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Zurück in die Steinzeit

Man kann ja wirklich nicht behaupten, dass ich ein Pessimist wäre. Aber ich glaube, dass es so langsam Zeit wird, die Steinaxt wieder zu schärfen. Denn während andernorts Menschen langsam nasse Füße bekommen, weil der Pegel von Meeren steigt, haben wir einen Wirtschaftsminister der Kante zeigt. Und das so kantig, dass Trump neidisch werden könnte. Wenn er wüsste, dass Peter Altmaier der neue deutsche Bundeswirtschaftsminister ist.

Der davon ausgeht, dass sich die Energiewende und damit auch das kleine Problem mit dem Klimawandel fast von alleine erledigen werden. Weil das nämlich die Märkte regeln werden. „Ich gehe davon aus“, sagt Altmaier, „dass die erneuerbaren Energien in absehbarer Zeit, das heißt in den nächsten vier bis fünf Jahren, ihre Wettbewerbsfähigkeit vollständig erreicht haben, …“. Also so was hässliches wie Subventionen nicht mehr nötig sind.

Und das mit dem Kohleausstieg natürlich auch von den Märkten geregelt wird. Also von Angebot und Nachfrage. Und das macht den kleinen Unterschied. Trump hat nur gesagt, dass er aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigt. Altmaier sagt wenigstens, wie seine Alternative aussieht. Und ich wüsste wahnsinnig gerne, wie man Steinäxte schärft.  

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Cheeseburger

Sagen wir einmal so: Für das Geld hätten Angela Merkel und Gatte gut und gerne im Sterne-Restaurant Richard in Berlin Kreuzberg essen können, sogar mit Freunden, falls es solche gibt. Und da wäre sogar noch einiges übrig geblieben. Vielleicht für einen neuen Hubschrauber der Bundeswehr oder ähnliches. So aber flog sie mit ihrem Tross auf ein Schwätzchen mit US-Präsident Donald Trump nach Washington und ging am Vorabend des Treffens in ein Diner namens „J.Paul“ und aß laut Augenzeugen einen Cheeseburger mit Bacon und Cheddar und Pommes Frites und trank Pinot Grigio. Vielleicht ging sie davon aus, dass es am nächsten Tag bei Donald und Melania sowieso nichts zu essen geben würde.

Schließlich hatte der US-Präsident für das Gespräch gerade mal zwei Stunden Zeit, vermutlich musste er gleich anschließend noch seinen Flieger bekommen, der ihn wie jeden Freitag nach Florida und zum Golfplatz bringen musste. Immerhin gab es bei diesem Besuch ein Küsschen von Trump bei Merkels Begrüßung und einen Händedruck für die Pressefotografen. Und außerdem flog Merkel noch am selben Tag mit der Gewissheit nach Deutschland zurück, dass es ungewiss ist, wie sich der US-Präsident in den Fragen, die sie mit ihm besprechen wollte, entscheiden wird. Was mich dann an die Gespräche mit den Kindern erinnerte, die ihr Zimmer aufräumen sollten.

Frühling

Sie leuchten dieses Jahr ganz besonders in der Landschaft, die Forsythien mit ihrem kräftigen Gelb. Aber allenthalben haben Farben das Zepter in der Natur übernommen. Die Wiesen sind schon wieder recht saftig, Bäume haben ihr erstes Grün angelegt. Die Vögel zwitschern schon mit Tagesanbruch und sind den ganzen restlichen Tag damit beschäftigt, dem Nachwuchs ein Heim zu bauen. Alles signalisiert Aufbruch und Neuanfang. Sogar die Knospen des etwas bedächtigeren Flieders scheinen kurz davor zu stehen zu explodieren. Die Raketen, die in Syrien niedergegangen sind, haben das schon hinter sich.

Obsolete Beziehung

Lange war es mir ein Rätsel, was US-Präsident Trump damals im Wahlkampf meinte, als er die Nato als obsolet bezeichnete. Fremdwörter sind nicht so mein Ding. Doch dank des türkischen Präsidenten Erdogan habe ich jetzt eine dumpfe Ahnung bekommen, was damit gemeint sein könnte. Er hat nämlichen den US-Soldaten, sollten diese dem türkischen Heer bei Angriffen gegen die kurdischen Mitglieder der YPG im syrischen Manbidsch irgendwie im Wege stehen, angedroht, ihnen eine „osmanische Ohrfeige“ zu verpassen.

Nachdem nun aber die USA und die Türkei Nato-Partner sind, heißt obsolet wohl nichts anderes, als dass es in einer Beziehung so schlecht steht, dass es bei einer Auseinandersetzung auch schon mal zu einer Ohrfeige kommen kann. Und das wiederum kenne ich von unseren Nachbarn, die rechts von uns wohnen. Deren Beziehung scheint insbesondere am Wochenende sehr obsolet zu sein. Allerdings gibt es wohl auf keine Frage eine Antwort, ohne dass sich nicht eine neue Frage stellt. Zum Beispiel, was denn eine „osmanische Ohrfeige“ ist.

Der Tag danach

Bin aufgewacht. Und es war dasselbe Kopfkissen, wie vergangenes Jahr. Und was hatte ich nicht für Vorsätze, Erwartungen, Wünsche und Träume, als sich der Uhrzeiger gestern auf seinen letzten Zentimetern befand, also kurz bevor das Böllern und Krachen und die damit verbundenen Feuerwerke begannen. Aber jetzt muss ich feststellen, dass kein einziger der Politikerinnen und Politiker und Staatsführerinnen und Staatsführer, die auf meiner Liste standen, zurückgetreten ist oder sonst irgendwie aus dem Verkehr gezogen wurde. Nicht wenige von ihnen sind ja schließlich auch nicht mehr die Jüngsten.

Doch wer starb, das war ein noch relativ junger Mann in Brandenburg, der sich vermutlich selber einen Böller gebastelt hatte, der unvorhergesehen explodierte. Weshalb jetzt vermutlich von Herrn Lindner und Co. gefordert wird, das Alter von Männern feststellen zu lassen, die in der Lage sind, Böller zu bauen. Was natürlich nicht die Wahrscheinlichkeit verringert, dass jemand durch solch einen Böller zu Tode kommt. Aber zumindest weiß man im Vorhinein, welche Altersgruppe vermutlich in Frage kommt.

Und weil #metoo immer noch und insgeheim und insbesondere von Männer belächelt wird, weil es außerdem noch Strom von Kohlekraftwerken gibt und das Auto unser Götze geblieben ist; zwar alle wissen, dass Trump ein Trottel ist, weil er den Klimawandel leugnet, aber niemand was tut; weil Menschen immer noch glauben, die besseren Menschen zu sein; Natur dazu da wäre, Urlaub abwechslungsreicher zu gestalten, und dass vor allem Fleisch die Intelligenz fördert.

Weil so ein kleines Atombömbchen hingegen schon nicht so schlimm ist, auf jeden Fall nicht so schlimm wie der Islam; und außerdem die israelische Siedlungspolitik zur deutschen Leitkultur gehört, weil alles andere Antisemitismus ist; Konzerne und andere Abzocker hingegen nur da Steuern zahlen, wo sie eigentlich keine Steuern zahlen müssen; deshalb wird das neue Jahr wohl genauso beschissen sein wie das alte. Ich gebe trotzdem die Hoffnung nicht auf.

Eingeschränkte Bewegungsfreiheit

Ich finde, man merkt es vor allem auch bei den Kommentaren im Internet. Das Echo zu den Ereignissen in diesen Tagen ist einfach nicht so groß wie zu anderen Zeiten. Einmal abgesehen von der Schar jener, die ganz offensichtlich niemand anderen mehr zum Reden hat, weshalb die Internet-Foren die letzte Zuflucht sind, um nicht vollends zu vereinsamen, viele andere scheinen anderweitig beschäftigt. Obwohl es ja kein Problem wäre, an der Kasse im Outlet-Center schnell mal ein paar unflätige Bemerkungen zu posten. Und Gründe genug gäbe es ja.

Aber wahrscheinlich liegt es auch daran, dass die Problemlage momentan irgendwie heikel ist. Weil Trump mit seiner Erklärung, dass die US Jerusalem, das Israel im Rahmen des Sechstagekrieges 1967 annektierte, als Hauptstadt Israels anzuerkennen, ja eigentlich den Friedensprozess anstoßen wollte. Auch wenn das Angesichts von toten und hunderten verletzten Palästinensern nicht so ganz gelungen scheint. Auf jeden Fall verbietet sich hier wieder mal jegliche Kritik, wenn man nicht als Antisemit dastehen möchte.

Und möchte man nicht als Totengräber der Sozialdemokraten gelten, dann darf man sich noch nicht einmal über ihr Gezerre um die Regierungsverantwortung positionieren. Oder sich darüber mokieren, dass es der SPD offensichtlich wichtiger ist, sich zu digitalisieren, als sich klar und deutlich für etwas zu entscheiden. Wie man sich auch sonst nicht dazu äußern möchte, dass zwar alle davon sprechen, dass es um Deutschland ginge. Aber keiner sagen will, dass es um Posten geht, um Personen, um Machterhalt – oder das Greifen nach der Macht. Und Deutschland eigentlich relativ schnuppe ist. Schließlich hat das ja noch nie jemand interessiert.

Was wirklich zählt in diesen Tagen, das ist die Sonderausstattung von Audis Q2, Q3, Q5 und Q7. Und natürlich der beste Preis für Smartphones der neuesten Generation. Was es bei Zara so alles gibt. Und ob man jetzt an Sylvester nach Miami fliegen soll. Oder doch lieber nach Dubai. Die Planung für Weihnachten sollte übrigens schon abgeschlossen sein, Städtereisen sind dem Vernehmen nach schon restlos ausgebucht. Mal abgesehen von Castrop-Rauxel oder Tirana. Außerdem muss auch mit Versorgungsengpässen gerechnet werden. Original Dresdener Weihnachstollen zu 12 Euro 50 für 100 Gramm könnte knapp werden.

Schönes Wochenende

Dem Komödiantischen wohnt ja auch immer etwas Tragisches inne. So kann man gespannt sein, welche Elemente  bei der Asien-Reise des US-amerikanischen Soap-Stars und Präsidenten überwiegen werden. Relativ gelassen kann man wohl nur seine geplante Golf-Runde mit dem japanischen Präsidenten Abe sehen. Ob Trumps Handicap wirklich bei 2.8 liegt, lässt sich wahrscheinlich auch bei dieser Gelegenheit nicht überprüfen. Bei dem Spiel mit Abe auf Trumps hauseigenen Golfplatz in Florida waren Journalisten jedenfalls in einem Raum kaserniert, in dem die Fenster mit schwarzer Folie abgeklebt waren.

Sämtliche anderen Auftritte bergen hingegen alle Möglichkeiten zwischen Pulverfass und Lachnummer. Zumeist wahrscheinlich grenzüberschreitend. Aber so zumindest ganz im Rahmen des Zeitgeistes. Der Trend ist nämlich unübersehbar. Das Groteske ist schwer in Mode. Oder wie sonst soll man das bezeichnen, wenn ein Schauspieler sich zwar nicht daran erinnert, einen 14-jährigen Jungen alkoholisiert sexuell „bedrängt“ zu haben. Dann aber so „bestürzt“ über „diese Geschichte“ ist, dass er sich entschließt, sich dafür zu entschuldigen. Und Netflix ist offensichtlich ebenso bestürzt wie Kevin Spacey. Und obwohl man rein gar nichts von sexuellen Übergriffen bei Dreharbeiten weiß, schmeißt man ihn aus der Serie „House of Cards“.

Weshalb man leider wieder einmal zugeben muss, dass unsere Politiker, Frau wie Mann, wirklich noch einiges von den Amerikanern lernen könnten. Was man derzeit in Berlin zu sehen und zu hören bekommt, hat gerade mal Rosamunde-Pilcher-Niveau. Da sind sogar manche Video-Entscheidungen bei Fußball-Bundesliga-Spielen grotesker. Aber es hat ja schon immer etwas länger gedauert, bis ein Trend aus den USA bei uns so richtig Fuß gefasst hat. Um das Ganze zu beschleunigen, wäre wohl ein Lindner als Kanzlerkandidat das Richtige. Aber bekanntlich liegt ja in der Ruhe die Kraft.