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Neuanfang

Man kann sich das ja in etwa so vorstellen: Da ist eine Beziehung in die Brüche gegangen. Man hat sich eine Auszeit gegönnt. Ist dann, zumindest auf einer Seite, auch mal auf Partnersuche gegangen zwischendurch. Hat aber auch nicht geklappt. Aber weil man an die armen Kinderlein denkt, möchte man trotz alledem einen Neu-Anfang probieren.

Man setzt sich also zusammen, alle Kränkungen und unterschiedlichen Standpunkte im Gepäck, die letztendlich mit zur Trennung geführt haben. Und als dann jemand nachfragt, wie denn das Gespräch verlaufen sei, vor allem, weil ja vorher noch vor Freunden schwer gestänkert worden war, da lautet die Antwort: Das Gespräch sei „ernsthaft, konstruktiv und offen“ gewesen.

Aber möglicherweise ist das der Unterschied. Während in einer realen Beziehung das Gespräch wohl mit Tränen, erneuten gegenseitigen Anschuldigungen und einem mitternächtlichen Drama geendet hätte, gehört es einfach zum Handwerk von Politikern, jemand freundlich anzulächeln, der noch kurz zuvor ziemlich Unflätiges vom Stapel gelassen hat. Vielleicht sollte man in Beziehungen öfter mal so tun, als wäre man in der Politik.

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Tränen unterm Weihnachtsbaum

Letztes Jahr sollen es 2,5 Milliarden gewesen sein. Die Marktführer auf diesem Sektor in Deutschland rechnen in der Vorweihnachtszeit in diesem Jahr in Spitzenzeiten mit circa 12 Millionen Paketen. Täglich. Und ich weiß noch nicht einmal, ob da überhaupt Päckchen mitgerechnet sind. Oder ob die noch dazukommen. Jedenfalls ist Online-Shopping derart beliebt hierzulande, dass Wachstumsraten auf diesem Gebiet als sicher gelten.

Ist ja auch herrlich. Noch mal kurz vorm Einschlafen mit dem Smartphone gesurft, und schon hat man das Weihnachtsgeschenk für Kevin. Oder Lisa-Maria. Oder Oma. Opa ist ja schon tot. Leider. Für den würde man sich auch was finden beim Online-Handel.Und auch wenn ein US-amerikanischer Versand-Gigant mit bewundernswerter Steuermoral schon über Drohnen als Auslieferer nachdenkt, diese Paketflut hat weder eine Obergrenze noch eine andere Möglichkeit, als von Klein- und Großlastwagen zu ihren Bestimmungsorten gebracht zu werden. Ich sage nur ein Wort: Dieselskandal! Oder doch lieber zwei: Feinstaub!

Was also nicht nur im Hinblick auf die Klimaziele der noch kommissarisch amtierenden Bundesregierung mehr als fragwürdig ist. Wenn man sich ansieht, wie der Verkehr täglich in den Ballungsräumen kollabiert, dürfte dieser Trend wohl auch bald zu Tränen unterm Weihnachtsbaum führen. Wenn früher das Weihnachtsgeschenk selbst zu manchen Tränen führte, so könnte es schon in diesem Jahr sein, dass unterm Weihnachtsbaum Tränen fließen, weil das Geschenk nicht mehr rechtzeitig angekommen ist. Man weiß nicht, was einem lieber ist. Hauptsache das Internet bricht nicht zusammen.

 

 

Hannah ist schwanger

Die Angst. Der beständige und treue Begleiter alles Unbekannten. Es gibt eine herrliche Szene in der Serie „Girls“. Hannah ist schwanger. Und ihr Ex-Freund Adam hat gerade entdeckt, dass er wieder ihr Freund sein will und das Kind mit ihr aufziehen möchte. Sie sitzen auf einer Bank, hinter ihnen vermutlich der Hudson-River. Schließlich leben sie in New York. Gerade waren sie noch in einer Mall, haben nach Baby-Wiegen und Kommoden geschaut. Und jetzt erzählt Adam voller Enthusiasmus , dass er das alles selber bauen will, und sie eine Wohnung suchen sollten, und wie das Kind heißen könnte, wenn es ein Junge wird.

Die Kamera verharrt auf dem Gesicht von Hannah. Bis ihr die Tränen die Wangen runter laufen, ihre Lippen zittern, sich die Augen irgendwo an einem Horizont verzweifelt festkrallen. Sie hat Angst. Eben noch voller Vorfreude, ausgelassen fröhlich, jetzt hat sie eine wahnsinnige Angst. Vor dem, was kommt. Weil sie nicht weiß, was kommt. Weshalb sie diese Angst überschwemmt wie ein Fluss, der über die Ufer tritt. Weil diese Angst Menschen irrationale Dinge tun lässt. Weil sie sich nicht von Ratio, von der Vernunft einhegen lässt wie eine Herde von Schafen. In den meisten Fällen bleibt nichts anderes als sie auszuhalten.

Kleine Welt

Ob das irgendeine Bedeutung hat? Und wenn ja, welche? Unsere Autos werden immer größer. Die Egos auch. Ganz zu schweigen von unseren Fernsehgeräten. Die zumeist nur noch in Altersheimen und verwandten Einrichtungen so genannt werden. Doch gleichzeitig ist in einem anderen Bereich die Welt klein geworden. Im günstigsten Falle und in der Diagonale 5,8″ groß. Zumindest für Besitzer eines iPhone X.

Gut, man kann Details zoomen, bis einem die Pixel Tränen in die Augen treibt. Aber dann hat man eben nur wieder ein Detail vergrößert. Das Bild an sich bleibt klein. Korrekter gesagt, das Foto, das man gemacht hat. Um einen Moment festzuhalten. Ein Gesicht. Eine Landschaft. Oder, was man gegessen hat.

Aber dafür hat man tausende von Fotos. Die man ganz schnell scrollen kann. Um dann doch nicht das ultimative Foto vorzeigen zu können. Es scheint nicht mehr auffindbar zu sein. Ich vermute, weil es so klein ist. Und manchmal kommt es mir so vor, dass diese Fotos auch nicht mehr so wichtig sind. Versehentlich gelöscht?  Alles mit dem Smartphone zum Teufel oder auch nur zu einem Taschendieb (über-)gegangen? Fängt man einfach das Sammeln wieder an.

Es kommt mir ein bisschen so vor, als sei es letztendlich gar nicht einmal beabsichtigt, dass diese Fotos und die Momente oder Dinge, die sie dokumentieren, erhalten bleiben. Als seien diese Fotos auf den Smartphones vor allem eine momentane Selbstvergewisserung. Für das, was gerade stattgefunden hat, gesehen wurde. Und dann geht es das Leben einfach mit einem Klick weiter.

 

Zutiefst berührend

Ein bewegendes, zutiefst berührendes Bild. Das tränenüberströmte Gesicht eines Mannes. Eines noch jungen Mannes, irgendwas zwischen 20 und 30 Jahren. Mein erster Gedanke: Es hat schon wieder einen Terroranschlag gegeben. Höchstwahrscheinlich in Europa. Vielleicht in Deutschland. Ich habe die Gepflogenheit, im Fernsehen noch mal schnell nach einer Nachrichtensendung zu suchen, wenn ich am späteren Abend nach Hause komme. Einfach um mich noch einmal zu informieren, was in den Stunden passiert ist, die ich unterwegs war. So auch am gestrigen Abend.

Doch dann machte die Kamera einen Schwenk, und mir wurde schnell anhand der Bilder klar, dass es keine Nachrichtensendung war. Sondern eine Unterhaltungssendung, eine Art Schlagerparade. Möglicher Titel: Atemlos durch die Nacht mit Florian Silbereisen. Und dass dieser junge Mann so in Tränen aufgelöst war, das war allein der Tatsache zu verdanken, dass Helene Fischer offensichtlich nach langer Zeit wieder ein Album herausgebracht hat. Und gerade und zum ersten Mal einen Song daraus sang.

Gefühlsregungen

Tränen haben vor allem eine Schutzfunktion. Die ständig produzierte Tränenflüssigkeit sorgt für einen Schutzfilm, der das Auge feucht hält und Schmutzpartikel wegspült. Sie enthält Bakterien zersetzende Stoffe, die das Auge vor Infektionen schützen. Durch einen Nervenreiz, zumeist durch Gefühlsregungen ausgelöst, wird mehr Tränenflüssigkeit produziert. Der Mensch weint. Und jetzt enthält die Flüssigkeit auch schmerzlindernde Stoffe. Tränen können durchaus auch Gefühlsspannungen lösen.

Es ist also höchste Zeit, darüber nachzudenken, ob einige Ausgaben für Weihnachten nicht von den Krankengassen übernommen werden sollten, die jetzt Gesundheitskassen heißen. Insbesondere die Kosten für bestimmte Werbespots oder Beiträge in den Medien, die auf die Tränendrüse drücken. Und nachdem Tränen auch durch Wut und Enttäuschung ausgelöst werden können, beispielsweise auch für lieblose Geschenke. Dann natürlich aber nur, wenn ein entsprechender Fotobeweis erbracht wird.