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Wahlkampf

Brasilien hat einen neuen Präsidenten. Und die Netzgemeinde ein Problem. Also zumindest der Teil, der sich nicht für Rassisten, Rechtsradikale und Faschisten, frauenfeindliche Hetze, alternative Fakten und notorische Lügner begeistern kann. Denn während uns Mark Zuckerberg noch in Anzeigen erklären muss, wie wir Facebook zu unserem Facebook machen können, haben Rechtspopulisten wie Jair Bolsonaro schon längst begriffen, wie man sich des Internets bedient, um Wahlen zu gewinnen. Oder zumindest seine Unterstützer.

Nämlich mit Fake-News, mit denen man zum Beispiel die sogenannten sozialen Medien flutet. Und so gegen Zeitungen oder den Gegenkandidaten hetzt. Ihn unterstützende Unternehmer haben dafür 2,8 Millionen Euro locker gemacht. Und ihre Wirkung konnten die Falschmeldungen, vor allem über WhatsApp verbreitet, in aller Ruhe entfalten. Weil es wieder mal dauerte, bis die Profile gesperrt wurden, hinter denen vier Agenturen stehen sollen. Und Reichweite hatte die Kampagne auch: WhatsApp hat in Brasilien 120 Millionen User.

Die zum Beispiel eine Frau sehen konnten, die angeblich brutal von den Anhängern der Arbeiterpartei des Herausforderers von Bolsonaro zusammengeschlagen wurde. War aber dann doch eine Schauspielerin. Außerdem schon verstorben. Konnte der Algorithmus ja nicht ahnen. Der orientiert sich daran, wie oft eine Meldung geklickt wird. Und schiebt sie immer schön weiter nach oben, je häufiger sie geklickt wurde. Dass sich Präsidentensohn Eduardo während des Wahlkampfes mit Ex-Trump-Wahlkampfchef Steve Bannon getroffen hat, hat damit natürlich nichts zu tun. Aber ich würde gerne darauf verzichten, dass Facebook mein Facebook ist, wenn sich Zuckerberg darum kümmern würde, dass Facebook oder sein WhatsApp nicht den Hetzern, Rassisten und Faschisten gehört.

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Schleichkatze

Also irgendetwas würde mir schon auch selber einfallen. Aber manchmal muss man einfach und neidlos anerkennen, dass jemand anderes eine wirklich gute Idee hatte. Deshalb schließe ich mich heute einfach dem an, was @schleichkatze auf www.twitterperlen gepostet hat.

Bescheuert

Ob er eigentlich schon gemerkt hat, dass wir ihn gar nicht mehr brauchen, den guten, alten Recep Tayyip Erdoğan? Er hat wohl ausgedient. Deutschland wird zum Selbstversorger. Denn wir haben zum Beispiel einen Scheuer. Der schon immer gerne mal losflegelte. Wie jetzt anlässlich der Diskussion um den sogenannten G20-Gipfel. Und als mutiger Bayer den Präsidenten vom Bosporus auch schon einen Despoten genannt hat. Weshalb der eine halbe Sekunde nicht schlafen konnte. Zwar hat der CSU-Generalsekretär noch nicht mit einem Nazi-Vergleich gepunktet, wie jener. Aber den hebt er sich wohl für bessere Zeiten auf.

Aber er ist eindeutig unser Hoffnungsträger. Er könnte wesentlich dazu beitragen, dass der anstehende Wahlkampf etwas Leben in unseren tristen Alltag bringt. Wobei man nur hoffen kann, dass sich andere ein Beispiel an ihm nehmen. Dann spielen wir bald nicht nur besser Fußball als die Türken, sondern pöbeln auch noch besser als sie. Ich trainiere vorsichtshalber schon mal ein bisschen. Damit ihr Dumpfbacken und Flachwichser nicht die Nerven verliert und eure Sicherungen durchbrennen, wenn die Wahlkampfkacke so richtig am Dampfen ist.

 

 

 

Wahl-Placebos

Wir haben Menschen, die Angst haben, ohne zu wissen, ob es wirklich einen Grund für diese Angst gibt. Es gibt Menschen in diesem Land, denen es gut geht. Die aber finden, es müsste ihnen noch besser gehen. Dann sollte man jene nicht vergessen, denen es wirklich dreckig geht, die aber keine Lobby haben. Auch die nicht, die sich berechtigte Sorgen um Deutschland, Europa und unsere Erde machen. Und selbst die Tatsache, dass wir sogenannte Abgehängte haben, darf man nicht leugnen. Auch wenn es unter diesen welche gibt, die gerne jemanden aufhängen würden.

Es ist also ein breites Spektrum, das sich den Parteien bietet. Und wohl wirklich keine Übertreibung zu sagen, dass es auch um Machterhaltung und den Drang nach Macht geht. Schließlich sind Politiker auch nur Menschen. Trotzdem würde ich mir wünschen, dass wenigstens in diesem Wahlkampf, der nach Meinung der Medien ja jetzt schon richtig Fahrt aufgenommen hat, einmal nur versprochen wird, was auch einigermaßen sinnvoll und machbar ist. Und nicht, was nur dem Einfangen von Wählerstimmen dient. Wahl-Placebos lösen keine Probleme.

Pauschalreisen für Politiker

Der Mann hat Recht. Was ist das für eine Demokratie, in der die freie Meinungsäußerung durch Verbote von Versammlungen unterbunden wird. Und ist es nicht auch das gute Recht eines jeden, der in einem Land lebt, in dem unliebsame Meinungen durch das Verbot von Versammlungen und sogar Gefängnis geahndet werden, wenigstens in einem anderem Land Gelegenheit zu haben, seine Meinung zu sagen. Und das vor allem, wenn dort auch noch Landsleute leben. Weshalb jetzt auch Marine Le Pen und Geert Wilders ihren Besuch angekündigt haben. Schließlich ist auch in ihren Heimatländern Wahlkampf. Und in Deutschland leben ja Franzosen wie auch Holländer.

Und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un beabsichtigt sogar, das generelle Ausreiseverbot zu lockern und gezielt Nordkoreaner nach Deutschland zu schicken. Damit auch er das gute Recht hat, hierzulande Versammlungen abzuhalten und vor Landsleuten für seine Politik zu werben. Und Donald Trump soll sogar angekündigt haben, obwohl er nicht genau wisse, ob in den USA überhaupt gerade Wahlkampf wäre, ein Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel abzusagen und dafür lieber in der Arena von Schalke vor Landsleuten Amerika groß zu reden.

Es wird nicht lange dauern und die ersten Reiseunternehmen, an ihrer Spitze sicher Öger Tours, werden Pauschalreisen für Politiker, die in anderen Ländern Wahlkampf machen wollen, in ihr Angebot aufnehmen. Und damit so etwas wie in Gaggenau nicht noch einmal vorkommt, mit der Klausel, dass für den Fall eines Verbotes die Klage vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag wegen Verbrechens gegen die Menschenrechte schon im Preis mit enthalten ist.

Vertane Chance

Schade, dass er nicht ganz einfach und explizit gesagt hat, dass er für sich keine allzu große Chance sieht als Kanzlerkandidat. Auch weil ihm der Rückhalt in der Partei fehlt. Dass er es wohl durch sein bisheriges Auftreten und Agieren vergeigt hat. Und es deshalb lieber jemand anderes versuchen lässt.

Hätte ja nicht unbedingt mit genau diesen Worten sein müssen. Aber klar und deutlich hätte es sein können. Das hätte für einen Augenblick ein Moment von menschlicher Größe in die Politik gebracht. Ein Glitzern, das nicht einem künstlichen Feuerwerk geschuldet gewesen wäre. Aber ich bin wohl ein allzu postfaktischer Träumer.

Schlaflos in Deutschland

Die vergangene Nacht war besonders übel. Stundenlang habe ich mich hin und her gewälzt. Worin sich die Nervosität widerspiegelt, die mich auch schon an den Tagen gefangen gehalten hat. Es ist die Kanzler-Frage, die mich umtreibt. Politisch korrekter gesagt, die KanzlerInnen-Frage. Und was damit verbunden ist. Überlegt doch jetzt angeblich schon der SPD-Vorsitzende, ob er nicht sein Amt des Wirtschaftsministers und Vizekanzlers aufgeben soll, damit er im anstehenden Wahlkampf ohne Rücksicht auf Verluste und Noch-Kanzlerin und Noch-Koalitionspartnerin Angela Merkel agieren kann. Was natürlich moralisch einwandfrei und politisch korrekt ist. Schließlich ist halt nicht jeder ein bayerischer Ministerpräsident.

Es lässt mich trotzdem nicht schlafen. Vor allem, weil ich an das ganze schöne Geld denke, das verbrannt werden wird. Denn welcher völlig bekiffte Algorithmus hat Herrn Gabriel ausgerechnet, dass die SPD überhaupt einen Kanzlerkandidaten braucht. Mir tut es heute schon um das Geld leid, das für Schulen, Kitas und Krankenhauspersonal so dringend gebraucht würde. Aber wohl dafür ausgegeben werden wird, dass etwas eintritt, was sowieso selbst unter Miteinbeziehung eines Wunders wohl kaum eintreten kann.

Sondern höchstens noch einen ähnlichen Effekt beschleunigen könnte, wie wir ihn soeben bei den Wahlen einer Weltmacht erleben durften. Dass nämlich Menschen noch besser ins Rennen kommen, die Politik für eine Art Daily Soap halten. Während sich das politische Establishment unter Einsatz von größeren Summen gegenseitig zu demontieren versucht und hämisch lachenden Dritten den Weg ebnet. Als hätten wir nicht eine so brisante Situation, die es erfordern würde, mal alle persönlichen Eitelkeiten beiseite zu lassen und eher für Konsens auf der Suche nach möglichen Lösungen zu sorgen.

Als ich in den frühen Morgenstunden doch noch etwas Schlaf fand, habe ich dann leider auch noch angefangen zu träumen. Dass nämlich die etablierten Parteien vereinbart hätten, sich Geld schonend im Wahlkampf auf die sachliche Darstellung ihres politischen Programmes zu beschränken. Und parallel dazu gemeinsam an einem parteiübergreifenden Papier zu arbeiten, in dem die Probleme unserer Zeit benannt und mögliche Lösungen angedacht werden. Als Empfehlung und Arbeitsgrundlage für eine kommende Regierung.

Mit dem Ziel, anstehende große Aufgaben wie zum Beispiel gleiche schulische Ausbildung für die Kinder aller Einkommensgruppen, Neuorientierung des kranken Gesundheitswesens, Verringerung des CO²-Ausstoßes unter Miteinbeziehung der fast schon braunen Kohle, Ausbau und Entwicklung weiterer alternativer Energien, Zurückführen des Individualverkehrs, ein annähernd ausgewogenes Steuer- und Erbrecht, etc. einmal anzugehen, ohne sie für die Erhaltung eigener Pfründe zu missbrauchen. Ich bin natürlich sofort wieder und schweißgebadet aufgewacht. Und beschloss, heute Abend lieber gleich eine Schlaftablette zu nehmen und morgen einen Termin bei meinem Therapeuten zu vereinbaren.