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Integrationsprogramm

Vielleicht ist das ja ein neues Integrationsprogramm. Ausgerichtet auf eine ganz bestimmte Zielgruppe. Nämlich Türken. Damit die sich endlich einmal ein bisschen wie zu Hause fühlen können. Also wie in der Türkei. Da werden ja auch gerne Institutionen verboten, die sich allzu kritisch über Erdogan und seine Politik äußern. Werden Leute aus dem Verkehr gezogen, die die Regierung bei ihrer Arbeit behindern. Nämlich mit fragwürdigen Aktionen und indem sie auch noch von Meinungsfreiheit und anderem Unsinn faseln.

Natürlich wird hierzulande nichts verboten. In diesem, unseren Lande setzt man auch in diesem Bereich quasi auf Freiwilligkeit. Weshalb man zum Beispiel solch Störenfrieden wie Attac jetzt die Gemeinnützigkeit aberkannt hat. Sie wissen schon, dass ist dieser Verein, der sich für eine „ökologische, solidarische und friedliche Weltwirtschaftsordnung“ einsetzt. Und die Auffassung vertritt, dass der „gigantische Reichtum dieser Welt“ gerecht verteilt werden müsste.

War also allerhöchste Zeit. Vor allem auch, weil sich diese Gemeinnützigkeit auf die Förderung der Bildung stützte. Und es ja wirklich nicht zur Bildung gehören kann zu wissen, dass der Planet Erde vielleicht auf ein Fiasko zusteuert. Oder dass soziale Ungerechtigkeiten immer noch Alltag sind. Weshalb dann ja auch Industrie-Vereinen oder Rüstungs-Vereinen die Gemeinnützigkeit natürlich erhalten bleibt. Wohingegen es für Attac jetzt schnell Schluss sein wird mit ihrem renitenten Auftreten. Ohne steuerlich absetzbare Spendenbescheinigungen können sie ihren Laden nämlich bald dicht machen. Und es kommt noch besser. Es gibt schon Politiker, für die das nur der Anfang war. Es gibt ja auch noch Campact und weitere.

Dein Land. Deine Zukunft. Jetzt!

Seit neuestem hat man den Industriellen Herrn von Finck im Visier, um nicht zu sagen im Verdacht, dass er vielleicht seine Schatulle für die AfD geöffnet haben könnte. Weil das Geld ja aus der Schweiz kam. Wo Herr von Finck in bescheidenen Verhältnissen und einem Schloss wohnt. Und nachdem er respektive der Finck-Konzern die Namensrechte für die „Degussa“ erworben hatte, seit einiger Zeit auch den Handel mit Gold betreibt. Weshalb man wohl auch mit Wohlwollen sah, dass es ein AfD-Politiker war, der die Goldreserven der Bundesbank wieder heim ins Reich respektive auf deutschen Boden holen wollte. Außerdem gab es die „Degussa“ ja schon einmal im Dritten Reich, hat damals auch schon mit Gold Geld verdient. Nämlich mit dem Zahngold ermordeter KZ-Häftlinge. Und naheliegender Weise sich auch gleich noch als Zulieferer für das Gas Zyklon B betätigt.

Weshalb sich er und der Innen- und Heimatminister vielleicht einmal zusammensetzen sollten. Dessen Ministerium hat jetzt nämlich gerade eine wenig erfolgversprechende Plakat-Aktion gestartet, mit der mit dem schönen Slogan „Dein Land. Deine Zukunft. Jetzt!“ dafür geworben werden soll, dass Asylbewerber wieder in ihre Heimat zurückkehren. Also nach Syrien, in den Kongo oder vielleicht auch in die Türkei. Und vermutlich, damit auch den AfD-Wählern signalisiert werden soll: Wir tun etwas gegen die Fremdenflut. Aber vielleicht sollte der Innen- und Heimatminister eher über ein Joint-Venture mit Herrn von Finck und seiner Degussa nachdenken, als Black Fridays für freiwillige Rückkehrer zu veranstalten. Industrielle haben doch schon immer gut mit der Politik zusammengearbeitet.

Kleiner Unterschied

Eine Erkenntnis, auch basierend auf diesem Abend gewonnen: Ein Journalist, der zuletzt in den USA lebte, wird in der Türkei in der Botschaft seines Heimatlandes mutmaßlich und höchstwahrscheinlich ermordet. Er hat das Regime Saudi-Arabiens kritisiert. Die Staatengemeinschaft ist empört, die Bundesrepublik will ihre Rüstungsexporte in dieses Land wenigstens für den Moment einfrieren. Ein Wirtschaftsboss reist nicht nach Saudi-Arabien.

In Libyen werden seit Jahren gezielt Menschen beiderlei Geschlechts gefoltert, vergewaltigt und/oder getötet. Eine Bevölkerungsgruppe steht besonders im Fokus von Milizen. Von denen manche von der EU Geld bekommen und ausgebildet werden, um Flüchtlinge daran zu hindern, auf den Boden eines EU-Landes zu gelangen. Es ist bis dato nicht davon die Rede, dass diese Zahlungen respektive „Hilfen“ eingestellt werden. Unter den Opfern ist allerdings auch kein Kolumnist der Washington Post.

Erfolgsmeldung

Endlich hatte er auch mal wieder Grund zu jubeln. Nachdem man ihm seinen Staatssekretär weggenommen hat, jetzt sieht Horst Seehofer einen „tollen Erfolg“. Die UEFA hat sich für Deutschland als Austragungsort für die Fußball-EM 2024 entschieden, der Mitbewerber Türkei war ihr zu unsicher. Und nachdem Seehofer als Innenminister ja auch für Sicherheit zuständig ist, hat er wohl nicht unwesentlichen Anteil an der Wiederauflage eines Sommermärchens.

Was einen anderen Erfolg etwas in den Hintergrund drängt. Denn Dank des aufopferungsvollen Einsatzes unseres Heimatministers konnten wieder einmal zwei Immigranten an der Grenze zu Österreich zurückgewiesen werden. In einem einzigen Monat. Doch die schönste Nachricht des Tages dürfte trotzdem sein, dass sich das Land, in dem die Fußball-EM stattfindet, höchstwahrscheinlich automatisch für die Teilnahme qualifiziert ist.

Sommer-Feeling

Was haben wir uns schnell daran gewöhnt. Kaum hält mal eine hochsommerliche Schönwetterfront länger als acht Tage durch, schon hat man das Gefühl, irgendwo auf der Welt zu sein, nur  nicht in Deutschland. Es sind sogar die Straßencafés nach 21 Uhr noch wohl gefüllt. Kaum noch ein Männerbein zeigt sich unverhüllt. Und wer das Glück hat, in Sachsen zu leben oder gar Urlaub zu machen, der kommt schon gar nicht mehr auf die Idee, in die Türkei zu fahren. Wenn er doch nur zu einem Pegida-Aufmarsch gegen Merkel nach Dresden muss, um sich wie am Bosporus zu fühlen.

Also zumindest, wenn gerade eine ZDF-Team filmt und sich ein LKA-Mitarbeiter auf sein Recht auf anonymes Pöbeln gegen die Lügenpresse beruft. Tatkräftig unterstützt von Polizisten, die eine dreiviertel Stunde brauchten, um zwei Presseausweise zu kontrollieren. Was Sachsens Ministerpräsident vorbildlich fand. Weshalb es dann doch direkt etwas beruhigendes haben kann, dass es mit dem hochsommerlichen Wetter erst einmal Schluss zu sein scheint.

Sommer-Interview

Jetzt mache ich mir so langsam richtig Sorgen um die alte Dame. Dass nicht gerade alles zum besten läuft bei der SPD, ist ja nicht erst seit gestern allgemein bekannt. Aber ich hätte nie gedacht, dass es so schlimm ist. Doch wie jetzt die Aussage von Fraktionsvorsitzender Andrea Nahles unmissverständlich deutlich machte, geht es wohl wirklich um alles.

Sie hat nämlich gesagt, dass man jetzt Herrn Erdogan und die schwächelnde Lira nicht im Regen stehen lassen dürfe, schließlich sei die Türkei ein Nato-Partner und unbedingt in schweren Zeiten zu unterstützen, weil sie so wichtig für Europa sei. Justiz, Pressefreiheit und Menschenrechte in allen Ehren und natürlich mit Ausnahme inhaftierter deutscher Staatsbürger.

Und dafür kann es eigentlich nur einen Grund geben. Nachdem der deutsche Arbeiter nicht mehr die Zukunft für die SPD ist, weil es ihn in der traditionellen Form kaum noch gibt, spekuliert man bei den Genossen jetzt wohl darauf, dass man bei den nicht wenigen AKP-Anhängern und Erdogan-Unterstützern in deutschen Landen zumindest ein paar Stimmen für die SPD rekrutieren kann. Oder es lag einfach an den Temperaturen. Das Interview fand schließlich im Freien statt.  

Freier Fall

Zuerst dachte ich ja, dass Italien den Euro abgeschafft hat, wieder zur alten Währung zurückgekehrt ist. Doch dann habe ich gesehen, dass der letzte Buchstabe ein „a“ war und kein „e“. Weshalb es natürlich die Türkei ist, deren Währung jetzt respektabel an Wert verloren hat. Im Verlauf eines einzigen Tages waren es bis zu 18 Prozent. Was insofern bedenklich ist, als deutsche Banken in der Türkei Außenstände von ca. 21 Milliarden Euro haben. Ob diese Kredite in der Zukunft noch bedient werden, ist also unsicher. Weshalb es sein könnte, dass wir hierzulande mal wieder Banken retten dürfen.

Der Auslöser für diesen Verfall der Lira sind ja die vom US-Präsidenten jüngst noch einmal verschärften Wirtschaftssanktionen. Die als Druckmittel dienen, um einen US-amerikanischen Pfarrer frei zu bekommen, der wegen Terrorverdacht in der Türkei festgehalten wird. Und dem türkischen Präsidenten als Druckmittel dient, um die Auslieferung des einstigen Kumpels und inzwischen des Staatsstreiches angeklagten Predigers Gülen zu erreichen. Der in den USA lebt.  

Also ist es eher eine Art Privatfehde, die den Steuerzahler hierzulande viel Geld kosten kann. Was mich aber erst so richtig wütend macht, das ist die mehr als unschöne Begleiterscheinung, dass durch den Verfall der türkischen Währung der Urlaub in der Türkei jetzt so richtig billig geworden ist. Wir aber schon Ferien auf dem Bauernhof in Niederbayern gebucht haben. Stornieren geht nicht mehr.