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Tatort Mittelfranken

Das hat schon das Zeug zu einem Tatort-Krimi. Vielleicht für das Langzeit-Ermittler-Duo aus München, die Herren Batic und Leitmayr. So ein Fall, kurz vor der Rente, das gäbe noch mal Quote. Auch wenn jetzt ja noch keineswegs erwiesen ist, dass das Ehepaar aus dem mittelfränkischen Schnaittach von ihrem Sohn ermordet und in einem Nebengebäude eingemauert wurde. Wobei ihm die just erst Angetraute vielleicht die Mörtelkelle gereicht haben könnte.

Als verschwunden galt das Ehepaar also schon seit Dezember vergangenen Jahres, der verzweifelte Sohn hatte sogar über die sogenannten sozialen Medien nach ihnen gesucht und um Spenden gebeten, damit er die Suche finanzieren kann. Auf jeden Fall sind jetzt schon Nachbarn laut Radio-Interviews überzeugt, dass der Sohn der Mörder ist, und stellen geschockt die Frage, wie denn ein Sohn seine Eltern ermorden könne.

Ich habe ein bisschen recherchiert und herausbekommen, dass es da mannigfaltige Möglichkeiten gibt. Angefangen von Messern und Äxten bis hin zu Gift, Schlägen mit Gegenständen – bevorzugt gegen den Kopf – oder Erwürgen, es wird annähernd alles verwendet, womit man einen Menschen ins Jenseits befördern kann. Sehr selten respektive vermutlich noch gar nicht soll es hingegen vorgekommen sein, dass Eltern von ihrem Sohn mit ihrem eigenen Auto überfahren wurden. Was daran liegen könnte, dass insbesondere Väter sehr ungern ihr Auto verleihen.

 

 

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Schicksalswahl

Morgen ist es also so weit. Gefühlt die 783. Schicksalswahl der Republik. Die banale Wahrheit sieht etwas anders aus. Zum Beispiel bedeutet der morgige Abend ein ziemliches Desaster. Wegen der Bundestagswahl fällt nämlich der Tatort aus. Und ist das wirklich eine Alternative, wenn Politikerinnen und ihre männlichen Pendants überraschende Aussagen machen zum Wahlausgang respektive wieder einmal erzählen, was sie zu tun gedenken, wenn sie in der Regierungsverantwortung sein werden beziehungsweise in der Opposition? Ich bin nicht ganz überzeugt, dass dies an Spannung einen Tatort übertrifft.

Und dann ganz zu schweigen von einem weiteren Dilemma. Denn sind wir doch einmal ehrlich: Alle, oder zumindest sehr viele sagen, dass man unbedingt zur Wahl gehen soll. Jetzt kenne ich aber einen Haufen Menschen, denen es schon sehr schwer fällt, sich bei Starbucks für einen bestimmten Kaffee zu entscheiden. Wie sollen die in einer so folgenreichen und verantwortungsvollen Frage zu einer Entscheidung kommen? Ist es nicht geradezu unverantwortlich, sie einer solchen Situation, einem solchen Druck auszusetzen? Wäre es für sie nicht sinnvoller, zu Hause zu bleiben und abends lieber einen aufgezeichneten Tatort aus dem Jahr 2008 zu schauen?

 Dann könnten sie in Zukunft wenigstens sagen, dass wieder einmal die anderen schuld waren. Dass sie von nichts wussten. Schließlich kann ja keiner nachweisen, was passiert wäre, wenn sie zur Wahl gegangen wären, wenn sie sich für eine Partei, eine oder einen Abgeordneten entschieden hätten. Die Welt ist nämlich nicht nur schwarz oder weiß. Es gibt nicht nur gut oder böse. Laut oder leise. Oder wie es eine Passantin aufgrund einer Reporterfrage formulierte: Nicht jeder Kanake ist schlecht.

 

TV-Duell

Das ist mir noch nie passiert. Ich habe bis jetzt noch jeden Liebesfilm, sämtliche Tatorte, Talk-Shows oder Dokumentationen über das Balzverhalten von Regenwürmern offenen Auges bis zur letzten Sekunde ausgehalten. Beim TV-Duell des Jahres bin ich nach fünf Minuten sanft entschlummert. Und diese fünf Minuten sind mir schon lang vorgekommen. Meine Lebensbegleiterin kann ich auch nicht fragen, welches ihr Eindruck war von diesem Rededuell zwischen noch Kanzlerin und dem möchte-es-gerne-werden-Kanzler, sie hatte vorsichtshalber einen Mädelsabend organisiert, irgendwo in einem netten kleinen Restaurant. Sie ist eine sehr kluge Frau.

Doch zumindest war die Analyse im Nachgang sehr aufschlussreich. Eigentlich hat die Kanzlerin das Rede-Duell gewonnen, wenn auch je nach Umfrage weit vor oder auch gerade noch so vor Herausforderer Martin Schulz. Wenn man also den ganzen Brimborium, der um diese Veranstaltung gemacht wurde, betrachtet, so hat dieses Jahrhundertereignis die Gewissheit gebracht, dass alles ist wie immer: Niemand weiß etwas Genaues. Weshalb meine Voraussage für den Wahlausgang in etwas mehr als drei Wochen nun ganz eindeutig ist: Wir werden nach der Auszählung der Stimmen wissen, wer gewonnen hat. Und hoffentlich kommt nächsten Sonntag wieder ein Tatort.

Nervenstärkung

Höchste Zeit mich einmal mehr zu outen. Ich muss gestehen, dass ich TV-Krimis liebe. Dieses leichte Gruseln, wenn man genau weiß, dass der Mörder gleich um die Ecke kommt. Das Erschauern angesichts dieser menschlichen Abgründe. Die Fassungslosigkeit über all das, wozu Menschen fähig sein können. Gepaart mit dem erleichternden Gefühl, dass es ja nur erdacht ist. Von einem Drehbuchautor. Und ich gebe auch zu, dass man wie bei jeder Sucht im Laufe der Zeit nach Steigerungen sucht. Der Mensch, er will immer mehr.

Durch Zufall habe ich jetzt etwas gefunden, das jedes Gruseln und Grauen, das Krimis bieten, bei weitem übertrifft. Es sind dies Berichte respektive Dokumentationen über einen Mann, der ganz real ist. Auch wenn er einem Drehbuch entsprungen zu sein scheint. Und die Abgründe, die sich hier offenbaren, tun sich eigentlich noch nicht einmal so sehr wegen dieses Mannes auf. So richtig zum Fürchten sind eher seine Anhänger. Wenn die den Mund aufmachen, dann ist das Gänsehaut pur.

Bis kurz vor vier Uhr saß ich gebannt vor der Mattscheibe, um mir die Sendung „Wie ticken die Amerikaner“ anzuschauen. Und nachdem sich dieser Bericht in weiten Teilen auch intensiv mit dem Freundeskreis des US-Präsidentschaftskandidaten der Republikaner auseinandersetzte, kam es zu einer Reaktion bei mir, die ein Krimi noch nie ausgelöst hat. Ich bekam richtig Angst. Wohl wissend, dass die Alternative zu diesem Kandidaten auch nicht gerade eine Mutter Theresa der Finanz- und Wirtschaftswelt ist, hat dieser Mann doch sehr viel bravouröser bei seinen Anhängern ausgelöst, was erschauern lässt.

Meine späte Erkenntnis daraus: Die ganzen Gruselgeschichten in den Krimis hätte ich mir sparen können. Das wahre Grauen liefern Menschen, die einem Menschen zujubeln, für den sie nur das Instrument sind, um an Macht zu kommen. Oder an der Macht zu bleiben. Da tun sich die wahren menschlichen Abgründe auf. Die sich ja nicht auf dieses eine Land beschränken. Da ist noch so viel Potential, dass man noch viele Abende damit füllen kann. Allerdings werde ich heute erst einmal mit meinem Arzt sprechen. Ich will mir vorsichtshalber richtige Beruhigungstabletten verschreiben lassen. Ich vermute, dass es bei dieser Materie mit Lavendelblütentee nicht getan ist.

Momente des Glücks

Ich gebe es zu, ich habe geweint. Und das, obwohl ich ja überhaupt nicht so der emotionale Typ bin. Bei mir gibt es sonntags den Tatort, Rosamunde Pilcher kommt einfach nicht in Frage. Aber bei diesen Bildern war es um mich geschehen. Es war, als würde auf einmal dichter Nebel von gleißendem Sonnenlicht durchbrochen werden. Es war einer jener beglückenden Momente, wenn der junge Tag die schwarze Nacht vertreibt. Ein Kinderlachen ein großes Loch in die Wand reißt, die düstere Gedanken um einen Menschen gebaut haben. Kurzum, ich sah den Fernsehbericht von Merkels Reise in die Türkei, von ihrem Besuch in einem Flüchtlingslager, praktischerweise doch ein gutes Stück von der syrischen Grenze entfernt.

Wo, um das Glück perfekt zu machen, nicht nur den Flüchtlingen ganz offensichtlich türkischer Honig um den Mund geschmiert worden war. Was auch rein physikalisch deren anhaltendes Lächeln ebenso erklären könnte wie das der Politiker vor Ort. Dabei war es eigentlich nur sekundär, dass Merkel und ihr Begleiter, EU-Ratspräsident Tusk, voll des Lobes waren bezüglich der Anstrengungen der Türkei in der Flüchtlingsfrage. Und umgekehrt der türkische Regierungschef und offensichtlich mit Erlaubnis des Präsidenten Erdogan in Aussicht stellte, auch die EU zu loben, wenn diese endlich die Visa-Freiheit für Türken für den Schengenraum eingeführt haben würde.

Jedenfalls waren diese Bilder herzergreifend. Diese ganzen adrett gekleideten Kinder, die mit einem glückseligen Lächeln im Kindergarten Bilder malten. Ganz wunderbar und nagelneu die Zelte in diesem Flüchtlingslager mit vermutlich hochmodernen sanitären Anlagen, in dem man keinen Moment daran zweifelte, dass es auch kostenloses W-LAN, verschiedene Restaurants, Schulen und ein Einkauf-Center mit Friseur und einem Maniküre-Salon gibt. Um es auf den Punkt zu bringen: Da können selbst wir Deutschen uns eine riesengroße Scheibe abschneiden. Einfach vorbildlich. Und der lebendige Beweis, dass die Türkei ihren Teil der Abmachungen mit der EU voll und ganz erfüllt hat. Dass das Wohlergehen von hunderttausenden Syrern mit Leichtigkeit die paar läppischen Journalisten im Gefängnis und den Tod von terroristischen Kurden, also auch Frauen und Kindern, aufwiegt.

Und wenn er auch nur einen Rest von Empathie in seinem verdorbenen Satiriker-Herz hat, wird Böhmermann angesichts dieser Bilder ohne jedes Murren eine Haftstrafe wegen Majestätsbeleidigung antreten. Amnesty International wird endlich aufhören, die Lüge zu verbreiten, dass von der Türkei Syrer nach Syrien abgeschoben würden. Und auch wir werden mit einem Lächeln zusehen, wenn hunderttausende Syrer einen türkischen Pass bekommen und in Züge nach Europa gesetzt werden. Schließlich war der Türkei Visafreiheit für ihre Bürger versprochen worden, damit es den Syrern endlich wieder gut geht. Geschäft ist Geschäft.

Verbrechen auf dem Vormarsch

Tatort in der ARD und anschließend ein mordender Menschenhändler im ZDF. Das war die eine Möglichkeit der Abendgestaltung. Man konnte natürlich auch bei der ARD bleiben und anschließend bei Günther Jauch alles über die Gründe eines schrecklichen Flugzeugabsturzes erfahren. Oder sich auf einem der Privatsender ansehen, wie Christoph Waltz mordend durch die Lande zieht. Und das war nur ein Sonntagabend. Montags, dienstags geht das so oder so ähnlich natürlich weiter, es gibt keinen Wochentag, an dem auf dem Bildschirm nicht gemordet, gemeuchelt und gemetzelt wird.

Man kann sich also durchaus einmal fragen, warum so viele Menschen das Grauen auf dem Bildschirm so sehr lieben? Denn eines ist sicher. Wenn die Quoten nicht stimmen würden, wären solche Sendungen nicht so zahlreich im Programm. Ganz zu schweigen davon, dass bluttriefende Thriller auch beim guten, alten Buch für kriminell gute Auflagen sorgen, die sogar den einst so beliebten Liebesroman übertreffen. Ob sich inzwischen auch Heerscharen von gesetzestreuen deutschen Bürgern im Internet Enthauptungs-Videos auf YouTube ansehen, soll außeracht bleiben, es lässt sich natürlich nicht so leicht belegen.

Doch was man weiß und sieht, das reicht, um erschrocken die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass hier Millionen von Menschen einer geheimen, zum Glück noch nicht ausgelebten Neigung frönen. Und bevor sich das in irgendeinem Kopf festsetzt, hier doch lieber gleich eine andere These: Sieht man sich das letzte halbe Jahrhundert an, so muss man ohne wenn und aber feststellen, dass es in deutschen Landen noch nie so friedlich zuging. Es ist allein dieser Umstand, der die Menschen sich so gerne am Grauen erfreuen lässt. Ein Grauen, dass nur auf einem Bildschirm stattfindet und nicht vor der Haustür. Ein Grauen, das man abschalten könnte, wenn es zu viel wird.

Woraus sich ableiten ließe, dass eine große Anzahl von Menschen nur schwer oder gar nicht ohne Grauen und Mord und Totschlag vor Augen auskommt. Nur Idylle, so verlogen sie auch sein mag, ist offensichtlich einfach zu wenig. Weshalb wir uns alle freuen sollten, dass wohl in den meisten Fällen dieses Bedürfnis durch Bilder im Fernsehen kompensiert werden kann. In Fällen, in denen das nicht funktioniert, sehen wir das Ergebnis dann wieder im Fernsehen.