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Liebe der Algorithmen

Also da können andere wirklich noch etwas von der AfD lernen. Was ihre Klamotten angeht, sind sie ja nicht immer so richtig stilsicher. Was allerdings ja auch einfach daran liegen könnte, dass diese schicken braunen Uniformen bei uns nicht so gerne gesehen sind. Aber wenn es um Social Media geht, da sind sie ganz weit vorne.
Sie kriegen nämlich bei Facebook für so einen richtig guten Knaller-Post annähernd drei mal mehr Likes als alle anderen inländischen Parteien zusammen. Weil die nämlich noch nicht gemerkt haben, wie so eine Plattform für Freunde funktioniert. Es geht nämlich gar nicht darum, was man postet. Die berühmt berüchtigten Algorithmen müssen nur merken, dass sich Leute dafür interessieren. Und schon schlagen sie den Post noch viel mehr Menschen vor.
Und so weiter. Und so weiter. Und so weiter. Und was interessiert Menschen eigentlich zu jeder Tages-und Nachtzeit? Klar doch: Diffamierungen, Lügen, Übertreibungen. Und am liebsten unter der Gürtellinie. Oder knapp darüber. Argumente? Das ist was für Weicheier. Für Pussys. Und bringt keine Likes. Auch nicht im Zusammenhang mit Wahlen. Da sind die ganz einfachen Unwahrheiten ganz besonders beliebt.

Lustig

In den letzten Jahren sah es ja eher so als, als hätte man als Rassist, notorischer Lügner oder gerne auch Sexist die besten Chancen Präsident oder Regierungschef eines Landes zu werden. Es könnte sein, dass das wohl demnächst revidiert werden muss. Weil nämlich Beppe Grillo mit der MoVimento 5 Stelle offensichtlich nicht nur ein leicht durchgeknallter Pausenclown war, sondern auch ein Trendsetter.

Denn jetzt sind ja in der Ukraine Wahlen. Und wer hat die besten Prognosen? Richtig, ein Entertainer. Ein Comedian. Kabarettist. Dessen Wahlkampf vor allem darin besteht, dass er weiterhin Folgen für die ukrainische Fernsehserie „Diener des Volkes“ dreht. In der er einen Präsidenten mimt, der eigentlich ein Geschichtslehrer ist. Ich versuche mir gerade Mario Barth als Bundeskanzler vorzustellen.

 

Happiness

Ich habe heute ein Magazin entdeckt. Das nicht nur verspricht, einen glücklicheren Menschen aus mir zu machen. Ich werde ganz bestimmt ein anderer Mensch sein, wenn ich jede Ausgabe dieses Magazins kaufe, das Happiness zwar nicht neu definiert, aber zumindest anders schreibt. Für nicht ganz sechs Euro kann ich jedenfalls meine Innerlichkeit entdecken.

Was für mich persönlich nicht so ganz einfach sein wird, denn ich weiß noch nicht einmal, wer meine Innerlichkeit ist. Aber ich bin trotzdem zuversichtlich. Denn was dieses Magazin verspricht, das war schon in tausenden Kalendersprüchen enthalten. Und die können ja nicht irren. Alleine schon, weil so ja alles, was man oft genug behauptet, irgendwann für viele Menschen zur Wahrheit wird.

Nach diesem Prinzip werden nicht nur „Mindstyle“-Magazine gekauft, sondern auch Präsidenten gewählt. Wie jetzt wieder in Brasilien. Was Umfragen berechenbarer machen kann. Vielleicht nicht nach der Partei fragen, die jemand zu wählen gedenkt. Sondern einfach fragen, welches Magazin jemand kauft.

Zugewinne

Wenn an diesem Wochenende in der Bundesrepublik Deutschland Wahlen wären, dann wäre das das Ende der derzeitigen Regierung. In einer aktuellen Umfrage kommen die Unionsparteien gerade mal auf 29 Prozent. Die SPD hält sich wacker bei ihren 18 Prozent. Was eben nicht die Mehrheit bedeuten würde, die notwendig wäre, um eine Regierung zu bilden. Mit der AfD würde es für die Unionsparteien allerdings auch nicht reichen, die kommen zwar Dank der Unions-internen Asyldebatte auf 17 Prozent. Ist aber auch zu wenig. Es ginge also nichts ohne Grüne, FDP oder – noch verwegener – ohne die Linke. Die alle entweder auch verloren haben oder stagnieren.

Die Einzigen die in diesen Zeiten Zugewinne verzeichnen und beim Wahlvolk mehr und mehr Zustimmung erfahren, das sind Hersteller und Vertreiber von Getränken. Einziger Nachteil: Sie sind noch nicht zu Wahlen zugelassen. Wäre aber vielleicht eine Idee für die Zukunft. Nachdem viele Wissenschaftler davon überzeugt sind, dass wir mit diesem Bilderbuch-Sommer den Beginn einer neuen Ära erleben dürfen, hätte wahrscheinlich eine Getränke-Partei die besten Chancen, als Volkspartei für neue Mehrheiten zu sorgen. Und das Zeug, integrierend zu wirken. Mit Getränken aus aller Welt und mit und ohne Alkohol. Müsste man nur darauf achten, dass sich nicht Nestlé und Co. in dieser Partei so breit machen, wie sie es in der Wirtschaft tun.

Geschmacksache

Wahrscheinlich muss man das mit viel Sinn für Realität sehen. Schließlich gibt es ja auch beispielsweise in unserer Republik nicht wenige Menschen, die sich mit möglichst wenig Geld die Illusion erkaufen, sie würden sich mit einem Griff ins Kühlregal ihres Discounters ein leckeres Stück Fleisch auf den Teller zaubern. Durchaus auch verleitet von der würzigen Geschmack verheißenden Marinade, die in Wirklichkeit unter Umständen vor allem von dem leichten Grauton des Fleisches ablenken soll. Wobei es sie kaum belastet, dass das ausgesprochen ungesund ist, was sie da machen.
Und so hat man jetzt auch in Ungarn zu den Wahlzetteln gegriffen, um den Regierungschef wiederzuwählen und mit einer satten Mehrheit auszustatten, der ihnen viel versprochen hat, von dem jeder weiß, dass es für das Geld nicht zu haben ist. Weshalb man auch gerne den Verlust von dem einen oder anderen demokratischen Grundrecht verschmerzt. Und ich finde, dass Verständnis für diese Menschen angebracht ist. Bei uns entscheidet sich ja auch eine satte Mehrheit für etwas, das ausgesprochen ungesund ist. Menschen lassen sich nur sehr bedingt vom Verstand leiten, wenn ihnen die Möglichkeit geboten wird, ein bisschen zu träumen.

Sehnsuchtsland

Was ist das für ein Land. Hier braucht man keine Angst haben, dass überraschend Populisten eine Wahl gewinnen. Hier gibt es stabile Mehrheiten, die keine, sich über Monate hinziehende Koalitionsgespräche notwendig machen. Und das Soziale scheint hier geradezu zu Hause zu sein. Gibt es doch einige Berichte, dass verschiedene Wähler netterweise gleich die natürlich schon ausgefüllten Wahlzettel von Nachbarn und Freunden mitgenommen und in die Wahlurnen geschmissen haben.

In diesem Land gibt es auch kein andauerndes Gerede, dass die Bevölkerung gespalten wäre. Und wenn es trotzdem mal zu vereinzelten ungerechtfertigten diesbezüglichen Behauptungen kommt, vielleicht sogar der amtierende und natürlich gleichzeitig zukünftige Präsident völlig ungerechtfertigt kritisiert wird, dann sorgt ganz schnell die klare und sehr frische Luft Sibiriens dafür, dass dem oder den Betroffenen der Kopf wieder klar wird.

Und nur vor Neid erblassen kann man, wenn man sich ansieht, welch hohes Niveau die IT-Experten in diesem Land haben. Die schaffen wirklich jede Firewall. Nur wenn es darum geht, Staatsfeinde im Ausland nicht nur mundtot zu machen, stellen sie sich etwas dilettantisch an. Also da könnte dieses Land wirklich noch etwas vom Mossad lernen. Aber dass das noch besser wird, dafür zu sorgen, hat der neue alte Präsident jetzt ja sechs Jahre Zeit. Wenn man das nur auch von einer anderen Großmacht sagen könnte.

Jahresrückblick

Manches ist aus der Erinnerung gefallen, lässt sich aber rekonstruieren. So kann man zum Beispiel aus der Tatsache, dass man hierzulande immer noch damit beschäftigt ist, irgendwie und mit irgendwem eine Regierung zu bilden, ableiten, dass wohl Wahlen waren. Allerdings habe ich bis heute keine Ahnung, wer aus diesen als Sieger hervorgegangen sein könnte. Nur das Gefühl, dass kein Unterschied auszumachen war. An der Politik hat sich jedenfalls nichts geändert. Also nur kein Risiko, nur nichts Neues, immer so tun, als ob alles in biologischer Butter wäre. Die wirklichen Probleme soll doch bitte die Zeit oder irgendjemand anderes lösen. Das war und ist die Devise.

Was sich von allen anderen Ländern des sogenannten Westens übrigens auch sagen lässt. Außer dem Florieren der Wirtschaft stand nichts Dringliches auf der Agenda. Garniert natürlich mit ein bisschen Sozial-Schi-Schi. Und das natürlich über die Landesgrenzen hinaus. Kleines Beispiel gefällig? Für Guatemala geht man davon aus, dass etwa zwei Prozent der Landeigentümer fast 70 Prozent des fruchtbaren Bodens besitzen. Als eine Landreform von den UN gefordert wird, scheitert sie am Veto der USA. So sterben zwar weiterhin jedes Jahr zehntausende Kinder unter zehn Jahren. Aber US-Konzerne behalten ihre Plantagen.

Aber sprechen wir doch lieber mal von den positiven Entwicklungen in unserem Land. Auch wenn mir gerade nichts einfällt, es hat sie sicher gegeben. Wenn es wirklich jemand ganz genau wissen will, am besten Frau Merkel direkt fragen. Die weiß das. Halt, jetzt weiß ich es wieder: Der Dieselskandal hatte keine negativen Auswirkungen auf die Bilanzen der Autohersteller! VW hat sogar zugelegt. Also können wir getrost weiterhin Braunkohle fördern. Mehr gute Nachrichten müssen ja wirklich nicht sein. Vielleicht darf ich immerhin noch anmerken, dass bei mir eine Erkältung überraschend schnell abgeklungen ist. Ohne dass die Pharma-Konzerne die Gewinnerwartungen senken mussten. Weshalb man in der Summe der Dinge einfach nur sagen kann, dass es ein gutes Jahr war.