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Obsolete Beziehung

Lange war es mir ein Rätsel, was US-Präsident Trump damals im Wahlkampf meinte, als er die Nato als obsolet bezeichnete. Fremdwörter sind nicht so mein Ding. Doch dank des türkischen Präsidenten Erdogan habe ich jetzt eine dumpfe Ahnung bekommen, was damit gemeint sein könnte. Er hat nämlichen den US-Soldaten, sollten diese dem türkischen Heer bei Angriffen gegen die kurdischen Mitglieder der YPG im syrischen Manbidsch irgendwie im Wege stehen, angedroht, ihnen eine „osmanische Ohrfeige“ zu verpassen.

Nachdem nun aber die USA und die Türkei Nato-Partner sind, heißt obsolet wohl nichts anderes, als dass es in einer Beziehung so schlecht steht, dass es bei einer Auseinandersetzung auch schon mal zu einer Ohrfeige kommen kann. Und das wiederum kenne ich von unseren Nachbarn, die rechts von uns wohnen. Deren Beziehung scheint insbesondere am Wochenende sehr obsolet zu sein. Allerdings gibt es wohl auf keine Frage eine Antwort, ohne dass sich nicht eine neue Frage stellt. Zum Beispiel, was denn eine „osmanische Ohrfeige“ ist.

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Der Tag danach

Bin aufgewacht. Und es war dasselbe Kopfkissen, wie vergangenes Jahr. Und was hatte ich nicht für Vorsätze, Erwartungen, Wünsche und Träume, als sich der Uhrzeiger gestern auf seinen letzten Zentimetern befand, also kurz bevor das Böllern und Krachen und die damit verbundenen Feuerwerke begannen. Aber jetzt muss ich feststellen, dass kein einziger der Politikerinnen und Politiker und Staatsführerinnen und Staatsführer, die auf meiner Liste standen, zurückgetreten ist oder sonst irgendwie aus dem Verkehr gezogen wurde. Nicht wenige von ihnen sind ja schließlich auch nicht mehr die Jüngsten.

Doch wer starb, das war ein noch relativ junger Mann in Brandenburg, der sich vermutlich selber einen Böller gebastelt hatte, der unvorhergesehen explodierte. Weshalb jetzt vermutlich von Herrn Lindner und Co. gefordert wird, das Alter von Männern feststellen zu lassen, die in der Lage sind, Böller zu bauen. Was natürlich nicht die Wahrscheinlichkeit verringert, dass jemand durch solch einen Böller zu Tode kommt. Aber zumindest weiß man im Vorhinein, welche Altersgruppe vermutlich in Frage kommt.

Und weil #metoo immer noch und insgeheim und insbesondere von Männer belächelt wird, weil es außerdem noch Strom von Kohlekraftwerken gibt und das Auto unser Götze geblieben ist; zwar alle wissen, dass Trump ein Trottel ist, weil er den Klimawandel leugnet, aber niemand was tut; weil Menschen immer noch glauben, die besseren Menschen zu sein; Natur dazu da wäre, Urlaub abwechslungsreicher zu gestalten, und dass vor allem Fleisch die Intelligenz fördert.

Weil so ein kleines Atombömbchen hingegen schon nicht so schlimm ist, auf jeden Fall nicht so schlimm wie der Islam; und außerdem die israelische Siedlungspolitik zur deutschen Leitkultur gehört, weil alles andere Antisemitismus ist; Konzerne und andere Abzocker hingegen nur da Steuern zahlen, wo sie eigentlich keine Steuern zahlen müssen; deshalb wird das neue Jahr wohl genauso beschissen sein wie das alte. Ich gebe trotzdem die Hoffnung nicht auf.

Eingeschränkte Bewegungsfreiheit

Ich finde, man merkt es vor allem auch bei den Kommentaren im Internet. Das Echo zu den Ereignissen in diesen Tagen ist einfach nicht so groß wie zu anderen Zeiten. Einmal abgesehen von der Schar jener, die ganz offensichtlich niemand anderen mehr zum Reden hat, weshalb die Internet-Foren die letzte Zuflucht sind, um nicht vollends zu vereinsamen, viele andere scheinen anderweitig beschäftigt. Obwohl es ja kein Problem wäre, an der Kasse im Outlet-Center schnell mal ein paar unflätige Bemerkungen zu posten. Und Gründe genug gäbe es ja.

Aber wahrscheinlich liegt es auch daran, dass die Problemlage momentan irgendwie heikel ist. Weil Trump mit seiner Erklärung, dass die US Jerusalem, das Israel im Rahmen des Sechstagekrieges 1967 annektierte, als Hauptstadt Israels anzuerkennen, ja eigentlich den Friedensprozess anstoßen wollte. Auch wenn das Angesichts von toten und hunderten verletzten Palästinensern nicht so ganz gelungen scheint. Auf jeden Fall verbietet sich hier wieder mal jegliche Kritik, wenn man nicht als Antisemit dastehen möchte.

Und möchte man nicht als Totengräber der Sozialdemokraten gelten, dann darf man sich noch nicht einmal über ihr Gezerre um die Regierungsverantwortung positionieren. Oder sich darüber mokieren, dass es der SPD offensichtlich wichtiger ist, sich zu digitalisieren, als sich klar und deutlich für etwas zu entscheiden. Wie man sich auch sonst nicht dazu äußern möchte, dass zwar alle davon sprechen, dass es um Deutschland ginge. Aber keiner sagen will, dass es um Posten geht, um Personen, um Machterhalt – oder das Greifen nach der Macht. Und Deutschland eigentlich relativ schnuppe ist. Schließlich hat das ja noch nie jemand interessiert.

Was wirklich zählt in diesen Tagen, das ist die Sonderausstattung von Audis Q2, Q3, Q5 und Q7. Und natürlich der beste Preis für Smartphones der neuesten Generation. Was es bei Zara so alles gibt. Und ob man jetzt an Sylvester nach Miami fliegen soll. Oder doch lieber nach Dubai. Die Planung für Weihnachten sollte übrigens schon abgeschlossen sein, Städtereisen sind dem Vernehmen nach schon restlos ausgebucht. Mal abgesehen von Castrop-Rauxel oder Tirana. Außerdem muss auch mit Versorgungsengpässen gerechnet werden. Original Dresdener Weihnachstollen zu 12 Euro 50 für 100 Gramm könnte knapp werden.

Schönes Wochenende

Dem Komödiantischen wohnt ja auch immer etwas Tragisches inne. So kann man gespannt sein, welche Elemente  bei der Asien-Reise des US-amerikanischen Soap-Stars und Präsidenten überwiegen werden. Relativ gelassen kann man wohl nur seine geplante Golf-Runde mit dem japanischen Präsidenten Abe sehen. Ob Trumps Handicap wirklich bei 2.8 liegt, lässt sich wahrscheinlich auch bei dieser Gelegenheit nicht überprüfen. Bei dem Spiel mit Abe auf Trumps hauseigenen Golfplatz in Florida waren Journalisten jedenfalls in einem Raum kaserniert, in dem die Fenster mit schwarzer Folie abgeklebt waren.

Sämtliche anderen Auftritte bergen hingegen alle Möglichkeiten zwischen Pulverfass und Lachnummer. Zumeist wahrscheinlich grenzüberschreitend. Aber so zumindest ganz im Rahmen des Zeitgeistes. Der Trend ist nämlich unübersehbar. Das Groteske ist schwer in Mode. Oder wie sonst soll man das bezeichnen, wenn ein Schauspieler sich zwar nicht daran erinnert, einen 14-jährigen Jungen alkoholisiert sexuell „bedrängt“ zu haben. Dann aber so „bestürzt“ über „diese Geschichte“ ist, dass er sich entschließt, sich dafür zu entschuldigen. Und Netflix ist offensichtlich ebenso bestürzt wie Kevin Spacey. Und obwohl man rein gar nichts von sexuellen Übergriffen bei Dreharbeiten weiß, schmeißt man ihn aus der Serie „House of Cards“.

Weshalb man leider wieder einmal zugeben muss, dass unsere Politiker, Frau wie Mann, wirklich noch einiges von den Amerikanern lernen könnten. Was man derzeit in Berlin zu sehen und zu hören bekommt, hat gerade mal Rosamunde-Pilcher-Niveau. Da sind sogar manche Video-Entscheidungen bei Fußball-Bundesliga-Spielen grotesker. Aber es hat ja schon immer etwas länger gedauert, bis ein Trend aus den USA bei uns so richtig Fuß gefasst hat. Um das Ganze zu beschleunigen, wäre wohl ein Lindner als Kanzlerkandidat das Richtige. Aber bekanntlich liegt ja in der Ruhe die Kraft.   

Kniefälle und die Folgen

Anfang Dezember sind es 47 Jahre, dass der damalige Bundeskanzler Willy Brandt in Warschau am Ehrenmal der Helden des Ghettos einen Kranz niederlegt. Dann aber nicht im Stehen verharrte, sondern auf die Knie sank. Daraufhin schrieb der Kolumnist Hermann Schreiber im „Spiegel“, Brandt habe sich damit zu einer Schuld bekannt, an der er selber nicht zu tragen habe, und bitte um eine Vergebung, derer er selber nicht bedürfe. Brandt bekam im Jahr darauf den Friedensnobelpreis.

Der Quarterbeck Colin Kaepernick der Football-Mannschaft San Francisco 49er ging vor einem Jahr ebenfalls in die Knie, als wie üblich im Stadion vor dem Spiel die amerikanische Nationalhymne ertönte. Er allerdings um auf die Schuld hinzuweisen, die wieder einmal weiße Polizisten auf sich geladen hatten, als sie Schwarze erschossen. Sein Vorbild dafür war natürlich der schwarze Bürgerrechtler und Friedensnobelpreisträger Martin Luther King, der 1968 von einem weißen Rassisten erschossen wurde.

Kaepernicks Beispiel hat Schule gemacht, inzwischen gehen sogar Fußballspieler in Deutschland auf die Knie, um gegen den Rassismus in den USA zu protestieren. Und es zeigte auch Wirkung bei US-Präsident Trump. Er fragte sein Publikum bei einer Versammlung: „Würdet ihr nicht gern sehen, dass der Eigner einer NFL-Mannschaft sagt, wenn jemand unsere Flagge verachtet: Nehmt den Hurensohn aus dem Spiel! Sofort! Er ist gefeuert!“ Wie allgemein bekannt sein dürfte, hat Kaepernick noch nicht den Friedensnobelpreis bekommen, er wurde entlassen. Einen neuen Verein hat er bisher noch nicht gefunden. 

 

Country & Western

Die Bilanz war noch nicht gezogen, da kletterten schon die Kurse in die Höhe. Und während auf Twitter die Beleidbekundungen im Sekundentakt geschrieben wurden, hatten unter anderen auch die Aktien von einem der Marktführer, zu dem auch die Produkte von Smith & Wesson gehören, zum Handelsauftakt um fast vier Prozent zugelegt. Es gibt allerdings an die 500 Menschen, die nicht an den Aktiengeschäften partizipieren können. Mehr als 50, weil sie tot sind. Über 400 Menschen, weil in Krankenhäusern ihre Schussverletzungen behandelt werden müssen. Sie haben außerdem gemeinsam, dass sie Besucher des „Route 91 Harvest Music Festivals“ waren, auf einem Gelände gleich gegenüber vom Mandalay Bay Hotel.

Von dessen 32. Stockwerk aus ein 64-Jähriger US-Amerikaner ohne Migrationshintergrund mit einer automatischen Waffe mehr als zehn Minuten lang und nur unterbrochen für jeweils etwa 30 Sekunden, die er für das Nachladen brauchte, wahllos auf die Festivalbesucher schoss. Es gibt bis jetzt allerdings noch keine Hinweise, dass sich die Börsenaufsicht wegen eventueller Insidergeschäfte mit dem Fall beschäftigen wird. Vielmehr und nachdem der IS sich zu dem Massaker bekannt hat, ist eher damit zu rechnen, dass US-Präsident Trump neue Einreiseverbote verhängen und fordern wird, dass in Zukunft Festivalbesucher Waffen mitführen dürfen. Damit sie sich verteidigen können.

Nachbarschaft

Das ist schon ein bisschen der Fluch dieses weltumspannenden Internets. Nicht einmal an einem Strand ist man vor Ablenkung vom Erholungsurlaub sicher. Natürlich gibt es WLAN. Und so kehrte ich heute, noch immer leicht gerötet und deshalb mehr oder minder bekleidet, dem Meer für einen Moment den Rücken und gedanklich in die Heimat zurück. Anlass die neuesten Meldungen von unserem Maut-Minister. Die wirklich hoffen lassen, dass Deutschland auf dem besten Weg zur Weltmacht ist.

Also so ein Hauch von Supermacht und Trumpismus war da nämlich meiner Meinung nach schon zu spüren, nachdem was der Herr Bundesminister jetzt vom Stapel gelassen hat. Zwar hat er es noch nicht getwittert, wie das große Vorbild, aber zumindest war es ganz offensichtlich so eine Art  Wahlveranstaltung, wo er geredet hat. Im Rahmen eines Brauereifestes. Was auf jeden Fall einiges erklären könnte, aber nicht alles.

Da hat der Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt laut einer durchaus glaubwürdigen, weil CSU-nahen Zeitung nämlich empfohlen, aufzuhören mit seinem Nachbarn zu reden, falls der sich überlege, bei der Bundestagswahl im September SPD zu wählen. Und da kann ich nur sagen, das ist doch schon einmal ein Anfang. Vielleicht gibt es ja als nächstes Verhaltensregeln für Migranten von ihm, falls die nicht die CSU wählen. Nachdem man mit denen ja sowieso nicht reden kann, kann das dann wohl nur eine handfeste Reaktion sein?