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Herrliche Zeiten

Ich finde das ein bisschen umständlich und zeitaufwändig. Die Bayerische Staatsregierung hat das beschlossen. Die Bayerische Staatsregierung teilt dieses mit. Die Bayerische Staatsregierung will vermeiden, dass… . Warum sagen wir nicht einfach „Söder“. Das ist kürzer. Und trifft ebenso den Kern der Sache. Also hat Söder jetzt auf der Suche nach einem bayerischen Sonderweg, der unmissverständlich Bayerns Führungsrolle in Deutschland dokumentiert, beschlossen, dass es auf die Beibehaltung der Kontaktbeschränkungen, die ja eigentlich Kontaktverbote sind, ein Sahnehäubchen gibt:

Der Mensch in Bayern hat nun die Möglichkeit, den „Kontakt zu einer Person außerhalb seines Haushalts“ aufzunehmen. Sie oder er darf sich mit einem Menschen der Wahl im Freien treffen, sogar mit ihm reden, vielleicht sogar in der Sonne sitzen. Ich nehme mal an mit gebührendem Abstand. Und da muss ich sagen, dass ist ein großer Schritt. Hier deutet sich ein Weg an, der aus der derzeitigen Situation führen könnte. Wir dürfen uns allerdings nicht allzu große Hoffnungen machen.

In den USA beispielsweise hat es von 1776 bis 1865 gedauert, bis die Sklaverei zumindest auf dem Papier abgeschafft war. In der alltäglichen Realität ist ein Ende der Sklaverei allerdings bis heute noch nicht so richtig angekommen. Freuen wir uns also über die kleinen Schritte in Bayern. Vielleicht geht ja Söder ein schärferes Tempo. Schließlich darf man inzwischen laut Gerüchten in Bayern sogar auf einer Parkbank sitzen und ein Buch lesen. Während in Hessen Menschen ohne Sicherheitsabstand festgenommen werden, die mit Sicherheitsabstand für Flüchtende demonstriert hatten.

Es wird aufgerüstet

Das macht doch viel mehr Sinn als Klopapier. In den USA haben viele Menschen Waffen und Munition gehamstert. Mit gutem Grund, wie von einem der Käufer in einer langen Schlange vor einem Waffengeschäft erklärt wurde. Er sagte: „Es geht eigentlich nur darum, dass die Regierung und die Polizei nicht in der Lage sein werden, uns zu schützen, wenn die Dinge in den nächsten Wochen bis Monaten schlecht laufen und die Menschen in Panik geraten und randalieren und plündern.“ Und wer hat schon mal gehört, dass ein Randalierer oder Plünderer mit einer Rolle Toilettenpapier niedergestreckt worden wäre. Noch nicht einmal, wenn es sich um Recyclingpapier handelt.

Laut der NSSF, der Handelsvereinigung der Schusswaffenindustrie in den USA hat sich der Umsatz des Waffengeschäftes alleine in der Zeit von Ende Februar bis Mitte März vervierfacht. Kein Wunder also, dass jetzt die NRA, die Waffenlobbyorganisation, gegen die auch Barack Obama nichts ausrichten konnte, während Trump von ihr unterstützt wird, Klage eingereicht hat. Weil in Kalifornien durch den Gouverneur Gavin Newsom im Rahmen der Maßnahmen gegen Corona nämlich die Waffengeschäfte geschlossen wurden.

Argument der NRA: Waffengeschäfte sind lebenswichtig! Und außerdem verstoße ihre Schließung gegen Verfassungsrecht. Denn man könne keine Waffen, wenn man sie nicht kaufen kann. Ersteres aber von der Verfassung garantiert werde. Weshalb Waffengeschäfte zu den „lebensnotwendigen“ Geschäften gehörten. Ob die Klage Erfolg haben wird, ist noch nicht bekannt, aber immerhin soll bereits ein Texaner ein Coronavirus mit einer Pumpgun eliminiert haben. Seine Frau soll dabei allerdings auch ums Leben gekommen sein.

Reflexe

Also erst musste ich mal nachschauen, was eine „Äquidistanz“ ist. Und wenn ich richtig verstanden habe, was der Duden dazu sagt, dann wollte CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer sagen, dass es nicht hinzunehmen ist, in einem Atemzug Trump, Putin und Erdogan zu nennen, weil es ein gleich großer Abstand wäre.

Verständlich ist natürlich auch, dass sie „anti-amerikanische Reflexe“ beklagt, obwohl in Russland Journalisten „in Schauprozessen vor Gericht gestellt werden“, während Journalisten in den USA „ihre Arbeit unbeeinträchtigt machen können“. Also zumindest, wenn es nicht die Journalisten von CNN sind.

Weshalb ich also nur begrüßen kann, dass der US-Präsident immer mehr Kriegsschiffe Richtung Iran schickt, weil alles andere nur ein „anti-amerikanischer Reflex“ wäre. Außerdem gibt es ja dafür wie für die wirtschaftlichen Sanktionen oder die Aufkündigung des Atomvertrages mit dem Iran genug Gründe, wie es das Video, das US-Geheimdienste jetzt vorgelegt haben, zweifelsfrei beweist. Mit so einem Video würde man ja noch nicht einmal zögern, erneut in den Irak einzumarschieren. Was sicher auch zur Stabilisierung der Region beitragen würde.

Und dann gibt es ja auch noch die ökonomische Komponente, die ja auch eine gewisse Äquidistanz hat. Also die Rohölpreise sind ja schon gestiegen. Was mehr Geld in die Kassen der USA (mittlerweile Nr. 1 in der Ölförderung) spült. Und außerdem würde ein neuer handfester Krisenherd im arabischen Raum für neue Flüchtlingsströme nach Europa sorgen.

Was für die EU bedeuten würde, dass ihre Mitgliedsstaaten noch weiter auseinander driften – und natürlich die Wirtschaftskraft in der EU sinkt. Sodass es sich der US-Präsident sogar sparen könnte, Zollschranken zu erhöhen. Weshalb es auch keinen Grund mehr für „anti-amerikanischen Reflexe“ gäbe. Und so würde es der US-Präsident sicher erlauben, dass CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer Bundeskanzlerin wird. Halleluja!

Die Lüge

Märchen hatten schon immer die besten Chancen, die Zeiten zu überdauern. Die Realität hat es da nicht so leicht. Weshalb jetzt der 70. Jahrestag des Beginns der Luftbrücke der US-Amerikaner in den damaligen Westsektor Berlins wie üblich gefeiert wird: Es wird die deutsch-amerikanische Freundschaft beschworen. Die inzwischen zwar etwas gelitten hat, aber nach dem Abgang des golfenden Immobilien-Moguls sicher wieder die alte sein wird. So weit das Märchen.
Fakt ist, dass die Sowjetunion die Blockade Westberlins beschlossen hatte, nachdem die West-Alliierten mit der Einführung der Deutschen Mark den ersten schweren Keil zwischen die späteren beiden deutschen Staaten getrieben hatten. Und ganz besonders gerne wird verschwiegen, dass diese US-Luftbrücke zur Grundversorgung der Bevölkerung vor allem den wirtschaftlichen Interessender USA diente.
Kein anderes Land hat wirtschaftlich so sehr vom Zweiten Weltkrieg profitiert wie die USA. Erst die Hilfsprogramme für das zerstörte Europa inklusive ehemaligem Nazi-Deutschland hat die USA zu der Weltmacht gemacht, die mit ihrer Außenpolitik für nicht wenige aktuelle Probleme gesorgt hat.

Und wenn dass vielleicht auch die oder den Eine(n) verstören mag, es gab keine Freundschaft. Nicht vor 70 Jahren. Damals waren die USA eine Besatzungsmacht. Und später auch nicht. Da waren wir erst einmal ein Absatzmarkt. Und seit wir Exportweltmeister sind, kann gleich gar keine Rede mehr von Freundschaft sein. Was sicher für ein Märchen gehalten wird

Die Lösung

Der Mann ist einfach genial. Er steigt aus dem Pariser Klimaabkommen aus. Leugnet öffentlich und ausgiebig jeglichen Klimawandel. Und das war alles nur ein Teil des Täuschungsmanövers. Denn er hat einen ganz anderen Plan. Er bricht einen Handelskrieg vom Zaun, der sich gewaschen hat. Die erste Stufe hat er jetzt schon fast abgeschlossen.

Weitere Strafzölle für China sind nur noch eine Frage der Zeit. Die Märkte werden schon unruhig. Und man kann sich ausmalen, was sie machen, wenn Deutschland dran ist. Und wahrscheinlich sukzessive der Rest der EU folgt. Es kommt natürlich zu einer Weltwirtschaftskrise. Viel schlimmer als die von 2008. Und was ist die Folge davon?
Richtig. Es wird viel weniger Energie verbraucht. Die Menschen haben kein Geld mehr für Benzin, für Heizöl – und um die halbe Welt zu fliegen, um drei Tage an einem Strand zu verbringen. Der Co²-Ausstoss geht dramatisch zurück. Der Klimawandel rechtzeitig gestoppt. Die Menschheit gerettet. Und jetzt bekommt er natürlich den Friedensnobelpreis.

Verschwörung

Ich hätte ohne Zweifel das Zeug zum Verschwörungstheoretiker. Ist aber auch eine herrliche Steilvorlage, dass jetzt ein zweites US-amerikanisches Gericht befunden hat, dass Glyphosat für Krebserkrankungen verantwortlich ist. Wozu sich jahrzehntelang kein US-amerikanisches Gericht entschließen konnte. Glyphosat also lange Zeit keine Gefahr für Anwender und andere Menschen war, die damit in Berührung kommen konnten.

Aber da war das ja noch ein amerikanischer Konzern, der das Glyphosat herstellte. Jetzt hat sich der deutsche Konzern Bayer aber Monsanto einverleibt. Und mit diesem Urteil zum zweiten Mal einen Kurssturz der Aktie hinnehmen müssen. Sechs Milliarden Verlust an einem Tag. Das tut richtig weh. Ist aber auch die gerechte Strafe für die Gier des deutschen Konzerns.

Denn natürlich ist dieses Glyphosat im Verbund mit dem dazugehörigen Saatgut eine Geldmaschine. Aber wegen eventueller Nebenwirkungen dieser Übernahme hätte Bayer noch nicht einmal den Arzt oder Apotheker fragen müssen. Es hätte gereicht, sich das Vorgehen US-amerikanischer Institutionen und Gerichte im Fall der Betrügereien deutscher Automobil-Hersteller anzusehen.

Oder sich mal anzuhören, was der Präsident so gerne verkündet. Davon, dass alle Konzerne gleich wären auf Erden, war jedenfalls keine Rede. Aber Bayer kann sich trösten. Der Konzern ist nicht der einzige, der im Visier US-amerikanischer Aufmerksamkeit steht. Es gibt ja auch noch Huawei. Oder sollte ich vielleicht doch nicht das Zeug zum Verschwörungstheoretiker haben?  

Kuba-Krise 2.0

Ich fand das damals gar nicht so schlecht. Als russische Schiffe Richtung Kuba fuhren und Raketen an Bord hatten, die dort stationiert werden sollten, drohten die USA mit einem atomaren Erstschlag. Vorausgegangen war die Stationierung von US-amerikanischen Mittelstreckenraketen auf einem Nato-Stützpunkt in der Türkei. Das war 1962.

Und führte bei uns zu Hause zu einem Tabu-Bruch. Denn bis dahin wurde der Fernseh-Apparat nie vor 20 Uhr eingeschaltet. Jetzt lief der Apparat fast den ganzen Tag. Wegen möglicher neuer Nachrichten in diesem Konflikt zwischen den USA und der damaligen UdSSR. Und ich konnte zum ersten Mal in meinem Leben weitestgehend unbehelligt fernsehen.

Jetzt wollen die USA und Russland nicht nur die INF-Verträge aufkündigen, die USA denken auch wieder darüber nach, in  Europa atomare Waffen zu stationieren. Natürlich mit entsprechender Reaktion in Russland. Es droht also keine Kuba-Krise dieses Mal, sondern eher eine Europa-Krise. Was aus meiner Sicht völlig unnötig ist. Schließlich kann ich inzwischen fernsehen, wann ich will und so lange ich will. Im Gegenteil, ich versuche sogar aktuell, immer weniger auf Bildschirme zu starren.