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Hundeleben

Wer hat nicht schon einmal in die traurigen Hundeaugen geblickt, wenn die Champagnerkorken knallen, Weinflaschen entkorkt werden, Menschen also fröhlich miteinander und zur Freude der Finanzämter, Ärzte und Krankenhäuser feiern. So ein Schlückchen in Ehren kann eben niemand verwehren, und irgendwo muss ja die ausgelassene Stimmung herkommen. Doch der zweitbeste Freund von Männern hat da immer das Nachsehen, blieb für den Hund bisher doch gerade mal eine Schüssel mit Wasser, um ebenfalls in Feierlaune zu kommen.

Doch dieses Elend hat ein Ende. Dank eines Metzgers aus der Pfalz. Er hat nämlich die Fleischportion als Drink to go erfunden. Also Fleisch, das flüssig daher kommt, in Flaschen abgefüllt und bis dato in drei Geschmacksrichtungen vorgesehen ist. Was von einer Hundebesitzerin dankbar aufgegriffen wurde. Ihre Hunde bekommen jetzt zu besonderen Anlässen flüssiges Fleisch. Oder, wie sie es einem Reporter gegenüber nannte: Hundechampagner. Und um die Gleichbehandlung von Mensch und Tier abzurunden, werden von ihr dem Zamperl auch mal Kugeln mit schwarzem Trüffel serviert. So ein Tier soll ja auch nicht leben wie ein Hund.

 

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Sturm in der Schnabeltasse

Zugegeben, der Titel klingt etwas reißerisch. Was dann aber in der TV-Sendung „Operieren und kassieren – Ein Klinik-Daten-Krimi“ zu sehen und zu hören war, das ließ durchaus aufhorchen. Wurde dort doch eher mehr als weniger die These aufgestellt, dass Krankheit und Beschwerden und daraus resultierende Operationen kein Schicksalsschlag sein müssen, sondern sehr oft lediglich eine Frage des Wohnsitzes sind.

Offenbar verhält es sich mit Knie- oder Rückenbeschwerden so ähnlich wie mit Alkoholkonsum. Dort, wo es viele Kneipen gibt, wird auch mehr gesoffen. Und dort, wo es viele Krankenhäuser gibt und Kliniken, die Knie – oder Rückenoperationen im Angebot haben oder auch Herzschrittmacher einsetzen, dort gibt es einfach mehr Menschen, die am Knie, Rücken oder Herzen operiert werden müssen.

Kein Schelm, wer böses dabei denkt, sondern ein knallharter Realist. Die Redakteure der besagten TV-Sendung haben sich nämlich nicht nur die Mühe gemacht, diesbezügliche Daten zu sammeln, sie ließen sich auch noch ein Programm schreiben, das alle verfügbaren Daten in einen Zusammenhang brachte. Demnach muss z.B. ein Mensch, der sich gerne am Rücken operieren lassen möchte, nur in die Gegend von Fulda ziehen.

Seine Chancen, selbst ohne entsprechende Indikation operiert zu werden, sind hier in Relation zu manch anderer Gegend Deutschlands um mehr als 100 Prozent höher. Was in keinster Weise zu bedeuten hat, dass in der Gegend um Fulda mehr Menschen an Rückenleiden leiden. Es gibt einfach nur mehr Kliniken und Krankenhäuser, die ihre Betten nicht leer stehen lassen wollen. Schließlich haben wir einen freien Markt. Weshalb die Wellen der Empörung noch nicht einmal den Rand des Wasserglases erreichen werden.

 

Pure Life

Wieder einmal droht eine Dürrekatastrophe in Afrika. Dieses Mal insbesondere auch in Äthiopien, mehr als fünf Millionen Menschen sind laut Vereinter Nationen dort schon jetzt davon betroffen. Doch zum Glück haben die Schweizer nicht nur Ricola erfunden. Sondern auch einen Konzern, der es sich auf die Fahnen und in die Konzernbilanzen geschrieben hat, weltweit dafür zu sorgen, dass die Menschheit Kaffee in Kapseln, Babynahrung als Pulver, tiefgefrorene Pizza selbst in Afrika und überall auf dem Globus Wasser in Plastikflaschen bekommt.

Und auch für die Dürrekatastrophe in Äthiopien hat dieser Schweizer Konzern bereits eine Lösung gefunden. Dank einer engen Zusammenarbeit mit einer einheimischen Firma kann er täglich 1,2 Millionen Liter Wasser aus dem Boden Äthiopiens pumpen und in Flaschen abfüllen. Und so auch dafür sorgen, dass der Ausbau der Milchwirtschaft voranschreitet. Milchprodukte hat der Konzern in dem afrikanischen Land ebenfalls in seine Produktpalette aufgenommen hat.

So kann der US-amerikanische Präsident mit einem einzigen Tweet Geldforderungen der Vereinten Nationen ablehnen, da ja bereits für die Trinkwasserversorgung und die Ernährung mit Milchprodukten gesorgt ist, die 40 Millionen Äthiopier, die kein sauberes Trinkwasser haben, voll Zuversicht in die Zukunft schauen können. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis dieser Schweizer Konzern für sein soziales Engagement ausgezeichnet wird – und er endlich auch Kaffee-Kapseln in Äthiopien anbietet.

 

Es war einer dieser Tage, an denen die Farbe des Wassers mit jener des Himmels verschmilzt. Ruhig lag das Meer in der Mittagshitze und spiegelte sich im Blau des Firmaments. Es schien, als würde es keinen Horizont geben, keine Zeit und auch keinen Abend. Auch wenn sich die Blätter der Palmen hin und wieder sacht bewegten, als würden sie von einem Sonnenstrahl gekitzelt, es gab nichts, was sie beunruhigte. Der Wind hatte sich zwischen die Dünen zurückgezogen und ein bisschen auf’s Ohr gelegt.

 

Es lagen stürmische Tage hinter ihm. Um sich etwas Kühlung zu verschaffen flogen die paar bunt schillernden Vögel zwischen den Schatten spendenden Palmen hin und her, schlugen auch mal übermütige Kapriolen in der flirrenden Luft über dem heißen Sand. Außer ihrem gelegentlichen fröhlichen Lärmen war nur noch die träge Brandung zu hören, die so lustlos an den Strand schwappte, dass sie Tieren und Pflanzen am Ufer kaum Kühlung zufächelte. Doch niemand beschwerte sich darüber. Alle genossen diese fast reglose Ruhe der Mittagsstunde.

 

Nicht einmal die Möwe Sax schaute so grimmig wie sonst. Sie hatte am frühen Morgen schon einige Fische und die Hälfte von einem Brötchen ergattern können und strich jetzt gemütlich über den Strand dahin. Das tiefblaue Wasser behielt sie trotzdem im Auge, denn Sax konnte auch einen guten Happen vertragen, wenn sie gar keinen Hunger hatte. Galant umrundete sie die Palme am Ende des Strandes, dort wo die großen Felsbrocken begannen, glitt dann auf das Wasser hinaus, bis sich keine Welle mehr kräuselte, und begann in einem weiten Bogen langsam zum Strand zurückzufliegen.

 

Die Augen etwas zugekniffen wegen des gleißenden Lichtes, ließ sich Sax noch etwas tiefer sinken um ja nicht zu verpassen, was dort im Wasser schwimmen könnte, dachte aber auch, dass es schön wäre, die Augen ein bisschen zu schließen, den Schnabel unter einen Flügel zu stecken und von dicken Touristen in kurzen Hosen und bunten Hemden zu träumen, die ihr Reste von weichen Brötchen und süßem Gebäck direkt vor ihre Füße warfen. Sax erträumte sich – und das vor allem wegen der Abwechslung in der Ernährung – gerade einen großen Brocken gebratenes Hackfleisch aus den Händen eines kleinen Jungen als sich unter ihr wie durch eine Explosion das Wasser öffnete.

 

 Bevor Sax irgendwie reagieren konnte, schoss ein graues Ungetüm auf sie zu, und die Möwe konnte nicht einmal für sich entscheiden, ob dieses Unwesen das Maul vielleicht so weit aufgerissen haben könnte um sie, Sax, zu verschlingen, als sie mit diesem Monster, das mindestens so groß war wie eines dieser stählernen Kolosse, die einmal im Jahr vor der Küste kreuzten, zusammenstieß. Sax stieß einen krächzenden Laut aus, glaubte für einen Moment die Besinnung zu verlieren, taumelte und fiel auf das Wasser zu, als nun eine riesige Fontäne auf sie zuschoss, sie ein Stück mit in die Luft riss und dann alleine ließ, benommen und immer noch ein wenig taumelnd aber jetzt überhaupt nicht mehr schläfrig und mit weit aufgerissenen Augen.

 

Sax wurde unendlich wütend, als sie sich ein wenig von ihrem Schrecken erholt hatte. Sie wurde so wütend, dass sie auf das Wasser runterstieß, so laut schreiend und lamentierend, dass sogar der Wind in den Dünen wach wurde und die bunten Vögel zwischen den Palmen erschrocken auf’s Meer hinaus starrten. Doch dort gab es außer Sax nichts zu entdecken. Als wäre nichts geschehen, lag jetzt das Wasser träge wie zuvor. Aber nur für kurze Zeit. Dann teilte sich, jetzt etwas weiter entfernt von Sax, das Wasser erneut, wenn auch nicht mehr so heftig wie zuvor, und wieder stieg das graue Ungetüme in die Luft empor, klatschte kurz darauf zurück ins Meer.

 

Der Möwe kam es aber jetzt so vor, als sei das Monster nur noch halb so groß. He du, schrie Sax deshalb hinterher, komm‘ sofort zurück, sonst wirst du was erleben, ich hack‘ dir deine graue Schwarte zu Brei. Als das Ungeheuer zum dritten Mal auftauchte, war es schon wieder kleiner geworden. Sprang jetzt auch nicht mehr aus dem Wasser heraus sondern schwamm mit heftigen Flossenschlägen dahin, immer wieder mal kurz untertauchend. Da gab es für Sax kein Halten mehr. Pfeilschnell wie einer der von ihr so bewunderten schillernden Kolibris schoss sie dem grauen Burschen hinterher, holte ihn auch bald ein, und hätte dann vor Schreck beinahe vergessen mit den Flügeln zu schlagen.

 

(Fortsetzung folgt)

 

 

Reines Leben

Mancher erinnert sich vielleicht noch daran. Ich hatte für den Ferienmonat August angekündigt, mich über Beziehungen auszulassen. Über das Zwischenmenschliche. Und die großen Fragen, die sich damit verbinden. Und dabei soll es auch bleiben, selbst wenn heute über Wasser gesprochen wird. Denn Wasser ist für Menschen lebensnotwendig, das hat sogar schon die UNO gemerkt und 2010 das Recht auf Wasser als Menschenrecht anerkannt. Was unter anderem auch den Weltkonzern Nestlé motiviert hat, sich verstärkt dem flüssigen Nass zu widmen. Dem Konzern liegen Menschenrechte ganz offensichtlich besonders am Herzen, er sieht darin eine große Chance, viel Gutes zu tun.

Wie zum Beispiel in der US-amerikanischen Stadt Flint. Wo die Einwohner zu überhöhten Preisen mit Wasser versorgt werden, das sie nachweislich krank macht. Doch zum Glück hat sich Nestlé für eine geringe und pauschale Gebühr die Konzession besorgt, aus dem See Wasser zu pumpen, aus dem früher auch die Einwohner von Flint sauberes Wasser bekamen. Und die Fürsorge geht so weit, dass Nestlé praktischerweise das Wasser für die Einwohner gleich in Flaschen abfüllt. Wofür sie dann lediglich tausendfach mehr bezahlen müssen, als sie früher für das gleiche Wasser bezahlt haben, als es noch aus dem Wasserhahn kam. Aber dafür steht jetzt ja auch Pure Life darauf.

Originalton Nestlé: PURE  LIFE steht für qualitativ hochwertiges Mineralwasser zum attraktiven Familien-Preis… und begeistert Klein & Groß gleichermaßen durch seine ausgewogene Mineralisierung sowie seinen herrlich guten Geschmack. Weshalb sich auch sicher die Einwohner von Phoenix freuen, deren Wasserversorgung unter einer jahrzehntelangen Dürre leidet. Auch hier will sich Nestlé um die Menschenrechte kümmern und das kostbare Nass in Flaschen abfüllen, damit die Menschen nicht umständlich den Wasserhahn aufdrehen müssen. Was für diese Menschen das Menschenrecht auf Wasser zwar ziemlich verteuert. Aber immerhin gibt es dann die Luft ja immer noch umsonst.

Und Nestlé weiß noch einen guten Grund, das Wasser in der Wüste von Arizona abzufüllen. Durch die Nähe zu lokalen Abnehmern würde der Konzern nämlich seine CO2-Bilanz verbessern. Trotz ihrer trockenen Lage versorge außerdem die Stadt Phoenix ihre kommunalen Abnehmer mit sich erneuernden Wasservorräten. Womit wahrscheinlich die Möglichkeit gemeint ist, dass es eines Tages doch mal wieder richtig regnet im Staat Arizona. Und wer sich jetzt noch fragt, was das mit zwischenmenschlichen Beziehungen zu tun, der hat nichts begriffen. Ist dies doch der Beweis, dass selbst ein Weltkonzern sich fürsorglich und höchst erfolgreich um seine Beziehung zu den Menschen kümmert. Sie müssen nur Aktionäre von Nestlé sein.

Frühlingsanfang

Diese Zeit ist es, die immer wieder staunen lässt, Zuversicht ausstrahlt. Im Frühjahr könnte man glauben, dass die Welt noch in Ordnung sei. Vorbehaltlich man beschränkt den Blick auf den kleinen Vorgarten, ein Stück öffentlichen Park, der gerade mal nicht von Coffee-to-go-Bechern übersät ist, einen Waldesrand – oder auf das kleine Biotop unberührter Natur in einem abbruchreifen Haus. Wo noch wenige Tage zuvor Grau und Braun vorherrschten, haben sich jetzt helle, leuchtende Farben dazugesellt, sich die Palette um ein vielfaches erweitert. Und dann die Geräusche. Man kann sich sogar einbilden, dass der Verkehrslärm nicht mehr so dumpf daherkommt, die Schritte von Passanten heller klingen, sich einklinken wollen in das Geträller und Gepfeife all der gefiederten Burschen, die sich noch vor kurzem einem Schweigegelöbnis unterworfen hatten.

Wäre man ein pessimistischer Mensch, hätte man vorrangig eine trübe Sicht auf diese Welt und diese Menschen, so könnte man glauben, dass ein Frühling nur deshalb für dieses Gefühl sorgt, damit man den Rest des Jahres all dieses finstere Geschehen um sich herum besser erträgt, dass man leichter umgehen kann mit der schweren Last, die man sich selber auferlegt oder von anderen ungefragt auf all die Schultern und somit auch auf die eigenen verteilt wird. Und vielleicht fängt jetzt schon jemand an zu gestikulieren, zu rufen, was denn mit den herrlichen sommerlichen Sonnenaufgängen sei, mit den künstlerisch gestalteten Farben des Herbstes, der angenehm gedämpften winterlichen Stille. Und er hat Recht. Auch das hilft über die Zeit. Aber nichts gibt wohl so viel Kraft, wie das Frühjahr.

Und man sollte vielleicht nicht allzu viel und allzu laut darüber reden. Es könnte sonst sein, dass irgendein Konzern das Patent dafür anmeldet, eine Geschäftsidee daraus macht. Weshalb man dann in Zukunft ein Monats- oder Jahresabonnement für Frühlingsgefühle kaufen müsste, wenn man auch nur beabsichtigt, in die Nähe eines Gänseblümchens oder eines vorlauten Spatz zu kommen. So wie schon Wasser oder auch Pflanzen und Tiere, durchaus auch unter dem Begriff Natur zusammen zu fassen, immer mehr Besitz wird von Aktionären und Investoren. Ein Gedanke, der einem aber vielleicht nur so lange missfällt, bis man einsieht, dass Gewinn gemacht werden muss, um all die Kriege und all das Gemetzel zu finanzieren, die uns dann den Frühling als ein Geschenk des Himmels und einen Quell der Zuversicht erscheinen lassen.

Schwan ohne Wasser

Es war ein ungewohntes Bild. Zumindest für diesen Landstrich. Einer weiten Ebene aus Feldern und kaum zerteilt von zwei, drei Wegen. Und vor allem ganz ohne jegliches stehendes Gewässer, kein See und noch nicht einmal ein Teich in der Nähe. Das einzige Nass, das in dieser Gegend zu finden ist, ein nicht sehr breiter Bach, ist von dem Platz, an dem dieser Schwan jetzt gesichtet wurde, weit entfernt. Er befand sich also nicht gerade in einer sonst für Schwäne üblichen Umgebung.

Bekanntlich sind Schwäne sehr treue Tiere. Und das nicht nur bezogen auf einen Partner, dem sie mitunter sogar ein ganzes Schwanenleben lang die Treue halten, sondern vor allem auch was ihren Lebensraum betrifft. Man könnte sagen, dass Schwäne sich gerne in einem Zuhause einrichten, wird von ihnen doch zum Beispiel auch ein Nest über Jahre hinweg für Elternschaft und Nachwuchs erhalten. Und auch in der Mythologie steht der Schwan nicht nur für Schönheit und Reinheit sondern auch für Stetigkeit.

Es muss also viel passiert sein, dass dieser Schwan wahrscheinlich Frau oder Mann und Nest und gewohnte Umgebung verlassen hat. Der Schluss lag also nahe, dass ihn etwas aus seiner angestammten Heimat vertrieben hatte. Wahrscheinlich von einem kleinen See, der kilometerweit entfernt gerade zum Top-Erholungs-Gebiet mit Spaß- und Abenteuerbereich und FKK-Strand aufgerüstet wird. Verbunden natürlich mit dem Einsatz von schwerem, lärmenden Gerät und Maschinen.

Bleibt dem Schwan zu wünschen, dass die in seiner neuen Heimat ansässigen Krähen und anderen Vögel und Tiere jetzt nicht gleich nach einer Obergrenze für Schwäne schreien. Und nicht Angst geschürt wird, dass jetzt nicht mehr genug Futter für alle da sein könnte. Doch die Gefahr scheint eher gering. Sind Tiere im Umgang mit anderen Tieren zumeist eher tolerant, ignorieren sie Neuzugänge im schlimmsten Fall. Und sie standen auch noch nie unter Verdacht, die Nester anderer Tiere angezündet zu haben.