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Pure Life

Wieder einmal droht eine Dürrekatastrophe in Afrika. Dieses Mal insbesondere auch in Äthiopien, mehr als fünf Millionen Menschen sind laut Vereinter Nationen dort schon jetzt davon betroffen. Doch zum Glück haben die Schweizer nicht nur Ricola erfunden. Sondern auch einen Konzern, der es sich auf die Fahnen und in die Konzernbilanzen geschrieben hat, weltweit dafür zu sorgen, dass die Menschheit Kaffee in Kapseln, Babynahrung als Pulver, tiefgefrorene Pizza selbst in Afrika und überall auf dem Globus Wasser in Plastikflaschen bekommt.

Und auch für die Dürrekatastrophe in Äthiopien hat dieser Schweizer Konzern bereits eine Lösung gefunden. Dank einer engen Zusammenarbeit mit einer einheimischen Firma kann er täglich 1,2 Millionen Liter Wasser aus dem Boden Äthiopiens pumpen und in Flaschen abfüllen. Und so auch dafür sorgen, dass der Ausbau der Milchwirtschaft voranschreitet. Milchprodukte hat der Konzern in dem afrikanischen Land ebenfalls in seine Produktpalette aufgenommen hat.

So kann der US-amerikanische Präsident mit einem einzigen Tweet Geldforderungen der Vereinten Nationen ablehnen, da ja bereits für die Trinkwasserversorgung und die Ernährung mit Milchprodukten gesorgt ist, die 40 Millionen Äthiopier, die kein sauberes Trinkwasser haben, voll Zuversicht in die Zukunft schauen können. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis dieser Schweizer Konzern für sein soziales Engagement ausgezeichnet wird – und er endlich auch Kaffee-Kapseln in Äthiopien anbietet.

 

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Eine Gegendarstellung

Schon Blumen gekauft? Im Restaurant reserviert? Oder doch lieber mit der Mutti zu McDonalds? Oder vielleicht vorgesehen, sie am Sonntag mit aufgebackenen Brötchen oder Croissants zu überraschen? Es ist schließlich Muttertag. Der einzige Tag im Jahr, an dem es möglich ist, sich einmal bei seiner Mutter zu bedanken, sagt der Groß- und Einzelhandel. Danke zu sagen jedenfalls, für diesen unmöglichen Haarschnitt, der immer wieder gerne die ganze Klasse erheiterte. Dafür, dass alle anderen Kinder Geld für Müsli-Riegel hatten, das sie für Zigaretten ausgeben konnten. Während du „Pausenbrote“ mitbekamst. Oder vielleicht für all das, was dir deine Mutter während deiner Kindheit an Arbeiten abgenommen hat. Was du dann als junger Mensch mühsam dir selber beibringen musstest. Also zum Beispiel morgens Klamotten raussuchen, dreckige Wäsche zu waschen oder ein Spiegelei zu braten.  

Einmal ganz zu schweigen davon, dass dich die Mutter nicht einmal gefragt hat, ob du überhaupt geboren werden willst. Was sie dann nicht davon abgehalten hat, dir die komplette Kindheit mit Verboten und Geboten und einem unfähigen Vater zu vermiesen. Weshalb du heute noch in psychologischer Behandlung bist. Dafür also lieben Dank! Und vielleicht doch lieber einen Rosenstrauß. Für den die Blumen aus Afrika importiert wurden, wo sie schlecht bezahlte Einheimische liebevoll gebunden haben.  Die nur das Wasser aus einem dreckigen Brunnen als Trinkwasser haben, weil alles andere Wasser für die Blumen verbraucht wird. Aber Hauptsache die Dornen an den Rosen sind lang genug, um richtig zu stechen.

Ein schmutziges Wort

Man lernt nie aus. Ich wusste jedenfalls nicht, dass es einen sogenannten Earth Overshoot Day gibt. Nämlich einen Tag im Jahr, an dem die Menschheit alles verbraucht hat, was die Natur innerhalb eines Jahres wieder erneuern kann. Also zum Beispiel Trinkwasser, Getreide und Fische, aber auch Bauholz oder Brennmaterial und vieles anderes. Und was darüber hinaus verbraucht wird, das ist quasi auf Pump. Und muss mit Wassermangel, Artensterben oder Klimawandel bezahlt werden.

Vor 45 Jahren fiel dieser Tag auf den 23. Dezember. Im vergangenen Jahr war es bereits der 13. August. Und da sind wir haarscharf an einer Katastrophe vorbeigeschlittert, denn einen Wochentag später, und dann wäre das Freitag der 13. gewesen. So aber hat sich niemand besonders aufgeregt, denn warum sollten wir mit der Natur anders verfahren als sonst im Leben. Schließlich basiert doch unser ganzer Wohlstand auf Pump. Und, so vermute ich, weil wir wissen, dass wir sterben werden, kümmern wir uns auch kaum darum, wer einmal die Zeche bezahlen wird.

Wir beten einfach nur zum Götzen „Wachstum“ und bringen ihm jedes gewünschte Opfer dar. Nur dass wir jetzt eine kleine Ahnung davon bekommen, dass dieser Götze auch nicht alles im Griff hat. Denn inzwischen ist es nicht nur so, dass der Earth Overshoot Day im Jahr immer weiter nach vorne rückt. Es sind auch 20 Prozent der Menschheit, die weltweit 80 Prozent der Rohstoffe verbrauchen und damit 70 Prozent der globalen Emissionen verursachen. Und damit unter anderem auch den 80 Prozent den Wohlstand versauen, den wir ihnen dank Globalisierung schmackhaft machen.

Es ist nicht auf meinem Mist gewachsen. Dazu habe ich ein zu schlichtes Gemüt. Aber ich finde den Gedanken trotzdem überdenkenswert. Bis jetzt haben wir, die reichen Länder, den Armen immer nur gegeben. Was unseren Wohlstand letztendlich nicht nur nicht beeinträchtigt sondern wahrscheinlich auch noch befördert hat. Und vor allem auch zu der Entwicklung führte, dass immer weniger Menschen immer mehr besitzen. Weshalb immer mehr Menschen immer weniger haben. Was sie aber nicht hindert, mehr haben zu wollen.

Weshalb immer mehr Menschen zu uns kommen, um das selber in die Hand zu nehmen. Und am Horizont ein Wort auftaucht, das in seiner Bedrohlichkeit und Hässlichkeit kaum noch zu überbieten ist. Es scheint der Tag in nicht allzu weiter Ferne, an dem wir gezwungen sein werden, zumindest einmal über das „Teilen“ nachzudenken. Konkreter ausgedrückt: Vielleicht einmal, eines hoffentlich noch ferneren Tages, auf ein Stück vom Kuchen zu verzichten. Eine Vorstellung, die meine Hände zittern und das Blut in den Kopf steigen lässt. Ich glaube, ich gönne mir jetzt erst einmal eine kleine Glückspille bei Amazon. Bis zum nächsten Earth Overshoot Day ist ja noch ein bisschen hin.

Die Menschheit ist gerettet

Eigentlich hätte man die Champagner-Korken bis nach Europa hören müssen. Es war schließlich epochal, ein Jahrhundertereignis, was sich da in New York gerade abgespielt hat. Nicht mehr und nicht weniger ist passiert, als dass seit langem mal wieder so etwas wie Zuversicht angebracht ist, die Menschen auf diesem Planet die mehr als berechtigte Hoffnung haben, ohne Angst in die Zukunft schauen zu können. Doch was ist passiert? Schließlich war dies nicht die erste UNO-Vollversammlung, die sich mit den großen Problemen der Menschheit beschäftigt hat.

Doch während sich in der Vergangenheit die Politiker eher etwas zögerlich zeigten und wenig einig, war dieses Mal alles ganz anders. Die UNO-Vollversammlung hat einstimmig eine Vereinbarung verabschiedet, die diese Erde verändern wird, wie keine andere zuvor. In einem Satz gesagt: Es wird alles gut! Denn es wurde eine Agenda mit 17 Kernzielen und 169 Unterzielen verabschiedet, die bis 2030 erreicht werden sollen. Und in ihrem Kern nichts anderes besagen, als dass bis 2030 niemand mehr auf Erden hungern wird, weil auch niemand mehr extrem arm sein wird.

Die Kindersterblichkeit soll drastisch gesenkt, Krankheiten global bekämpft werden. Für alle Kinder soll der Besuch der Grundschule und einer weiterführenden Schule möglich sein, Diskriminierung von und Gewalt gegen Frauen und Mädchen soll es nicht mehr geben. Natürlich soll 2030 jeder Mensch Zugang zu Trinkwasser, sanitären Anlagen und bezahlbarer und nachhaltiger Energie haben. Und es gibt Wirtschaftswachstum für alle, die Natur und insbesondere die Meere werden besser geschützt, es soll Frieden und Gerechtigkeit für so ziemlich alle Menschen geben.

Weshalb sich jeder auch nur annähernd ein bisschen sozial eingestellte Mensch nur noch fragen kann: Herz, was begehrst du mehr? Und sich sicher auch nicht von der Tatsache beunruhigen lassen muss, dass der Großteil dieser Ziele identisch ist mit den Milleniums-Entwicklungszielen, die von der Staatengemeinschaft im Jahr 2000 vereinbart wurden. Die sollten übrigens bis 2015 umgesetzt werden.