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Danke

Also ein bisschen mehr Anstand dürfte schon sein. Da hat sich der mächtigste Mann der Welt mächtig ins Zeug gelegt, nicht Zeit noch Mühe gescheut, um mit einem Federstrich den Atomvertrag mit dem Iran zur Makulatur zu machen. Und damit es auch richtig weh tut, hat er auch noch die Sanktionen gegen den Iran verschärft und jedem Staat auf der Welt, der Geschäfte mit dem Iran macht, auch gleich noch mit Sanktionen gedroht.

Und jetzt hat das endlich Wirkung gezeigt, und der Iran hat zu aller Überraschung angefangen, sich nicht mehr an diesen, von den USA aufgekündigten Vertrag zu halten. Und was passiert? Nichts! Außer, dass jetzt Besorgnis geäußert wird, weil der böse Iran Uran anreichert. Anstatt sich einmal richtig und wie es sich gehört, bei dem Mann zu bedanken, dem das zu verdanken ist.

Gesunder Menschenverstand

Ich frage mich schon lange, wie diese Menschen das schaffen. Ich kenne das ja nur durch die Berichterstattung im Fernsehen. Aber immer wenn der US-amerikanische Präsident ganz etwas wichtiges sagt oder verkündet, ist er ja von Menschen umgeben. Die ganz angestrengt und ganz wichtig schauen und ganz aufmerksam dem lauschen, was der Präsident von sich gibt. Was reichlich unnatürlich und aufgesetzt aussieht.

Da musste jetzt erst ein Kind kommen, um das einzig richtige zu tun, was man bei den Ausführungen dieses Präsidenten tun kann. Das Kind hat einfach geschlafen, als Donald Trump vor dem Kongress seine Rede an die Nation hielt. Noch verblüffender: Das Kind gehört zur Trump-Familie. Und belegt, dass es selbst in dieser Familie so etwas wie gesunden Menschenverstand geben kann.

Vaseline für Kant

In einer postfaktischen Zeit sind alternative Fakten die optimal Grundlage für die neue Realität. Diese epochale Erkenntnis ist der vormaligen Wahlkampfmanagerin Kellyanne Conway zu verdanken. Damit sind auch Kants kategorischer Imperativ und Einsteins Relativitätstheorie widerlegt. Es ist da auch nur logisch, dass Kellyanna Conway keinen Philosophie-Lehrstuhl innehatte sondern in der Marktforschung beschäftigte war, bevor sie Beraterin des amtierenden US-Präsidenten wurde. Qualifiziert ist Kellyanne Conway ganz unbestritten darüber hinaus, hat sie doch unter anderem auch für einen Hersteller von Vaseline gearbeitet.

Ein neuer Präsident

Was sind das für Hasenfüße. Oder für sprachlich anders Orientierte: Was sind das für Feiglinge. Für Hosenscheißer. Gebangt und gezittert haben sie, dass aus dem Egomanen doch noch ein Mensch werden würde. Ein soziales, verantwortungsbewusstes Wesen. War wohl nix. Hat nicht funktioniert. Und jetzt zittern sie nur noch. Vor einem Menschen. Der gefühlt einer Daily Soap entsprungen zu sein scheint. Glaubt, immer noch Folgen für diese Soap zu drehen. Und nicht wirklich im Sinn hat, Amerika wieder groß zu machen. Sondern nur, Donald Trump groß zu machen. Auf Kosten aller anderer. Und zur Not auch auf Kosten einer Nation. Der Erde.

Was nur funktioniert, wenn alle Anderen still halten und gebannt zuschauen. Stichwort: Kaninchen und Schlange. Mit dem kleinen Unterschied, dass Davonlaufen in dem Fall nicht reicht. Man sollte zumindest wissen, wohin man läuft. Denn am besten läuft man dagegen an. Ich war ziemlich sicher, dass Trump Präsident der USA werden würde. Jetzt weiß ich, dass ich meinen Rollator tunen muss. Denn ich werde auf die Straße gehen. Ich bin sogar für Sitzstreiks gerüstet, Ich habe Windeln gehortet.

Denn ich habe genug von diesen Großmäulern, die man heutzutage Populisten nennt. Und deren einer Vorläufer ein gewisser Adolf Hitler war. Zumindest dahingehend, dass auch er versprochen hat, ein Land „wieder groß zu machen“. Und konnte die Welt nur in Schutt und Asche legen, weil zu wenige Menschen versucht haben, ihn daran zu hindern. Das darf nicht schon wieder passieren. Weil es das Ende sein könnte. Ohne nachfolgendes Wirtschaftswunder. Und ohne einem neuen Zeitalter. In dem dann wieder Präsidenten twittern. Und alle zittern.

Fake News

Es ist ein schöner Brauch, dass zur Vereidigung des US-amerikanischen Präsidenten Künstler eingeladen werden, die dieser Zeremonie einen ganz eigenen Charme verleihen. Und selbst bei den Top-Stars lässt sich da niemand zwei Mal bitten. Zumindest bis heute. Denn für die Vereidigung von Donald Trump, dem 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten, haben unter anderem Elton John, Beach Boys, Dixie Chicks, Rebecca Ferguson, Moby oder der italienische Tenor Andrea Bocelli abgesagt. Letzterer, obwohl das für ihn sogar ein Comeback bedeutet hätte,  das ihm den Lebensabend gesichert hätte.

Angeblich soll jetzt die Zweitplatzierte aus dem Jahr 2010 einer Casting-Show die Nationalhymne singen. Bei einem ebenfalls laut Meldungen verpflichteten religiösen Chor soll es schon zu ersten Austritten gekommen sein, während es bei einer Tanztruppe wegen des Engagements nur zu Streitigkeiten geführt hätte. Eindeutig eine böswillige Falschmeldung ist hingegen die Nachricht, wonach ein Country-Sänger aus den Südstaaten mit dem Versprechen engagiert werden sollte, dass er drei Schwarze würde aufhängen dürfen, ohne irgendwelche rechtlichen Konsequenzen befürchten zu müssen. 

 

 

Abschied

Endlich sind sie vorbei. Die Zeiten, zu denen man stundenlang vor dem Fernsehgerät verbrachte, um Reden zu lauschen, die auch noch in einer fremden Sprache gehalten wurden. Man mit dicken Wörterbüchern und ausgedruckten Manuskripten bewaffnet versuchte nachzuholen, was man vor vielen Jahren in der Schule versäumt hat. Nur um möglichst absolut gar nichts von dem zu verpassen, was ein US-Präsident seinem Volk und der Welt verkündete. Um Zukunftsperspektiven zu eruieren, gesellschaftliche Entwicklungen seismographisch nachzuvollziehen.

Heute Nacht, nach unserer Zeit, hat Barack Obama seine letzte Rede als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika gehalten. Immerhin brillant und emotional, wie schon so oft. Aber jetzt wird alles viel überschaubarer. Die Welt respektive die Reden vom mächtigsten Mann der Welt reduzieren sich nun wohl in der Regel auf 140 Zeichen. Gepostet bei Twitter. Und gegebenenfalls übersetzt von Facebook oder Google. Was den Tweets des künftigen US-Präsidenten dann vielleicht sogar einen gewissen Sinn verleihen könnte. Ich weiß nur noch nicht, was ich jetzt mit der ganzen Freizeit anfange.

 

 

Neue Lieblingslektüre

Dieses Online-Magazin kommt, zumindest was den Namen betrifft, eher gemütlich daher. „Breitbart“, das klingt doch irgendwie nach einem gemütlichen, älteren Mann. Mit einem vielleicht etwas zerzausten Bart. Wahrscheinlich in einem karierten Hemd. Auch wenn von dem inzwischen verstorbenen Gründer Andrew Breitbart, der angekündigt hatte, „die alte Medienlandschaft zu zerstören“, nicht bekannt ist, dass er gerne karierte Hemden getragen hätte.

Was eher auf den ihm nachfolgenden CEO Stephen Bannon zutrifft. Doch nicht nur was seine Bekleidung betrifft, ist der frisch ernannte persönliche Berater des höchstwahrscheinlich künftigen US-Präsidenten Donald Trump als eher rustikal einzustufen. Dies gilt auch für seine politischen Positionen. Für die wiederum Breitbart News Network ein aufschlussreiches Bild liefert. Auch wenn dort Bannen offiziell seinen Posten aufgegeben hat, bevor er Wahlkampfmanager für Trump wurde.

Breitbart News Network ist aktuell eine der am häufigsten aufgerufenen Nachrichtenportale in den USA. Und war eine der wichtigsten Medien für und in Donald Trumps Wahlkampf. Den es erst nach seinem Wahlsieg und dem Auftritt des Alt Right-Propagandisten Richard Spencer mit „Heil Trump“-Ruf und Hitler-Gruß im Publikum vorübergehend störte, dass der ultrarechten Bewegung weißer Amerikaner Breitbart News Network als Sprachrohr dient.

The New York Times bescheinigt dem Nachrichten-Portal bescheinigt, dass es eine Plattform für Frauenhass, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus sei. Weshalb es Freunde in aller Welt und bereits Büros in Jerusalem und in London gibt. Wo sich Breitbart für den Brexit stark machte. Eines der Prinzipien von Breitbart: Behauptungen, wie zum Beispiel, dass US-Verteidigungsminister Chuck Hagel von einer anti-israelischen Gruppe „Friends of Hamas“ bezahlt werde, aufzustellen. Und auch nicht davon abzurücken, wenn es keinerlei Beweis dafür gibt. Die gute Nachricht zum Advent: Im Wahljahr 2017 will Breitbart News Network auch in Deutschland und Frankreich aktiv werden.