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Banalitäten aus dem Machtzentrum

Was haben wir gebangt und gehofft. War es nicht ein bisschen wie Weihnachten? Da hat man doch auch immer das Gefühl, dass die Zeit viel zu langsam vergeht. Bis man es endlich hinter sich hat. Aber jetzt haben wir es geschafft. Sonderermittler Mueller hat seinen Bericht vorgelegt. Und wenigstens dieses eine Mal passiert genau das, was zu erwarten war. Nämlich nichts. Denn dass sich jetzt der US-Präsident auf die Brust schlägt und dabei aussieht wie ein gut geföhnter Primat, das ist ja kein Ereignis. Es ist gewöhnlichster Alltag.

Das Einzige, was diese Totgeburt – damit ist selbstverständlich der Abschlussbericht gemeint – noch zu ein bisschen Leben erwecken könnte, das wäre ein sympathischer kleiner Whistleblower. Also wenn man erfahren würde, was wirklich drin steht. Man also mehr weiß, als das, was ein Politiker, der sicher an seinem gut dotierten Posten hängt, preisgibt. Schließlich sollte kein Hund die Hand beißen, die ihn füttert. Weshalb mir auffällt, das für meine Verhältnisse auffallend viele Tiere in diesem Beitrag vorkommen. Wird wohl Zeit, dass wieder die Bienen zu Wort kommen. Deren Fortbestand ist schließlich etwas wirklich Wichtiges.

Besinnliche Tage

Bei manchen Menschen kann man es sich kaum vorstellen, dass sie noch rechtzeitig am Abend so sehr entschleunigt haben, um dann völlig relaxed und gechillt unter der Nordmann-Tanne sitzen und das besondere Flair des Weihnachtsfestes in vollen Zügen genießen zu können. Eher noch, dass sie zu voll sind, um überhaupt noch genießen zu können. Und dabei denke ich nicht nur an die Flaschen-Bataillone, die heute morgen noch aus den Supermärkten herausgeschleppt wurden. Ein bisschen was zum essen lag ja auch noch in den Einkaufswägen. Aber wer möchte sie tadeln. Einmal im Jahr kann man sich ja schließlich was gönnen.

Und außerdem hat man ja mindestens für den Jemen, wenn nicht sogar noch für Afrika gespendet. Und es gibt nicht wenige Menschen, die dafür sorgen, dass andere Menschen, die trotz Fest der Liebe und des Geburtstages irgendeines Migrantenkindes arbeiten müssen. Denn insbesondere jene, die an den Notfall-Telefonen der psychiatrischen Dienste sitzen, werden auch in diesem Jahr nicht über Vereinsamung klagen müssen. Nie sind sie so gefragt wie in diesen Stunden und Tagen der Besinnlichkeit und des himmlischen Friedens. Wofür ich allerdings auch Verständnis habe. Nichts ist verstörender, als wenn sich der Mensch auf sich besinnt.

Ein Lob dem Taschenrechner

Es ist ja noch nicht ganz rum. Aber der Handel ist sich ziemlich sicher: 2018 wird der Umsatz im Weihnachtsgeschäft die 100 Milliarden-Euro-Grenze überschreiten. Als ich das gelesen habe, da habe ich erst einmal eine Flasche Rotkäppchen gekippt. Man muss die Feste eben auch notfalls vor dem Fest feiern. Auf jeden Fall hat mich das regelrecht geflasht. Zeigt es doch einmal mehr, dass manches, zur rechten Zeit betrachtet, irgendwie anders aussieht.

Schließlich bedeutet diese frohe Botschaft doch nichts anderes, als dass jede/r Bundesbürger/in knapp einiges über 1.000 Euro für Weihnachten ausgeben konnte. Und mindestens eine oder ein Bundesbürger/in über 2.000 Euro. Denn was ich nicht ausgegeben habe, muss ja dann irgendjemand anderes ausgegeben haben. Also ist doch dieses ganze Geschwafel über die Armut in Deutschland ein einziger Fake.

Wäre es wahr, dann hätten sich ja etwa 500.000 Menschen ausgerechnet zu Weihnachten einen Porsche Cayenne mit 549 PS kaufen müssen. Dann wäre nämlich für die restlichen Bundesbürger nur so viel für Weihnachten übrig geblieben, dass Millionen Menschen wirklich richtig arm dran gewesen wären. Aber das würde in einem Land, in dem an Weihnachten soviel Solidarität mit armen, Not leidenden Menschen bewiesen wird, nie geschehen. Außerdem sind ja in Deutschland höchstwahrscheinlich nur knapp 90.000 Porsche Cayenne zugelassen worden. Das sagt doch alles.

Endzeitstimmung

Was macht man, wenn man gerade nicht das Geld hat für eine kleine Yacht? Oder wenigstens ein Segelboot. Noch nicht einmal für ein E-Bike in Leichtbauweise. Es wird immer schwieriger, für einen geliebten Menschen ein Geschenk zu finden. Wenn man nicht das nötige Kleingeld hat. Denn sie haben einfach schon alles: Smartphone, Alexa, LCD-Großbildschirm, Thermomix, und, und, und. Und sogar die Liebe bekommen sie schon seitenweise über Tinder geliefert.

Könnte man vielleicht wenigstens mit einem Einzelstück punkten, darf es natürlich nicht etwas selbst gebasteltes sein. Dann muss es unbedingt aus einer Manufaktur kommen. Was dann auch schnell unerschwinglich ist. Deshalb bin ich für Gift-Sharing. Klingt gut, und würde bedeuten, dass man sich die Geschenke mit jemandem teilt. Wäre nur noch zu regeln, wer wann was bekommt. Ist aber auch kein allzu großes Problem. Nachdem immer mehr Menschen an Weihnachten Urlaub in Dubai oder sonst wo machen.

Hoffnung

Ich gebe ja zu, dass ich manchmal durchaus etwas zur Verzweiflung neige. Ist ja auch nicht wirklich verwunderlich. Die Meeresspiegel steigen, die CDU hat schon wieder eine Parteivorsitzende, Trump lässt eine Chinesin verhaften. Weshalb die Märkte natürlich verhalten und der Dax mit leichtem Absturz reagieren. Es gibt so viel, weshalb man an der Menschheit verzweifeln könnte. Doch heute habe ich endlich wieder einmal Zuversicht geschöpft.

Wie jeder anständige Mensch, der weiß, dass das Weihnachtsgeschäft nicht nur für den Groß- und Einzelhandel, sondern für die ganze Gesellschaft von aller größter Bedeutung ist, war ich natürlich beim Shoppen. Und unter anderem in einem Supermarkt. Und als ich dort erleben respektive sehen durfte, dass es jetzt auch Adventskalender für Hunde gibt, da war ich mir ganz sicher, dass es gar nicht so schlimm steht mit der Menschheit.

Vorweihnacht

Man muss keine Supermärkte mit ihren Regalen voller Lebkuchen und Stollen aufsuchen, auch nicht durch die vorweihnachtlich geschmückten Straßen laufen. Man kann sogar getrost das Radiogerät und den Fernseher aus lassen, muss noch nicht einmal auf den Screen des Smartphones starren. Es genügt voll und ganz, nur zum Briefkasten zu gehen und die Post zu holen. So weiß jedermann und jede Frau, was für eine Zeit wir haben. Denn es stapeln sich regelrecht die Briefe von karitativen Einrichtungen, die daran erinnern, dass immer und irgendwo auf dieser Welt Menschen gibt, denen es bei weitem nicht so gut geht wie uns.

Also ist Weihnachtszeit. Und ich habe mich gefragt, warum wir Bürger helfen müssen. Und warum das die Staaten nicht stemmen können. Und bin zu dem Schluss gekommen, dass das so ist, weil sonst der Staat kein Geld mehr hätte für all die Ausgaben, die notwendig sind, um genug Elend auf der Welt zu produzieren, damit wir zur Weihnachtszeit für karitative, nicht staatliche Einrichtungen zu spenden. Und uns so wenigstens zur Vorweihnachtszeit wir richtig gute und empathische Menschen fühlen können. Würden alle Staaten hingegen aufhören, Elend zu produzieren, dann wäre sicher genug Geld da, um dafür zu sorgen, dass kein Mensch mehr Not leiden müsste. Also nicht alle Menschen. Denn wir würden Not leiden, weil wir in der Vorweihnachtszeit nichts Gutes tun und spenden könnten.