Schlagwort-Archive: Übergewicht

Dienstboten 3.0

Wir gehen goldenen Zeiten entgehen. Zumindest wenn eintritt, was aktuell in Los Angeles als Zukunft verkauft wird. Und bereits mit sprachgesteuerten Lautsprechern wie Alexa oder Google Home und anderen in einer vielversprechenden Erprobungsphase ist. Weshalb ihr Wirkungskreis noch weiter ausgebaut werden soll.

Kann man jetzt durch Ansage diese Apparate dazu bringen, Bestellungen aufzunehmen und in die Wege zu leiten, Einkaufslisten zu führen oder Kaffeemaschinen anzuschmeißen, so sollen sie in Zukunft quasi alle Aufgaben übernehmen, die im häuslichen Bereich für sie anfallen. Mit der Option, dass sie irgendwann kaum noch Befehle brauchen, sondern selbständig die Einkäufe erledigen und Tagesabläufe managen.

Einmal davon abgesehen, dass ich eigentlich stolz darauf bin, dass ich selbstständig eine Tür öffnen kann, was zum Beispiel einer Küchenschabe nicht so leicht gelingt, ist ein Aspekt natürlich mit einer gewissen Besorgnis zu sehen. Bei mir auch ausgelöst von einer Meldung, die gleich im Anschluss an den Beitrag über die Zukunftsmesse in Los Angeles kam.

Dass nämlich zum Beispiel in unserer Bundesrepublik annähernd 50 Prozent aller Frauen Übergewicht hätten, bei den Männern sogar zwei Drittel. Und da habe ich versucht, mir vorzustellen, wie sich das wohl auf das Gewicht der Menschen auswirken wird, wenn sie in Zukunft nur noch auf der Couch sitzen und Alexa und Konsorten Befehle erteilen. Essen würden sie allerdings noch selber. Das könnte Folgen haben. 

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Erinnerungslücken

Die Natur ist klug. So lässt sie zum Beispiel ältere Menschen vergesslich werden. Weil nämlich Bewegung im Alter noch wichtiger ist als beispielsweise bei Zwanzigjährigen. Und so geht dann ein älterer Mensch eine Treppe hinunter oder in ein anderes Zimmer. Und wenn er dort angelangt ist, erinnert er sich nicht mehr, warum er dorthin gegangen ist. Weshalb er zurück geht. Wo ihm dann wieder einfällt, was er in dem anderen Zimmer oder in dem anderen Stockwerk wollte. Und so bewegt sich der ältere Mensch, was gut für ihn ist.

Warum dann aber die Natur es jüngeren Menschen erlaubt, sich ohne alle Probleme daran zu erinnern, was sie in einem anderen Zimmer oder in einem anderen Stockwerk wollten, sie aber nicht in die Lage versetzt, sich auch nur im entferntesten an Fehler zurückzuerinnern, die sie vor einem Monat oder einem halben Jahr gemacht haben und für sie von erheblicher Bedeutung waren, bleibt ein Rätsel. Schließlich verbreitet sich so zum Beispiel Übergewicht bei jüngeren Menschen.

Kein Friede auf Erden

Ist Krieg? Sind Putins Truppen schon bis Warschau und Budapest vorgerückt? Oder steht der sogenannte Islamische Staat bereits vor den Toren Wiens? Irgendeinen Grund muss es doch geben, dass die Menschen so durch die Straßen hasten. Den Blick zumeist gesenkt. Oder gerade mal auf die Auslagen der Geschäfte und deren Regale gerichtet. In denen sie sich dann drängen, ihre Körbe und Einkaufswagen füllen. Waren in ihnen auftürmen, als wäre es die letzte Möglichkeit, für bittere Zeiten vorzusorgen.

Ich habe das mit meiner Mutter besprochen. Und sie hat behauptet, 1939 wäre das so ähnlich gewesen. Nachdem Hitler in Polen einmarschiert war. Nur mit dem Unterschied, dass die Menschen damals keine Smartphones oder Shrimps gehortet hätten, sondern Dauerwürste, Mehl und Kerzen. Sie ist beunruhigt, weil ich mir solche Sorgen mache. Sie hat gesagt, das wäre nicht gut für meinen Bluthochdruck. Und behauptet, dass es vielleicht das Beste wäre, wenn ich nicht dauernd zum Einkaufen gehen würde. Auch weil ich so mein Übergewicht nie los werden würde.

Also sitze ich jetzt den ganzen Tag zu Hause und starre auf mein iPhone. Ob es nicht irgendeine Meldung gibt über irgendwelche Truppenbewegungen außerhalb Syriens. Und außerdem habe ich den ganzen Tag das Radio laufen. Damit ich mitkriege, wenn das Programm für eine Sondermeldung unterbrochen wird. Doch ich bin mir nicht ganz sicher, ob die Rundfunkstationen nicht schon in der Hand des Feindes sind. Die Tatsache, dass in Dauerschleife mit Liedern über ein Rentier und einen gewissen Herrn Santa Klaus Psychoterror betrieben wird, würde dafür sprechen.

Nichts Neues auf dem Planeten

Höchste Zeit, es einmal unverblümt und in aller Deutlichkeit zu sagen: Es ist langweilig. Es ist alles so vorhersehbar. Da passiert einfach nichts mehr, was gut wäre für eine Überraschung. Auch wenn das ein wenig überheblich klingt: Ich war das letzte Mal wirklich überrascht, als eines der Kinder eine Eins in Mathe nach Hause brachte. Und das ist jetzt auch schon ein paar Jahre her. Und die Überraschung besteht vor allem darin, dass ich bis heute nicht weiß, ob der Herr Oberstudienrat bei der Korrektur total bekifft oder besoffen war. Aber „longum est“, wie der Lateiner sagt. Außerdem „tempi passati“, wie der Italiener sagen würde.

Und damit wären wir schon bei den Griechen. Kein Phoenix aus der Asche, keine Reinkarnation, kein Wandel vom Schuldenweltmeister zum aufsteigenden Schwellenland. Oder gehen wir zum Nachbarn. Langweilig, sage ich da nur. War doch klar, dass er droht: Wenn es keine Visafreiheit für Türken gibt, schicke ich alle syrischen Flüchtlinge und ein paar Ziegen noch dazu! Also alles wie immer. Wir können aber auch vor der eigenen Haustür kehren. Stichwort „Integrationsgesetz“. Das wurde wieder einmal so akribisch ausgearbeitet, dass jetzt schon kein Zweifel besteht, dass es zwar wieder einen riesigen Verwaltungsapparat geben wird. Aber keine Integration. Geschweige denn Arbeit und normales Leben für Flüchtlinge.

Klingt jetzt vielleicht ein bisschen vereinfacht, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Menschheit nicht in der Lage ist, etwas grundlegend zu ändern. Und wenn es jemand tut, ich denke da aus patriotischen Gründen zum Beispiel an Atomausstieg oder „Wir schaffen das“, dann doch nur, um nach einiger oder bereits kurzer Zeit wieder heftig zurück zu rudern. Egal ob es ein Trump, Brasilien, TTIP, Abgas, Glyphosat oder Eurovision Song Contest ist, ob Folter, Korruption, Fanatismus oder Hedgefonds, stets hat man das Gefühl, dass es das so oder so ähnlich schon mal gab, schon anderweitig gibt, spätestens morgen geben wird.

Wir schauen auf Jahrhunderte des Stillstands. Das einzige, was sich bewegt hat, das waren die unterschiedlichen Fortbewegungsmittel. Weshalb der Mensch immer mehr zum Stillstand zu kommen scheint. Was ja im Übrigen verheerende Auswirkungen auf das Gewicht der Menschen hat. Aber nun wirklich keine besonders innovative Entwicklung darstellt. Aber wenigstens ich werde jetzt ein Zeichen setzen. Ich habe einen Termin in einem Tattoo-Studio.  Und zwar lasse ich mir ein Tattoo an einer Stelle stechen, an der gewährleistet ist, dass es sich aus Altersgründen permanent verändern wird. Es ist nur ein kleiner Schritt, zugegeben, aber es könnte zumindest jeden Tag für eine kleine Überraschung sorgen.

Gesundheit wird jetzt bunt

Zugegeben, ich war etwas verwirrt. Behauptete doch die Stimme im Radio-Spot, dass es jetzt endlich eine bunte Gesundheit gäbe, mit der man zum Beispiel auch Rückenleiden in den Griff bekäme. Dabei hatte ich noch nicht einmal gewusst, dass es auch Gesundheit in Schwarz/Weiß gibt. Doch einmal mehr hat mich dann das Internet aufgeklärt: Es handelt sich um den Ableger der Illustrierten „Bunte“, der sich mit Gesundheit beschäftigt. Man kann es eben nicht hören, ob ein Buchstabe groß oder klein geschrieben ist.

Doch was viel entscheidender ist, „Bunte Gesundheit“ könnte wirklich mein Leben, respektive meine Gesundheit revolutionieren. Erfuhr ich doch in der Online-Ausgabe als erstes, dass Models Taschentücher essen, um schlank zu bleiben. Und nachdem die guten, alten Stoff-Taschentücher gänzlich aus der Mode gekommen sind, nehme ich mal an, dass es sich hierbei um Papiertaschentücher handelt. Leider fehlte ein Hinweis, ob es sinnvoll ist, solche mit Balsam zu verwenden, um die Magenwände zu schonen.

Doch dieser weiße Fleck wurde recht schnell von einem weiteren Hinweis überdeckt, um nicht zu sagen, farblich gestaltet. Hinter der viel versprechenden Headline „Die Heilkraft der Alpen“ verbarg sich nämlich die revolutionäre Erkenntnis, dass eine Wanderung mit Gesang in den Bergen Wunder wirken könne. Vorausgesetzt es handelt sich um die österreichischen Alpen, wie im Text betont wurde. Und wenn man sich dann noch wie Renee Zellweger von Kohlsuppe ernährt, muss man sich auch nicht mehr wegen seines Übergewichts genieren, wenn man anschließend in einem Spa die Heilkraft der Alpen wirken lässt.

Ein kräftiger Farbtupfer für die Gesundheit könnte allerdings auch die Erkenntnis sein, dass „Selberkochen“ rank und schlank macht. Nachdem das bei Kelly Osbourne so funktioniert haben soll, liegt wohl die Vermutung nahe, dass die Tochter von Alt-Rocker Ozzy Osbourne abgenommen hat, weil das Essen so miserabel schmeckte. Weshalb mein bunter Gesundheitsplan jetzt wie folgt aussieht: Ich koche mir die Kohlsuppe selber, fahre anschließend in die österreichischen Alpen zum Wandern mit Gesang und esse auf der Heimfahrt eine Packung Papiertaschentücher. Und den Gang zum Arzt wegen meines Rückenleidens spare ich mir. Dafür abonniere ich mir „Bunte Gesundheit“. Ich nehme mal an, dass die nächste Ausgabe mit meinen Schmerzen Schluss macht.

Pünktlichkeit ist nur das halbe Leben

Wer an Pünktlichkeit denkt auf diesem Globus, der denkt an Deutschland. Meistens jedenfalls. Ausgenommen die natürlich, die Deutschland nicht kennen. Also dieser eine Stamm im Amazonas-Gebiet, der kürzlich erst entdeckt wurde, und manche Menschen in den entlegenen Teilen des einen oder anderen US-Staates. Pünktlichkeit hat in Deutschland einen so hohen Stellenwert, dass sie es sogar in einem Ratgeber für Flüchtlinge in der Audio-Präsentation auf Platz eins geschafft hat. „Deutschland ist das einzige Land, wo sogar bei privaten Treffen Pünktlichkeit erwartet wird“, heißt es da.

Und jetzt das. Nicht nur dass sich deutsche Ingenieurs-Kunst bei einem Autokonzern in krimineller Energie niedergeschlagen hat, musste nun auch die Deutsche Bahn gestehen, dass weniger als 80 Prozent ihrer Züge im Fernverkehr planmäßig ankommen. Sprich, dass mehr als 20 Prozent dieser Züge unpünktlich sind. Und diese Horrorzahlen bedeuten außerdem, dass sich annähernd ein Drittel der Fernzüge um mindestens fünf Minuten verspätet hatte. Da möchte man nicht wissen, was für ein Verlust sich daraus für die Volkswirtschaft ergibt.

Denn in diesen fünf Minuten hätte sich ein ausgehungerter Fahrgast bereits mindestens ein Schinken-Sandwich und einen Coffee-to-go kaufen können. Was er natürlich nicht mehr macht, wenn er sowieso zu spät dran ist. Aber das ist nur die eine Seite. Vielleicht sollte man auch einmal daran denken, dass ein Großteil unserer Bevölkerung übergewichtig ist. Weshalb es natürlich nicht schaden kann, wenn einmal ein Sandwich weniger gegessen wird. Ganz abgesehen von dem vielen Zucker im Kaffee.

Und außerdem bewegen wir Deutschen uns auch viel zu wenig. Wer jedoch verspätet an einem Bahnhof ankommt, der bemüht sich, durch eine schnellere Gangart oder sogar durch Laufen die Verspätung wieder aufzuholen. Um die Trambahn noch zu erwischen oder den Bus. Was wiederum gut für den Kreislauf ist und außerdem mehr Kalorien verbrennt. Weshalb mehr Bahnfahrer ein bisschen sportlicher wären, wenn noch mehr Züge verspätet ankämen. Und für die könnte man gegen Vorlage der Zugtickets dann die Krankenkassenbeiträge senken. Vorausgesetzt, sie stellen pünktlich einen Antrag.

Lolita-Syndrom im Auffanglager

Zugegeben, in den besten Jahren bin ich nun wirklich nicht mehr. Übergewicht, leichte Rückenprobleme, ja, auch etwas kurzatmig. Aber doch noch so gut in Schuss, dass ich jetzt nicht nur noch im Bett oder vor dem Fernseher liegen könnte. Also habe ich mir gedacht, dass es gerade in Zeiten wie diesen doch ausgesprochen sinnvoll sein könnte, mich vielleicht etwas zu engagieren. Mich einzureihen in das Heer der freiwilligen Helfer zum Beispiel, die sich jetzt um Flüchtlinge kümmern. Notwendiges organisieren, Kleider und Essen verteilen. Das müsste ich auf jeden Fall noch schaffen.

Also habe ich mir einmal angesehen, wie ich mich da einbringen könnte. Und bin recht bald auf ein nicht zu unterschätzendes Hindernis gestoßen. Denn in fast allen Helfergruppen unserer kleinen Stadt sind es vorwiegend junge Mädchen und Frauen, die sich engagieren. Ganz selten, dass auch einmal ein Mann in den Listen auftaucht, in die man sich eintragen kann, wenn man mithelfen will.

Was mich zum einen zu der Frage veranlasste, ob Männer vielleicht grundsätzlich weniger hilfsbereit sind. Denn schließlich befinden wir uns nicht mehr im 19. Jahrhundert, und junge Frauen stehen nicht mehr gelangweilt am Herd sondern sind genauso in Arbeit und Brot wie junge Männer. Also eine Frage der Zeit kann es wohl nicht sein. Auch wenn man natürlich berücksichtigen muss, dass Bundesliga und Autopflege ganz schön zeitaufwändig sein können.

Was mich ab letztendlich wirklich von meinem Vorhaben abgebracht hat, das war die Überlegung, dass mein Einsatz als Helfer falsch verstanden werden könnte. Werde ich doch schon schief angesehen, wenn ich vor einer Schule stehe, weil ich mich mit einem Lehrkörper treffen muss. Ich bin mir einfach nicht sicher, ob mein Engagement für Flüchtlinge nicht vielleicht als Vorwand verstanden wird, mich mit lüsternen Blicken den freiwilligen jungen Helferinnen zu nähern. Und diesem Vorwurf will ich mich auf keinen Fall aussetzen. Wahrscheinlich ist es besser, wenn ich Vorlesenachmittage in einem Seniorenheim organisiere.