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Freier Fall

Zuerst dachte ich ja, dass Italien den Euro abgeschafft hat, wieder zur alten Währung zurückgekehrt ist. Doch dann habe ich gesehen, dass der letzte Buchstabe ein „a“ war und kein „e“. Weshalb es natürlich die Türkei ist, deren Währung jetzt respektabel an Wert verloren hat. Im Verlauf eines einzigen Tages waren es bis zu 18 Prozent. Was insofern bedenklich ist, als deutsche Banken in der Türkei Außenstände von ca. 21 Milliarden Euro haben. Ob diese Kredite in der Zukunft noch bedient werden, ist also unsicher. Weshalb es sein könnte, dass wir hierzulande mal wieder Banken retten dürfen.

Der Auslöser für diesen Verfall der Lira sind ja die vom US-Präsidenten jüngst noch einmal verschärften Wirtschaftssanktionen. Die als Druckmittel dienen, um einen US-amerikanischen Pfarrer frei zu bekommen, der wegen Terrorverdacht in der Türkei festgehalten wird. Und dem türkischen Präsidenten als Druckmittel dient, um die Auslieferung des einstigen Kumpels und inzwischen des Staatsstreiches angeklagten Predigers Gülen zu erreichen. Der in den USA lebt.  

Also ist es eher eine Art Privatfehde, die den Steuerzahler hierzulande viel Geld kosten kann. Was mich aber erst so richtig wütend macht, das ist die mehr als unschöne Begleiterscheinung, dass durch den Verfall der türkischen Währung der Urlaub in der Türkei jetzt so richtig billig geworden ist. Wir aber schon Ferien auf dem Bauernhof in Niederbayern gebucht haben. Stornieren geht nicht mehr.

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Der Anfang ist gemacht

Der erste Schuss vor den Bug ist gefallen. Circa 800 Handelsgüter aus China bekommen eins obendrauf. Nämlich 25 Prozent Strafzoll. Weil sie sonst die Sicherheit der Vereinigten Staaten von Nord-Amerika gefährden. Oder so ähnlich. Und wie versprochen hat die chinesische Regierung gleich nachgezogen. Die US-amerikanischen Bauern werden demnächst jubeln. Denn es betrifft insbesondere ihre Agrarprodukte.
Und jubeln werden auch die Turbo-Kapitalismus-Gegner, alle, die ewiges Wachstum für übertrieben halten. Denn man muss kein Wirtschaftswissenschaftler sein, um zu vermuten, dass in unseren Zeiten globaler wirtschaftlicher Zusammenhänge mit dem sich anbahnenden Handelskrieg zwischen den USA und China und der EU und anderen der mühsam erarbeitete momentane Wirtschaftsaufschwung einen spürbaren Dämpfer erhalten wird.
Allerdings ist absehbar, dass sich früher oder später die Augen der meisten Beteiligten mit Tränen füllen werden. Vielleicht nicht gerade bei Politikern oder Wirtschaftsbossen. Aber bei all denen, bei denen es dann kein Auskommen mit dem Einkommen mehr gibt. Die auf der Straße stehen, keine Arbeit mehr haben, keine Zukunft. Und die zum Beispiel in Deutschland mit Wehmut an die Zeiten zurückdenken werden, als wir kein größerer Problem hatten, als fünf Asylbewerber täglich in ihre Ankunftsländer zurück zu schicken.

Bare Münze

Das Prinzip ist alt. Man muss nur oft genug etwas behaupten. Und irgendwann nehmen es die Menschen für bare Münze. Also zumindest ein Großteil der Menschen. Gibt ja immer irgendwelche Querulanten, die glauben, sie müssten an der Realität festhalten. Aber weil sie eine Minderheit sind, ist das eigentlich eher unerheblich. Weshalb es durchaus erfolgversprechend ist, wenn CSU-Politiker emsig bemüht sind, mindestens ein Mal in jedem Satz, den sie absondern, das Wort „Asyl-Tourismus“ unterbringen.

Eine andere Methode, gerade von einem US-Präsidenten praktiziert, hat aber auch seinen Reiz. Auch wenn das Prinzip ebenso alt ist, wie das oben beschriebene. Auf Grund seiner Anweisungen wird nämlich eine Situation geschaffen, die vielen Menschen zu Herzen geht. Sie sorgen dafür, dass Kinder von ihren Müttern getrennt werden, oft können sie sich noch nicht einmal verabschieden. Und dann in Camps oder ehemaligen Supermärkten oder bei Pflegeltern unterkommen. Ohne dass die Kinder wissen, wo ihre Mütter sind. Die sind nämlich im Gefängnis. Wegen illegaler Einreise.

Was bei vielen Menschen und ganz besonders bei den Demokraten Entrüstung hervorruft. Denen der US-Präsident jetzt sagt, dass sie ja schuld am Schicksal der Kinder wären. Denn wenn sie, die Demokraten, nicht die Pläne für den vom US-Präsidenten seinen Wählern versprochenen Mauerbau an der mexikanischen Grenze torpedieren würden, dann müsste er auch nicht Anweisungen geben, denen zufolge Kinder von ihren Müttern getrennt werden. Jetzt ist nur noch die Frage, wer zuerst einen Erfolg vermelden kann. Es ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Die Folgen dürften allerdings gleich desaströs sein.

Selbstdarsteller

Hört das denn nie auf? Möchte man sich angesichts der aktuellen Ereignisse fragen. Der Handelskrieg durch die USA ist mit einem Schuss vor den Bug der EU eröffnet. Scheinbar ist ihnen Pearl Harbor eine Lehre gewesen. Außerdem sind Nationalisten Hand in Hand mit den Populisten auf dem Vormarsch. Womit praktisch all den langjährigen deutschen Toskana-Touristen der Krieg erklärt wird. Müssen die sich doch jetzt die Frage stellen, ob es noch mit dem Liberalismus vereinbar ist, wenn zwischen Siena und Campiglia Marittima Lega und 5-Sterne-Bewegung regieren. Einmal davon abgesehen, dass auch Spanien ein Wackelkandidat ist, und das nicht nur, weil das Wasser für die Tomaten knapp wird.

Dass es andererseits so einfach ist, eine Sache nicht nur in den Sand zu setzen, sondern auch gänzlich von der Bildfläche verschwinden zu lassen, dafür ist dieser/dieses Blog ein glänzendes Beispiel. Einmal auf Malle ein paar Tage lang den Kopf in den Sangria-Topf gesteckt – und schon ist alles, was in jahrelanger Kleinarbeit aufgebaut wurde, dahin. Das Resultat: Kein Schwein klickt ihn an, um es im Jargon eines Schlagers der 1930er Jahre aus den Mündern der Comedian Harmonists auszudrücken. Die zweite Zeile lautet übrigens: Keine Sau interessiert sich für mich. Vielleicht stellt sich ja ein ähnlicher Effekt ein, wenn einfach mal und ein paar Tage lang niemand Meldungen in die Welt setzt. Und somit all diesen Selbstdarstellern der Boden unter den Füßen weggezogen wird.

Ablenkungsmanöver

Nachdem die unabhängige „Organisation für das Verbot chemischer Waffen“ (OPCW) festgestellt hat, dass es keinen Hinweis darauf gibt, dass der bei der Gift-Attacke auf den russische Ex-Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tochter Julia verwendete Giftstoff explizit aus Russland stammt, bleibt nach meinem unmaßgeblichen Eindruck nur eine Erklärung für das Verhalten von Englands Premierministerin Theresa May. Dass sie sofort und ohne Beweise vorzulegen Russland dafür verantwortlich machte und russische Diplomaten des Landes verwies, hat wohl nur dazu gedient, in England die Diskussion über den Brexit und seine Folgen runterzufahren.

Ganz anders also als in Afghanistan, das zugegebenermaßen momentan auch keinen Austritt vorhat, der der Bevölkerung schwer zu erklären wäre. Die haben sogar von einem hohen US-Militär die Bestätigung bekommen, dass die Drohnen, die mit ihren Bomben Zivilisten in ihrem Land töten, Kinder, Frauen, junge und alte Männer, aus den USA kommen und von deren Soldaten gesteuert und eingesetzt werden. Wobei es bis heute keinen Beweis dafür gibt, dass es unter diesen hunderten Getöteten und Verletzten auch nur einen einzigen Ex-Spion gegeben hat. Bis jetzt ist jedenfalls noch nicht einmal bekannt, dass die afghanische Regierung auch nur im entferntesten daran denkt, US-Diplomaten auszuweisen.

Hat sie es getan?

Warum gibt es eigentlich so etwas nicht bei uns. Beste Sendezeit, ein Fernsehsender der für investigativen Journalismus bekannt ist. Also sagen wir mal Sat1. Oder auch n-tv. Und dann gesteht eine Frau dem Moderator, dass sie mit der Bundeskanzlerin Sex gehabt hätte. Einvernehmlich. Halt, das geht ja schon mal gar nicht. Also vielleicht liegt es daran. Dass wir eine Bundeskanzlerin haben. Die USA haben es da besser. Bei denen ist es gerade passiert. Stormy Daniels hat behauptet, dass sie mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika einvernehmlichen Sex gehabt hätte.

Was selbst dadurch nicht glaubwürdiger wird, dass dies bereits 2006 geschehen sein soll. Man kann sich nicht vorstellen, dass Trump damals nicht schon Trump gewesen ist. Es gibt nur einen Grund, die Sache annähernd für plausibel zu halten. Stormy Daniels, die übrigens derzeit mit dem Slogan „Make America Horny Again“ durch Strip-Clubs tourt und auch schon durchaus erfolgreich für Pornos vor der Kamera stand, sagte nämlich dem TV-Reporter, dass sie für diesen Job mehr Geld bekommen habe, obwohl sie den gleichen Job gemacht habe, den „sie immer gemacht hat“.

Blaue Bänder

Wahrscheinlich ist es der Frühling. Kann ja nicht mehr so lange dauern. Jedenfalls scheinen die Testosteron-Werte schon mal so langsam anzusteigen. Ungarns Orban träumt von einer Schlacht. In Russland, dem Land, in dem Präsidenten auf Tigern reiten, überlegt man sich Vergeltungsmaßnahmen. Weil nämlich ein US-Präsident endlich die Eier hatte, Sanktionen auszusprechen, wie es der Kongress schon vor einiger Zeit angeordnet hat. Könnte sein, dass der Schwiegersohn bis jetzt dagegen war.

Doch während der Frühling seine Boten und diversen Bänder schon mal durch die Land flattern lässt, gibt es durchaus auch Meldungen, die winzig kleine Hoffnungen sprießen lassen. Wie zum Beispiel jene bezüglich der Tatsache, dass es in Jerusalem ein Kinderkrankenhaus gibt, in dem israelische und palästinensische Kinder von palästinensischen und israelischen Ärzten behandelt werden. Finanziell unterstützt von einer französischen Ärztin, die rein zufällig Jüdin ist. Was mich dann glauben lässt, dass wir vielleicht einfach nur mehr Ärzte wie diese bräuchten.