Schlagwort-Archive: Zukunft

Dienstboten 3.0

Wir gehen goldenen Zeiten entgehen. Zumindest wenn eintritt, was aktuell in Los Angeles als Zukunft verkauft wird. Und bereits mit sprachgesteuerten Lautsprechern wie Alexa oder Google Home und anderen in einer vielversprechenden Erprobungsphase ist. Weshalb ihr Wirkungskreis noch weiter ausgebaut werden soll.

Kann man jetzt durch Ansage diese Apparate dazu bringen, Bestellungen aufzunehmen und in die Wege zu leiten, Einkaufslisten zu führen oder Kaffeemaschinen anzuschmeißen, so sollen sie in Zukunft quasi alle Aufgaben übernehmen, die im häuslichen Bereich für sie anfallen. Mit der Option, dass sie irgendwann kaum noch Befehle brauchen, sondern selbständig die Einkäufe erledigen und Tagesabläufe managen.

Einmal davon abgesehen, dass ich eigentlich stolz darauf bin, dass ich selbstständig eine Tür öffnen kann, was zum Beispiel einer Küchenschabe nicht so leicht gelingt, ist ein Aspekt natürlich mit einer gewissen Besorgnis zu sehen. Bei mir auch ausgelöst von einer Meldung, die gleich im Anschluss an den Beitrag über die Zukunftsmesse in Los Angeles kam.

Dass nämlich zum Beispiel in unserer Bundesrepublik annähernd 50 Prozent aller Frauen Übergewicht hätten, bei den Männern sogar zwei Drittel. Und da habe ich versucht, mir vorzustellen, wie sich das wohl auf das Gewicht der Menschen auswirken wird, wenn sie in Zukunft nur noch auf der Couch sitzen und Alexa und Konsorten Befehle erteilen. Essen würden sie allerdings noch selber. Das könnte Folgen haben. 

Advertisements

Zukunftsraum

Man kann von diesen Laptop-Trachtlern im Süden unserer Republik halten, was man will. Aber mit Fortschritt und Wachstum kennen sie sich aus. Weshalb heute der Bayerische Landtag dank der CSU-Mehrheit die Novelle eines Gesetzes verabschiedet hat, das ursprünglich einmal dazu gedacht war, den Alpenraum vor Zerstörung zu schützen. Aber wie die CSU und allen voran ihr Heimat- und Finanzminister Markus Söder ganz richtig erkannt hat, ist der ländliche Raum „kein Museum, sondern der ländliche Raum ist Zukunftsraum“.

Und so kann jetzt nicht nur in der höchsten Alpen-Schutzzone ein riesiges Skigebiet entstehen, das sicher tausende Arbeitsplätze schafft. Auch die Regulierungen für Gewerbegebiete außerhalb bestehender Siedlungen wurden bei der Gelegenheit gelockert. Es kann also nicht mehr allzu lange dauern, bis man auf den Brettern direkt von den Skipisten zu Einkaufszentren oder Baumärkten fahren kann. Shoppen und Skifahren, das ist die Zukunft des Alpenraums. Da sind nicht einmal die Österreicher darauf gekommen.

Kinderhasser

Das verstehe doch wer will. Oder wer kann. Jedenfalls tun das doch die allermeisten Eltern. Sie umsorgen und umhegen ihren Nachwuchs. Passen auf, dass er groß und stark wird. Krankheiten gut übersteht. Glücklich ist. Wir rennen hinter unseren Kindern her, wenn sie Fahrrad fahren lernen. Damit wir zur Stelle sind, wenn sie drohen hin zu fallen. Irgendwann stehen wir nachts vor einer Disco. Damit das Kind heil nach Hause kommt. Denn wir wollen unsere Kinder doch am liebsten vor allen Gefahren bewahren, sie beschützen. Obwohl wir wissen, dass es nicht immer möglich ist.

Und trotzdem tun wir alles, um ihnen zu schaden. Man könnte vielleicht sogar sagen, dass wir, wenn es ganz schlecht läuft, verantwortlich sein werden für ihren viel zu frühen Tod. Weil wir nämlich ohne mit der Wimper zu zucken in unseren viel zu schweren und zu großen Autos viel zu viel durch die Gegend fahren. Mit einem Schulterzucken darüber hinweggehen, dass Strom aus dreckiger Kohle dafür sorgt, dass wir uns mit lustigen Filmen oder der Sportschau die Zeit vertreiben können. Wenn wir nicht gerade zum Schnäppchen-Preis irgendwo hin fliegen.

Wir haben auch kein Problem mit all dem Fleisch und den leckeren Wurstwaren auf unseren Tellern. Schließlich haben wir ja die Kampagnen gegen Glyphosat und für artgerechte Tierhaltung im Internet geliked. Und außerdem wählen wir ja sowieso Politiker, die unheimlich viel vom Klimaschutz reden. Auch wenn sie dann alles dafür tun, dass es weder dem Automobil noch der Braunkohle geschweige denn der Massentierhaltung an den Kragen geht. Notfalls werden lieber Bestimmungen der EU durch „Geschenke“ und Erpressung verhindert.

Nachdem wir alles getan haben, dass unsere Kinder groß geworden sind, tun wir nichts um zu verhindern, dass sie eine ungewisse Zukunft haben. Sehen wir seelenruhig zu, wie ihr Leben mit immer mehr Risiken und Nebenwirkungen erschwert wird. Bei denen es auch nichts hilft, wenn sie einen Arzt oder Apotheker befragen. Weshalb man sich durchaus fragen kann, woher denn auf einmal diese Gleichgültigkeit kommt. Lieben wir unsere Kinder in Wirklichkeit gar nicht? Umsorgen wir sie nur so lange, bis wir keine Probleme mehr mit dem Gesetz bekommen? Sind wir in Wahrheit Kinderhasser?

Schöne Aussichten

Es lässt ein zwiespältiges Gefühl zurück. Schaut man sich einmal an, wer momentan so alles mit Schaudern in die Zukunft blickt, auf Klimakatastrophe, den Zerfall der EU, globalen Protektionismus, Flüchtlingsströme und Kriegsszenarien, die sich vielleicht sogar bis auf unsere Insel des Friedens, genannt Europa, ausweiten könnten, dann muss man feststellen, dass dies nicht nur zumeist Menschen im fortgeschritten Alter sind, sondern nicht selten auch noch jene, die daran auch durchaus mitgewirkt haben, dass man überhaupt auf solche Zukunftsszenarien kommen kann.

Ein verdammt langer Satz, zugegeben. Aber es ist ja auch eine verdammt lange Zeit gewesen, in der daran geradezu akribisch gearbeitet wurde, dass wir heute an einem Punkt angelangt sind, an dem wir jetzt ganz überrascht feststellen, dass wir ja eigentlich gar nicht dahin wollten. Aber so ist nun einmal das Leben. Da hattest du eigentlich vor, Rockstar zu werden. Und bist ganz überraschend bei einer Spedition an einem Schreibtisch gelandet.

Und dass diese Generation die Entwicklung trotzdem so gelassen hinnimmt, im Großen und Ganzen die Ruhe bewahrt, würde einen dann ja durchaus noch versöhnlich stimmen. Wenn nicht der leise Verdacht wäre, dass dies nicht der Besonnenheit des Alters zu verdanken ist. Es scheint mir vielmehr ein nie ausgesprochener und vor sich selbst verheimlichter Gedanke zu sein. Dass es nämlich wohl die paar Jahre, die einem noch bleiben, schon noch gut gehen wird.

So lässt sich auch verstehen, dass gerade die Generation, die tatkräftig für diese Zukunft gearbeitet hat, weil sie ja auch an den Schalthebeln sitzt, nicht im Entferntesten irgendwelche großartigen Absichten erkennen lässt, Konsequenzen aus den eher desolaten Aussichten zu ziehen. Mahnungen, doch mal an die Menschen zu denken, die das ganze Leben und die damit verbundenen Szenarien noch vor sich haben, fallen offensichtlich auf wenig fruchtbaren Boden, wenn man nur noch überschaubare Lebensjahre vor sich hat.

Chaos

Vielleicht liegt es ja daran, dass Journalisten und Autoren besonders sensibel sein können. Ihr Umfeld mit speziellen Sensoren abtasten. Ja, unter Umständen sogar etwas ängstlicher auf das Geschehen sehen. Weshalb es dann zu solchen Sätzen kommt: „Ich hatte das Gefühl, mich nicht mehr auszukennen. Bei all dem Chaos, das in der Welt um uns herum entstanden ist, mir meinem eigenen Pessimismus weglaufen zu müssen.“ Natürlich kann ich den ersten Satz sofort unterschreiben. Vorausgesetzt, das Wort „mehr“ wurde gestrichen. Denn es impliziert, dass es eine Zeit gegeben hätte, zu der sich der Urheber der Zeilen ausgekannt hat.

Was ich persönlich noch nicht einmal von dem einen oder anderen Schrank in meinem Haushalt behaupten würde. Geschweige denn generell. Und das gilt für die Vergangenheit ebenso wie für Gegenwart und Zukunft. Und was das Chaos betrifft, da muss mir aber komplett etwas entgangen sein. Denn ich kann weit und breit kein Chaos sehen, das um uns herum entstanden ist. Ich weiß nur von einem Chaos, das schon immer da war. Natürlich nicht aus eigener Anschauung. Aber ein Blick auf die Menschheitsgeschichte genügt. Insbesondere, wenn man sich mal ausnahmsweise in Erinnerung ruft, dass im Lateinischen Chaos auch für Schöpfung steht.

Und das wiederum könnte auf den Gedanken bringen, dass nie daran gedacht war, alles schön ordentlich und überschaubar anzulegen. Im Gegenteil. Erst durch das Chaos, das im Griechischen auch Aufbruch bedeuten soll, ist das möglich geworden, was ist. Was wir unsere Erde nennen. Obwohl sie uns natürlich nicht gehört. Aber da sind wir dem Problem schon etwas näher gekommen. Der Mensch muss sich halt immer geistige Korsetts anlegen, um nicht umzukippen. Es muss in dein und mein unterschieden werden. Alles muss zuordenbar sein. Hier die Guten. Dort die Bösen. Etwas muss falsch sein, damit man weiß, was richtig ist. Alles andere hält ein Mensch offensichtlich auf Dauer nicht aus. Denn das Chaos ist etwas Natürliches. Der Mensch ist durch Gedankenkraft zu einem artifiziellen Wesen geworden.

Rechtes Einmaleins

Wer „A“ sagt, kann auch mal „B“ sagen. „AH“ hatten wir schon. Wird jetzt vielleicht „BH“ seinen Kampf schreiben? Nach der Dresdener Rede Mitte Januar kann man vermuten, dass es Björn Höcke nicht an der nötigen Einstellung fehlen würde. Und Zeit könnte er demnächst auch haben. Denn schließlich ist der AfD-Fraktionsvorsitzende im Thüringer Landtag  Oberstudienrat. Zwar beurlaubt aber für das Fach Geschichte. Was einer gewissen Ironie nicht entbehrt. Zumal er gerne mal davon spricht, dass man in Deutschland eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“ brauche. Und für den Fall, dass es zu einem „endgültigen Sieg“ der AfD kommt, schon mal eine „tausendjährige Zukunft“ vor Augen hat.

Und fast möchte man sie diesem Björn Höcke wünschen, der Dresden als eigentliche Hauptstadt Deutschlands sieht und offensichtlich und wie bereits ausführlich thematisiert zum Holocaust-Mahnmal in Berlin ein eher kritisches Verhältnis hat. Denn er sagte in Dresden auch: „Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“

Weshalb es vielleicht besser wäre, wenn er im Landtag bliebe. Denn sonst würde er an die Schultafel zurückkehren und wohl den Klassen seine Sicht der Dinge darlegen. Laut Beamtenrecht kann man ihm das nicht so einfach verbieten. Was es verhindern könnte, das wäre eine Verurteilung wegen Volksverhetzung. Dass nicht sein Dienstherr, der hessische CDU-Kultusminister, Anzeige erstattet hat, sondern Politiker der Linken, hat da sicher keine Bedeutung. Eltern in Bad Sooden-Allendorf sei jedenfalls schon einmal die Lektüre der kommentierten Ausgabe von AH’s „Kampf“ anempfohlen.

Ein offener Brief

Selbst wenn ich nicht mehr vor die Haustür gehen würde, weder Fernsehen schauen noch Radio hören würde, es würde genügen, zum Briefkasten unten im Hausflur zu gehen. Und ich wüsste, dass Weihnachten vor der Tür steht. Denn es wird mir per Post mitgeteilt, dass kranke und behinderte Kinder und Erwachsene für jede Freude dankbar sind. Wäre ich von alleine nie darauf gekommen. Und natürlich wusste ich bis zu diesem Brief auch nicht, dass man mit einer Spende helfen kann, dass sie ein bisschen Freude haben.

Ich habe allerdings auch die Möglichkeit, dafür zu sorgen, dass eine andere Einrichtung weiterhin mit innovativen, pädagogischen Konzepten die Lebensläufe von Kindern und jungen Müttern in positive Bahnen lenken kann. Die zwar nicht das Geld hat, um mit großen Kampagnen an die Öffentlichkeit zu treten. Aber immerhin hat sie das Geld für einen Hochglanz-Flyer mit Fotos von Kleinkindern und Säuglingen. Und auch das Finanzamt hat die Gemeinnützigkeit und Mildtätigkeit anerkannt.

Ich kann allerdings auch Pate für einen Elefantenzahn werden. Damit ein Elefant in eine bessere Zukunft blicken kann. Ich nehme mal an, dass dies keine zahnlose Zukunft sein soll. Jedenfalls kann ich da zwischen Bronze, Silber und Gold wählen. Was die Entscheidung erleichtert. Schließlich bekomme ich bei einer silbernen oder goldenen Patenschaft einen Plüschelefanten. Und außerdem weiß ich von den Olympischen Spielen, dass eine Silbermedaille zwar auch schön ist, aber trotzdem nur bedeutet, dass ich nicht der Sieger bin. Also bleibt natürlich nur die goldene Patenschaft.

Auch wenn dann kaum noch Geld übrig bleibt, um viele Menschen in Afrika vor der Erblindung zu retten. Was mit einem Antibiotikum erreicht wird, das nur so wenig kostet, dass man mit dem Gegenwert für eine Blautanne mittlerer Größe fast drei Schulklassen behandeln kann. Eine Spende wäre völlig gefahrlos, wie mir die Institution versichert, da meine dafür erforderlichen Angaben nach dem evangelischen Datenschutzgesetz verwendet werden. Steht da wirklich so. Und hat mich sehr nachdenklich gestimmt. Wie übrigens überhaupt dieser postalische Ertrag eines einzigen Tages.

Denn, liebe gemeinnützige Einrichtungen, was sich vielleicht noch nicht rumgesprochen haben wird, ich weiß sogar den Rest des Jahres, was es an Elend und Not auf der Welt gibt. Und, das ist vielleicht noch eine Überraschung, ich bekomme im Dezember keine einmalige und höchst erkleckliche Erhöhung meiner Bezüge, die mir erlauben würde, alle mir angetragen Patenschaften anzunehmen respektive Spendenaufrufen Folge zu leisten. Außerdem finde ich Kinderfotos zwar durchaus berührend, habe aber ein eher seltsames Gefühl, wenn ich sie im Zusammenhang mit der Aufforderung sehe, zu spenden.

Auf jeden Fall werde ich alle diesbezüglichen Briefe und Broschüren sorgfältig aufbewahren. Denn immer im Dezember wird hier in der Gegend von Jugendlichen Altpapier gesammelt. Und der Erlös daraus geht an ein soziales Projekt.  In Afrika. Oder auf Haiti. Und ich spende dann wieder im Januar und Februar. Wenn ich nicht mehr das Gefühl habe, dass man mich anlässlich des Festes der Liebe und des Konsums unter Druck setzen will. Ein latent schlechtes Gewissen habe ich sowieso ganzjährig. Da halte ich diese Vorweihnachtszeit mit ihren hohen moralischen Ansprüchen an meinen Geldbeutel auch noch aus.