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Weltfrauentag

Da knallen wohl wieder die Champagnerkorken. Am Welttag der Frauen. Denn was haben sie nicht alles erreicht. In den Konzernführungen sind Männer immer noch Spitze. In der Politik gibt es in der BRD weniger Frauen denn je. Was vielleicht zwangsläufig ist, kriegen sie ja auch immer noch weniger Lohn als Männer. Für die gleiche Arbeit.

Und Frauen sind immer noch weniger geschützt als beispielsweise heimische Vögel. Weshalb ein Mann bei einer Vergewaltigung häufig weniger zu befürchten hat als beispielsweise ein Ladendieb. So können Männer in diesem unseren Lande richtig zufrieden sein, wenn sie am Welttag der Frauen die Champagnerkorken knallen lassen.

Falsche Adresse

Hat er mal wieder Medien- und Empörungs-Hype ausgelöst, der Partei- und Fraktionsvorsitzende der AfD im Bundestag, der passionierte Kanzlerinnen-Jäger Alexander Gauland. Geht aber wohl nicht anders, wenn man vor dem Nachwuchs und dann auch noch in Thüringen glänzen will. Außerdem war ein gewisser Bernd alias Björn Höcke im Saal, da muss man schon anständig was raushauen. Womit Gauland ja noch nie ein Problem hatte.
Und so folgte einem Bekenntnis zur Verantwortung „für die zwölf Jahre“ des Tausendjährigen Reiches, auch unter „Weltkrieg“ und „Holocaust“ in den Geschichtsbüchern zu finden, auch noch gleich seine ganz persönliche historische Einordnung für diese Zeit. O-Ton Gauland: „Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte.“
Möchte man vielleicht noch anmerken, dass dieser „Vogelschiss“ zig Millionen Menschen das Leben kostete. Aber das soll nicht das Thema sein. Was ich deplatziert finde, das sind jetzt die vielen verbalen Attacken gegen Alexander Gauland. Die sich jetzt – wieder mal – empören, dass so jemand im Bundestag sitzt, sie vergessen gänzlich, dass dieser Mann dort sitzt, weil ein erklecklicher Teil von Volkes Stimme seine völkische Partei und ihn gewählt haben. Da liegt doch der Hase im Pfeffer. Respektive der Vogelschiss im Gehirn.

Frühling

Sie leuchten dieses Jahr ganz besonders in der Landschaft, die Forsythien mit ihrem kräftigen Gelb. Aber allenthalben haben Farben das Zepter in der Natur übernommen. Die Wiesen sind schon wieder recht saftig, Bäume haben ihr erstes Grün angelegt. Die Vögel zwitschern schon mit Tagesanbruch und sind den ganzen restlichen Tag damit beschäftigt, dem Nachwuchs ein Heim zu bauen. Alles signalisiert Aufbruch und Neuanfang. Sogar die Knospen des etwas bedächtigeren Flieders scheinen kurz davor zu stehen zu explodieren. Die Raketen, die in Syrien niedergegangen sind, haben das schon hinter sich.

Abendsonne

Es gibt einfach solche Tage. Morgens sieht alles ruhig aus. Nichts , was zu erledigen ist und nicht auf Morgen verschoben werde könnte. Dann streikt ein Gerät, plötzlich ist etwas dringend zu erledigen, und das Mittagessen soll auch pünktlich auf dem Tisch stehen. Und als hätten sich alle und alles verabredet, geht es am Nachmittag so weiter. Nachbarschaftshilfe, eine Besorgung, die gefühlt Stunden dauert, weil überall Staus sind, und dann noch etwas, das keinen Aufschub duldet und die Zeit bis zum Abend in Anspruch nimmt. 

Doch es ist noch angenehm warm draußen, man kann sich mit einem Bier vor das Haus setzen, und die Nachbarn nicken verständig mit dem Kopf, wenn sie vorbeigehen. Auch wenn es die gleichen Geräusche sind wie sonst auch, es herrscht Ruhe. Kein Blick auf das Morgen, der Tag ist zu den Akten gelegt, der Vogel, der vorbeifliegt, ist wichtiger. Die Terroristen haben sich im Kopf schlafen gelegt, die Wahlprogramme knistern im Kamin, und der Steuerbescheid soll ruhig kommen, die Sonne steht trotzdem noch am Himmel. Doch morgen kann wieder alles ganz anders sein. Vielleicht gibt es kaum etwas zu tun.

Vogelgezwitscher

Man könnte sich als Blogger eigentlich schön entspannt zurücklehnen. Zumindest aktuell müssen nicht mehr Einreiseverbote von bestimmten Politikern thematisiert werden. Endlich kann man also wieder guten Gewissens Döner essen. Und vielleicht haben sich die Medien ja entschlossen, nicht mehr über jede Blähung zu berichten. Jedenfalls hat auch die Schlagzahl der Tweets von jenseits des großen Teiches sehr stark nachgelassen. Fast könnte man den Eindruck haben, dass da jemand angefangen hat, nachzudenken statt zu tweeten.

Und hat sich mal jemand die Mühe gemacht nachzurechnen, wann zum letzten Mal das Wort „Obergrenze“ zu lesen oder zu hören war? Gefühlt sind das Wochen. Fast scheint es, als wäre der Frühling mit seinem fröhlichen Vogelgezwitscher, den freundlichen Farben und dem blauen Band auch bei den Nachrichten eingezogen. Wenn da nicht wieder einmal eine junge Frau gesucht werden würde. Dass sie sich nur verlaufen hat, das wäre zu schön, um wahr zu sein.

Spaziergang

Es ist eine schöne Landschaft. Sanfte Hügel. Wiesen und Felder. Manchmal von einem kleinen Waldstück begrenzt. Sähe man nicht am Horizont einen Kirchturm, könnte man sogar glauben, dass es vielleicht eine menschenleere Gegend wäre. Eine Gegend, in der nur die Natur das Sagen hat. Was dem Ganzen einen friedvollen Anstrich gibt. So könnte man auf diesem Spaziergang alles vergessen, was sonst den Schlaf raubt. Man könnte sich im Blau des Himmels verlieren. Dem Gesang der Vögel lauschen. Sich mit einem zufriedenen Seufzer ins Gras sinken lassen und das alles von Herzen genießen. Was aber nur für einen kurzen Moment gelingt. Denn der Kopf spielt nicht mit. Er hat Bilder und Gedanken mitgenommen.

Hitzeschaden

Immer mehr und auf Grund mannigfaltiger Beispiele komme ich zu der unumstößlichen und deprimierenden Überzeugung, dass der Mensch an sich und leider auch im Allgemeinen ein vollkommen unvollkommenes Geschöpf ist. Wenn ich mich anderweitig in der Natur so umschaue, dann finden sich natürlich auch das Eine oder Anderes, was man sich durchaus leicht optimiert vorstellen könnte. Nur hat diese eventuelle Unvollkommenheit bei weitem nicht die Tragweite wie beim Menschen. Nachdem dieser ja am liebsten glaubt, die Welt nach seinem Gutdünken, das sich allzu oft als ausgesprochen schlecht entpuppt, gestalten zu müssen. Und die eigene Spezies gleich und vorrangig mit.

Eltern glauben, dass ihre Kinder ihrem Vorbild folgen müssten. In Beziehungen wird an Stellen Symbiose gesucht, an denen Gegensätzlichkeit höchst wahrscheinlich viel spannender wäre. Und Politiker gehen sowieso grundsätzlich davon aus, dass sie wüssten, wo es lang gehen müsste. Wobei es sie auch nicht beunruhigt, dass die Kollegin oder ein Kollege ganz andere Verfahrensweisen und Ziele anvisiert. Von Fanatikern, von denen es auch nicht gerade wenige gibt,  wollen wir gar nicht erst sprechen.

Weshalb ich für meinen Mikrokosmos ein Projekt gestartet habe. Ich will einmal sehen, was passiert, wenn ich nicht mehr allem und jedem erzähle, was er wie zu tun und zu lassen hat. Und besonders interessant finde ich dabei auch, was mit mir passieren wird, wenn ich das eine Weile durchhalte. Werde ich zu mehr Gelassenheit finden? Oder als Nächster in den Schlagzeilen auftauchen, der ein Massaker veranstaltet hat? Vorsichtshalber sollte ich mir vielleicht ein Beispiel an der Nachbarskatze nehmen. Die lässt sogar Vögel in Ruhe.