konzern die Namensrechte für die „Degussa“ erworben hatte, seit einiger Zeit auch den Handel mit Gold betreibt. Weshalb man wohl auch mit Wohlwollen sah, dass es ein AfD-Politiker war, der die Goldreserven der Bundesbank wieder heim ins Reich respektive auf deutschen Boden holen wollte. Außerdem gab es die „Degussa“ ja schon einmal im Dritten Reich, hat damals auch schon mit Gold Geld verdient. Nämlich mit dem Zahngold ermordeter KZ-Häftlinge. Und naheliegender Weise sich auch gleich noch als Zulieferer für das Gas Zyklon B betätigt.

Weshalb sich er und der Innen- und Heimatminister vielleicht einmal zusammensetzen sollten. Dessen Ministerium hat jetzt nämlich gerade eine wenig erfolgversprechende Plakat-Aktion gestartet, mit der mit dem schönen Slogan „Dein Land. Deine Zukunft. Jetzt!“ dafür geworben werden soll, dass Asylbewerber wieder in ihre Heimat zurückkehren. Also nach Syrien, in den Kongo oder vielleicht auch in die Türkei. Und vermutlich, damit auch den AfD-Wählern signalisiert werden soll: Wir tun etwas gegen die Fremdenflut. Aber vielleicht sollte der Innen- und Heimatminister eher über ein Joint-Venture mit Herrn von Finck und seiner Degussa nachdenken, als Black Fridays für freiwillige Rückkehrer zu veranstalten. Industrielle haben doch schon immer gut mit der Politik zusammengearbeitet.

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Rückblick

Sie fielen mir zufällig in die Hände. Blogbeiträge aus dem Jahr 2014. Vielleicht einfach nur, weil ich gestern eine Diskussion hatte zur Frage, wie schlimm es denn inzwischen geworden sei. Ich glaube durchaus daran, dass das Gehirn bisweilen eigene Wege geht. Und dann eben beispielsweise alte Blogbeiträge findet. Wobei man allerdings zugeben muss, dass vier Jahre keine so lange Zeit sind.

Aber andererseits Zeit genug, um weite Teile des Erdballs zumindest gefühlt auf den Kopf zu stellen. Doch nun einmal davon abgesehen, dass man damals Trump nur von seinen TV-Auftritten kannte, Syrien noch keine Trümmerwüste und Israel noch kein Nationalstaat waren, vor allem habe ich das Gefühl, dass ich mich mehr verändert habe als die Welt um mich herum.

Und damit meine ich nicht, dass mein Haar schütterer geworden wäre, oder der gazellenartige Lauf zu einem Schlurfen mutierte. Mir ist nämlich ganz besonders aufgefallen, dass sich meine Schreibe verändert hat. Der leichte Ton ist einer gewissen Schwere gewichen. Um die Wahrheit zu sagen, im Vergleich zu dem, was und wie ich vor vier Jahren geschrieben habe, klinge ich jetzt eher müde. Und ich befürchte, es ist nicht einmal das Alter.

Es ist eher die Entwicklung der vergangenen vier Jahre, die mich müde gemacht hat. Aber vielleicht muss ich einfach nur mehr Kondition trainieren. Mich geistig mehr bewegen. Morgen werde ich mal versuchsweise damit anfangen. Heute habe ich wirklich noch nichts gefunden, was den Adrenalinspiegel etwas anheben könnte. Und die Chemie will ich noch nicht einsetzen. Vielleicht tut es ja ein kühles Pils auch.

Frühling

Sie leuchten dieses Jahr ganz besonders in der Landschaft, die Forsythien mit ihrem kräftigen Gelb. Aber allenthalben haben Farben das Zepter in der Natur übernommen. Die Wiesen sind schon wieder recht saftig, Bäume haben ihr erstes Grün angelegt. Die Vögel zwitschern schon mit Tagesanbruch und sind den ganzen restlichen Tag damit beschäftigt, dem Nachwuchs ein Heim zu bauen. Alles signalisiert Aufbruch und Neuanfang. Sogar die Knospen des etwas bedächtigeren Flieders scheinen kurz davor zu stehen zu explodieren. Die Raketen, die in Syrien niedergegangen sind, haben das schon hinter sich.

Boomende Börse

Mal sollte zwischendurch und insbesondere an einem Freitag den 13. einfach mal positiv denken. Nehmen wir also einmal an, dass der Typ, der gerne damit den Tag beginnt, mit seinen Tweets die Welt ein Stückchen näher an den Abgrund zu schubsen, dass also der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika weiß, was er tut. Und da bleibt eigentlich nur eine Erklärung für seinen jüngsten Vorstoß in Sachen Syrien und Giftgas. Immer noch positiv denkend und insofern davon ausgehend, dass er nicht idiotisch genug sein dürfte, wirklich eine atomare Auseinandersetzung mit Russland zu riskieren.

Auf dieser Grundlage und unter Berücksichtigung steigender Ölpreise und boomender Börsen als Folge der angedrohten Raketenangriffe auf syrische Militärbasen, bleibt eigentlich nur die Annahme, dass es ihm einzig um die Belebung der Finanzmärkte ging. Denn die haben sehr positiv, also ausgesprochen „bullisch“ auf die mögliche Eskalation reagiert. Hoffentlich bringt das diesen Präsidenten trotzdem nicht auf die Idee, dass so ein kleiner Atomkrieg für seine Geschäfte und die Staatsfinanzen einen richtigen Schub mit sich bringen könnte.

Ende der Beschaulichkeit

Irgendwie war es doch eine schöne Zeit. Außerdem ist mir momentan überhaupt nicht nach Veränderung. Aber es wird nicht zu vermeiden sein. Jetzt, wo nicht nur die Parteimitglieder ihre Zustimmung gegeben haben, sondern jetzt auch noch die Posten besetzt und sogar die Namen bekannt gegeben wurden, besteht kaum noch Zweifel: Deutschland wird wieder eine Regierung haben.
Wo doch alleine schon der Unterhaltungswert der AfD völlig ausreichend wäre, um das Gefühl zu simulieren, es würde Politik gemacht. Und nicht nur die Wunschliste von Konzernen abgehakt. Aber wenn die AfD-Kämpfer für ein Deutschland der Deutschen von ihrem Syrien-Ausflug zurückgekommen sind und schon überall rumerzählen, dass Syrien das friedlichste Land auf Erden wäre, dann ist nichts mehr, wie es einmal war.

Mal abgesehen vom Verkehrsministerium, das wird wohl so bescheuert verwaltet werden wie eh und je. Aber alles andere riecht neu, und es würde mich nicht einmal wundern, wenn sogar die Frisur von Angela Merkel eine andere wäre. Angeblich hat man sogar schon in Erwägung gezogen, in der Bundestagskantine eine andere Kaffeesorte zu verwenden. Das lässt sich wohl nur noch mit der Revolution von 1789 vergleichen.

Obsolete Beziehung

Lange war es mir ein Rätsel, was US-Präsident Trump damals im Wahlkampf meinte, als er die Nato als obsolet bezeichnete. Fremdwörter sind nicht so mein Ding. Doch dank des türkischen Präsidenten Erdogan habe ich jetzt eine dumpfe Ahnung bekommen, was damit gemeint sein könnte. Er hat nämlichen den US-Soldaten, sollten diese dem türkischen Heer bei Angriffen gegen die kurdischen Mitglieder der YPG im syrischen Manbidsch irgendwie im Wege stehen, angedroht, ihnen eine „osmanische Ohrfeige“ zu verpassen.

Nachdem nun aber die USA und die Türkei Nato-Partner sind, heißt obsolet wohl nichts anderes, als dass es in einer Beziehung so schlecht steht, dass es bei einer Auseinandersetzung auch schon mal zu einer Ohrfeige kommen kann. Und das wiederum kenne ich von unseren Nachbarn, die rechts von uns wohnen. Deren Beziehung scheint insbesondere am Wochenende sehr obsolet zu sein. Allerdings gibt es wohl auf keine Frage eine Antwort, ohne dass sich nicht eine neue Frage stellt. Zum Beispiel, was denn eine „osmanische Ohrfeige“ ist.

Abendgedanke

Lange Zeit habe ich gedacht, dass es ziemlich schwierig sein dürfte für einen Schleswig-Holsteiner, zum Beispiel in Niederbayern zu leben. Inzwischen vertrete ich die Auffassung, dass es für einen Kurden ziemlich egal ist, wohin er geht. Ich möchte nicht mit ihm tauschen. Ich hätte auch nicht vor 95 Jahren mit ihm tauschen wollen. Und schon gar nicht vor 88 Jahren. Und auch nicht in den Jahrzehnten danach – oder im neuen Jahrtausend.