Schlagwort-Archive: Türkei

Kapitalanlage

Für diesen Beitrag habe ich erst einmal ein Bierchen aufgemacht. Denn ich wollte mir einmal in aller Ruhe anschauen, was man denn am besten mit dem Geld macht, von dem nicht weiß, was man damit anfangen soll. Und natürlich vermeiden will, dass es sich mit irgendeiner platzenden Blase in Luft auflöst. Die Automobilbranche ist mir beispielsweise momentan zu unsicher. Auch wenn es sehr unwahrscheinlich ist, dass die Politik Autohersteller in die Pflicht nimmt. Aber andererseits haben wir ja auch längere Zeit geglaubt, dass es keinen Atomausstieg geben wird.

Immobilien boomen zwar zurzeit, sind aber blasengefährdet. Und wohin das führen kann, haben wir ja in den USA gesehen. Am Ende kriegen wir auch so einen Donald mit einem großen Knopf. Weshalb ja Rüstung nicht schlecht wäre. Waffen werden schließlich immer gebraucht. Ist aber insofern etwas unsicher, weil man momentan keiner so genau vorhersagen kann, ob weiterhin in Staaten wie Saudi Arabien oder die Türkei geliefert wird. Weil für die Verteidigung kaufen die jetzt ja ihre Waffen ganz offensichtlich nicht gerade. Doch dann habe ich versehentlich das Bierglas umgestoßen. Und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen.

Ich investiere in Firmen, die alkoholische Getränke herstellen. Die haben kein Feinstaub-Problem. Die Umsätze schwanken seit Jahrzehnten nur in einem sehr kleinen und überschaubaren Rahmen. Und das stichhaltigste Argument: Alkohol ist nun wirklich nichts, was die Gesellschaft spaltet. Getrunken wird bei den Obdachlosen wie in den Chefetagen. Bei den Linken wie bei den Rechten. Weswegen mehr als eine halbe Million Deutsche jedes Jahr ins Krankenhaus müssen. Vielleicht sollte ich also streuen. Und in Krankenhäuser und Brauereien investieren.

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Abendgedanke

Lange Zeit habe ich gedacht, dass es ziemlich schwierig sein dürfte für einen Schleswig-Holsteiner, zum Beispiel in Niederbayern zu leben. Inzwischen vertrete ich die Auffassung, dass es für einen Kurden ziemlich egal ist, wohin er geht. Ich möchte nicht mit ihm tauschen. Ich hätte auch nicht vor 95 Jahren mit ihm tauschen wollen. Und schon gar nicht vor 88 Jahren. Und auch nicht in den Jahrzehnten danach – oder im neuen Jahrtausend.

Lernfähigkeit

Ist das nicht eine Genugtuung, wenn die fortwährenden Bemühungen dann endlich zum Erfolg geführt haben. Und der Hund nicht mehr seine „Geschäfte“ im eigenen Garten verrichtet. Sondern lieber in Nachbars Garten. Oder der Nachwuchs endlich begriffen hat, dass es zum Wesen eines Herdes gehört, zu bestimmten Zeiten eine bestimmte Wärme zu entwickeln. Weshalb er nun wirklich nicht mehr auf die Kochfelder langt, wenn irgendwo am Herd ein Lichtlein brennt.

Und nicht zuletzt gehört es doch letztendlich zum Wesen von uns Menschen, ein Leben lang und immer noch dazu zu lernen. Mal abgesehen von dem einen oder anderen Präsidenten oder einem Dschungelcamper respektive seinem weiblichen Pendant. Umso schwerer fällt es deshalb mitunter, etwas zu kritisieren, wenn ein Mensch umsetzt, was er durch entsprechende Aufmerksamkeit und das Beispiel anderer geflissentlich gelernt hat.

Nehmen wir zum Beispiel das Völkerrecht. Das ja nun wirklich eine der ganz großen Errungenschaften menschlicher Zivilisationen ist. Weil es nicht nur Orientierungshilfe sondern ein fester Rahmen ist, der das Zusammenleben von Völkern regelt. Und wenn man mitunter den Eindruck hatte, dass es vielleicht von dem einen oder anderen Staat der westlichen Welt nicht eingehalten wurde, so wurde dieser Eindruck von den offiziellen Stellen gerne mit dem Hinweis revidiert, dass es hier schließlich um die Umsetzung hehrer Werte des Westens ginge.

Nun scheint es seit geraumer Zeit so, als habe nun auch der Osten daraus gelernt. Weshalb sich Länder insbesondere im arabischen Raum über das Völkerrecht hinwegsetzen. Allerdings wegen der hehren Werte des Ostens. Und munter in andere Länder einmarschieren, diese bombardieren, ohne Rücksicht auf Verluste und Bevölkerung. Wie gerade mal wieder. Und wie es ihnen über Jahrzehnte vorgemacht wurde. Es könnte also jetzt ein heftiger Streit entbrennen, von wem sie das gelernt haben. Dass deswegen die USA in einem ganz bestimmten Land im Nahen Osten einmarschieren, ist allerdings mehr als unwahrscheinlich.

Jerusalem

Also dass ich das noch erleben durfte. Ich gebe es zu, ich hatte schon einen richtigen Tunnelblick. Fast könnte man sagen, dass ich ein bisschen voreingenommen war. Irgendeine Meldung aus türkischen Regierungskreisen: Schon sträubten sich mir die Haare. Wird schon irgendetwas Abwegiges, Unverschämtes, Diskriminierendes, Populistisches, Anti-Deutsches sein. Doch jetzt klang das ausgesprochen vernünftig, klarsichtig und angebracht, was vom türkische Ministerpräsidenten Binali Yildirim zu hören war. Und wem habe ich das zu verdanken?

Natürlich dem US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump und seiner wohl überdachten Entscheidung, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen. Nur in einem Punkt bin ich nicht ganz auf der Linie von Yildirim. Er sagte nämlich nicht nur, dass mit dieser Entscheidung die Büchse der Pandora geöffnet worden sei, sondern auch, dass die damit verbundenen Schritte für die Türkei null und nichtig wären. Ich befürchte eher, dass die Schritte, die sich aus dieser Entscheidung gegen UN-Resolutionen und für einen neuen Krisenherd in Nahost ergeben werden, auch in der Türkei nicht  einfach verhallen werden.  

Umgangsformen

Die türkischen Freunde des türkischen Präsidenten mit den außergewöhnlichen Machtbefugnissen in Deutschland hatten schon im vergangenen Jahr eine neue Partei gegründet: Die Allianz Deutscher Demokraten. Ihr Gründer hat Auftritte von Erdogan in Deutschland organisiert, nennt Erdogan einen Helden – und hat, wie die Namensgebung beweist, Sinn für Humor. Auslöser für die Gründung war übrigens die Verabschiedung der Armenien-Resolution im Deutschen Bundestag.

Jetzt wurde endlich auch ein Landesverband in Bayern gegründet, wo man mit der Aversion gegen Homosexuelle sicher mehr Beifall bekommt als zum Beispiel in NRW. Jetzt habe ich mir überlegt, dass es vielleicht doch auch möglich sein müsste, dass Deutsche mit einem türkischen Pass in der Türkei eine Partei gründen, die gegen Erdogan auftritt: Die Allianz Türkischer Demokraten vielleicht. Aber gleich festgestellt, dass das keine sehr gute Idee wäre. Der Umgang mit Demokraten, die gegen Erdogan sind, ist in der Türkei schließlich ein anderer.

Vermehrt euch

Es ist in letzter Zeit etwas still geworden am Bosporus. Zumindest drangen kaum Nachrichten von dort zu uns. Doch jetzt hat Recep Tayyip Erdogan endlich mal wieder etwas verlautbart, was auch der hiesigen Presse eine Meldung wert war. Und das vielleicht vor allem, weil es einen Bezug zu Deutschland gibt. Denn auch hierzulande, wenn auch schon mehr als ein halbes Jahrhundert zurück, gab es schon einmal Appelle an die Frauen, fruchtbar und empfängnisfreudig zu sein.

Wörtlich sagte Erdogan jetzt im Präsidentenpalast in Ankara zu jungen Frauen und mit Bezug auf den Propheten: „Der Befehl ist deutlich und klar. Vermählt Euch, heiratet und vermehrt Euch.“ Und dass „die Mutterschaft das größte Geschenk Gottes an die Frauen“ sei. Erdogan betonte bei dieser Gelegenheit allerdings auch, dass die muslimische Frau nicht nur eine gute Mutter, sondern unter anderem auch eine „kühne Kriegerin“ sein sollte. Und sie sollten nicht drei, sondern fünf Kinder machen, denn sie wären die Zukunft Europas.

Womit er eindeutig höhere Anforderungen an muslimische Frauen stellt als einst der Führer im Dritten Reich an die deutsche Frau. Unter Hitler war es noch ausreichend, vier „deutsch-blütige“ und „erb-reine“ Kinder zu gebären, um das Mutterkreuz, selten und nie öffentlich auch als „Kaninchenorden“ für „Prachtkühe“ bezeichnet, verliehen zu bekommen für die Stärkung der arischen Rasse. In diesem Zusammenhang war dann auch von den Erfolgen der Frauen in der „Geburtsschlacht“ die Rede, und dass die Wiegen wie „ein schlafendes Heer“ seien. Diese Poesie vermisst man jetzt bei Erdogan etwas.

Neue Erkenntnisse

Vielleicht darf man es sogar als kleine Sensation bezeichnen. Mir fiel es jedenfalls wie Schuppen von den Augen. Und eigentlich verwundert es mich, dass noch niemand schon eher darauf gekommen ist. Denn schließlich ist es doch kein Geheimnis mehr, dass in nicht wenigen Beziehungen eine Art von Automatismus herrscht. Und leider fast ausschließlich in einer Konstellation. Da ist dann ein Mann, der seine Frau, sei sie mit ihm verheiratet oder auch nur zusammen lebend, mehr oder minder als sein Eigentum betrachtet. Insofern jedenfalls, als er ihr an den Kopf werfen kann, was er will. Glaubt, mehr oder minder mit ihr machen zu können, was ihm gerade in den Sinn kommt. Gewalt nicht ganz ausgeschlossen.

Es ist leider eine Spirale, die sich bis hin zur Eskalation dreht und zumeist nur von der Frau unterbrochen werden kann. Sich diese aber bis dahin an die Hoffnung klammert, dass er sich schon noch ändern wird. Sicher wieder der nette, zuvorkommende Mann werden wird, der sie mit seinem zugewandten Wesen, seinen Versprechungen und durchaus auch mit seiner Männlichkeit dereinst beeindruckte. Eine Hoffnung, die allerdings mehr als trügt. Und zieht man das alles in Betracht und vergleicht es mit den Beziehungen zwischen der Türkei und Deutschland, so muss man zwangsläufig zu der doch überraschenden Erkenntnis kommen, dass der deutsche Michel eigentlich eine Frau ist. Was mit Sicherheit die Gender-Diskussion weiter anfachen wird.