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Intelligenzquotient

Es ist nun wirklich kein Grund sich aufzuregen. Spätestens als Alexander Dobrindt sein Geburtstagsgeschenk bekam und die Pkw-Maut also nicht gerade in Stein gemeißelt wurde, aber immerhin als Gesetz in die deutsche Nachkriegsgeschichte einging, war doch klar, was Bundeskanzlerin Angela Merkel meint, wenn sie sagt, dass etwas mir ihr nicht zu machen sei.

Und wer von uns hat noch nicht „mit mir nicht“ gesagt. Wenn der Chef zum Beispiel angekündigt hatte, dass Freitagabend Überstunden gemacht werden müssten oder ein Urlaub absolut unmöglich wäre. Und wer hat dann Überstunden gemacht und ist nicht in Urlaub gefahren? Richtig! Wirklich beunruhigend wäre hingegen gewesen, wenn Frau Merkel darauf beharrt hätte, dass es mit ihr keine Obergrenze gibt. Das hätte nämlich nur bedeuten können, dass sie den Job hinschmeißt. Das wäre zwar zu schön gewesen, um wahr zu sein, aber nicht sehr realistisch.

Denn es gibt ja auch noch den Spruch, dass nichts Besseres nachkommen würde. Und noch viel zu viele Menschen, die daran ebenso glauben wie an den Satz: Mit mir nicht! Und immerhin besteht jetzt die berechtigte Hoffnung, dass einem nicht mehr das Wort „Obergrenze“ den ganzen Tag auf allen Nachrichtenkanälen über den Weg läuft und somit selbigen versaut. Es sei denn Seehofer denkt sich jetzt auch noch eine Obergrenze für den Intelligenzquotienten von CSU-Politikern aus.  

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Feste Feiern

Der Bierkonsum soll ja schon ein bisschen zurück gegangen sein. Wie es bei den Brathendln aussieht, weiß man noch nicht. Dass beim Münchener Oktoberfest bis zur Halbzeit weniger Maßkrüge gefüllt werden mussten, kann aber auch daran liegen, dass einfach mehr Champagner getrunken wird. Schließlich sieht man auch immer weniger Dirndl oder Lederhosen, die schon mehr gesehen haben als ein Bierzelt auf der Wiesn. Dafür aber immer mehr Kostüme, die auch für ein Faschingsfest oder eine Motto-Party taugen würden. Mit bayerischer Tracht aber kaum noch etwas zu tun haben.

Denn gestylte IT-Expertinnen und fesche Hipster haben nicht nur die Münchener Arbeiterviertel für sich entdeckt sondern auch das Oktoberfest. Dass deswegen aber in diesem Jahr weniger Italiener zum traditionellen Wochenende gekommen sind, ist ihnen nicht unbedingt anzulasten. Das kann vor allem an den kilometerlangen Staus an der Grenze liegen. Wenn insgesamt nur 48  Stunden Zeit bleibt, dann sind 20 Stunden Fahrt inklusive Stau vielleicht einfach zu viel. Die Münchener Frauen werden es verkraften.

Was aber immer weniger Menschen verkraften, und insbesondere wenn sie sie im Umfeld des Oktoberfestes wohnen oder arbeiten, das sind die Hinterlassenschaften der abendlichen fröhlichen Sause. Ohne ins Detail zu gehen, laut Augenzeugenberichten und Betroffenen ist es ekelerregend und veranlasst nicht wenige Menschen, während der Wiesn-Zeit entweder in Urlaub zu fahren oder zumindest das Gebiet rund um das Oktoberfest weitgehend zu vermeiden. Dass jeder Besucher in Zukunft eine Kotz-Tüte mit sich führen muss, ist allerdings noch nicht im Gespräch. Und wäre wahrscheinlich auch nicht die Lösung. Weil die Handhabung einer solchen doch noch gewisse feinmotorische Anforderungen stellen würde. Die ein anständiger Wiesn-Besucher einfach nicht mehr erfüllen kann.

Mitmenschen

Was für ein Abenteuer. Und man braucht nicht einmal ein Flugzeug zu besteigen. Es genügt völlig, eine Entfernung von 93  Kilometern zu bewältigen. Und schon ist die Welt eine gänzlich andere. Zwar sehen die Menschen durchaus noch so aus wie zuvor. Und noch nicht einmal die Sprache ist eine andere. Doch ein Umstand verändert von hier auf jetzt, von gestern auf heute, alles. Alles gerät aus den Fugen. Kein Internet.

Also abgeschnitten von den Lieben zu Hause respektive in Litauen, Portugal oder sonst wo. Ist schließlich Urlaubszeit. Abgeschnitten allerdings auch von jeder Information. Wer hat denn schließlich noch Reiseführer dabei, Landkarten, Restaurant-Führer. Jetzt weiß ich aber wenigstens, was eine Panikattacke ist. Habe ich mir wirklich nicht so schlimm vorgestellt. Ganz zu schweigen davon, dass ich gleich eine zweite bekam, als ich im Internet nach einem Arzt suchen wollte.

Dass diese Zeilen jetzt trotzdem zu lesen sind, ist nur einem sehr sozial eingestellten Mitmenschen zu verdanken. Der die Not erkannte und mit seinem Mini-Router aushalf. Als die Internet-Verbindung hergestellt war, wusste ich jedenfalls, wie sich Robinson Crusoe gefühlt haben muss, als er das Segelschiff auf den Strand zukommen sah. Und ich habe erkannt, das eine Aspekt hinsichtlich des Internets bisher viel zu sehr vernachlässigt wurde: Der nicht vorhandene Zugang zum Internet befördert den Zugang zu fremden Menschen. Sollte man vielleicht zur gelegentlichen gezielten Maßnahme machen. Wir sind jetzt übrigens heute Abend bei dem netten Mitmenschen zum Essen eingeladen.

Ohne Titel

Es ist schon höchst interessant, wie eng getaktet solche Urlaubstage sind. Genau genommen habe ich zu Hause mehr Freizeit. Aber hier kommt jetzt keine Langeweile auf. Nur mit Mühe kann ich ein paar Minuten freischaufeln, um Blog zu schreiben. Ganz zu schweigen von der Mühe, die es mich kostet, ein Thema zu finden. Die große Politik?

Wird nichtig und klein angesichts der Milliarden von Sandkörnern, die sich in meiner Wäsche am Abend wiederfinden. Noch nicht einmal der Klimawandel beunruhigt einen hier so richtig. Um spätabends am Strand zu liegen und die Sterne und lautstark verliebte Pärchen zu beobachten, dürfte es wirklich nicht weniger warm sein.

Und nachdem es zum Essen Wein gibt, sind auch die sozialen Aspekte in so einem Urlaubsparadies eher nur zweitrangig. Wenn ich jetzt noch wüsste, dass der Flieger auch wirklich zurückfliegt, wäre ich sogar regelrecht zufrieden. Was einmal mehr beweist, dass die Ansprüche von uns 2.0-global Playern nicht mal so groß sind. Etwas zu trinken und zu schauen, schön warm und Internet. Mehr braucht der Mensch doch wirklich nicht. Wenigstens im Urlaub.

Strandurlaub

Hiermit gelobe ich feierlich, dass ich das nie wieder tun werde. Aber es war halt einfach zu verlockend. Sechs Tage Strandurlaub, inklusive Flug, Halbpension und Shuttle von und zum Flughafen. Für etwas mehr als 200 Euro pro Person. So billig kann man doch kaum zu Hause leben. Da muss man doch zugreifen. Dachte ich. Und dann noch das Foto. Ein fast menschenleerer Strand. Und außerdem hatte das Hotel auch noch einen Pool. Der auf dem zweiten Foto zu sehen war, und an dem zwei zugebenermaßen durchaus attraktive junge Damen ein Sonnenbad nahmen.

Also es ist nicht so, dass nichts davon gestimmt hat. Es gibt einen Strand. Es gibt ein Hotel. Den Pool gibt es sogar auch. Aber erstens ist es noch ein bisschen teurer geworden, weil die Fluggesellschaft bei der Preiskalkulation wohl davon ausging, dass man nur eine Unterhose, ein Paar Socken, Hemd und Hose respektive Bluse und Rock mitnimmt. Das Badehandtuch und einiges anderes waren jedenfalls extra zu bezahlen. Und außerdem gab es offensichtlich sehr viele Menschen, die diesem Angebot und wohl auch anderen auch nicht widerstehen konnten.  

Weshalb man am Pool zumindest an diesem Morgen nur sehr sardinenmäßig ein Sonnenbad nehmen konnte. Wohingegen es am Strand, den man durchaus und wie angegeben vom Hotel aus sieht, zumindest wenn man ein Zimmer in den oberen Etagen und nicht wie wir im zweiten Stock hat, eher wie in einer Heringsdose zuging. Auch was stellenweise den Geruch betraf. Aber vielleicht macht es sich einfach bemerkbar, dass nicht mehr so viele Urlauber in die Türkei fahren. Aber mir war die spanische Küche sowieso schon immer lieber. Und so bin ich mal gespannt, was es heute zu Essen gibt. Ich werde berichten.

Ein sauberes Dorf

Diese Idee ist großartig. Ansätze dazu gab es ja schon seit geraumer Zeit. Man baute ein Hotel in einer mitunter durchaus großzügig bemessenen Anlage. Sorgte dafür, dass alles für einen Urlaub Notwendige vor Ort war, also Restaurants, Schwimmbecken, Friseur und Massagesalon. Und erleichterte durch ein all-inclusiv-Angebot den Hotelgästen die Entscheidung, ob sie es sich zumuten sollten, das Areal zu verlassen und sich vielleicht sogar unter die einheimische Bevölkerung zu mischen.

Jetzt wurde das Prinzip perfektioniert. In der Toskana ist aus einem verlassenen Dorf ein Urlaubsdorf entstanden. Ein deutsches Reiseunternehmen hat das organisiert und finanziert, das Dorf mehr oder minder gekauft und dann renoviert. Jetzt ist dort, wo früher die Besamungsanstalt war, ein Café. Und ein paar Italiener gibt es trotzdem. Im Dienstleistungssektor. Alles sieht also bilderbuchmäßig nach Toskana aus. Aber eben ohne Altbaumängel und so sauber, dass man überall in den Straßen barfuß gehen kann.

Man bleibt also unter sich in diesem Dorf in der Toskana, ist aber nicht in einer Hotelanlage eingesperrt. Man kann das Hotel verlassen, ohne Angst haben zu müssen, mit dem ja oft deprimierenden Leben von Einheimischen konfrontiert zu werden. Kann also die Toskana genießen, ohne verlassene Häuser sehen zu müssen, Arbeitslose, die vor Cafés rumlungern. Oder, noch schlimmer, von Flüchtlingen aus Afrika belästigt zu werden, die einem Regenschirme verkaufen wollen, damit sie sich was zu essen kaufen können.

Das einzige Problem ist eigentlich nur noch die Reise dorthin. Mein Vorschlag: Flug bis Florenz. Wo Shuttle-Busse mit geschwärzten Fenstern warten. Im klimatisierten Inneren werden zu italienischer Musik und bei einem Gläschen Montepulciano Filme mit toskanischer Landschaft gezeigt. Über die Klimaanlage wird der Duft von italienischen Kräutern ins Businnere geblasen. Wenn dann der Gast in dem deutschen Toskana-Dorf aussteigt, besteht kein Zweifel mehr, dass er am Ziel seiner Träume angekommen ist.

Endlich Urlaub

Es soll ja Menschen geben, die nicht in Urlaub fahren können. Weder an den Gardasee noch nach Tibet oder zu den Osterinseln. Weil sie entweder alt und gebrechlich sind. Oder einfach kein Geld für eine Urlaubsreise haben. Und angeblich soll es dann auch noch ein paar wenige Menschen geben, die einfach nicht wegfahren wollen. Weil es ihnen zu Hause so gut gefällt. Ich persönlich kenne zwar niemanden, der das behauptet, aber wollen wir es einfach mal glauben. Alle anderen fahren jedenfalls in den Urlaub.

Aber warum verbringen Menschen Stunden im Stau? Warum bilden sie lange Warteschlangen an den Schaltern auf dem Flughafen? Riskieren oft auch ihre Ehe? Einfach nur, weil Goethe mal behauptet hat, dass Reisen bildet? Oder Immanuel Kant schrieb, es entwöhne von allen Vorurteilen des Volkes, des Glaubens, der Familie und der Familie? Wobei letzteres sich ja schon als höchst unwahrscheinlich erwiesen hat, denn schließlich sind wir Deutschen nicht nur Export- sondern auch Reiseweltmeister. Oder zumindest in der Spitzengruppe. Weshalb es eigentlich ja kaum noch Vorurteile geben dürfte.

Aber der Trend ist ja unüberseh- und hörbar eher rückläufig. Anstatt dass Reisen tödlich sind für Vorurteile, wie von Mark Twain behauptet, sind diese quicklebendig und vermehren sich wie Springkraut. Und ganz nebenbei arbeitet Reisen auch noch kräftig auf den Klimawandel hin. Weshalb sich die Vermutung aufdrängt, dass der Bildungsanspruch und die Entwöhnung von Vorurteilen eher zweitrangig geworden sind. Wie sich auch hier in unserem idyllischen Resort mit Pool und drei Restaurants in orientalischer Architektur zeigt, hat wohl eher Kurt Tucholsky Recht. Er sagte, dass man als deutscher Tourist im Ausland vor allem vor der Frage stehe, „ob man sich anständig benehmen muss oder ob schon andere deutsche Touristen dagewesen sind“.Orientalische Architektur