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Verbrechen auf dem Vormarsch

Tatort in der ARD und anschließend ein mordender Menschenhändler im ZDF. Das war die eine Möglichkeit der Abendgestaltung. Man konnte natürlich auch bei der ARD bleiben und anschließend bei Günther Jauch alles über die Gründe eines schrecklichen Flugzeugabsturzes erfahren. Oder sich auf einem der Privatsender ansehen, wie Christoph Waltz mordend durch die Lande zieht. Und das war nur ein Sonntagabend. Montags, dienstags geht das so oder so ähnlich natürlich weiter, es gibt keinen Wochentag, an dem auf dem Bildschirm nicht gemordet, gemeuchelt und gemetzelt wird.

Man kann sich also durchaus einmal fragen, warum so viele Menschen das Grauen auf dem Bildschirm so sehr lieben? Denn eines ist sicher. Wenn die Quoten nicht stimmen würden, wären solche Sendungen nicht so zahlreich im Programm. Ganz zu schweigen davon, dass bluttriefende Thriller auch beim guten, alten Buch für kriminell gute Auflagen sorgen, die sogar den einst so beliebten Liebesroman übertreffen. Ob sich inzwischen auch Heerscharen von gesetzestreuen deutschen Bürgern im Internet Enthauptungs-Videos auf YouTube ansehen, soll außeracht bleiben, es lässt sich natürlich nicht so leicht belegen.

Doch was man weiß und sieht, das reicht, um erschrocken die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass hier Millionen von Menschen einer geheimen, zum Glück noch nicht ausgelebten Neigung frönen. Und bevor sich das in irgendeinem Kopf festsetzt, hier doch lieber gleich eine andere These: Sieht man sich das letzte halbe Jahrhundert an, so muss man ohne wenn und aber feststellen, dass es in deutschen Landen noch nie so friedlich zuging. Es ist allein dieser Umstand, der die Menschen sich so gerne am Grauen erfreuen lässt. Ein Grauen, dass nur auf einem Bildschirm stattfindet und nicht vor der Haustür. Ein Grauen, das man abschalten könnte, wenn es zu viel wird.

Woraus sich ableiten ließe, dass eine große Anzahl von Menschen nur schwer oder gar nicht ohne Grauen und Mord und Totschlag vor Augen auskommt. Nur Idylle, so verlogen sie auch sein mag, ist offensichtlich einfach zu wenig. Weshalb wir uns alle freuen sollten, dass wohl in den meisten Fällen dieses Bedürfnis durch Bilder im Fernsehen kompensiert werden kann. In Fällen, in denen das nicht funktioniert, sehen wir das Ergebnis dann wieder im Fernsehen.

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