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Obsolete Beziehung

Lange war es mir ein Rätsel, was US-Präsident Trump damals im Wahlkampf meinte, als er die Nato als obsolet bezeichnete. Fremdwörter sind nicht so mein Ding. Doch dank des türkischen Präsidenten Erdogan habe ich jetzt eine dumpfe Ahnung bekommen, was damit gemeint sein könnte. Er hat nämlichen den US-Soldaten, sollten diese dem türkischen Heer bei Angriffen gegen die kurdischen Mitglieder der YPG im syrischen Manbidsch irgendwie im Wege stehen, angedroht, ihnen eine „osmanische Ohrfeige“ zu verpassen.

Nachdem nun aber die USA und die Türkei Nato-Partner sind, heißt obsolet wohl nichts anderes, als dass es in einer Beziehung so schlecht steht, dass es bei einer Auseinandersetzung auch schon mal zu einer Ohrfeige kommen kann. Und das wiederum kenne ich von unseren Nachbarn, die rechts von uns wohnen. Deren Beziehung scheint insbesondere am Wochenende sehr obsolet zu sein. Allerdings gibt es wohl auf keine Frage eine Antwort, ohne dass sich nicht eine neue Frage stellt. Zum Beispiel, was denn eine „osmanische Ohrfeige“ ist.

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Schönes Wochenende

Dem Komödiantischen wohnt ja auch immer etwas Tragisches inne. So kann man gespannt sein, welche Elemente  bei der Asien-Reise des US-amerikanischen Soap-Stars und Präsidenten überwiegen werden. Relativ gelassen kann man wohl nur seine geplante Golf-Runde mit dem japanischen Präsidenten Abe sehen. Ob Trumps Handicap wirklich bei 2.8 liegt, lässt sich wahrscheinlich auch bei dieser Gelegenheit nicht überprüfen. Bei dem Spiel mit Abe auf Trumps hauseigenen Golfplatz in Florida waren Journalisten jedenfalls in einem Raum kaserniert, in dem die Fenster mit schwarzer Folie abgeklebt waren.

Sämtliche anderen Auftritte bergen hingegen alle Möglichkeiten zwischen Pulverfass und Lachnummer. Zumeist wahrscheinlich grenzüberschreitend. Aber so zumindest ganz im Rahmen des Zeitgeistes. Der Trend ist nämlich unübersehbar. Das Groteske ist schwer in Mode. Oder wie sonst soll man das bezeichnen, wenn ein Schauspieler sich zwar nicht daran erinnert, einen 14-jährigen Jungen alkoholisiert sexuell „bedrängt“ zu haben. Dann aber so „bestürzt“ über „diese Geschichte“ ist, dass er sich entschließt, sich dafür zu entschuldigen. Und Netflix ist offensichtlich ebenso bestürzt wie Kevin Spacey. Und obwohl man rein gar nichts von sexuellen Übergriffen bei Dreharbeiten weiß, schmeißt man ihn aus der Serie „House of Cards“.

Weshalb man leider wieder einmal zugeben muss, dass unsere Politiker, Frau wie Mann, wirklich noch einiges von den Amerikanern lernen könnten. Was man derzeit in Berlin zu sehen und zu hören bekommt, hat gerade mal Rosamunde-Pilcher-Niveau. Da sind sogar manche Video-Entscheidungen bei Fußball-Bundesliga-Spielen grotesker. Aber es hat ja schon immer etwas länger gedauert, bis ein Trend aus den USA bei uns so richtig Fuß gefasst hat. Um das Ganze zu beschleunigen, wäre wohl ein Lindner als Kanzlerkandidat das Richtige. Aber bekanntlich liegt ja in der Ruhe die Kraft.   

Fluchtreflex

Manchmal ist so eine Landpartie nicht nur erbaulich wegen der guten Luft und der idyllischen Bilder. Sie kann auch zu tief gehenden Erkenntnissen bezüglich menschlicher Verhaltensweisen führen. Zum Beispiel bezüglich Radfahren. Habe ich mich doch schon immer gefragt, warum fast ausschließlich Männer mit einem so hochroten Kopf, dass man geneigt ist, vielleicht schon mal die Ambulanz anzurufen, auch noch in der größten Hitze und in einer Montur, die auch noch die letzten körperlichen Mängel herausarbeitet, durch die Lande rasen.

Auch wenn die Trikots, die sie tragen, darauf hindeuten, sie kriegen schließlich kein Geld dafür. Und nachdem Männer selten etwas umsonst tun, noch nicht einmal in der Liebe, wo ja auch die Liebeserklärung auf den Vollzug des Geschlechtsaktes hinarbeitet, lag für mich der Schluss nahe, dass dies auch beim Radfahren nicht anders ist. Und ich habe die Erklärung gefunden.

Darauf gekommen bin ich durch eine kleine Feldforschung im Bekanntenkreis, wo natürlich auch dieser Typus des Radfahrers mit Tour-de-France-Anspruch zu finden ist. Und schnell auffällig wurde, dass alle Intensiv-Radler Beziehungsprobleme hatten. Es ist offensichtlich: Sie sind quasi auf der Flucht. Sie versuchen auf dem Rad der Beziehung zu entkommen. Riskieren dafür Kreislaufkollaps und schwere Stürze. Hauptsache nicht zu Hause sein, wo die Partnerin lauert. Mit dem für einen Mann gefährlichsten aller Forderungen, die Frau in einer Beziehung stellen kann: Wir müssen reden.

 

Nazi-Methoden

Der Fußballer Lukas Podolski hat das getan, was man sich von manchem Politiker wünschen würde. Er hat aufgehört. In der Nationalmannschaft. Warum ich es gerade jetzt interessant fände, dass selbige unbedingt gegen die Türkei antreten sollte, ist schnell erklärt. Ich würde einfach zu gerne wissen, ob man mit Nazi-Methoden auch ein Fußballspiel gewinnen kann. Wahrscheinlich würden im Falle eines Sieges gewisse Leute hinterher behaupten, die deutschen Spieler hätten Zyklon-B einesetzt.

Was einer Internetseite mit dem putzigen Namen „luebeck-kunterbunt“ zu Folge allerdings kein tödliches Gas sondern ein als Entlausungsmittel eingesetztes „Insektizid“ ist. Mit dem die Nazis hätten Leben retten wollen. Was den Schluss nahelegt, dass ganz offensichtlich das Leugnen des Holocaust nicht immer strafverfolgt wird. Schließlich war diese Seite bei Google ganz weit oben bei den Treffern. Und bereits bei der Eingabe des Begriffes „Zyklon B“ hat Google freundlicherweise die Suchen „zyklon b vergasung nicht möglich“, „gaskammern lüge“ und „holocaust wissenschaftlich widerlegt“ vorgeschlagen. Ist offensichtlich alles sehr gefragt.

Und vielleicht ist es ja das, was Menschen sagen wollen, die in diesen Tagen von Nazi-Methoden sprechen. Es soll damit nicht auf die Methoden der Nazis Bezug genommen werden, Menschen zu ermorden. Das wäre ja auch zu idiotisch. Zu behaupten, dass Angela Merkel Menschen vergasen lässt. Vielmehr und höchstwahrscheinlich geht es um die bis in unsere Zeit praktizierte Methode von Nazis, zu leugnen, was Nazis verbrochen haben. Die zurzeit aber geradezu inflationär sogar von Politikern übernommen wird, die man nicht als Nazis bezeichnen sollte. Wenn man sich nicht der Strafverfolgung aussetzen möchte.

Verpasste Chancen

Es hätte so ein schöner Samstag werden können. Die Schneeflöckchen trieben durch die Luft. Es herrschte geradezu die weihnachtliche Stimmung, die man am 24. Dezember so schmerzlich vermisst hat. Dass in Burkina Faso gerade mal wieder Terroristen ein Hotel gestürmt und Touristen erschossen haben, hat die gute Laune nicht getrübt. Sind ja nach derzeitigen Erkenntnissen keine deutschen Touristen gestorben.

Auch die Ankündigung von Finanzminister Schäuble, angestrengt über eine europaweite Steuer auf Kraftstoff zur Finanzierung der Flüchtlingsströme nachzudenken, hatte nun weiß Gott nicht das Potential, der Beschaulichkeit des Tages irgendwelchen Schaden zuzufügen. Weiß man doch, dass dieses Konglomerat von Industrienationen nicht einmal in der Lage ist, bereits vereinbarte Beschlüsse in die Tat umzusetzen. Geschweige denn in einer solchen Frage überhaupt nur peripher in die Nähe einer gemeinsamen Linie zu kommen.

Es sah also alles sehr danach aus, dass dies ein wunderbares Wochenende werden würde. Einfach gemütlich. Im Kreise der Familie. Und vor allem ohne jeden Grund sich abgesehen von unverschlossenen Zahnpasta-Tuben über irgendetwas auch nur ansatzweise zu ärgern. Doch dann war alles zunichte gemacht. Ein CSU-Politiker hat die Gelegenheit genutzt, nachdem sich für Landrat Peter Dreier, wieder mit seinem Bus in Landshut zurück, niemand mehr interessiert. Und sich zur Flüchtlingsfrage geäußert.

Wochenendvergnügen

Als einst viele junge Menschen noch Hosen mit Schlag trugen, Parkas aus irgendwelchen Armeebeständen und langes Haar, sofern sie männlichen Geschlechts waren, damals gab es für die sichtbare Abgrenzung vom Muff der Talare und von der elterlichen Einrichtung im 50-er Jahre Design nur einen Weg: zum Flohmarkt. Nur was andere Menschen nicht mehr haben wollten, das war gerade gut genug für das WG-Zimmer im Altbau oder die etwas klamme Souterrainwohnung mit 14 Quadratmetern. Ergänzt vom Regal aus Orangenkisten.

Die es natürlich auch auf Flohmärkten gab. Und außerdem gebrauchte aber wieder gerade gebogene Nägel; Nachttöpfe aus Keramik; Klamotten, die nicht nur getragen waren sondern auch noch so aussahen; Stühle mit Sitzflächen aus Korbgeflecht, das dann bald einbrach; Wandspiegel mit barocken Rahmen; Geschirr mit Blümchenmuster; Stehlampen aus der Vorkriegszeit. Weshalb es in vielen WGs fast so aussah wie bei den Eltern zu Hause.

Aber es gab noch etwas anderes, was die Menschen in Heerscharen auf die Flohmärkte trieb: ein Gerücht. Irgendjemand muss nämlich mal erzählt haben, er hätte auf einem Flohmarkt ein Bild gekauft: mit einer Frau im Profil drauf und trotzdem zwei Augen und offensichtlich gebrochener Nase. Und dann hätte sich herausgestellt, dass das ein Picasso war, der dann bei Sotheby in London für 3,4 Millionen Dollar versteigert wurde.

Wer dann aber keinen Picasso fand, der konnte zumindest mit einem Plakat mit Che Guevara nach Hause gehen. Oder Bob Marley. Dass es zum Plakat mit Bob Marley kleine Tütchen dazu gab mit irgendwelchen grünen Kräutern, war allerdings auch nur ein Gerücht. Aber was haben sich die Zeiten und die Flohmärkte geändert. Picassos sucht sowieso niemand mehr. Weil viele der Besucher eh nicht mehr wissen, wer das war. Die anderen laden ihn sich aus dem Internet runter. Und Bob Marley tritt sowieso nur noch auf Ü-50 Partys in Erscheinung.

Außerdem wurden die Flohmärkte immer mehr zum Tummelplatz für findige Händler und Ein-Mann-oder-Frau-Unternehmer, die ihre Ware werkseitig vom Hersteller aus dem bevorzugt asiatischen Raum mit Patina versehen lassen. Und wer sich heute natürlich in aller Früh im vollgeladenen Kombi und mit dem klassischen Tapeziertisch auf den Weg zu einem Flohmarkt macht, dem kann es passieren, dass er am Nachmittag, nach fünf Stunden im Regen, den Kofferraum nicht mehr zukriegt. Weil nämlich gerade mal zwei CDs der Kinder verkauft wurden.

Aber dafür – um endlich mal wieder ein Klischee zu bedienen – die Gattin einen großen Jugendstil-Spiegel, zwei Hüte aus dem Fundus der Royals und der Gatte High-Speed Rollerskates für die Kinder erstanden haben. Dass sich zu Hause dann herausstellt, dass der Spiegelrahmen aus Sperrholz ist, in den Hüten ein Zettel eingenäht ist, auf dem Made in China steht, und die Rollen der Rollerskates nicht rollen, soll an dieser Stelle verschwiegen werden.

Doch eins muss auf jeden Fall noch gesagt werden: Flohmärkte sind trotzdem immer noch toll. Man trifft hier immer noch viele nette Leute wie sonst nur auf dem Recycle-Hof. Mit denen man sich dann wunderbar über Flohmärkte unterhalten kann. Zum Beispiel über jenen, wo man einmal ein Bob Marley Plakat erstanden hat, auf dessen Rückseite wirklich ein Tütchen klebte. Dass Mottenpulver drin war, muss man ja nicht sagen.