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Naturzeit

Manchmal wird man doch noch daran erinnert, dass der Mensch nicht nur rund um die Uhr mit dem World Wide Web, sondern auch und auf seltsame Weise mit der Natur verbunden ist. Spätestens, wenn wieder einmal die Zeit umgestellt wurde. Was an sich schon ein Paradox ist. Denn Zeit lässt sich nicht umstellen. Sie verrinnt kontinuierlich. Ohne Zeitsprünge. Kann nicht angehalten und auch nicht zurück gedreht und schon gar nicht vor gespult werden.

Es ist nicht nur einfach Müdigkeit, die man verspürt. Eher kommt es einem so vor, als sei nicht nur die Zeit, sondern auch noch der ganze Organismus umgestellt und damit durcheinander gebracht worden.  Und natürlich reagieren sogar Haustiere mit Unverständnis auf diesen Bruch mit den gewohnten zeitlichen Abläufen. Jetzt gibt es schließlich schon Frühstück, wenn sonst mit Nachdruck darauf gepocht wurde, dass noch Schlafenszeit wäre.

Mich würde brennend interessieren, was daran hindert, mit diesem – gelinde gesagt – Blödsinn endlich Schluss zu machen. Dass dadurch Energie gespart würde, ist hinlänglich widerlegt. Aber wenn es beruhigt, ich würde auch auf diverse Wochenendausflüge verzichten, wenn das irgendjemand glücklich macht. Wenn ich dafür nur wieder ganz einfach mit den Hühnern aufstehen und das Abendessen mit dem Gesang der Amseln einnehmen darf.

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Wer hat an der Uhr gedreht?

Es ist ja eher eine Marginalie, über die zu schreiben es sich kaum lohnen würde. Wenn da nicht einmal wieder Wissenschaftler ihre wertvolle Zeit für eine Untersuchung geopfert hätten. Um herauszufinden, dass selbst einen ganzen Monat nach einer Zeitumstellung der menschliche Bio-Rhythmus sich „nur unvollständig“ wenn nicht sogar überhaupt nicht angepasst hat. Was mich allerdings nicht wirklich überrascht. Da brauche ich mir nur vergegenwärtigen, wie ich mich heute Morgen fühle.

Denn natürlich war es wieder einmal mehr als mühsam, mich bis drei Uhr wach zu halten, damit ich die Uhren im Haus pünktlich umstellen kann, um dann wenigstens um kurz nach Zwei ins Bett zu können. Und erfahrungsgemäß brauche ich dann immer Wochen, um mich von dieser nächtlichen Tortur zu erholen. Und das alles nur, um dann heute Abend um Fünf im Dunkeln zu sitzen.

Denn würde ich dann schon Licht anmachen, dann würde das ja den erhofften Effekt des Strom Sparens endgültig zunichtemachen. 0,03 Prozent des Energieverbrauchs sollen angeblich durch die Sommerzeit eingespart werden. Die wohl allein schon dadurch aufgefressen werden, weil die Menschen für die Zeitumstellung bis drei Uhr aufbleiben müssen, also so lange Fernsehen schauen, besonders viele Lampen anmachen, um sich wach zu halten, vielleicht sogar um Mitternacht noch etwas kochen, weil sie sonst die Nacht nicht durchstehen.

Aber noch viel gravierender ist, dass die optimale Wirkung des Stresshormons Cortisol nicht mehr gegeben ist. Weil die sich nicht an der Zeitumstellung sondern schlicht am Sonnenaufgang orientiert. Was wiederum schlecht für die entzündungshemmende Wirkung des Cortisols ist, für das menschliche Immunsystem. Und so haben meine Frau und ich beschlossen, dass wir nächstes Mal, wenn hier wieder die Zeit umgestellt wird, in die Türkei fahren, falls dort gerade Wahlen sind. Dann verschiebt nämlich Erdogan sicher wieder diese Zeitumstellung, damit ihn auch alle wählen können. Und wenn wir wieder zurück kommen, ist hier schon alles über die Bühne gegangen.

Sommerzeit und Wildverbiss

Alle Jahre wieder kommt im Frühjahr nicht nur der Osterhase sondern auch die Zeitumstellung. Und wem haben wir das zu verdanken? Natürlich den Amerikanern. Als es nämlich noch gar keinen Strom aus der Steckdose gab, da hat einer ihrer Gründerväter, Benjamin Franklin, trotzdem schon ans Energie-Sparen gedacht. Weshalb die Leute morgens früher aufstehen und abends früher ins Bett gehen sollten, damit sie weniger Kerzen verbrauchen.

Aber so richtig akribisch haben natürlich erst wir Deutschen es dann betrieben. Viele werden sich wohl nicht mehr erinnern, aber bereits im Ersten Weltkrieg wurden in deutschen Landen die Uhren vorgestellt. Damit weniger Kohle verbraucht wird. Allerdings ist weder dokumentiert, ob dieser Effekt wirklich eingetreten ist, noch welcher Zusammenhang da bestehen könnte.

Was dann bei den Nationalsozialisten schon eher der Fall war. Für sie bedeutete die Umstellung auf eine Sommerzeit eine Stunde mehr an Arbeitszeit in der Rüstungsindustrie. Was unter Berücksichtigung der vorrangigen Ziele ausgesprochen plausibel erschien. Wie auch die Aversion der Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg gegen diese Regelung der Nazis verständlich ist. Auch wenn man sich aus heutiger Sicht gewünscht hätte, dass sie vielleicht die nationalsozialistische Sommerzeitregelung beibehalten und dafür weniger Nazis in Amt und Würden gelassen hätten.

Erfreulich ist hingegen, dass es bei der nächsten Einführung der Sommerzeit keines Krieges mehr bedurfte. Es reichte, dass von den Saudis der Ölhahn etwas zugedreht wurde, um wieder einmal zu glauben, dass eine Sommerzeit nicht nur Kriege gewinnen lässt sondern auch Energie spart. Dabei hätten es die Menschen damals wirklich besser wissen müssen. Nicht nur die Erfahrungen mit den beiden Weltkriegen sondern auch die Tatsache, dass jetzt ein F.D.P-Innenminister zusammen mit dem Schlager-Barden Howard Carpendale die Werbetrommel für die Einführung einer Sommerzeit rührte, hätte alle Alarmglocken schrillen lassen müssen.

Wahrscheinlich wollten die Freien Demokraten aber nur einmal über sich hinaus wachsen und nicht nur immer etwas für den Mittelstand tun. Sondern für die Automobil-Industrie. Denn durch Einführung der Sommerzeit werden nachgewiesener Maßen das Risiko und die Zahl der Wildunfälle erhöht, was natürlich wiederum den Absatz von Neuwagen befördert. Sie konnten damals ja nicht wissen, dass die deutsche Automobil-Industrie auf solche Hilfe in der Zukunft gar nicht angewiesen sein würde. Weil sie ja schließlich inzwischen China hat.

Doch es gibt wenigstens einen positiven Effekt. Durch die Wildunfälle wird natürlich auch der Bestand an Rehwild vermindert und somit der Wildverbiss an Bäumen. Die eigentlichen Nutznießer der Sommerzeit sind also die Waldbesitzer. Daran, dass dieser Blog heute etwas später erschien, war allerdings kein Wildunfall schuld. Ich hatte nur aus Versehen gestern Abend die Uhr eine Stunde zurück gestellt.