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Aufruhr

Episode eins: Eine junge Frau tanzt – auf dem Dach eines Gebäudes. Scheint Fehler Nummer eins zu sein. Sie tanzt sehr anmutig und gekonnt. Was auf jeden Fall Fehler Nummer zwei ist. So was schafft Neider und -innen. Und dann wird sie auch noch Kongressabgeordnete. In einem Land, in dem gerade große Teile der Bevölkerung das viktorianische Zeitalter zu feiern scheint. Wenn nicht sogar mit Wehmut auf die Steinzeit zurück schaut. Was selbstverständlich der größte Fehler ist. Also dass die junge Frau Kongressabgeordnete geworden ist. Jedenfalls haben sich sehr viele Menschen empört, wegen dieses Tanzes.

Episode zwei: Ein junge aus nicht gerade der feinsten Wohngegend einer großen Stadt ist Fußballer geworden. Scheint Fehler Nummer eins zu sein. Spielt dann auch noch richtig guten Fußball, weshalb er viel Geld verdient. Was auf jeden Fall Fehler Nummer zwei ist. Und dann isst er zu Weihnachten auch noch ein sündteures Steak. Als Bürger eines Landes, in dem das Essen nationalem Interesse unterliegt. Was selbstverständlich der größte Fehler ist. Also dass dieser Mann so gerne ein gutes Steak isst. Jedenfalls haben sich sehr viele Menschen empört wegen dieses Steaks.

Ich habe versucht mir vorzustellen, dass sich all diese Menschen, die sich wegen Tanz und Steak empört haben, von nun an empören würden, wenn der Nachbar Frau oder Kind schlägt. Oder beide. Oder sich über rassistische oder frauenfeindliche Äußerungen empören würden. Oder sowohl als auch. Oder ihrer ganzen Empörung Luft machen würden, wenn Menschen dem Profit, der Macht, einer Religion oder einer Ideologie geopfert werden. Dann hätte man doch wenigstens das wage Gefühl, dass sie etwas annähernd sinnvolles machen.

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Feierabend

Momentan beschäftige ich mich sehr intensiv mit dem Thema Nationalsozialismus, also mit Konzentrationslagern, der NSDAP, dem Holocaust, mit Hitler, Goebbels. Deshalb versuche ich, wenigstens am Abend etwas Abstand zu gewinnen, auf andere Gedanken zu kommen. Weshalb ich mich mit anderen Dingen beschäftige.

Ich lese einen Roman, eine Zeitung, sehe mir Dokus im Fernsehen an. Weshalb das heute Abend schief ging. Denn es war eine Dokumentation über die aktuelle Berichterstattung der New York Times. Da wurde unter anderem der Ausschnitt eines der Auftritte von Donald Trump gezeigt, in dem er bestimmte Medien als „Volksfeinde“ bezeichnete.

Großartig

„Unter dem Strich müssen die Amerikaner sich einigen, wir müssen der Welt zeigen, dass wir geeint sind in Frieden, Liebe und Harmonie, als amerikanische Bürger. Es gibt kein Land wie unseres, und jeden Tag zeigen wir der Welt, wie wahrhaftig großartig wir sind!“

Donald Trump, US-Präsident, 26.10.2018

„Und es gibt kaum ein Land auf der Welt, in dem prozentual so viele Menschen in Gefängnissen eingesperrt sind!“

Pet, Blogger, 26.10.2018

Effizienz

Also eines kann man diesem Mann nicht absprechen, effizient arbeitet er. Nehmen wir doch nur mal seine Aktionen und Restriktionen gegen den Iran. Das ist doch bestens angekommen. Zumindest an unseren Zapfsäulen. Und wenn das so weiter geht, dann werden wir uns bald nicht mehr den vorweihnachtlichen Einkaufs-Trip nach New York leisten können. Weil der Sprit so teuer ist.

Aber viel beeindruckender sind seine Erfolge im Kampf gegen Kritik an seiner Person. Einhergehend mit den Bestrebungen, eine neue Kultur des Dialogs in bester Tradition des einstigen Wilden Westens zu etablieren. Indem die rauchenden Colts durch nicht weniger verletzende Wortwahl ersetzt werden.

Weshalb jetzt endlich auch Bombenbauer ihr Können in den Dienst der guten Sache stellen. Sie setzen mit ihren vorweihnachtlichen kleinen Geschenken für „Feinde des Volkes“ um, was ihnen die verbalen Attacken des sogenannten Präsidenten vermittelt haben. Dass nämlich eigentlich jedes Mittel recht ist, um einen Gegner zu eliminieren. Also Bingo! Schon wieder ein Treffer!

Gesunde Maßnahme

Auch wenn wir natürlich ganz andere und eigene Probleme haben, an einem Sonntag kann man ja mal über den Zaun blicken. Um vielleicht überrascht festzustellen, dass es ja immer noch Palästinenser gibt. Im Gaza-Streifen natürlich und auch im Westjordanland, aber auch in Ost-Jerusalem. Daran erinnert werden wir durch den US-Präsidenten, der jetzt Hilfsgelder in Höhe von 25 Millionen Dollar für palästinensische Krankenhäuser in Ost-Jerusalem gestrichen hat. Er hat Befürchtungen, dass die Gelder dazu eingesetzt werden könnten, die nationale Sicherheit der USA zu gefährden. Vielleicht geht er ja davon aus, dass in palästinensischen Hospitälern Kranke zu Terroristen ausgebildet werden.

Nachdem bereits angekündigt worden war, dass die USA auch die Unterstützung der UN-Organisation, die palästinensischen Flüchtlingen hilft, und außerdem 200 Millionen Dollar an Hilfsgeldern für Palästina bereits gestrichen wurden, darf man wohl vermuten, dass die USA darauf spekulieren, dass sich das Palästinenser-Problem vielleicht auf diese Weise von selbst erledigt. Ein Volk, das nicht mehr existiert, braucht kein Land.

Der nächste Schritt dürfte sein, dass die USA jedem, der Palästina und Palästinenser wie auch immer unterstützt, von den USA ebenfalls als Gefahr für die nationale Sicherheit angesehen wird, mit allen Konsequenzen. Im Fall Iran funktioniert das ja schon bestens. Weshalb ich mich schon gefragt habe, warum in den USA Erpressung offensichtlich nicht strafrechtlich verfolgt wird.

Freier Fall

Zuerst dachte ich ja, dass Italien den Euro abgeschafft hat, wieder zur alten Währung zurückgekehrt ist. Doch dann habe ich gesehen, dass der letzte Buchstabe ein „a“ war und kein „e“. Weshalb es natürlich die Türkei ist, deren Währung jetzt respektabel an Wert verloren hat. Im Verlauf eines einzigen Tages waren es bis zu 18 Prozent. Was insofern bedenklich ist, als deutsche Banken in der Türkei Außenstände von ca. 21 Milliarden Euro haben. Ob diese Kredite in der Zukunft noch bedient werden, ist also unsicher. Weshalb es sein könnte, dass wir hierzulande mal wieder Banken retten dürfen.

Der Auslöser für diesen Verfall der Lira sind ja die vom US-Präsidenten jüngst noch einmal verschärften Wirtschaftssanktionen. Die als Druckmittel dienen, um einen US-amerikanischen Pfarrer frei zu bekommen, der wegen Terrorverdacht in der Türkei festgehalten wird. Und dem türkischen Präsidenten als Druckmittel dient, um die Auslieferung des einstigen Kumpels und inzwischen des Staatsstreiches angeklagten Predigers Gülen zu erreichen. Der in den USA lebt.  

Also ist es eher eine Art Privatfehde, die den Steuerzahler hierzulande viel Geld kosten kann. Was mich aber erst so richtig wütend macht, das ist die mehr als unschöne Begleiterscheinung, dass durch den Verfall der türkischen Währung der Urlaub in der Türkei jetzt so richtig billig geworden ist. Wir aber schon Ferien auf dem Bauernhof in Niederbayern gebucht haben. Stornieren geht nicht mehr.

Der Anfang ist gemacht

Der erste Schuss vor den Bug ist gefallen. Circa 800 Handelsgüter aus China bekommen eins obendrauf. Nämlich 25 Prozent Strafzoll. Weil sie sonst die Sicherheit der Vereinigten Staaten von Nord-Amerika gefährden. Oder so ähnlich. Und wie versprochen hat die chinesische Regierung gleich nachgezogen. Die US-amerikanischen Bauern werden demnächst jubeln. Denn es betrifft insbesondere ihre Agrarprodukte.
Und jubeln werden auch die Turbo-Kapitalismus-Gegner, alle, die ewiges Wachstum für übertrieben halten. Denn man muss kein Wirtschaftswissenschaftler sein, um zu vermuten, dass in unseren Zeiten globaler wirtschaftlicher Zusammenhänge mit dem sich anbahnenden Handelskrieg zwischen den USA und China und der EU und anderen der mühsam erarbeitete momentane Wirtschaftsaufschwung einen spürbaren Dämpfer erhalten wird.
Allerdings ist absehbar, dass sich früher oder später die Augen der meisten Beteiligten mit Tränen füllen werden. Vielleicht nicht gerade bei Politikern oder Wirtschaftsbossen. Aber bei all denen, bei denen es dann kein Auskommen mit dem Einkommen mehr gibt. Die auf der Straße stehen, keine Arbeit mehr haben, keine Zukunft. Und die zum Beispiel in Deutschland mit Wehmut an die Zeiten zurückdenken werden, als wir kein größerer Problem hatten, als fünf Asylbewerber täglich in ihre Ankunftsländer zurück zu schicken.