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Sehnsuchtsort

Late-Night-Talker Jimmy Kimmel machte den Anfang. Er sagte bei der Oscar-Verleihung, dass dieser der beliebteste und am meisten respektierte Mann in Hollywood wäre. Und es dafür einen guten Grund gäbe. Zum einen, weil er immer seine Hände da behalte, wo man sie sehen könne. Außerdem würde er niemals unverschämte Sachen sagen. Und das Wichtigste: Weit und breit kein Penis. Und dann wurde auch noch „Shape of Water“ zum besten Film gekürt.

Denn das Flüstern des Wassers ist eine Fantasy-Liebes-Geschichte, durchdrungen von der Sehnsucht, dass die Liebe einer Frau ein männliches Wesen retten könnte. Und so träumen also ein Moderator von Männern, die sich anständig benehmen, und ein Film von besseren Menschen, die das Böse besiegen. Was alles nicht gerade dafür spricht, dass auch nur ansatzweise Gründe vorliegen zu glauben, es könnte sich auch nur irgendetwas davon erfüllen.

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Der Tag danach

Bin aufgewacht. Und es war dasselbe Kopfkissen, wie vergangenes Jahr. Und was hatte ich nicht für Vorsätze, Erwartungen, Wünsche und Träume, als sich der Uhrzeiger gestern auf seinen letzten Zentimetern befand, also kurz bevor das Böllern und Krachen und die damit verbundenen Feuerwerke begannen. Aber jetzt muss ich feststellen, dass kein einziger der Politikerinnen und Politiker und Staatsführerinnen und Staatsführer, die auf meiner Liste standen, zurückgetreten ist oder sonst irgendwie aus dem Verkehr gezogen wurde. Nicht wenige von ihnen sind ja schließlich auch nicht mehr die Jüngsten.

Doch wer starb, das war ein noch relativ junger Mann in Brandenburg, der sich vermutlich selber einen Böller gebastelt hatte, der unvorhergesehen explodierte. Weshalb jetzt vermutlich von Herrn Lindner und Co. gefordert wird, das Alter von Männern feststellen zu lassen, die in der Lage sind, Böller zu bauen. Was natürlich nicht die Wahrscheinlichkeit verringert, dass jemand durch solch einen Böller zu Tode kommt. Aber zumindest weiß man im Vorhinein, welche Altersgruppe vermutlich in Frage kommt.

Und weil #metoo immer noch und insgeheim und insbesondere von Männer belächelt wird, weil es außerdem noch Strom von Kohlekraftwerken gibt und das Auto unser Götze geblieben ist; zwar alle wissen, dass Trump ein Trottel ist, weil er den Klimawandel leugnet, aber niemand was tut; weil Menschen immer noch glauben, die besseren Menschen zu sein; Natur dazu da wäre, Urlaub abwechslungsreicher zu gestalten, und dass vor allem Fleisch die Intelligenz fördert.

Weil so ein kleines Atombömbchen hingegen schon nicht so schlimm ist, auf jeden Fall nicht so schlimm wie der Islam; und außerdem die israelische Siedlungspolitik zur deutschen Leitkultur gehört, weil alles andere Antisemitismus ist; Konzerne und andere Abzocker hingegen nur da Steuern zahlen, wo sie eigentlich keine Steuern zahlen müssen; deshalb wird das neue Jahr wohl genauso beschissen sein wie das alte. Ich gebe trotzdem die Hoffnung nicht auf.

Momente der Kindheit

Was für ein Aufwand! Welche Logistik! Und nun steht vieles eher etwas verloren rum. Wartet vielleicht schon seltsam berührt darauf, demnächst recycelt zu werden. Oder im günstigsten Falle umgetauscht. Träume sind kaum in Erfüllung gegangen. Mancher Wunsch wurde schlicht ignoriert. Und das alles, um ein paar Stunden im Kreise der Familie zu verbringen. Eigentlich könnte man das einfacher haben.

Aber dann hätte man vielleicht diesen Zauber nicht. Der sich manchmal zwar nur für Sekunden oder Minuten einstellt. Uns aber zu keiner anderen Zeit des Jahres überfallen kann. So lautet das Fazit hoffentlich in der Summe der Dinge: Es war es wert. Und über den Weihnachtsbaum freut man sich sowieso erst so richtig, wenn man sich in einer stillen Stunde bei seinem Anblick an all die wunderbaren Momente der Kindheit erinnert, die damit verbunden waren. Wenn der Blick zurück vom Kerzenlicht verklärt ist.