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Herbstfarben

Vielleicht liegt es einfach daran, dass Blätter gelb werden, manche schon auf der Erde liegen. Morgens mitunter Nebel wabern. Und vor allem an dem untrüglichen Indiz, dass die Straßen nicht mehr voll gekotzt sind, langsam auch die Taxis wieder nach den Duftbäumchen riechen. Und nicht nach schlecht verdauten Hähnchen und noch schlechter vertragenem Bier. Sprich, die wunderschöne Wies‘n-Zeit leider schon zu Ende ist.

Kurzum, der Herbst macht sich oft unverkennbar in den Gedanken bemerkbar. Vor kurzem habe ich anlässlich eines Ausfluges in die Natur auf der Suche nach Antworten auf die eine oder andere herbstliche Frage sogar gut eine halbe Stunde lang das Treiben in und um einen Ameisenhaufen beobachtet. Er glich verblüffend einer menschlichen Konglomeration.

Allerdings mit dem kleinen Unterschied, dass diese Ameisen durchaus soziale Wesen zu sein schienen. Auch wenn dies keine meiner Fragen beantwortete, immerhin fand ich auf der Heimfahrt keine Beweise dafür, dass sich gleiches so pauschal für Menschen sagen lässt. Doch eigentlich ist es ja auch eher die Frage nach der Vergänglichkeit des Menschen, die sich oft mit dem Herbst aufdrängt. Trotz des Wissens, dass es nach jedem Weihnachten in absehbarer Zeit einen Frühling gibt.

Und so bin ich immerhin wieder mal zu der Erkenntnis gelangt, dass die herbstliche Beschäftigung mit dieser Frage ein reiner Luxus ist, um nicht zu sagen, völlig überflüssig. Erstens, weil man sich damit das ganze Jahr über beschäftigen könnte. Und zweitens, weil man natürlich schön nach rechts und links schauen sollte, wenn man eine Autobahn überquert. Aber ansonsten in dieser Frage nicht wirklich weiter kommt, weil es eine unumstößliche Antwort gibt. Und die lautet: Ja. Weshalb ich mich entschlossen habe, mich nur noch mit den herrlichen Farben zu beschäftigen, die der Herbst präsentiert.

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Herbsttage

Die Urlaubsbräune verblasst schon so langsam. Der Widerstand, noch keine Lebkuchen und keinen Stollen zu kaufen, wird wohl bald zusammen brechen. Schließlich werden ja bereits Kataloge und die Auslagen der Geschäfte nach potentiellen Weihnachtsgeschenken durchsucht. Und jetzt hat uns auch noch der Herbst gezeigt, wie stürmisch er sein kann. Mit tödlichen Folgen und ziemlicher Verwüstung. Hat aber natürlich nichts mit Klimawandel zu tun, sondern vor allem mit der Flüchtlingspolitik von Frau Merkel. Denkt sich der Teil von Deutschlands lautstarker Minderheit, der dieses Mal wenigstens auch wählen gegangen ist. Weshalb sich die politische Arbeit momentan vor allem auf Sitzordnungen beschränkt. Aber es ist halt Vorweihnachtszeit, die „staade“ Zeit, wie man in Bayern sagt. Auch wenn es gerade mal Oktober ist. Doch die Zeit ist schließlich schnelllebiger geworden. Außerdem werden mittlerweile die Kerzen ja schon ganzjährig angezündet, zumindest dort, wo der Terror oder auch einfach nur Psychopathen ohne terroristischen Hintergrund ihre Opfer gefunden haben.

Man könnte also sagen, dass zumindest optisch das ganze Jahr über so etwas wie Weihnachtsstimmung herrscht. Und wenn dann auch noch Apple sein neuestes Smartphone präsentiert, dann klingeln die Kassen süßer als alle Glocken. Nur dass die Engelein in vielen Regionen nicht gerade von Frieden und Freud singen. Eher vergeht den Menschen dort Hören und Sehen. Weshalb Fernsehgeräte eine Fernbedienung haben. Damit der Mensch hierzulande nicht aufstehen braucht, wenn er zur Unterhaltungssendung wechselt, bevor er auch noch anfängt zu glauben, dass das gezeigte Elend vielleicht sogar echt sein könnte. Was gerade jetzt irgendwie überhaupt nicht passt. Schließlich sind ja die Spendenaktionen noch nicht angelaufen, wo wir uns vor Weihnachten alljährlich unsere Ablässe kaufen, damit es eine fröhliche Weihnacht wird.

Drei Meldungen

Gestern war der 15. September. In einem Rundfunkbeitrag wurde darauf hingewiesen, dass in 100 Tagen Weihnachten sei. Die Tatsache, dass in diversen Supermärkten vom Weihnachtsstollen über Spekulatius bis hin zu Christbaumschmuck bereits alles angeboten wird, was man für dieses Fest braucht, untermauerte dies. Eine andere Meldung betraf die Kinderarmut in Deutschland. Laut einem aktuellen Bericht der Bundesregierung leben fast 20 Prozent der Kinder  hierzulande in Armut. Tendenz leicht steigend. Und in einer dritten Meldung wurde darauf verwiesen, dass das von den UNO-Staaten angestrebte Ziel, bis 2030 den Hunger auf der Erde zu beenden, in immer weitere Ferne rückt. Derzeit steigt wieder die Zahl der Menschen, die Hunger leiden. Irgendwie passen diese drei Meldungen des gestrigen Tages zusammen.

Frohe Weihnacht

Auch wenn inzwischen vielleicht viele Menschen glauben, dass Coca Cola oder Amazon Weihnachten erfunden haben, der wahre Ursprung liegt bekanntlich im Christentum. Im Glaube, dass Christus auf die Erde gekommen wäre, als Erlöser aller Menschen und Heilsbringer. Was sicher ein guter Ansatz ist. Vorausgesetzt, dass die Menschheit, also zumindest der Teil christlichen Glaubens, sich dementsprechend verhalten hätte. Und es noch immer täte. Doch die Realität sah und sieht anders aus. Doch nachdem angeblich der Weg zur Hölle mit guten Vorsätzen gepflastert ist, wäre es doch zumindest schon einmal eine Möglichkeit, zumindest an Weihnachten darüber nachzudenken, ob es nicht endlich angebracht wäre, die Sache selber ein bisschen in die Hand zu nehmen. Schließlich sind es ja nicht nur Menschen christlichen Glaubens, die sich nicht so ganz im Sinne Christi verhalten.

Und nachdem die Hoffnung zuletzt stirbt, und es manchmal so aus dem Wald herausschallt, wie man hinein ruft, wäre es ja mal eine Überlegung, nicht zu warten bis alle anderen endlich vernünftig geworden sind. Sondern selber schon mal damit anzufangen. Denn das Schöne daran: um menschlich im Sinne Christi zu werden, muss man nicht unbedingt Christ sein. Aber man kann Vorbild sein. Und vielleicht kann ja mal die Eine oder der Andere für einen Moment die Gabel sinken lassen und darüber nachdenken, was er oder sie anders machen könnte. Und sich von mir aus anschließend einen tiefen Schluck gönnen. Hauptsache sie oder er erinnert sich noch am ersten Feiertag daran, dass sie oder er es in der Hand hat, ob sich etwas ändert auf dem Planeten. Bevor er uns um die Ohren fliegt. Frohe Weihnacht!

Gefühlsregungen

Tränen haben vor allem eine Schutzfunktion. Die ständig produzierte Tränenflüssigkeit sorgt für einen Schutzfilm, der das Auge feucht hält und Schmutzpartikel wegspült. Sie enthält Bakterien zersetzende Stoffe, die das Auge vor Infektionen schützen. Durch einen Nervenreiz, zumeist durch Gefühlsregungen ausgelöst, wird mehr Tränenflüssigkeit produziert. Der Mensch weint. Und jetzt enthält die Flüssigkeit auch schmerzlindernde Stoffe. Tränen können durchaus auch Gefühlsspannungen lösen.

Es ist also höchste Zeit, darüber nachzudenken, ob einige Ausgaben für Weihnachten nicht von den Krankengassen übernommen werden sollten, die jetzt Gesundheitskassen heißen. Insbesondere die Kosten für bestimmte Werbespots oder Beiträge in den Medien, die auf die Tränendrüse drücken. Und nachdem Tränen auch durch Wut und Enttäuschung ausgelöst werden können, beispielsweise auch für lieblose Geschenke. Dann natürlich aber nur, wenn ein entsprechender Fotobeweis erbracht wird.

Ein offener Brief

Selbst wenn ich nicht mehr vor die Haustür gehen würde, weder Fernsehen schauen noch Radio hören würde, es würde genügen, zum Briefkasten unten im Hausflur zu gehen. Und ich wüsste, dass Weihnachten vor der Tür steht. Denn es wird mir per Post mitgeteilt, dass kranke und behinderte Kinder und Erwachsene für jede Freude dankbar sind. Wäre ich von alleine nie darauf gekommen. Und natürlich wusste ich bis zu diesem Brief auch nicht, dass man mit einer Spende helfen kann, dass sie ein bisschen Freude haben.

Ich habe allerdings auch die Möglichkeit, dafür zu sorgen, dass eine andere Einrichtung weiterhin mit innovativen, pädagogischen Konzepten die Lebensläufe von Kindern und jungen Müttern in positive Bahnen lenken kann. Die zwar nicht das Geld hat, um mit großen Kampagnen an die Öffentlichkeit zu treten. Aber immerhin hat sie das Geld für einen Hochglanz-Flyer mit Fotos von Kleinkindern und Säuglingen. Und auch das Finanzamt hat die Gemeinnützigkeit und Mildtätigkeit anerkannt.

Ich kann allerdings auch Pate für einen Elefantenzahn werden. Damit ein Elefant in eine bessere Zukunft blicken kann. Ich nehme mal an, dass dies keine zahnlose Zukunft sein soll. Jedenfalls kann ich da zwischen Bronze, Silber und Gold wählen. Was die Entscheidung erleichtert. Schließlich bekomme ich bei einer silbernen oder goldenen Patenschaft einen Plüschelefanten. Und außerdem weiß ich von den Olympischen Spielen, dass eine Silbermedaille zwar auch schön ist, aber trotzdem nur bedeutet, dass ich nicht der Sieger bin. Also bleibt natürlich nur die goldene Patenschaft.

Auch wenn dann kaum noch Geld übrig bleibt, um viele Menschen in Afrika vor der Erblindung zu retten. Was mit einem Antibiotikum erreicht wird, das nur so wenig kostet, dass man mit dem Gegenwert für eine Blautanne mittlerer Größe fast drei Schulklassen behandeln kann. Eine Spende wäre völlig gefahrlos, wie mir die Institution versichert, da meine dafür erforderlichen Angaben nach dem evangelischen Datenschutzgesetz verwendet werden. Steht da wirklich so. Und hat mich sehr nachdenklich gestimmt. Wie übrigens überhaupt dieser postalische Ertrag eines einzigen Tages.

Denn, liebe gemeinnützige Einrichtungen, was sich vielleicht noch nicht rumgesprochen haben wird, ich weiß sogar den Rest des Jahres, was es an Elend und Not auf der Welt gibt. Und, das ist vielleicht noch eine Überraschung, ich bekomme im Dezember keine einmalige und höchst erkleckliche Erhöhung meiner Bezüge, die mir erlauben würde, alle mir angetragen Patenschaften anzunehmen respektive Spendenaufrufen Folge zu leisten. Außerdem finde ich Kinderfotos zwar durchaus berührend, habe aber ein eher seltsames Gefühl, wenn ich sie im Zusammenhang mit der Aufforderung sehe, zu spenden.

Auf jeden Fall werde ich alle diesbezüglichen Briefe und Broschüren sorgfältig aufbewahren. Denn immer im Dezember wird hier in der Gegend von Jugendlichen Altpapier gesammelt. Und der Erlös daraus geht an ein soziales Projekt.  In Afrika. Oder auf Haiti. Und ich spende dann wieder im Januar und Februar. Wenn ich nicht mehr das Gefühl habe, dass man mich anlässlich des Festes der Liebe und des Konsums unter Druck setzen will. Ein latent schlechtes Gewissen habe ich sowieso ganzjährig. Da halte ich diese Vorweihnachtszeit mit ihren hohen moralischen Ansprüchen an meinen Geldbeutel auch noch aus.

Goldene Lichtlein

Man ist gespalten. Wie in so vielen anderen Situationen auch. Einerseits bietet sich mehr und mehr nach Einbruch der Dunkelheit das Bild von festlich-vorweihnachtlich geschmückten und illuminierten Häusern und Gärten. Die nicht nur die Stromerzeuger und alle angegliederten und mitverdienenden Unternehmer erfreuen. Andererseits umschwirrten mich am gestrigen Nachmittag fröhlich die Mücken. Und Menschen aus der Voralpenregion berichteten absolut glaubwürdig, sie wären an eben diesem Nachmittag lange in der warmen Sonne gelegen.

Aber lassen wir mal für einen kleinen Moment den Trump in uns regieren und nicht über den Klimawandel debattieren. Dann bleibt trotzdem das seltsame Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Dass etwas fehlt. Denn wäre es eigentlich nicht die Zeit, um Plätzchen zu backen und leise Weihnachtslieder vor sich hin zu summen. Muss ja nicht gleich Last Christmas sein. Aber müsste man nicht auch schon längst Stunden am PC verbringen, um alles zu ordern, was dann die Lieben am Weihnachtsabend so glücklich und froh macht. Und stattdessen sitzt man in leichter Kleidung im Straßencafé, und weit und breit ist kein Heizpilz zu sehen.

Um mich wenigstens minimal darauf einzustimmen, dass in vier Wochen Weihnachten ist, das Fest der Liebe wieder die Kinderaugen und jene der Besitzer von Einzelhandelsgeschäften, Supermarktketten und Online-Shops leuchten lässt, habe ich dann wenigstens im Internet mal nach Christbaumschmuck gesucht. Eines der ersten Bilder, die mir präsentiert wurden, war ein Glimmer-Hakenkreuz als Weihnachtsbaumspitze. Und bevor jetzt Nachfragen kommen, es ist nicht verkäuflich sondern im Besitz eines Museums. Was mich jedenfalls auch nicht sehr weihnachtlich gestimmt hat. Zu meiner Freude habe ich dann wenigstens feststellen dürfen, dass es beim Discounter noch Grillkohle gibt.