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Ein sauberes Dorf

Diese Idee ist großartig. Ansätze dazu gab es ja schon seit geraumer Zeit. Man baute ein Hotel in einer mitunter durchaus großzügig bemessenen Anlage. Sorgte dafür, dass alles für einen Urlaub Notwendige vor Ort war, also Restaurants, Schwimmbecken, Friseur und Massagesalon. Und erleichterte durch ein all-inclusiv-Angebot den Hotelgästen die Entscheidung, ob sie es sich zumuten sollten, das Areal zu verlassen und sich vielleicht sogar unter die einheimische Bevölkerung zu mischen.

Jetzt wurde das Prinzip perfektioniert. In der Toskana ist aus einem verlassenen Dorf ein Urlaubsdorf entstanden. Ein deutsches Reiseunternehmen hat das organisiert und finanziert, das Dorf mehr oder minder gekauft und dann renoviert. Jetzt ist dort, wo früher die Besamungsanstalt war, ein Café. Und ein paar Italiener gibt es trotzdem. Im Dienstleistungssektor. Alles sieht also bilderbuchmäßig nach Toskana aus. Aber eben ohne Altbaumängel und so sauber, dass man überall in den Straßen barfuß gehen kann.

Man bleibt also unter sich in diesem Dorf in der Toskana, ist aber nicht in einer Hotelanlage eingesperrt. Man kann das Hotel verlassen, ohne Angst haben zu müssen, mit dem ja oft deprimierenden Leben von Einheimischen konfrontiert zu werden. Kann also die Toskana genießen, ohne verlassene Häuser sehen zu müssen, Arbeitslose, die vor Cafés rumlungern. Oder, noch schlimmer, von Flüchtlingen aus Afrika belästigt zu werden, die einem Regenschirme verkaufen wollen, damit sie sich was zu essen kaufen können.

Das einzige Problem ist eigentlich nur noch die Reise dorthin. Mein Vorschlag: Flug bis Florenz. Wo Shuttle-Busse mit geschwärzten Fenstern warten. Im klimatisierten Inneren werden zu italienischer Musik und bei einem Gläschen Montepulciano Filme mit toskanischer Landschaft gezeigt. Über die Klimaanlage wird der Duft von italienischen Kräutern ins Businnere geblasen. Wenn dann der Gast in dem deutschen Toskana-Dorf aussteigt, besteht kein Zweifel mehr, dass er am Ziel seiner Träume angekommen ist.

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Fondant Sterne oder sexuelle Gewalt

Manchmal ist es wirklich nicht so einfach, Prioritäten zu setzen. Habe ich doch gestern Abend erfahren, dass ein befreundetes Ehepaar jetzt immer Mitte September aus dem Urlaub zurück kommt. Obwohl es unabhängig genug wäre, auch bis Ende September oder länger Urlaub zu machen. Was die Beiden eigentlich auch gerne täten, da sie ganz froh sind, wenn es an ihrem bevorzugten Urlaubsort in der Toskana nicht mehr ganz so heiß und die Strände und Cafés schon etwas leerer sind.

Doch der Grund für den vorgezogenen Termin für die Heimfahrt ist durchaus nachvollziehbar. Haben die beiden doch Angst, dass es nicht mehr alle Weihnachtsartikel gibt, wenn sie zu spät im September oder vielleicht sogar erst Anfang Oktober wieder nach Hause kommen. Schließlich mussten sie im vergangenen Jahr erleben, dass sie keine Fondant Sterne mehr für den Weihnachtsbaum bekommen haben.

Weshalb ich eigentlich vor hatte, mich heute einmal mit dieser Problematik zu beschäftigen. Doch dann ist mir eine kleine Notiz aufgefallen, wonach es erst noch einer Gesetzesänderung in Deutschland bedarf, damit Forderungen erfüllt werden, wie sie bereits in einem Beschluss des Europarates zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt erhoben werden.

Und dabei geht es vor allem um Vergewaltigung. Darum, dass in Deutschland ein Vergewaltiger immer noch beste Chancen hat, straflos davon zu kommen, wenn er sein Opfer nicht wenigstens grün und blau geschlagen hat. Das Nein einer Frau ist hierzulande bei weitem noch nicht ausreichend. Weshalb noch nicht einmal zehn Prozent aller angezeigten Vergewaltigungen zu einer Verurteilung des Täters führen.

Wohingegen eine einigermaßen verlässliche Erhebung der Bundesregierung davon ausgeht, dass mindestens 13 Prozent der in Deutschland lebenden Frauen seit dem 16. Lebensjahr „strafrechtlich relevante Formen sexueller Gewalt“ erlebt haben. Da ca. 41 Millionen Frauen in der BRD leben, sind also mindestens annähernd 4,5 Millionen Frauen betroffen. Ich habe daraufhin beschlossen, dass das Problem mit den Fondant Sternen vielleicht doch nicht so gravierend ist.

Es ist Reisezeit

Natürlich wäre es das Einfachste, den Standardsatz raus zu kramen, also von wegen „schönste Zeit des Jahres“. Dann empfehlen, doch mal wieder die Seele baumeln zu lassen und an die Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 300 zu erinnern. Und schon wäre das Thema „Reisezeit“ eigentlich abgehakt. Aber so einfach ist es nicht mehr, seit sich zum letzten Mal junge Menschen mit einem kleinen Rucksack und zwei Gramm einer verbotenen Substanz an irgendeine Autobahnauffahrt gestellt haben.

Denn erstens wird es heutzutage umgehend geahndet, wenn man sich an einer Autobahnauffahrt hinstellt. Und außerdem haben sich die Bedürfnisse elementar verändert. Das fängt damit an, dass die Reiseziele andere geworden sind. Für eine Woche „Malle“, immer noch deutsche Exklave auf spanischem Boden, braucht man halt was anderes als für drei Wochen Sri Lanka oder Toskana. Oder haben Sie schon einmal davon gehört, dass ein Malle-Urlauber eine Staffelei, Acrylfarben und Leinwände dabei hatte? Na also.

Und außerdem sind die Zeiten längst vorbei, wo man einfach wo hinfuhr, um sich Land und Leute anzuschauen und zu erholen. Jetzt muss Urlaub ein Event sein. Oder mindestens geil. Man muss sich sehen lassen können, auch wenn man selber nicht alles sehen will. Weshalb die wichtigste Frage lautet: Welche Sonnenbrillen nehme ich mit?

Und damit sind wir schon beim Kern der Sache. Nämlich der Checkliste. Es geht nicht mehr ohne. Haben Sie sich schon einmal angeschaut, was Ihnen der Apotheker empfiehlt, in den Urlaub mitzunehmen? Das können Sie wirklich nicht alles im Kopf behalten. Und dann die Kleiderfrage. Mal abgesehen davon, dass Mann dann meistens doch drei Wochen lang in derselben Bermudashort rumläuft, irgendetwas mit Krokodil drauf oder drei Streifen muss trotzdem in seinem Koffer sein.

Wohingegen Frauen berechtigterweise wirklich keine Lust haben, in einer Jogginghose über die mondbeschienene Strandpromenade zu schlendern. Dafür lieber streng auf das Gewicht des Koffers achten und lieber das winzige Top mitnehmen. Womit wir trotzdem schon vier weitere Seiten zusammen hätten. Wenn’s gut geht.

Aber dann: Die Technik! Alleine schon die ganzen Ladegeräte. Schließlich nimmt man ja das i-Phone nicht an den Strand mit, dafür hat man ein älteres Handy. Außerdem muss selbstverständlich das Netbook dabei sein, ein Tablet, eine Digicam und für die Kinder natürlich die Spielebox. Macht noch mal vier Seiten. Wem übrigens diese Begriffe nichts sagen, kann sich freuen. Er gehört zweifelsohne zu jener Spezies, die sich noch mit anderen Menschen unterhält.

Und jetzt natürlich noch die Checkliste für all die Dinge, die zu Hause zu regeln sind. Lagerauftrag für Post, Kühlschrank abtauen, Stecker rausziehen (Gewitter!!!), Blumen-Betreuung organisieren …und so weiter und so weiter. Womit unsere Urlaubs-Checkliste auf mindestens zwölf Seiten oder mehr angewachsen wäre.

Auf denen hoffentlich als Erstes der wichtigste Punkt steht: Wer die Flugtickets hat. Und vor allem: Wo! Damit es am Flughafen nicht zu dem Klassiker kommt, und er zu ihr oder sie zu ihm sagt: Ich habe gedacht, du hast sie eingesteckt!?! Deshalb meine Empfehlung: Eine Checkliste, auf der alle Punkte erfasst sind, die auf der Urlaubs-Checkliste stehen sollten.